Mittwoch 31. August 2016: Ein Traum in Blau; die Lagune von Cocos Keeling


Unser Ankerplatz in der türkis blauen Lagune zwischen Direction und Home Island.  




Wer diesen Sommer noch keinen Urlaub hatte, hier ist noch Platz am Strand. Die Erreichbarkeit ist gegeben, gibt es auf West Island einen internationalen Flughafen. 

Die Geschichte von Cocos Keeling ist schnell erzählt. 1609 wurde das aus 5 grösseren Inseln bestehende unbewohnte Atoll durch den englischen Kapitän William Keeling im Sold der East India Company entdeckt. Seinen Namen erhielt es 1805 durch den englischen Kartograph James Horsburgh, dessen Namen in der nördlichsten Insel verewigt ist.

Die ersten Bewohner waren 1825 unfreiwilliger Weise die Besatzung der französischen Brig Mauritius, die auf der Nordseite von Direction Island strandete. Nach mehreren Monaten wurde die Mannschaft gerettet. Kurz danach landete der schottische Händler und Kapitän John Clunies-Ross, bohrte Brunnen und pflanzte Kokospalmen. Zur Bewirtschaftung der Plantagen wurden malaiische, chinesische und indische Arbeiter angeworben. Ihre Nachfahren leben heute auf Home Island. Die gewerbsmässige Copra-Produktion wurde 1987 eingestellt. 1984 entschieden sich die Bewohner der Insel zur Zugehörigkeit zu Australien.

Von 1901 bis 1960 war die Insel ein wichtiger Knotenpunkt von Untersee-Telefonkabeln. Anfänglich lebten 28 Menschen zum Betrieb der Station auf Direction Island. Über die Jahre entstand daraus eine kleine Ortschaft, von der heute leider keine Spuren mehr vorhanden sind. Die spannenden Geschichten rund um die Telefonstation sind entlang eines Wegs um die Insel auf Hinweistafeln erklärt. 

Die Überreste der Kopra-Zeit haben hingegen gut überlebt. Für uns und die anderen Segler (es sind insgesamt 6 Boote hier) ein Selbstbedienungsladen. 

  
Nach der erfrischenden Kokosmilch geht es mit der Säge weiter. Ein paar Züge mit der Japan-Säge und die zwei Hälften sind getrennt.







Dienstag 30. August 2016: Landfall in Cocos Keeling


Unser Ankerplatz für die nächsten Tage vor Direction Island im Norden des Atolls.

Der Wind hat uns nicht im Stich gelassen. Die letzten 12 Nachtstunden von Montag auf Dienstag erreichten wir sozusagen im Schlaf 98 Seemeilen. Um 11 Uhr Morgen fiel unser Anker in der äusseren Lagune, Port Refuge. Schon von Weitem, die Palmen weit überragend, sahen wir, dass wir dort nicht allein liegen werden. 


Dieses Schiff sucht seine Bestimmung hier vergebens. Ein Eisbrecher auf 12° südlicher Breite. Kaum war unser Anker gefallen, erhielten wir schon Besuch vom Eisbrecher. Australian Boarder Force kontrolliert uns. Wie sie uns sagten nur zu ihrer Übung, denn die Behörden von Australian Federal Police, die wir auf Kanal 20 schon angerufen hatten, werden auch noch kommen. 

Normalerweise bewegt sich der Eisbrecher Ocean Shield in der Antarktis. In den südlichen Wintermonaten geht es auf Patrouille gegen den Flüchtlingsstrom, wie uns die Beamten erzählten. Antarktis gegen Atoll; ein guter Tausch.  Auf dem Heck des Eisbrechers steht eines von ihnen konfiszierten Fischerbooten, welche wir schon im Ashmore Reef gesehen haben. 

Der grau grüne Punkt links im Bild vor der roten Fahrwassertonne ist der Skipper auf der Erkundung der Einfahrt zur inneren Lagune vor Direction Island. Der Polizei-Beamte sagte uns, dass wir bei unserem Tiefgang besser den Höchststand der Tide abwarten sollten. Leider haben sie heute um 1600 keine Zeit, eben bei höchstem Wasserstand, uns in die Lagune zu begleiten. Daher meine Exkursion mit dem Dingi. 

Um 1600 machten wir uns auf den Weg für die letzte Meile. Die geringste Tiefe, die wir beobachteten war 3.8 Meter, bevor es mit 7 Meter an unserem Ankerplatz in der inneren Lagune wieder gemütlicher wurde. Bei NOE's Tiefgang von 2.8 Meter doch ein etwas heikles Geschäft. 


Montag 29. August 2016: Noch 142 Seemeilen bis Cocos Keeling

Heute um 1800 war unsere Position 12°11.1’S, 99°17.8’E, also 142 Seemeilen östlich von Cocos Keeling.

Anders als geplant sind wir schon seit Freitagabend um 21 Uhr von Christmas Island nach Cocos Keeling unterwegs. Zwischen den Alternativen in die stockdunkle, bedeckte Neumondnacht hinein zu segeln oder eine Nacht an der Mooring-Boje zu verbringen, die unablässig gegen den Bug schlug, haben wir uns für das erste Variante entschieden. Wir vermuten, dass Wind und Strömung so ungeschickt lagen, dass NOE immer wieder gegen die Boje gedrückt wurde und nicht wie normal ruhig im Wind zu liegen.

Kurz vor dem Ablegen haben wir uns den neuesten Wetterbericht besorgt, der etwas mehr Wind als der Bericht des Vortags versprach. Der Wind sollte dabei in den nächsten drei Tagen von Ost über Nord nach West drehen, bis sich wieder der Südost-Passat durchsetzt. Nicht so günstig, da wir nach Westen wollen. Weniger die Windrichtung als die vielen Regenschauer machten das Segeln etwas anstrengend. Regenschauer sind wie Wundertüten; man weiss nicht, was darin steckt. Damit vor allem nachts die Überraschungen nicht so stark ausfallen, waren wir nur mit der Genua unterwegs. Ein Schauer kam mit einer Böe von 7 Beaufort daher, war aber nach wenigen Minuten schon wieder vorbei.

Die Drehung des Windes kam wie vorhergesagt, was uns zunehmend bei einem frischen Wind mit 6 Beaufort und bewegter See zu einem südwestlichen Kurs zwang. Heute Morgen waren wir 50 Seemeilen südlich der direkten Kurslinie und schon etwas südlicher als die Breite von Cocos Keeling. Etwas früher als erwartet und ohne eine Flaute dazwischen, sprang der Wind heute Morgen auf Süd. Die Regenschauer haben aufgehört und wir segeln nun mit voller Besegelung mit 7 bis 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit durch die Nacht. Hält das so, sind wir morgen Nachmittag an unserem Ziel in der Lagune von Cocos Keeling.

Freitag 26. August 2016: Über 50'000 Besuche auf unserem Blog


Seit fast 2 Jahren sind wir nun unterwegs. Gestern war der 50'000. Besucher auf unserem Blog. Vielen herzlichen Dank für das grosse und lebhafte Interesse an unserer Reise. Neben den vielen Besuchen auf der Page freuen uns auch die vielen Kommentare.

Morgen früh brechen wir zu unserem nächsten Ziel auf. 530 Seemeilen mit Kurs 260° liegen bis zum Atoll Cocos Keeling vor uns. Wie Christmas Island gehört es zu Australien. 

Der vorhergesagte Wind ist zum Teil schwach, womit wir nicht mit einer schnellen Passage rechnen dürfen. Am Montag werden wir uns mit einem kurzen Bericht melden, dann können wir abschätzen, wann wir in etwa ankommen sollten. 

Donnerstag 25. August 2016: Christmas Island, Insel der Krabben


Schon die Nummernschilder der Autos zeigen es. Christmas Island ist die Insel der Krabben. Über 10 Millionen der roten Krabben sollen es sein und sie kommen auch nur hier vor. 


Sie sind auf der gesamten Insel zu finden, deren Fläche zu 2/3 ein Nationalpark ist. 


Überzogen von dichtem Regenwald ist die Insel nicht nur Heimat der roten Krabben sondern auch der ebenso endemischen Art der blauen Krabbe. Die Küste der Insel ist meist ein 20 Meter hohe Klippe aus Kalkgestein. Badetouristen kommen hier nicht auf ihre Kosten. 


Einmal im Jahr, gegen Ende Oktober, Anfang November wandern Millionen von Krabben zur Paarung und Eiablage zum Meer.  


Strassensperren sind dann an der Tagesordnung, damit dieses weltweit einmalige Spektakel nicht gestört wird. 


Palmendiebe, die grösste Art der Landkrebse, kommen auf den Inseln des südlichen Pazifiks und in Ländern entlang des Indischen Ozeans vor. Die grösste Population lebt wegen des strengen Schutzes auf CI. Der einzige Feind ist der Mensch, beziehungsweise der Autofahrer. 


Hier ist Vorsicht geboten. Die Scheren, der bis zu 40 Zentimeter grossen Tiere, sind so stark, dass sie die Panzer anderer Krabben knacken. Auch sollte man sich davor hüten, einen Finger in die Scheren zu bekommen. 

Die Krabben und geschätzte 80'000 Seevögel (Fregattvögel, Tölpel, Tropik-Vögel) hätten die Insel wohl heute noch für sich alleine, wenn nicht phosphathaltiges Gestein viele Teile der Insel bedecken würde. Der Abbau beschäftigt heute weniger als 200 Menschen mit abnehmender Tendenz. Tourismus und ein Auffanglager für Bootsflüchtlinge sind die weiteren Arbeitgeber. 



Unser Bojen-Platz in der Flying Fish Cove, der einzigen geschützten Bucht der Insel und der einzige einfach zugängliche Strand. Mit Blick auf den Phosphat-Terminal nicht besonders idyllisch aber mit sehr kurzer Distanz zum Dingi-Anleger. 


Und der Blick in die andere Richtung ist ganz ok.


Die Bevölkerung der Insel ist ein Gemisch aus Chinesen, Malaien und Australiern. Am Morgen werden wir vom Gesang des Muezzins geweckt, der die islamistischen Malaien zum Gebet ruft. Bei der Fahrt über die Insel geht es an den farbenprächtigen buddhistischen Tempeln mit ihren Gebetsfahnen der chinesisch stämmigen Einwohner vorbei. 

   



Mittwoch 23. August 2016: Landfall auf Christmas Island und Bilder der letzten 2 Wochen

Genau 6 Tage und 1025 Seemeilen nach dem Start im Ashmore Reef haben wir heute Morgen an einer Boje in der Flying Fish Cove auf Christmas Island festgemacht. Bis auf den manchmal etwas starken Schwell ein schöne Passage mit guten Etmalen und bestem Wetter. 


Zu verdanken haben wir die schnelle Passage vor allem diesem Segel. Unserem 180 Quadratmeter grossen Gennacker, den wir über weite Strecken als einziges Segel gefahren haben. Für Fotofreunde, die Aufnahme ist mit einem 18mm Weitwinkel-Objektiv gemacht. 


Da die Bedingungen so gut waren, sind wir auch 2 Nächte unter Gennacker gesegelt und konnte dabei schlafen. Zumindest 2 Stunden am Stück. Dann Aufstehen für eine kurze Kontrolle und weiterschlafen. 

Und hier noch ein paar Bilder vom Ashmoore Reef und unserer Fahrt dorthin. 


Sie begleiten uns immer wieder. Oft auch bei Nacht, wo wir nur ihr Atmen hören und den fluoreszierenden Schweif sehen, den sie im Wasser hinterlassen.


Hier muss ein ausgedehntes Riff mit einer Lagune sein. Das türkis blaue Wasser spiegelt sich an der Unterseite der Wolken. 


Keine Luftaufnahme sondern von der Mastspitze aus an unserem Ankerplatz vor der West-Insel des Ashmore Reefs in der inneren Lagune fotografiert. Genaugenommen ist es kein Ankerplatz, sondern ein Bojen-Platz. Wir waren die einzige Yacht im Riff neben 4 Fischerbooten, die die australischen Behörden hier an die Kette gelegt haben, da ihre Kapitäne illegal gefischt haben. 


Die Bojen sind geschickt zwischen den Untiefen verteilt. Es braucht ein bisschen Nerven hier umher zu fahren. Zumindest wenn der Park-Ranger nicht anwesend ist um den Weg zu weisen und wenn man das erste mal hier ist. 


Die freundlichen Herren, die mit ihrem grauen Boot in der äusseren Lagune auf Bootsflüchtlinge warten, hätten uns im Fall der Fälle sicher geholfen. 


Darauf gab es eine kräftigen Schluck neuseeländischer Provenienz. 


Die Skipperin staunt nicht schlecht. Das war nicht der Schaufelradbagger des Rangers, sondern die Spur einer Schildkröte zur Eiablage während der letzten Nacht. 


Das Ashmore Reef ist nicht nur ein Schutzgebiet für Meeresschildkröten sondern auch für viele Vogelarten wie dieser Tropik-Vogel, der sich gestört fühlt und sein Gelege verteidigt. 


Der neugierige Tölpel mustert mich. Sooft finden sich keine Menschen an seinem Strand. 


Das erste Bild von Christmas Island. Die Mooring-Bojen liegen direkt an der Riffkante auf etwa 8 Meter Tiefe mit herrlich klarem Wasser. Da sind wieder gleich mit Taucherbrille, Schnorchel und Unterwasserkamera ins Wasser gesprungen. 

Die nächsten Tage gibt es weitere Bilder von Christmas Island. Auch von oberhalb der Wasseroberfläche. 


Passage Ashmore Reef – Christmas Island

Montag 22. August: Tag 5

Auch ohne Gennacker geht es gut voran. In der letzten Nacht haben wir bei auffrischendem Wind und geschoben von einem Knoten Strom 100 Seemeilen in 12 Stunden auf unser Ziel gutgemacht. Ein 200 Seemeilen Etmal wurde es leider nicht, da der Wind tagsüber wieder etwas schwächer wurde.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 10°37.5’S, 107°37.0‘E. Mit dem heutigen Etmal von 190 Seemeilen verbleibt bis Christmas Island eine Strecke von 116 Meilen. Wir rechnen damit, dass wir morgen früh ankommen.

Christmas Island wurde durch den britischen Kapitän William Mynors benannt, der die Insel am 25. Dezember 1643 sichtet. Niemand hatte starkes Interesse an der unbewohnten Insel bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts reiche Phosphat-Vorkommen entdeckt wurden. Ein paar Jahre später begann der kommerzielle Abbau, auf der zu Australien gehörenden Inseln.

Die Bevölkerung der 20 Kilometer grossen Insel vulkanischen Ursprungs besteht zum wesentlichen Teil aus Chinesen und Malaien, die als Arbeitskräfte auf die Insel geholt wurden. Da die Phosphat-Vorkommen endlich sind und der Höhepunkt der Förderung längst überschritten ist, wird mit Tourismus versucht dem absehbaren Niedergang der Inselwirtschaft entgegen zu wirken. Das besondere an der Insel ist die bei Vollmond im November stattfindende Wanderung von Millionen von Kokosnuss-Krabben an die Strände zu Eiablage. Die Insel beherbergt die weltweit grösste Population dieser Landkrabben, da sie hier streng geschützt sind. Dieses Schauspiel werden wir nicht sehen, aber wir sind gespannt, was es sonst auf der kleinen Insel zu sehen gibt.

Wenn sich schon kein Geld mit Phosphat mehr verdienen lässt, hat sich die australische Regierung die Insel als Lösung für ihr Migrationsproblem auserkoren. Im südlichen Teil der Insel liegt ein grosses Lager für Migranten und Bootsflüchtlinge. Die Meinungen in der australischen Öffentlichkeit gehen weit auseinander, ob dies die richtige Vorgehensweise ist.
 

Sonntag 21. August: Tag 4

Die letzten 28 Stunden segelten wir unter Gennacker und legten dabei 210 Seemeilen zurück. Wir können uns nicht erinnern, so lange und so weit schon einmal so unterwegs gewesen zu sein. Um 16 Uhr heute Nachmittag haben wir den Spass beendet. Da sich dunkle Wolken vor uns bildeten und der Wind stärker wurde, haben wir mit dem Austausch unserer Segel-Garderobe Vorsicht walten lassen. Jetzt geht es unter doppelt gerefften Grosssegel und Genua in die Nacht hinein. Nicht mehr ganz so schnell wie mit dem Gennacker, jedoch bei 15 - 18 Knoten Wind mit einem deutlich besseren Gefühl.

Seit dem Verlassen des Ashmore Reefs sehen wir grosse, weisse Bojen, die eindeutig Fischern gehören. Offensichtlich treiben sie, da die Wassertiefen zwischen 2000 und 7000 Metern liegen. Nachts sind sie unbeleuchtet und wir fragen uns, wie viele wir knapp nicht gerammt haben. Einzig die dazugehörenden Fischerboote fehlten uns. Letzte Nacht sahen wir einige Lichter und heute während des Tages schmale, offene etwa 10 Meter lange Boote, die in der Dünung schaukelten. Immer mindestens 2 zusammen, was wohl die Lebensversicherung ist, fällt auf einem Boot der Motor aus. Richtig hochseetauglich erschienen uns die Boote beim Blick durch das Fernglas nicht. Erstaunlich, dass die Fischer mit diesen Booten 175 Seemeilen von der Küste Javas entfernt unterwegs sind und welche Risiken sie eingehen müssen, um ihren Broterwerb zu sichern.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 11°08.9’S, 111°48.5‘E. Mit dem heutigen Etmal von 181 Seemeilen verbleibt bis Christmas Island eine Strecke von 306 Meilen.
 

Samstag 20. August: Tag 3

Der Engländer würde sagen, „just another day on the ocean“. Nach 3 Tagen kehrt die Bordroutine ein. Brotbacken, Boot putzen, Lesen, Strom und Wasser machen sowie schlafen, falls es in der nächsten Nacht mehr Präsenz braucht. Die unangenehme Querdünung hat sich zum Glück heute Nachmittag deutlich abgeschwächt, nachdem sie unsere Skipperin beziehungsweise deren Magen sie am Morgen geärgert hat. Ansonsten gab es in den letzten 24 Stunden wenig zu berichten.

Seit dem Mittag segeln wir wieder unter Gennacker und lassen ihn auch während der Nacht stehen. Unter den aktuellen Bedingungen mit 10- 15 Knoten wahrem Wind schräg von hinten (für Nichtsegler, der gefühlte, scheinbare Wind kommt wegen der Fahrwindkomponente direkt von der Seite) und leichter Dünung die Besegelung, die den besten Speed und das ruhigste Segeln ergibt.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 11°33.3’S, 113°50.8‘E. Mit dem heutigen Etmal von 163 Seemeilen verbleibt bis Christmas Island eine Strecke von 487 Meilen. Wenn der Wind so bleibt, und das verspricht der Wetterbericht, sollten wir in 3 Tagen ankommen.

Freitag 19. August: Tag 2

Die Vollmondnacht bescherte uns gleichmässigen Wind mit 4 Beaufort und guten Speed unter Gennacker. In den 12 Nachtstunden machten wir 93 Seemeilen auf unser Ziel gut. Und dabei konnten wir sogar ein paar Stunden ruhig schlafen.

Am Morgen wurde der Wind etwas stärker, erreichte 5 Beaufort in den Böen und eine 2-3 Meter hohe Dünung aus südlicher Richtung, also quer zu unserer Fahrtrichtung, kam auf. Besser jetzt den Gennacker bergen, als zu spät. Das Manöver klappte ohne Probleme und seither sind wir nur mit der Genua unterwegs. Leicht untermotorisiert und nicht mehr so schnell, aber deutlich komfortabler. Mit dem nun einsetzenden Südäquatorial-Strom summierte sich das Etmal auf 180 Seemeilen. Für Landmenschen 333 Kilometer in 24 Stunden.

Es ist nicht nur komfortabler, sondern auch Fischen ist möglich. NOE unter Gennacker mit nur 2 Personen an Bord zu stoppen, wenn ein Fisch anbeisst, würde viel zu lange dauern. Und tatsächlich am Nachmittag rauscht die Angelleine aus der Trommel und wir ziehen einen Yellow Fin Thunfisch an Bord. Nicht allzu gross, aber für 2 Mahlzeiten ausreichend.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 11°42.0’S, 116°38.2‘E. Mit dem heutigen Etmal verbleiben 650 Seemeilen bis Christmas Island.

Donnerstag 18. August: Tag 1

Heute war der erste Tag seit unserer Abreise aus Darwin, an dem wir nicht von einem Flugzeug der australischen Grenzpolizei überflogen oder wie im Ashmore Reef von den Beamten persönlich aufgesucht wurden. Beim ersten Überflug riefen sie uns auf Sprechfunk an, erkundigten sich nach Start und Ziel und wünschten uns guten Wind. Bei den anderen Überflügen flogen sie nur wortlos an uns vorbei und drehten ab. Erstaunlich welchen Aufwand der australische Staat betreibt uns in seinem Hoheitsgebiet zu begleiten. Das steht in keinem Verhältnis zur Wertschöpfung, die wir während unseres 2-monatigen Aufenthalts generiert haben. Auch erstaunt uns, wie sie uns jeden Tag so treffsicher über 150 Seemeilen von der Küste entfernt gefunden haben. Ihre Überwachungsmaschinerie hat eine hohe Perfektion; australische Verabschiedungs-Kultur mit Optimierungspotenzial.

Laut Wetterbericht liegt unsere Route bis Anfang nächster Woche in einem Wetter-inaktiven Bereich. Wir haben zwar ein Wetter, es ändert sich aber nicht so schrecklich viel. In der Nacht und am Morgen ist der Wind mit 2-3 Beaufort schwächer als am Nachmittag, wo er in Böen auf 4 Beaufort auffrischt. Mal kommt er aus Südost, dann wieder etwas südlicher.

Besonders in den Schwachwindphasen segeln wir am besten nur mit unserem 180 Quadratmeter grossen Gennacker (einem asymmetrischen Vorsegel). Das gibt die beste Geschwindigkeit und das Rigg wird nicht durch schlagende Segel belastet. Letzte Nacht haben wir den Gennacker bei Sonnenutergang eingeholt und uns in der zweiten Nachthälfte über schlagenden Segel und geringe Geschwindigkeit geärgert. Heute Nacht lassen wir den Gennacker stehen und hoffen auf ein besseres Resultat. Dafür gibt es etwas weniger Schlaf für den Skipper.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 12°04.7’S, 119°40.3‘E. Um 135 Seemeilen haben wir uns von 1800 gestern bis 1800 heute Xmas Island genähert. Es verbleiben 830 Seemeilen.

Mittwoch 17. August: Start nach Christmas Island, die Krabben-Insel

Gestern besuchten wir die West-Insel des Riffs. Die beiden anderen Inseln, Middle und East Island sind Sperrzone. Und auf West-Island ist der Aufenthalt nur in einem 50 Meter breiten Streifen am Strand erlaubt. Die Inseln sind Brutgebiete für Tropic-Vögel, Tölpel, Meeresschildkröten und einige weitere Vogelarten.

Da kein Ranger auf der Insel war, spazierten wir den Strand entlang und bestaunten die Spuren der Schildkröten, die sie in der letzten Nacht zur ihren Eiablageplätzen hinterlassen hatten. An der Südspitze der Insel ging ich für einen besseren Blickwinkel eines Fotos ein paar Schritte ins Wasser, als die Skipperin schrie, ein Hai, ein Hai. Tatsächlich schwamm ein etwa 2 Meter langes Exemplar im flachen Wasser vor dem Strand. Die Skipperin untersagte mit sofortiger Wirkung jegliche Betätigungen im Wasser, auch wenn es sich wahrscheinlich nur einen harmlosen Riff-Hai gehandelt hat. In vielen Berichten über das Ashmore Reef liest man von giftigen Wasserschlangen, die in grosser Zahl hier leben. Wir haben keine gesehen. Sie sind nicht aggressiv, ihr Biss kann aber tödlich sein. Wenn es keine Krokodile gibt, dann eben etwas Anderes, was Baden und Schnorcheln in australischen Gewässern zum Nervenkitzel macht.

Eingeschränkter Inselzugang, keine Betätigung im Wasser, ein gutes, sich jedoch schliessendes Windfenster für die 1025 Seemeilen Passage nach Christmas Island und Vollmond fürs Segeln in der Nacht. Das nächste günstige Wetterfenster soll erst Mitte nächster Woche aufgehen. Also los, weiter Richtung Westen zur nächsten Insel, Christmas Island.

Heute Morgen um 9 Uhr lösten wir unsere Leinen an der Mooring-Boje und es ging durch den gut betonnten Kanal (je 13 Tonnen auf jeder Seite innerhalb von 2 Seemeilen) aus der inneren Lagune ins offene Wasser. 4 Stunden lief der Motor, bis der versprochene Wind von 3-4 Beaufort aus südöstlicher Richtung (also schräg von hinten) einsetzte.

In den nächsten Tagen werden wir wie bei den anderen Passagen uns einmal am Tag mit einem Bericht melden. Um 1800 Bordzeit (das ist 1200 MESZ) ist unsere Position 12°10.1’S, 121°57.8‘E. Bis Xmas Island verbleiben 965 Seemeilen. Wenn wir dort sind, gibt es die Bilder der letzten Tage, da es im Ashmore Reef verständlicherweise kein WLAN gibt.

Montag 15. August 2016: Krieg im Ashmore Reef?

Der Wind hatte ein Einsehen mit uns. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichten wir am späten Sonntagnachmittag das Riff. Es ist 12 Seemeilen lang und nur 3 kleine Sandinseln liegen dauernd 2 bis 6 Meter über der Wasseroberfläche. Die grünliche Unterseite der Wolken über dem Riff weisen aus ein paar Meilen auf diesen speziellen Flecken Land hin (und natürlich die Seekarte). Das Ashmore Riff liegt am Rand des australischen Festlandsockels und ist ein Naturschutzgebiet mit vielen Restriktionen. Man darf weder Tauchen noch Fischen oder seine Bilge entleeren und das Unterwasserschiff reinigen. Auch das Fahren innerhalb der 50 Meter Tiefenlinie ist bis auf die Einfahrt in die Lagune verboten.

Im Fernglas erkennen wir ein graues australisches Marineschiff und 4 Fischerboote. Bei der Einfahrt ins Riff rufen wir auf Kanal 16 das an einer Boje liegende „australian navy ship“. Es antwortet mit „australian war ship“ und gibt uns Auskunft, wo die Bojen für Segelboote in der äusseren Lagune liegen. Die Naturschutzbehörde hat zum Schutz der Korallen und des Seegras Mooring-Bojen ausgelegt. Wir sind die einzige Yacht im Riff.

Die 4 Fischerboote im inneren Teil der Lagune sind die Gegner im Kampf gegen illegalen Fischfang und Migration. Sie wurden aufgebracht und konfisziert. Wir wissen nicht, ob die Mannschaften direkt abgeschoben werden oder zuerst ins Gefängnis kommen. Australien schützt mit starker militärischer Präsenz seine blaue Grenze. Neben Flugzeugen patrouillieren Schiffe der Marine und der Grenzpolizei die Gewässer. Eines ist wohl immer im Ashmore Riff. Gegen Mittag kam ein Schiff der Grenzpolizei und das Kriegsschiff lief aus. Der in Berichten anderer Segler erwähnte Ranger treffen wir nicht an.

Der Weg in die innere Lagune ist 2 Seemeilen lang und mit Seezeichen versehen. Heute Morgen bin ich mit dem Dingi durch den Kanal gefahren. In der Realität sieht er viel weniger spektakulär aus als auf der Karte und hat durchgehend tiefes Wasser. Am Nachmittag haben wir uns in den inneren Teil der Lagune verschoben, liegen neben den konfiszierten Fischerbooten und geniessen das türkisblaue flache Wasser um uns. Wer auf Google Earth sehen möchte wo wir sind, unsere Koordinaten sind 12°14.255S, 122°59.107E. 

Samstag 13. August 2016: Das Ashmore Reef ist weiter entfernt als wir dachten

Nicht mit der Entfernung haben wir uns etwas verschätzt, sondern mit der Zeit. Der Wind war bislang schwächer als vorhergesagt. 130 Seemeilen von 480 trennen uns nach mehr als 3 Tagen Segeln bei immer schönsten Wetter von unserem Ziel. Wären wir nicht 12 Stunden unter Motor gefahren, als der Wind in einer Nacht vollständig abstellte, wären wir nicht einmal so weit gekommen.

Auch in den nächsten Stunden soll der Wind nicht stärker werden, weshalb wir, da man das Ashmore Reef besser bei Tageslicht ansteuert, erst am Montagmorgen ankommen.

Kurzweil verschafft uns jeden Nachmittag das Flugzeug der Australischen Grenzwache, das immer ein paar Minuten später als am Vortag, über uns hinweg fliegt. Am ersten Tag wollten sie wissen, woher wir kommen und wohin wir segeln. Die Fragen war eher nicht notwendig, da sie uns mit dem Schiffsnamen ansprachen und wussten, dass NOE in Monfalcone in Italien registriert ist. Die Grenzbehörden Australiens sind gut vernetzt.

Als wir heute Morgen ein paar Knoten mehr Wind hatten, biss sogar ein Fisch an. Nichts Grosses, da der Widerstand zum Einholen sehr gering war. Da es keiner der üblichen Angelfische war, haben wir den armen Kerl an Bord vom Angelhaken befreit und ihn wieder seinem Element übergeben. Er wird wohl in Zukunft nicht mehr in die kleinen roten Gummitintenfische beissen, die wir als Köder benutzen.

Mittwoch 10. August 2016: Bye, bye Darwin


Nach 2 Wochen in Darwin mit zwei kurzen, jedoch sehr interessanten Besuchen im Kakadu- und Uluru-Nationalpark segeln wir heute weiter Richtung Westen. Via Ashmore Reef, Christmas Island und Cocos Keeling geht es in den Indischen Ozean. 

Zum Ashmore Reef sind es von Darwin 500 Seemeilen, weitere 1000 sind es von dort bis Christmas Island und wiederum 500 von dort bis Cocos Keeling. Also insgesamt 2000 Seemeilen und 3 Inseln. Viel Wasser und wenig Land. 

Die letzten beiden Tage haben wir NOE vorbereitet und für die langen Strecken, die in den nächsten Wochen auf dem Programm stehen eingekauft. Heute Morgen um 9 Uhr müssen wir zu Immigration and Border Control um uns vom australischen Festland abzumelden. 

Auch wenn die nächsten 3 Inseln im australischen Hoheitsgebiet liegen, müssen wir in Darwin ausklarieren und in Christmas Island wieder einklarieren. Gleiches gilt für Cocos Keeling. Zumindest so haben wir die Informationsblätter verstanden, die uns die freundliche Dame bei Border Controll am Montag gegeben hat, als wir uns über das einzuhaltende Prozedere schlau gemacht haben. 

Im Ashmore Reef treffen wir wohl nur auf ein paar Ranger, die über dieses Naturschutzgebiet wachen. An Land darf man nicht, aber es gibt Mooring-Bojen für einen Stopp zum Baden und Schnorcheln. Wir sind gespannt.

In 3 bis 4 Tagen, je nach Wind, wollen wir beim Ashmore Reef sein. Von dort melden wir uns wieder. 


Sonntag 7. August 2016: Sonnenuntergang am Mindil Beach

Jeden Donnerstag und Sonntag findet in Darwin am Mindil Beach der Sunset Market statt. Mit Livemusik, Verkaufsständen und vielen Menschen, die am Strand Volleyball spielen oder ihr Picknick einnehmen und den Sonnenuntergang geniessen. 




Dieser Bussard lässt sich von den Besuchern des Strandes ohne Scheu vor ihnen aushalten und bedankt sich mit seinen Flugmanövern.  

Vor und nach Sonnenuntergang gibt es Live-Musik. Hier eine besondere Kombination aus Schlagzeug und Didgeridoo.




Im August steht die Sonne Mittags im 12° südlich des Äquators liegenden Darwin fast senkrecht.  Schon nach wenigen Minuten ist daher das Schauspiel des Sonnenuntergangs vorbei.



Wer nach der Live-Performance Lust auf dieses Instrument gefunden hat, kann sich hier eines kaufen. Der Musiker erzählte, dass er 6 Jahre geübt hat, bis er zum ersten Mal auftrat. Seither ist er mit seinen elektrisch verstärkten Digeridoos seit 18 Jahren on stage. 

Samstag 6. August 2016: Im windstillen Tal des Windes


35 Kilometer westlich des Ulurus liegen die 36 kuppelförmigen Berge des Kata Tjuta. Sie erheben sich bis zu 500 Meter aus der sonst flachen Ebene und sind wie der Uluru aus erodierten Sedimenten entstanden. 




Ein 7 Kilometer langer Wanderweg führt durch die Schluchten dieser bizarren Berge. Er heisst Tal des Windes. Während es in den Wintermonaten am Morgen mit ein paar Grad empfindlich kühl sein kann, besonders wenn man die Temperaturen von Darwin gewohnt ist, wird der Wanderweg im Sommer geschlossen, wenn das Thermometer die 36° Marke erreicht hat. Wir erlebten das Tal des Windes bei Windstille und nicht zu hohen Temperaturen. 



Links und rechts des Weges ragen die steilen Wände der Kuppeln empor und vermitteln eine dramatische Landschaft.


Wie beim Uluru ist auch dieser Ort den Aborigines heilig, weshalb man die Kuppeln nicht besteigen darf. 




Das grobkörnige Sediment-Gestein der Kata Tjuta Berge. Denkt man die sich das Grün der Pflanzen weg, die wegen starker Regenfälle von 3 Wochen in dieser kargen Landschaft gedeihen, wähnte man sich auf dem Mond.   


Damit geht unser Aufenthalt in dieser Gegend zu Ende und wir fliegen am Sonntag zurück nach Darwin. Mitte der Woche wollen wir Richtung Westen segeln mit dem ersten Ziel Ashmore Reef. 

Freitag 5. August 2016: Auf und um den Uluru


Gibt es in unseren Bergen nicht. Der Aufstieg ist wegen zu starken Windes am Gipfel gesperrt. Zuwiderhandlung wird bestraft. 

Deshalb wanderten wir zuerst auf dem 10 Kilometer langen Weg um den Berg, wo diese Bilder entstanden sind. 









Am Nachmittag war es dann soweit. Der Wind hatte nachgelassen und der Aufstieg wurde freigegeben. 350 Meter beträgt der Höhenunterschied, wobei die erste Hälfte des Weges recht steil ist. Er ist mit einer Kette abgesichert, da schon über 35 Menschen an diesem Berg ihr Leben lassen mussten. Die meisten jedoch wegen Überanstrengung und Herzproblemen. 

Das Besteigen des Ulurus ist umstritten. Die Ureinwohner, die 1985 das Land um den Berg von der australischen Regierung zurück erhalten haben, bitten darum, dass der Berg nicht bestiegen wird. Für sie ist der Berg heilig, besonders die Aufstiegsroute, die nach ihren Regeln nur von wenigen männlichen Aborigines zu besonderen Anlässen begangen werden darf. Auch fühlen sie sich verantwortlich, wenn jemand an "ihrem" Berg ums Leben kommt. 

Diskussionen laufen, die Besteigung gänzlich zu verbieten. Derzeit ist der Berg gesperrt wenn es zu heiss ist, der Gipfel von Wolken verhüllt ist oder wenn der Wind zu stark ist.    





Unser Ziel für morgen, die 36 Berge des Kata Tjuta. 


Die zweite Hälfte der Route ist eine Wanderung immer entlang den weissen Markierungen, die bis zum Gipfel führen.   



Die Messing-Platte auf dem Gipfelstein von 1970, also vor der der Rückgabe des Landes. Der Mt. Olga im Westen ist der Kata Tjuta, der den Uluru in Höhe überragt, jedoch touristisch etwas im Schatten steht.   



Auf der Fahrt ins Hotel ein Blick zurück. Immer wieder schön anzuschauen.