Montag 19. Dezember 2016: Herzlichen Dank und Frohe Weihnachten


Das ist unser letzter Post für dieses Jahr. Weihnachten steht vor der Tür. Wir fliegen morgen in den kalten Norden und wechseln die kurzen Hosen gegen Winterfestes. 

Wir bedanken uns ganz herzlichen bei allen Blog-Lesern für die Tausenden von Klicks und die vielen Kommentare. Die Fortsetzung unserer Berichte folgt Anfang nächstes Jahr. 


  
Die meisten Segler, die mit uns in der Victoria and Alfred Marina an Kapstadts Waterfront liegen, feiern Weihnachten in der Wärme des südlichen Sommers. Die Weihnachtsdekoration darf dabei nicht fehlen.   

Und zum Schluss noch die passende Musik zum Fest.



Sonntag 18. Dezember 2016: Mut zur Farbe


Boo-Kaap ist ein Stadtteil Kapstadt, der durch seine in oftmals grellen Farben angestrichenen Häuser bekannt wurde. Die Siedlung wurde von malaiischen Sklaven gegründet, als sie Mitte des 18. Jahrhundert aus der Sklaverei entlassen wurden. 1794 erbauten sie die erste Moschee Südafrikas. 10 Moscheen finden sich heute in dem von etwa 6000 Menschen bewohnten Stadtteil, von denen sich 90% zum Islam bekennen.  






Bei der Bemalung dieses Hauses hat wohl der niederländische Künstler Piet Mondrian Pate gestanden. 


Samstag 17. Dezember 2016: Im Herzen des Weinlands


Die Gegend um Stellenbosch ist eine der besten Weingegenden Südafrikas mit über 120 Weingüter in der näheren Umgebung. Die Stadt ist nach Kapstadt die zweitälteste europäische Gründung im heutigen Südafrika. Ihr Name geht zurück auf Simon van der Stel, dem ersten Gouverneur  der holländischen Kapkolonie. Um die Besiedelung und landwirtschaftliche Nutzung des Hinterlandes von Kapstadt für die Niederländische Ost-Indien Kompanie voranzutreiben gründete er 1679 die Siedlung. Sein Vorname findet sich in der ebenfalls von ihm gegründeten Ortschaft Simon's Town wieder.  

Sehenswert ist der Stadtkern von Stellenbosch, in dem viele  Häuser im kapholländischen Stil aus verschiedenen Epochen erhalten sind. 4 davon sind als Museum zusammengefasst und mit Möbeln aus ihrer Zeit ausgestattet.  






Neben Wein, dem wir als verantwortungsvolle Autofahrer nicht zusprachen, gibt es eine empfehlenswerte Küche. Wir genossen dieses Bobotie, einer aus Indonesien stammenden südafrikanischen Spezialität.  


Freitag 16. Dezember 2016: Herzlichen Glückwunsch


Herzlichen Glückwunsch an die neuen Vize-Weltmeister Claude Mermod und Ruedi Moser. Ihren Meister fanden die beiden in einer englischen Crew, die die Meisterschaft dominierte und bis auf einen, jeden Lauf gewann. Die neuen Vize-Weltmeister segelten ebenfalls sehr gut und wurden in den meisten Läufen Zweite.  

Das Bild stammt nicht von mir, sondern von Urs Haerdi, der die Schweizer Delegation als Fotograf begleitete. Weitere faszinierende Photos gibt es hier: http://www.fireballworlds2016.co.za/ (Link aufrufen und nach unten scrollen).

Gestern waren wir am Kap der Stürme. So nannte es Bartolomeu Dias, nach seinen Erfahrungen bei der Umrundung. König Johann II von Portugal taufte es Kap der Guten Hoffnung, da er guter Hoffnung war, dass der Seeweg nach Indien möglich war. 


Südafrikas Tourismusindustrie müsste dem König von Portugal mehr als dankbar sein, da Tausende von Touristen jedes Jahr diesen Ort mit dem wohlklingenden Namen besuchen. Der südlichste Punkt Afrikas, das Kap Agulhas, fristet dagegen ein Schattendasein. Auch wir haben erst bei unserer Reise realisiert, dass das Kap der Guten Hoffnung "nur" der südwestlichste Punkt Afrikas ist. Marketing macht eben den Unterschied, wobei das Produkt in diesem Fall viel zu bieten hat.  

Die 30 Kilometer lange Halbinsel zum Kap ist für sich eine Reise wert. Landschaften, Tiere und historische Städte sind zu entdecken, wie die Hout Bay im Norden. 

  
Oder die Fahrt entlang der Küste über den Chapman Drive mit spektakulären Aussichten. 


Einen Stopp sollte man in Simon's Town einlegen. Das Hafenstädtchen geht auf erste Dockanlagen zurück, die 1747 errichtet wurden, da die Bucht einen guten Schutz gegen die Winterstürme aus südwestlicher Richtung bietet. Holländer und Briten herrschten hier, was am Baustil der Häuser und ihrem Interieur unschwer zu erkennen ist. 


Berühmt ist auch die Kolonie der 2000 südafrikanischen Pinguine, die am Strand von Simon's Town lebt. 



Im Naturschutzgebiet rund um das Kap leben unter anderem Affen, Schildkröten und Klippschliefer, das afrikanische Murmeltier. Ausser dem Aussehen hat es jedoch nichts mit unserem Murmeltier gemeinsam.  


Der Wanderweg zum Kap. 


Die Brandung am Kap; schön zum Anschauen, zum Schwimmen sehr gefährlich. 


Einzigartig ist auch die Flora der Region ums Kap. Mehr als 9000 unterschiedliche Pflanzenarten soll es geben. Eine davon ist die Protea, die Wappenblume Südafrikas.  


Mittwoch 14. Dezember 2016: Aussichten vom Tafelberg


Der Tafelberg prägt nicht nur die Silhouette Kapstadts, er ist auch einer der grössten Anziehungspunkte für Touristen in Südafrika. Nach 2 Tagen Housekeeping auf NOE verbleibt uns etwas Zeit für das touristische Programm, bevor wir am 20. Dezember in den heimatlichen Winter fliegen. 

Der Tafelberg steht ganz oben auf unserer Liste. 700 Meter Höhendifferenz auf den 1087 Meter hohen Gipfel lassen sich entweder mit der Seilbahn oder zu Fuss bewältigen. Wir wählten Aufstieg zu Fuss, Abstieg mit der Bahn. Hat man das Gipfelplateau erreicht, ist nicht ersichtlich, wo der höchste Punkte liegt. Zu flach ist der Berg und zu gross seine Ausdehnung. 

Die Tiefblicke  vom zentral gelegenen Berg entschädigen die Mühen des Aufstiegs oder des oft einstündigen Wartens vor der Bahn, die 900 Personen pro Stunde auf den Berg hieven kann. Die Bahn verläuft ohne Stützen über eine Länge von 1200 Meter. 

Der CBD (central business disrict) Kapstadts mit der Waterfront und dem Hafen. Im kleinen Becken am linken Rand des Hafens liegen wir.  


Robben Island wenige Meilen nördlich vor der Stadt in der Table Bay. Hier verbrachte Nelson Mandela den grössten Teil seiner Gefangenschaft. 


Lion's Head heisst diese Landmarke. Der Rest des Löwens ist der nach rechts laufende Bergrücken. 


Die Houts Bay am Süden des Tafelbergs. Das gut gefüllte Wasserreservoir im Vordergrund darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Südafrika unter einer grossen Wasserknappheit leidet. Kommt es nicht zu Regenfällen in den nächsten Monaten und hält der Verbrauch trotz wohlgemeinter Ratschläge an, soll es zu massiven Engpässen in der Versorgung kommen.  


Und noch ein Bild von gestern. Der über dem Hafen aufgehende Vollmond. 


Sonntag 11. Dezember 2016: Cape Town - Hafen mit Aussicht


Der Wind auf der Fahrt von Mossel Bay nach Kapstadt entsprach dem Muster, welches wir an der Küste Südafrikas gewohnt sind. Am Freitag um 18 Uhr  lichteten wir nach Abflauen des Südwest-Windes unseren Anker. Die ersten 12 Stunden waren fast windstill mit dem groben Wellengang des vormaligen Südwest-Windes. Bis wir den Motor ausschalten konnten und ein ähnliches Tempo unter Segeln möglich war, vergingen nochmals 4 Stunden. 

Kap Agulhas, den südlichsten Punkt Afrikas, erreichten wir 3 Stunden später. Bei schönen Wind von 4 Beaufort aus südöstlicher Richtung segelten wir aus dem Indischen Ozean zurück in den Atlantik, den wir im März 2015 bei Panama verlassen hatten. 

Am Abend frischte der der Wind zu Stärke 6 auf, kurz vor Mitternacht waren es 7 und der Sonntag begrüsste uns mit Böen von 35 Knoten, also Windstärke 8. Bei achterlichen Wind unter Sturm-Fock ging es am frühen Morgen vorbei am Kap der Guten Hoffnung, dass wir bei beachtlichem Schiffsverkehr passierten. 5 bis 10 Frachter waren immer in einem Umkreis von 20 Seemeilen in unserer Nähe. 

Am Morgen flaute der Wind ab und wir erreichten Kapstadt unter Motor bei Windstille. Im Slalom kurvten wir um Seehunde, die alleine oder zu zweit die Flossen nach oben im Wasser dösten. 


Um zu unserem reservierten Hafenplatz in der Victoria and Alfred Waterfront Marina zu gelangen, öffnen sich zwei Brücken. Die Erste, die Schwingbrücke am historischen Gebäude des Hafenkapitäns.


Es geht vorbei am Victoria & Alfred Hotel zur zweiten Brücke, der Zugbrücke vor dem Yachthafen bei der Promenade.  


Die Brückenwärter arbeiten schnell und öffnen uns die Brücken wenige Minuten nach dem wir vor ihnen stehen.  


Unser Hafenplatz mit Blick auf den Tafelberg, wo NOE die nächsten Wochen bleiben wird. 


Donnerstag 8. Dezember 2016: Swartbergpass, eine heisse Strasse




Der Kontrast könnte nicht grösser sein, auch wenn keine 100 Kilometer zwischen der grünen  Garden Route und den grau-braunen Halb-Wüsten der Karoos liegen. Karoo ist eine Ableitung von kuru, dem Wort für trocken in der Sprache der San, die diese Gegend seit über 100.000 Jahre als Jäger und Sammler bewohnten. Ein Drittel der Fläche Südafrikas sind Halb-Wüsten, die sich auf dem regenarmen Hochland im südlichen Landesteil von Ost nach West erstrecken. Im Sommer erreichen die Tagestemperaturen in dieser ariden Landschaft oft über 40°. Bergrücken an Bergrücken gliedert sich die Landschaft bis zum Horizont. 

Die europäische Besiedlung erfolgte um 1800 durch Buren, die entlang von Wasserläufen und Wasserlöchern mit Hilfe von kleinen Dämmen und Rückhaltebecken Landwirtschaft betrieben und grüne Oasen schufen. Raubbau betrieben sie mit Vieh- und Schafzucht, die das sensibel Ökosystem störten. Einen Boom erlebt die Gegend zwischen 1870 und dem ersten Weltkrieg durch die Zucht von Straussen und dem Verkauf der Federn. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs brach die Nachfrage ein und erreichte das hohe Niveau danach nicht mehr.  



Von Mossel Bay erreicht man nach 50 Kilometern den 850 Meter hohen Robinson Pass, der aus der Küstenregion in das kleine Karoo führt. Eines der bekanntesten Strassenbau-Monumente Südafrikas verbindet das Kleine mit dem Grossen Karoo. Die 24 Kilometer lange Strasse auf den 1585 Meter hohen Swartbergpass wurde von Thomas Bain mit 250 Sträflingen in den Jahren 1883 bis 1886 gebaut und führt von Oudtshoorn nach Prince Albert. Wie damals ist die Strasse nicht geteert. Sie hat eine maximale Steigung von 13% und alle Kunstbauten sind aus aufgeschichteten Steinen erstellt.   


Von der Passhöhe führen Wege in alle Richtungen, die man nur mit einem Permit betreten darf. Das Permit gibt es im Tal zu kaufen, wie wir auf einem Hinweisschild lesen. Wir lassen uns nicht beirren und geniessen die Natur zu Fuss auch ohne Permit. 



Grosstiere wie Springböcke und Carcale sahen wir keine, hingegen diese kleine Echse. 




250 mm Wasser pro Jahr müssen diesen Blumen in der Nähe des Passes ausreichen. Sie sind so genügsam, dass sie selbst mehrere überdurchschnittlich trockene Jahre überstehen können. Die Regenmengen letzten 4 Jahre lagen alle weit unter der Norm. 


Für Mountainbike-Enthusiasten ist der Swartbergpass ein Leckerbissen (die letzten Kehren vor dem Pass auf der Nordseite), sollte wegen der hohen Temperaturen nur in den Monaten des südlichen Herbsts, also April und Mai, befahren werden. 


Während das Kleine Karoo trotz Hochsommer und einer längeren Trockenperiode einen grünen Touch hat, ist das Grosse Karoo für unsere Augen eine Steinwüste. 


Auf der Fahrt nach Prince Albert führt die Strasse durch eine wilde Landschaft, die bei der Aufstauchung der Gebirgskette entstanden ist. Die ehemals waagrechten Schichten des Sedimentgesteins stehen senkrecht, sind verbogen oder fragmentiert. 




Prinz Albert auf der anderen Seite des Passes ist eine Ortschaft mit der speziellen Architektur der Buren zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Das Baujahr im Giebel der Häuser ermöglicht uns die Datierung und legt den Schluss nahe, dass hier die Uhren seit dieser Zeit abgestellt wurden. Neuere Häuser finden sich kaum, die alten sind jedoch meist sehr gepflegt an diesem verschlafen und verträumten Ort. 



Auf dem Weg zurück durch das kleine Karoo stach uns noch dieses unbewohnte Bauernhaus wegen seiner dezenten Farbgebung passend zur direkten Umgebung ins Auge.  


Morgen Nachmittag, wenn der Wind auf Süd und später auf Südost dreht, werden wir unseren Anker lichten und nach Kapstadt segeln. Wir planen mit 36 Stunden für die 260 Seemeilen lange Strecke um das Kap Agulhas und das Kap der Guten Hoffnung. Anlegen werden wir in der Victoria and Alfred Waterfront Marina, wo wir schon vor ein paar Wochen einen Platz reservierten. Von dort aus werden wir uns wieder melden.