Passage St. Helena - Brasilien


Freitag 10. Februar 2017: Tag 15

Land in Sicht. Heute um 15 Uhr sahen wir 30 Seemeilen vor uns die 390 Meter hohe Ilha do Capo Frio aus dem Dunst auftauchen. Sie liegt direkt vor der brasilianischen Küste, die an dieser Stelle direkt nach Westen zum 60 Meilen entfernten Rio de Janeiro oder nach Nordosten zum durch Brigit Bardot berühmt gewordenen Badeort Buzios verläuft

Gestern um 18 Uhr starteten wir die Maschine, da der Wind uns im Stich liess. Unter Motor ging es durch die gesamte Nacht bis wir am späten Vormittag wieder Wind fanden. Leider gab es dann nur für eine Stunde herrlichen Segelwind bei traumhaftem Sonnenschein. Bedingungen, die wir in den letzten Tagen vergeblich suchten. Hoch am Wind bei wenig Welle konnten wir bei 12 Knoten Wind und 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit direkt auf unser Ziel zuhalten. Nach einer Stunde stellte der Wind ab und wir den Motor an.

In der Nacht passierten wir im Licht des fast vollen Mondes und den zuckenden Blitzen des Wetterleuchtens aus den am Horizont stehenden Kumuluswolken das etwa 100 Kilometer vor der Küste liegende Pampo Oilfield. Auf über 100 Kilometer Länge erstreckt sich dieses riesige Feld, im dem über 50 Installationen auf der Seekarte verzeichnet sind. Die Förderanlangen und Bohrtürme stehen teilweise auf dem brasilianischen Festlandsockel, wo das Wasser weniger als 100 Meter tief ist. Andere operieren in Wassertiefen von mehr als 2000 Meter. Alle Anlagen senden zur Identifikation ein AIS-Signal, sind aber durch ihre Grösse und üppige Beleuchtung bei klarem Wetter viele Meilen sichtbar.Eine Annäherung von weniger als 500 Meter ist verboten.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 22°58,3’S, 41°09,5’W, 160 Seemeilen westlich unseres Ziel Angra dos Reis. Laut Wetterbericht soll der Wind in den nächsten Stunden schwach bleiben, sodass wir die letzten Meilen dieser Passage unter Maschine fahren werden. Dann sollten wir Morgen um die Mittagszeit nach genau 16 Tagen auf See ankommen.
 

Donnerstag 9. Februar 2017: Tag 14

Letzte Nacht um null Uhr kreuzte ein in seiner Manövrierfähigkeit eingeschränkter Schleppverband unseren Kurs. Der schöne Wind, den wir seit Dienstagabend geniessen, verabschiedete sich just in dem Moment, als sich unser Abstand zum Schleppverband auf unter einer Meile verringerte und wir entscheiden mussten vor oder hinter ihm durchzugehen. Bei konstant gutem Wind hätten wir problemlos vor ihm passieren können Um eine ausreichende Distanz zu halten halsten wir und gingen hinter ihm wieder auf unseren Kurs Richtung Brasilien.

Geschleppt wurde eine Ölbohrplattform. Im fahlen Mondlicht konnte wir den nur mit Positionslichtern ausgestatteten, riesigen Stahlkolloss schemenhaft erkennen. Mit vier Knoten bewegt sich das Duo über das Meer und soll Anfang März in der Türkei ankommen.

Der Wind hat es uns auf dieser Passage bislang nicht sehr leicht gemacht. Gestern zog er noch eine Gemeinheit aus dem Ärmel. Leichter Wind direkt von vorne. Nachdem der Schlepper mit seinem Ungetüm an uns vorüber war, refften wir das Grosssegel aus und versuchten hoch am Wind, das Beste aus den 2-3 Beaufort herauszuholen.

Am Morgen zog die erste Regenbö des Tages über uns und zwang uns zum Reffen des Grosssegels. Am Mittag wurde der Wind schwächer, worauf wir ausrefften. Um halb 3 Uhr schlief der Wind ein und wir starteten den Motor. Eine Stunde später die nächste Regenbö, in der wir eine dreiviertel Stunde segeln konnten. Dann wieder Flaute und Motor für 30 Minuten. In der Zwischenzeit bargen wir das Grosssegel und segelten unter Fock durch die nächste Regenbö. Nach unserer bisherigen Erfahrung sind die Böen nie stärker als 20 Knoten bzw. 5 Beaufort, also unkritisch was das Segeln angeht. Aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Lange hält sich der Wind in den Regenschauern nicht. Nach 45 Minuten lief der Motor schon wieder. Langer Rede, kurzer Sinn. Das sind keine optimalen Bedingungen, ausser man trainiert Segelmanöver.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 22°22,3’S, 38°18,7’W. Damit liegen noch 321 Seemeilen vor uns und das Etmal des Tages betrug 145 Seemeilen. Ankommen werden wir sicher. Eine Prognose, wann das sein wird, wagen wir bei den herrschenden Verhältnissen eher nicht.  


Mittwoch 8. Februar 2017: Tag 13

Endlich wieder einmal ein schönes Etmal. 169 Seemeilen machten wir zwischen dem gestrigen und dem heutigen Schiffsmittag, also 12 Uhr unserer Bordzeit, auf unser Ziel Brasilien gut. Das bislang zweitbeste Etmal auf dieser Passage. 466 Meilen liegen nun noch vor uns.

Der Wind kommt nun wir vorhergesagt aus Nordosten, bläst damit schräg von hinten und schiebt uns mit 4 Windstärken mit 7 bis 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit nach Westen. Wir segeln mit doppelt gerefftem Grosssegel und Genua, da mit gewisser Regelmässigkeit Regenschauer über uns hinwegziehen. In den Regenschauern frischt der Wind auf 5 bis 6 Windstärken auf, wo wir uns mit reduzierter Segelfläche deutlich wohler fühlen.

Heute sahen wir zum ersten Mal nach 10 Tagen wieder ein Schiff. Die 100 Meter lange Maria S. Merian kreuzte unseren Kurs mit 2 Meilen Abstand auf ihrem Weg zu den Kap Verden. In 9 Tagen wollen sie dort ankommen. Unser Weg wird uns ebenfalls auf die Kap Verdenführen, aber erst in einigen Wochen. Zum zweiten Mal, nach unserem ersten Besuch im November 2014. Die Inselgruppe wird neben den Kanaren die einzige sein, die wir auf unserer Reise zweimal besuchen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°52,7’S, 35°52,7’W.  


Dienstag 7. Februar 2017: Tag 12

Nach dem gestrigen Action-Vormittag war der heutige Tag richtig langweilig. Dafür mit einer Annäherung an Brasilien von 143 Seemeilen im für diese Passage oberen Bereich der Etmale. Segeln mussten wir dafür 171 Seemeilen und viermal halsen. Die Zahl unserer Halsen hat sich damit auf 17 erhöht. Dies manchen wir, um möglichsten den besten, also geringsten, Winkel zwischen unserem Kurs und dem direkten Weg ohne Schlagen der Segel zu steuern. Jedes Mal, wenn der Wind um mehr als 10 Grad dreht, halsen wir, damit wir uns auf dem anderen Bug (für Nichtsegler, Wind von der anderen Seite des Bootes) schneller, also mit einem direkteren Weg, unserem Ziel nähern.

Als wir in St. Helena starteten, war ein anderes Segelboot seit 38 Stunden ebenfalls in Richtung Rio unterwegs. Es handelt sich um eine 56 Fuss lange Yacht der englischen Marke Oyster mit 4 Personen an Bord. Wir vereinbarten via Satelliten-Email in Kontakt zu bleiben. Anfangs tauschen wir unsere Positionen und später Wetter- und Windinformationen aus. So wussten wir, dass wir nicht alleine mit den schwierigen Bedingungen kämpften. Im letzten Mail schrieben sie uns, dass sie wegen fehlendes Windes seit über 24 Stunden unter Maschine unterwegs sind.

Heute Morgen hatten wir wieder Kontakt. Sie werden heute in Rio ankommen und segelten in den letzten Stunden bei schönen Wind zwischen 20 und 30 Knoten. Ihren grossen Vorsprung, der nun auf 4 Tage angewachsen ist, ergibt sich aus der Leistung ihres Motors und ihres grossen Dieseltanks. 120 Stunden sei er seit St. Helena gelaufen, schrieben sie uns. Unser Motor lief seit St. Helena noch nicht, obwohl die Versuchung vorhanden war, den misslichen Bedingungen mit Motorkraft zu entfliehen. Bislang konnten wir dieser Versuchung widerstehen und wie es für die nächsten Tage aussieht, werden wir bis Capo Frio gute Bedingungen zum Segeln mit einem für uns günstigen Windwinkel antreffen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°31,7’S, 32°45’W. Damit liegen noch 635 Seemeilen vor uns.  

 

Montag 6. Februar 2017: Tag 11
Der Morgen begann mit einem Malheur. Nach dem Frühstück setzten wir, wie an vielen Tagen dieser Passage den Gennaker. Beim Setzen des Segels konnte ich die Leine des Bergeschlauchs nicht fassen und der Gennaker entfaltet sich selbstständig.

Über den Gennaker wird wie ein Strumpf der Bergschlauch gezogen, um ihn einfacher Setzen und Bergen zu können. Beim Setzen zieht man den Bergschlauch samt Gennaker in die Mastspitze. Mit der Bergeleine wird der Bergeschlauch nach oben beziehungsweise vor dem Bergen nach unten gezogen. Während des Segelns ist die Bergeleine am Boot vertäut.

Da sich der Gennaker heute Morgen selbständig durch den Winddruck entfaltete, sauste die Bergeleine mit dem nach oben fahrenden Schlauch ebenfalls nach oben. Um an die Bergeleine zu kommen, mussten wir den 180 Quadratmeter grossen Gennaker ablassen, was mit 2 Personen, wobei eine das Fall im Cockpit bedienen muss, eine anforderungsreiche Übung ist. Nach Murphys Law passierten beim Ablassen zwei Pannen. Die Bergeleine verfing sich in der Saling. Deshalb Gennaker nochmals nach oben und beim Wiederablassen passierte das Malheur. Der Gennaker fiel ins Wasser. NOE machte selbst unter doppelt gerefftem Grosssegel so gute Fahrt, dass es den Gennaker sofort ins Wasser zog. Ihn über die Reling wieder an Bord zu holen, war hoffnungslos.

Selbst als wir das Grosssegel geborgen hatten, war unser Problem nicht gelöst. Der Zug auf dem Segel im Wasser durch das treibende Boot war zu gross. Wir lösten bis auf das Fall alle Leinen, mit denen der Gennaker mit dem Boot verbunden ist. Dadurch treibt der Gennaker nach achtern aus. Es sah wie ein Walfischfänger aus, mit seiner toten Beute im Schlepptau. So konnten wir den Gennaker über das Heck einholen, am Schluss den Kopf des Segels vom Bergeschlauch abschlagen und den Rest des Segels an Bord nehmen.

Zuerst setzten wir wieder das Grosssegel, zogen den tropfnassen Gennaker in seinen Bergeschlauch, schlugen alle Schoten und die Halsleine an, setzten ihn, achteten darauf dass die Bergeleine nicht verloren geht und zogen den Bergeschlauch nach oben. Der Blick in den aufgeblähten Gennaker zerstreute unsere Sorgen. Er hatte bei dieser Tortur zum Glück keinen Schaden genommen. Eine Stunde hat die gesamte Übung gedauert. Kleine Ursache, grosse Wirkung

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°29,5’S, 30°08,3’W. 126 Seemeilen haben wir uns unserem Ziel genähert und es verbleiben noch 778. Ein paar Seemeilen haben wir durch unser Malheur verloren. Gestern um 22 Uhr segelten wir 30 Meilen südlich der zu Brasilien gehörenden Inseln Martin Vaz und Trinidade. Beide Inseln sind Schutzgebiete und man darf sich ihnen nur bis zur 50 Meter Tiefenlinie näher. Einen Blick hätten wir gerne auf die Inseln geworfen, aber in der Nacht, trotz hellem Mond, schien uns das zu wenig lohnend

Sonntag 5. Februar 2017: Tag 10

Das einzige, was derzeit an Bord nicht nach unserem Geschmack ist, ist das Wetter. Wir dachten gestern, dass die Wettermodelle die Situation der nächsten Tage richtig vorhersagen. Konnten wir gestern Nachmittag bei nordöstlichem Wind einige Zeit mit einer Bootsgeschwindigkeit von 8 Knoten direkt in Richtung unseres Ziels segeln, war die Freude nur von kurzer Dauer. In der Nacht drehte der Wind zurück auf Südost, wurde schwächer und wir dümpelten mit schlagenden Segeln auf dem Ozean. Anluven hilft das Schlagen der Segel zu vermeiden. Nachteil ist der längere Weg.

Heute Morgen setzten wir beim Wachwechsel um 8 Uhr den Gennacker, was uns bei gleichem Kurs ein bis zwei Knoten mehr Fahrt bringt. Um 15 Uhr und 40 Meilen näher am Ziel wieder Ende der Vorstellung. Regenschauer von allen Seiten brachten uns ein paar letzte Böen und liessen NOE auf über 9 Knoten beschleunigen. Als sie sich vorzogen, standen wir mit nassen Gennacker in der Flaute.

Wie mühsam diese Passage bislang ist, zeigt der Vergleich mit den Tagesmeilen der anderen Passagen.

Passage                                                     Distanz      Zeit              Meilen/Tag
Atlantik Nord (Cap Verden Karibik)            2110          14d18h        143
Pazifik (Galapagos Marquesas)                 2980          17d18h        168
Indischer Ozean (Cocos La Réunion)        2450          14d0h          175
Atlantik Süd (900 Meilen vor Brasilien)      1300          10d0h          130

Auch wenn es etwas mühsam ist, kommen wir unserem Ziel unaufhaltsam näher. 124 Seemeilen waren es in den letzten 24 Stunden, womit wir die Distanz auf 904 Seemeilen verkürzten.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 20°50’S, 27°59’W.

Samstag 4. Februar 2017: Tag 9

Wir kommen bei den herrschenden Verhältnissen und unserem konservativen Segelstil nicht richtig in die Gänge. Wieder ein unterdurchschnittliches Etmal von 123 Meilen. 1028 Seemeilen liegen noch vor uns. Der Wind wehte auch in den letzten 24 Stunden in die Richtung in die wir wollen. Während der Nacht segelten wir nur mit der Genua und liessen das Grosssegel eingepackt im Baum liegen. Die meiste Zeit eher untermotorisiert, waren wir jedoch ein paar Mal froh nur so wenig Tuch im Wind zu haben. Eine Handvoll Regenschauer gleichmässig über die ganze Nacht verteilt, einer mit Windstärke 7, die anderen mit 6 Beaufort, gaben uns recht. Mehrmals ein- und ausreffen, wäre eine Alternative gewesen, aber deutlich zu Lasten des Komforts.

Um die Mittagszeit drehte der Wind auf Nordost. Das Hoch, welches uns eine ganze Woche wenig optimale Verhältnisse brachte, verlagert sich nach Nordosten. Zudem segeln wir nach Westen, wodurch wir auf die Nordwestseite des Hochs und damit in den Bereich des Nordostwinds kommen. Die Situation soll solange für uns wetterbestimmend sein, bis wir Mitte der nächsten Woche in die sich vor Küste Brasiliens aufbauenden Tiefdruckgebiete gelangen. Was dort auf uns wartet, konnte der Meteorologe vom Dienst nicht sagen. Die Modelle zeigen noch zu unterschiedliche Resultate. Anfang nächster Woche werden wir es erfahren.

Am Vormittag haben wir das dritte Brot dieser Passage gebacken. Diesmal ein Dinkel-Roggen-Brot. Ob es gelungen ist, schmecken wir heute Abend. Ein Fisch hat immer noch nicht angebissen. Auch die vier Seevögel, die neugierig, aus dem Nichts auftauchend, den Köder beäugten, waren keine Vorboten für Meeresbewohner. 

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°15’S, 25°39,3’W.

Freitag 3. Februar 2017: Tag 8

Als ob der Atlantik unseren letzten Post gelesen hätte und zeigen wollte, was in ihm steckt. Am frühem Morgen um halb 4 Uhr schickte er uns eine Regenbö mit kräftigen 6 Windstärken, liess NOE, die bis dahin mit Vollzeug unter Autopilot dahinsegelte, in den Wind schiessen und bescherte uns ein paar Minuten intensive Arbeit das Grosssegel zu reffen. Die Genua haben wir in der gleichen Aktion ebenfalls verkleinert.

Mit der richtigen Segelgarderobe ging es durch den wieder sonnigen Vormittag, der uns konstante 5 bis 6 Beaufort und einer knapp 2 Meter hohen Welle brachte. Alles in allem, schönes Hochseesegeln auf einer etwas ondulierter Unterlage.

Mit einer gesegelten Strecke von 173 Seemeilen war die Annäherung an unser Ziel 135 auf 1151 Meilen, da der Wind immer noch in die Richtung bläst, in die wir wollen und wir vor dem Wind kreuzen.

Heute Abend gegen 22 Uhr feiern wir Bergfest. Von den 2204 Seemeilen St. Helen – Angra dos Reis haben wir die Hälfte im Kielwasser. Für den zweiten Teil sollten wir nicht länger brauchen als für den ersten. Das aktuelle Wetterrouting von heute Morgen sieht frischen und am Ende möglicherweise starken Wind voraus, der ab Sonntag in einem angenehmeren Winkel zu unserem Kurs wehen sollte.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 20°13.3’S, 23°37,5’W.

Donnerstag 2. Februar 2017: Tag 7

Der Wind ist wie versprochen zurück und die gutgemachte Distanz von 128 Seemeilen in den letzten 24 Stunden liegt im aufsteigenden Trend. Die gesegelte Strecke war 154 Meilen. Der Wind weht ziemlich genau in die Richtung, in die wir wollen, weshalb wir vor dem Wind kreuzen. Daraus resultiert ein 20% längerer Weg, was sich auch in den nächsten Tagen nicht wesentlich verändern wird. In den letzten 4 Tagen haben wir 7 Halsen gefahren. Für einen Segler auf unseren heimischen See die Beschäftigung eines halben Nachmittags. Auf dem Ozean ist das Zeitnormal nicht Minuten oder Stunden, sondern Tage.

Nach einer Woche haben wir etwas mehr als 900 Seemeilen zurückgelegt und haben 1286 vor uns. Das Wetter ist immer das gleiche. Meist strahlender Sonnenschein, nur selten eine grössere Wolke, die ein paar vereinzelte Regentropfen abgibt. Das Barometer schwankt in einer minimalen Bandbreite von 2 Millibar zwischen 1015 und 1017 Millibar hin und her. Das Grosssegel haben wir beim Verlassen von St. Helena gesetzt und seither das Fall (für Nichtsegler, die Leine um das Segel den Mast hochzuziehen) nicht angerührt. Nur die Genua tauschen wir an manchen Tagen gegen den Gennacker aus. Wirklich entspannenden dieser Teil des südlichen Atlantiks.

Wir vermuten uns in fischreichen Gewässern. Zumindest lassen die 2 Fischerboote diesen Schluss zu, die wir in den letzten Stunden gesehen haben. Was sie fischen wissen wir nicht. Vielleicht jagen sie Sardinen-Schwärme. Wir ziehen unseren Köder nach aber er zieht nichts an. Also weiterhin Reis, Pasta und Kartoffeln ohne frischen Fisch.

Und dann haben wir noch 2 Elefanten gesehen, die eine Schildkröte verfolgten. Durchgeknallt oder Halluzinationen nach zu vielen Tagen auf See? Mitnichten. Der Beweis folgt, wenn wir unsere Bilder dieser Passage auf den Blog stellen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 19°55’S, 21°15’W.

Mittwoch 1. Februar 2017: Tag 6

Unsere Strategieänderung entsprechend den Empfehlungen des Wetter-Routings hat sich schon etwas ausgezahlt. Obwohl Dienstag und Mittwoch als die windschwächsten Tage vorhergesagt wurden, konnten wir zwischen gestern 12 Uhr und heute 12 Uhr 80 Meilen auf unser Ziel gutmachen. 11 mehr als gestern. In den ersten 6 Stunden von Tag 7 waren es mit dem aufkommenden Wind schon 35 Seemeilen. Damit liegt ein dreistelliges Etmal in Reichweite. Mit dem heutigen Etmal sind wir Brasilien auf 1414 Meilen nahegekommen.

Ansonsten gibt es wenig Spannendes zu berichten. Der Generator ist zu seinem Eigenleben zurückgekehrt und lässt uns die zwei Batterieladegeräte und den Warmwasserboiler nur separat betreiben. Ansonsten funktionieren alle Systeme an Bord einwandfrei. Da die Versorgung mit Gemüse auf St. Helena sehr schlecht war, verbleiben uns bis zum Ziel, was wir wahrscheinlich in etwa 10 Tagen erreichen sollten, ausser reichlich Kartoffeln und Zwiebeln noch 2 Gurken, ein paar Rüben und eine Handvoll kleiner Stangen Lauch. Für die letzten Tage haben wir uns schon auf Gemüse aus der Dose eingestellt. Besser sieht es mit Obst aus. Hier sollten wir bis Ende dieser Passage frische Äpfel, Bananen und Orangen haben.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 19°21’S, 19°03.5’W.

Dienstag 31. Januar 2017: Tag 5

Gestern Abend wurde der Wind auf unserer südlichen Route so schwach, dass wir unsere Strategie änderten, kurz vor Einbruch der Nacht halsten und uns in der Hoffnung auf besseren Wind auf den Weg nach Norden machten. Kaum eine Meile machten wir in den Nachtstunden auf unser Ziel Brasilen gut, aber die Aussicht auf besseren Wind schien es uns wert. So verkürzten wir die Distanz nach Angra dos Reis in den letzten 24 Stunden nur um 69 Meilen, obwohl wir 113 gesegelt sind. Eine schlechte Ausbeute.

Die von unserem Wetter-Router genannte Breite von 19°30´, die wir in den nächsten 3 Tagen südlich lassen sollen, haben wir mittlerweile ebenso überschritten wie die direkte Route von St. Helena bis Capo Frio auf dem Grosskreis.

Der Wind ist etwas besser geworden. Mit 5-7 Knoten, also 2-3 Beaufort, Windgeschwindigkeit aus achterlicher Richtung lassen sich keine Rekord-Etmale erzielen. Unter Grosssegel und Gennacker schleichen wir nun mit ein paar Knoten Fahrt unserem Ziel entgegen und erwarten sehnsüchtig auf Donnerstag, wenn der Wind zurückkehren sollte.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 19°17’S, 17°37.2’W. Damit verbleiben 1494 Seemeilen für diese Passage.

Montag 30. Januar 2017: Tag 4

Der Wind wird von Tag zu Tag schwächer und die auf unser Ziel gutgemachte Strecke immer kürzer und kürzer. In den letzten 24 konnten wir die Distanz um 142 Seemeilen verringern im Vergleich zu den 156 und 187 Seemeilen in den Tagen zu vor. Die noch zu segelnde Distanz beträgt damit 1565 Seemeilen.

Morgen erwarten wir ein eher noch kleineres Etmal, da der Wind möglicherweise ganz abstellt. Laut heute Morgen erhaltenem Wetterbericht soll Dienstag der windschwächste Tag sein mit einer sehr weiträumigen Verteilung, dass ein Umfahren der Flaute nicht möglich ist. Es wurde uns empfohlen, nicht weiter als 19°30‘ in den Süden zu fahren bis wir bei 24°W sind und dann wieder direkt unseren Wegpunkt vor der brasilianischen Küste anzusteuern. Dadurch sollten wir am geringsten von der Flaute aufgehalten werden. Wollen wir hingegen bei den herrschenden 2 Beaufort aus Südost etwas Geschwindigkeit im Schiff behalten, müssen wir entweder etwas zu weit in den Süden oder auf dem anderen Bug (für Nichtsegler, also der Wind von der anderen Schiffseite) in den Norden fahren ohne Strecke auf unser Ziel gutzumachen. Also ein echter double blind; wie man es macht, ist es nicht richtig. Für die nächsten Stunden wählen wir die südliche Variante in der Hoffnung, dass der Wind nicht ganz einschläft und wir mit dem aufkommenden Wind am Mittwoch, der aus nordöstlicher Richtung kommen soll, wieder auf eine Breite von 19°30‘ segeln können. Falls es doch anders kommt, helfen wir ein paar Stunden mit der Maschine nach.

Wir sehen in der Mitte des südlichen Atlantiks weder Delphine noch Seevögel. Selbst die fliegenden Fische machen sich rar. Immerhin kreuzte letzte Nacht ein chinesischer Supertanker mit einer Länge von 1188 Fuss (362 Meter) im Abstand von 6 Seemeilen unseren Kurs. Ganz alleine sind wir also nicht.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 19°49.6’S, 16°13’W.

Sonntag 29. Januar 2017: Tag 3

Gestern Nachmittag schob sich von Südwesten eine dichte, graue Wolkenschicht über den ansonsten blauen Himmel. Nicht bedrohlich, aber ein im Allgemeinen untrügliches Zeichen, dass sich das Wetter ändert. Kurz vor Mitternacht zog die erste Regenbö über uns hinweg. Wir bargen in der dunklen Neumondnacht sicherheitshalber das Grosssegel, um es eine Stunde später, wegen zu geringer Geschwindigkeit und bei sternenklarem Himmel wieder zu setzen. Am Morgen kam der nächste Regenschauer, jedoch nur mit so viel Wind, dass NOE ungerefft auf angenehme 9 Knoten beschleunigte und wir uns eine Viertelstunde der Geschwindigkeit erfreuen konnten. Im Verlauf des Vormittags kehrte das schöne Passatwetter zurück und wir genossen unser Mittagessen unter der Sonne des Südatlantiks. Zum Essen gab es Tortillas mit einer Füllung aus Kohl, Lauch, Mais, Champignons und Tomaten.

Um 156 auf 1707 Seemeilen haben wir uns in den letzten 24 Stunden unserem Ziel genähert. Die nächtlichen Wind- und Wetterkapriolen haben uns die eine oder andere Meile gekostet. Dafür funktioniert unser Generator ohne unser Zutun wieder tadellos. Anders als vorher, wo wir den Warmwasserboiler und die beiden Batterieladegeräte nur jeweils einzeln zuschalteten, damit die Drehzahl nicht in den Keller ging, können wir jetzt alle Verbraucher gleichzeitig betreiben und der Generator regelt, wie es sein sollte, die Drehzahl nach oben um die geforderte Leistung zu erbringen.

Gestärkt durch das Mittagessen haben wir heute Nachmittag unseren Gennacker, das grosse asymmetrische Leichtwindvorsegel, gesetzt. Bei angenehmen 4 Beaufort aus Ostsüdost geht es seither mit durchschnittlich 8 Knoten unserem Ziel entgegen. Bei Einbruch der Nacht werden wir den Gennacker bergen und mit der normalen Beseglung durch die Nacht fahren. Morgen ist auch wieder ein Tag. 

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 18°44.3’S, 13°54’W.

Samstag 28. Januar 2017: Tag 2

In den letzten 24 Stunden haben wir 187 Seemeilen auf unser Ziel gutgemacht, das heisst es liegen noch 1863 Seemeilen direkter Weg nach Angra dos Reis vor uns.

Unser Einklarierungsort hat sich mittlerweile auch geklärt. Wir können in Angra dos Reis einklarieren, wie uns der dortige TO-Stützpunkt versicherte und seine Hilfe beim Gang zu den Ämtern anbot. TO steht für Trans Ocean, ein deutscher Verein, dessen Mitglieder laut Eigenwerbung die See im Herzen haben. Der Verein engagiert sich für die Förderung des Hochseesegelns und betreibt derzeit an 177 Standorten über die gesamte Welt verteilt Anlaufstellen für Vereinsmitglieder, zu denen wir auch gehören. Die Stützpunkte sind eher zufällig über die Welt verteilt. Die meisten liegen sinnigerweise an der Küste, es gibt aber auch Stützpunkte in München und in Graz. In Brasilien gibt es 4 Standorte, einer davon glücklicherweise in Angra dos Reis.

Wind und Wetter haben sich in den letzten 24 nicht geändert. Wir haben Südost-Wind mit 4 bis 5 Beaufort, die Wellen sind kaum höher als 2 Meter, die Sonne scheint und wir segeln ungerefft mit Grosssegel und Genua. Unser Kurs beträgt zwischen 275° und 260°. 275° ist unser Zielkurs, der sich über die Distanz verändert, da wir auf dem Grosskreis segeln, also der kürzesten Verbindung zwischen 2 Punkten auf einer Kugel. Auf der ebenen Karte ist die Grosskreis-Route eine zum Pol leicht gekrümmte Linie, ausser die beiden Punkte liegen auf dem Äquator oder auf dem gleichen Längengrad. Wird der Wind schwächer, luven wir bis 260 Grad an (für Nichtsegler, einen spitzeren Winkel zum Wind segeln), damit ausreichend Druck in den Segeln ist und sie weniger schlagen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 17°50.2’S, 11°18.8’W.

Freitag 27. Januar 2017: Tag 1

Gestern um halb eins haben wir unsere Leinen an der Mooringboje vor James Town gelöst und sind Richtung Brasilien gestartet. Es hätte 2 Stunden früher losgehen sollen, aber das Immigration-Office, wo wir den Ausreisestempel abholen wollten, war am Morgen um 9 verwaist. Wir trafen nur die Putzfrau an, die uns sagte, dass vielleicht um ein Uhr jemand da sei. Im gegenüberliegenden Polizei-Gebäude fragten wir die Rezeptionistin, die, ebenfalls erstaunt, sofort den Polizeichef von St. Helena anrief. Auch er konnte uns nicht helfen. Des Rätsels Lösung war die norwegische Dreimastbark Sorlandet. Am Morgen steuerte sie noch mit Matrosen beim Auftuchen der Segel in den Rahen auf der Reede von James Town zu und ging 300 Meter entfernt von uns vor Anker. Die 70 Personen an Bord, mehrheitlich Seeleute in Ausbildung, bekamen vor Ort ihrem Stempel in den Pass, weshalb das gesamte Immigration-Office und der Harbour-Master, bei dem wir unsere Mooring-Gebühr bezahlen wollten, nicht in ihren Büros waren. Es blieb uns nichts Anderes übrig als zu warten. Als die Immigration-Offizierin an die Pier zurückkam, bekamen wir ganz unbürokratisch unsere Ausreisestempel auf der Strasse in die Pässe.

Mit einem magnetischen Kurs von 270° (der wahre Kurs beträgt 250°) sind wir seither unterwegs ins 2204 Seemeilen entfernte Angra dos Reis, beziehungsweise zur Ilha Grande, der von vielen Seglern als einer der schönsten Flecken an der Küste Brasiliens genannt wird. Diese Insel wird für uns dieses Jahr der westlichste Punkt der Reise sein. Auf unserem Weg dorthin passieren wir nach 1400 Seemeilen die beiden unbewohnten Inseln Ilha Trinidade und Martin Vaz (auf der ersten gibt es einen brasilianischen Militärstützpunkt) und erreichen nach 2100 Seemeilen am Capo Frio die Küste Brasilien. Von dort sind es 60 Seemeilen nach Rio und weitere 60 zur Ilha Grande. Sowohl Rio als auch Angra dos Reis sind offizielle Einklarierungshäfen. Da es jedoch unterschiedliche Aussagen dazu gibt, werden wir möglicherweise zuerst Rio de Janeiro anlaufen. In den nächsten Tagen hoffen wir eine Antwort zu haben.

In den ersten 23,5 Stunden dieser Passage haben wir bei 4 bis 5 Beaufort aus achterlicher Richtung 154 Seemeilen auf unser Ziel gutgemacht. Bis auf einen morgendlichen Regenschauer scheint die Sonne aus dem mit Passatwolken bestücktem Himmel. Nachts war es ohne Mond sternenklar.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 16°49’S, 08°14’W.

Mittwoch 25. Januar 2017: Steil bergauf und rasant hinunter


Gestern und heute bin ich mit dem Mountainbike auf der Insel unterwegs gewesen. Obwohl klein, ist sie ein Eldorado für ambitionierte Bergfahrer. Mit Steigungsprozenten wird nicht gegeizt. Von der Küste geht es 700 Höhenmeter hinauf zum Inneren der Insel. Unter 10% Steigung gibt es nicht. Meistens geht es mit 10 - 15% bergan, mit Ausreissern nach oben bis 24%. So kommen bei einer Runde mit 48 Kilometern 1800 Höhenmeter zusammen. 

Wegen des schwachen Internets auf der Insel mache ich den Post kurz. Den Rest der Bilder und Erklärung gibt es, wenn wir in Brasilien angekommen sind. 

Morgen segeln wir los. Wir rechnen mit 2 Wochen im besten Fall oder 3 Wochen wenn der Wind uns im Stich lässt. Wie bei allen Passagen melden wir uns täglich mit unserer Position am Mittag und was es immer Interessantes zu berichten gibt.  

Montag 23. Januar 2017: Inselrundfahrt

Auf St. Helena leben etwa 4000 Menschen, die 5000 Autos besitzen. Viele (die Autos) sind in einen britisch schlampigen Zustand. Mit einem dieser Autos und unserem Führer Robert waren wir auf einer eintägigen Inselrundfahrt. 



Auf beiden Seiten des tief eingeschnittenen Tales windet sich die Strasse von James Town ins Innere der Insel steil hinauf. 




Die erste Sehenswürdigkeit. Das Grab Napoleons. 25 Jahre, von 1815 bis 1840 verbrachte er auf der Insel, wie die Information des Reisebüro sagt. 6 Jahre lebend und weitere 19 Jahre in seinem Grab, bis sein Sarg 1840 exhumiert wurde und er seine letzte Ruhestätte im Invalidendom in Paris fand.


Longwood House, wo Napoleon seine Verbannung verbrachte. Pläne für ein repräsentativeres Gebäude bestanden, wurden aber wegen seines Todes 1821 nicht mehr realisiert. Das Gebäude und das Gelände sind seit 1851 im Besitz des französischen Staats und heute Sitz des französischen Konsul auf der Insel. In den letzten 2 Jahren wurde alles aufwendig restauriert. Nur der Garten hätte etwas mehr Pflege verdient.


Landschaftliche Kontraste auf St. Helena. Die Bandbreite geht von vulkanisch karg bis zu üppigem Grün.


Der Sitz des britischen Gouverneurs, Plantation House. 

  




Sonntag 22. Januar 2017: Seit 1659 Britisch


Der portugiesische Seefahrer Joao da Nova entdeckte 1502 die Insel und nannte sie nach der Mutter des Portugiesischen Königs St. Helena, da der Namenstag der Tag der Entdeckung war. Portugal hielt aus strategischen Gründen die Existenz der Insel geheim. 

Um 1600 gaben die Portugiesen die Insel auf. Nachfolger waren die Niederländer, die um das Geheimnis dieser Insel gewusst haben. 50 Jahre später verliessen auch sie die Insel wieder, worauf die britische Ostindien Kompanie sie 1659 in Besitz nahm, landwirtschaftlich nutzte und militärisch befestigte. 1673 besetzten die Holländer die Insel für kurze Zeit wurden aber bald von britischen Truppen vertrieben. Bis auf die kurze Unterbrechung 1673 flattert seit 358 Jahren der Union Jack im Passatwind.


Die pittoreske Hauptstrasse von James Town, durch die schon viele berühmte Persönlichkeiten liefen. Genannt werden James Cook, der Astronom Edmond Halley, Joshua Slocum, der erste Mensch, der alleine die Welt umsegelte und natürlich Napoleon Bonaparte, als er seine Verbannung antrat. 

Der Regierungssitz des britischen Gouverneurs. Seit 2016 ist dies zum ersten mal eine Frau; Lisa Phillips. Im Hintergrund die Jacobs Ladder, die James Town mit der Festungsanlage verbindet. 


699 Stufen und 200 Meter Höhenunterschied. Während der Verschnaufpausen geniesst man den Blick aufs Meer und die bunten Häuser von James Town. 


Geschafft. Eindrücklicher Tiefblick. 




Samstag 21. Januar 2017: Landfall in St. Helena


Heute Morgen nähern wir uns St. Helena. Grau vermischt mit ein paar Regentropfen und schöne Böen für die letzten schnellen Meilen. Um 10 Uhr, also nach etwas weniger als 11 Tagen, machten wir an einer Mooring Boje vor James Town fest. 15 andere Boote liegen schon hier, die alle von Südafrika nach Brasilien, Europa oder in die Karibik unterwegs sind.


In den 11 Tagen unserer Passage hatten wir solches Wetter mit schönen Spinnacker-Segeln und solche, an denen wir uns an der Vielfältigkeit von Grautönen erfreuen konnten.


Das war unser Erfolg beim Fischen. Eine sehr schmackhafte Goldmakrele.


 30 Minuten später war die arme Kreatur filetiert.


Und noch etwas aus der Abteilung food blogging.



Bei unserer Annäherung an die Insel melden wir uns per Funk eine Meile vor James Town bei St. Helena Radio und beim Hafenkapitän an. Wir sind noch beim Frühstück als er und eine Person vom Zoll aufs Boot kommen. Wir erledigen die ersten Formalitäten. 

Später geht es mit dem Wasser-Taxi ans Land zur Polizei. Am Montag müssen wir noch zu Immigration, dann sind wir offiziell in St. Helena eingereist. Auf der Bank tauschen wir Geld. St. Helena hat eine eigene Währung, das St. Helena Pound. Es ist 1:1 gekoppelt an das serbelnde Pfund des Mutterlandes.

Einen ersten Eindruck verschaffen wir uns beim Rundgang durch James Town. Alles sehr britisch und seit den Tagen, in denen Napoleon Bonaparte, auf diese einsame Insel im südlichen Atlantik verbannt wurde, kaum verändert. So zumindest die Aussage von David, dem Hafenkapitän.


Wir wollen ein paar Tage hierbleiben, bis wir nach Brasilien aufbrechen. Über unsere Erlebnisse auf der Insel berichten wir in den nächsten Posts. Diese Leiter, die Jakobs-Leiter, gehört sicher zum Programm. 700 Stufen sind zu erklimmen. Falls man als Segler sich nicht dieser Übung aussetzt, soll einem das Glück auf den nächsten Passagen verwehrt bleiben. Also hier hoch, auch wenn es sehr schweisstreibend wird. 




Passage Kapstadt - St. Helena

Freitag 20. Januar 2017: Tag 10

Heute Morgen um viertel nach sieben erreichten wir die geographische Breite von St. Helena, halsten und segeln seither auf westlichem Kurs unserem Ziel entgegen. Bei der Halse hatten wir eine Position 160 Seemeilen östlich von St. Helena. Um 12 Uhr Mittag waren es noch 125 Seemeilen.

In der Nacht passierte uns in grossem Abstand ein Frachter auf seinem Weg nach Le Havre; das erste Schiff seit neun Tagen auf See. Währenddessen umkreiste uns eine Horde von Delphinen, deren Atmen uns auf sie aufmerksam machte. Sie zogen im Wasser einen fluoreszierenden Schweif aus Plankton hinter sich her, der in der bewölkten, dunklen Nacht besonders gut sichtbar war.

Mittlerweile haben wir den Gennacker gesetzt. Mit der höheren Geschwindigkeit des grösseren Segels läuft NOE fast wie auf Schienen und das Grosssegel schlägt kaum noch. Die Geschwindigkeit brauchen wir an sich nicht, da wir den Landfall auf St. Helena gerne bei Tageslicht machen wollen. Sonnenaufgang ist um 6 Uhr Ortszeit beziehungsweise 8 Uhr Bordzeit. Noch haben wir Kapstadt-Zeit an Bord und werden unsere Uhren erst in St. Helena umstellen. Das heisst, wir sollten in den nächsten 14 Stunden nicht mehr als 80 Seemeilen segeln, ansonsten lassen wir uns vor St. Helena bis zum Sonnenaufgang treiben oder wir versuchen eine der Mooring-Bojen in der Bucht vor Jamestown in der Dunkelheit zu fischen, was in einer stockdunklen Nacht ein schwieriges Unterfangen sein kann. Aber bis dahin vergehen noch ein paar Stunden.

Unsere Position um 12 Uhr Bordzeit (1 Stunde vor mitteleuropäischer Zeit) war 16°08’S, 3°28,5’W.

Donnerstag 19. Januar 2017: Tag 9

Viel Spannendes gibt es nicht zu berichten. Ausser dass unser Stromgenerator, der eigentlich eine Maschine ist, einen eigenen Willen entwickelt hat. Schaltet man Verbraucher wie Ladegeräte oder den Warmwasserboiler zu, sollte er die Drehzahl erhöhen. Anstatt reduziert er die Drehzahl, als wolle er uns sagen, dass wir nicht so viel Leistung von ihm abverlangen sollen. So laden wir nun unsere beiden Batterieblöcke einzeln und machen in einem dritten Schritt heisses Wasser. Als wir das letzte Mal ein ähnliches Phänomen hatten, genügten ein paar Bewegungen des Stellmotors, der das Regelsignal auf den Gashebel überträgt. In St. Helena werden wir versuchen dem Generator seinen eigenen Willen auszutreiben.

Seit Tagen kommt der Wind beständig aus Südost, mit 14 bis 20 Knoten, also 4 bis 5 Windstärken. Der Luftdruck ist nahezu konstant und zeigt nur die in den Tropen übliche Variation über den Tag. Auch in der letzten Nacht, wie schon in den vergangenen fünf Nächten, verdeckte eine nahezu vollständige Wolkenschicht das Mondlicht und sie bescherte uns einen grauen Start in den Tag. Wir sind gespannt, wann wir den ersten Sonnentag in diesem Seegebiet erleben dürfen.

Wir segeln etwa 20° Grad östlicher als der direkte Kurs, damit wir den Wind nicht genau von achtern haben. Auf diesem Kurs bewegen wir uns senkrecht zu den Wellen, was die Bewegungen des Schiffes angenehmer macht und die Segel weniger schlagen lässt. Wir erkaufen uns das mit einem längeren Weg zum Ziel. 260 Seemeilen betrug der direkte Weg nach St. Helena heute um 12 Uhr Bordzeit. Zu segeln haben wir etwa 80 Seemeilen mehr. Am Samstag, also nach 11 Tagen, werden wir wohl ankommen.

Unsere Position um 12 Uhr Bordzeit (1 Stunde vor mitteleuropäischer Zeit) war 18°07,6’S, 1°46,3’W.

Mittwoch 18. Januar 2017: Tag 8

Heute Morgen um viertel vor Acht haben wir den Nullmeridian gekreuzt. Wir sind nach mehr als zwei Jahren, seit wir entlang der spanischen Küste Richtung der Strasse von Gibraltar segelten, wieder westlich von Greenwich, sichtbar am „W“ anstatt „E“ beim Längengrad unserer Position.

Mit einer südlichen Breite von 20° nähern wir uns der Zone des Südost-Passats. Dennoch war der Himmel fast den ganzen Tag genauso grau wie in den Tagen zuvor. Erst am Abend lösten sich die Wolken grössenteils auf.-Der Übergang vom SO-Wind des St. Helena Hochs in den SO-Wind des Passats ist fliessend und für uns nicht wahrnehmbar. Einzig der Schwell verringert sich, was bei Windstärke 3-4 nicht verwunderlich ist. Die von gestern bis heute Mittag gutgemachte Distanz nach St Helena war mit 127 Seemeilen ein Negativrekord unter den Etmalen dieser Passage. Wir bemühen uns, diesen Rekord in den verbleibenden zwei Tagen nicht mehr anzugreifen.

Unsere Position um 12 Uhr Bordzeit (1 Stunde vor mitteleuropäischer Zeit) war 20°38’S, 0°27,3’W.

Dienstag 17. Januar 2017: Tag 7

Heute waren der Himmel und das Meer genauso grau wie an den beiden Tagen zuvor. Erst gegen Abend kam die Sonne, wenn auch zaghaft, hervor. Vielleicht hat es geholfen, dass eine Goldmakrele unseren Köder entdeckte und zubiss. Sie an Bord zu holen war kein Problem, weshalb wir heute und morgen frischen Fisch auf dem Speisezettel haben.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Ein grauer Tag mit abnehmendem Wind, nachlassender Bootsgeschwindigkeit und immer noch hoher Welle. NOE geigt weiterhin in der bewegten See hin und her. Wegen des leichten Windes bei immer noch hoher Welle segeln wir nur mit der Fock, da das Grosssegel zu stark schlagen würden. 147 Seemeilen sind wir St. Helena in den letzten 24 Stunden nähergekommen. Die verbleibenden 538 Seemeilen werden wir bei den aktuellen Verhältnissen nicht in 3, sondern eher in 4 Tagen schaffen.

Unsere Position um 12 Uhr Bordzeit (1 Stunde vor mitteleuropäischer Zeit) war 21°33’S, 1°42,5’E.

Montag 16. Januar 2017: Tag 6

Während in vielen Berichten andere Segler die Route von Kapstadt im südlichen Atlantik nach Nordwesten als eine ihrer geruhsamsten beschreiben, zeigt uns das Meer auch seine Zähne. Anders als der Wetterbericht vorhergesagt und bei konstantem Luftdruck frischte der Wind gestern Abend im einem Regenschauer auf 6 Beaufort auf. Kurz vor dem Wachwechsel um Mitternacht wieder ein Schauer mit viel Wind, weshalb wir das Grosssegel bargen und seither nur mit der Fock unterwegs. Im weiteren Verlauf der Nacht überstieg der Wind mehrmals die 30 Knoten Grenze, also 7 Windstärken. Wir waren zufrieden mit unserer Entscheidung bei der Segelfläche abzurüsten.

Durch den Wind baute sich eine grobe See auf. NOE schwankt in den bis zu 3 Meter hohen Wellen von links nach rechts. Das Bordleben geht trotzdem seinen gewohnten Gang, auch wenn das geschmeidige Synchronisieren unserer Bewegungen mit denen des Schiffes nicht immer gelingt. Vom Kochen hält uns das nicht ab. Gestern gab es Kartoffelgratin und frischem Fruchtsalat als Dessert. Heute Pilz-Risotto mit Salat.

Der Wind kommt beständig aus Südost, bläst damit genau in unsere Fahrtrichtung. Wir luven leicht an (für Nichtsegler, wir segeln 20° westlicher oder östlicher als der direkte Weg), damit das Boot ruhiger segelt. Dadurch verlängert sich die zu segelnde Strecke um etwa 15%. In den letzten 24 Stunden haben wir uns um 159 auf 685 Seemeilen St. Helena genähert. Gesegelt sind wir dafür jedoch 186 Seemeilen.

Unsere Position um 12 Uhr Bordzeit (1 Stunde vor mitteleuropäischer Zeit) war 23°25,5’S, 3°28’E.

Sonntag 15. Januar 2017: Tag 5

Heute um 11.15 Bordzeit, also 5 Tage nach unserem Start am Tafelberg, hatten wir die Hälfte der Strecke Kapstadt St. Helena im Kielwasser und die andere Hälfte vor dem Bug. Ob es auch Halbzeit ist, werden wir in den nächsten Tagen sehen.

Nach der aktuellen Wetterprognose, die schwächer werdenden Wind aus Südost meldet, sind für unseren weiteren Weg nach Nordwesten keine besonderen Etmale zu erwarten. Trotzt unseres gestrigen Ritts unter Spinnacker reichte es nur für 160 Seemeilen in 24 Stunden. Der achterliche Wind (also direkt von hinten) ist mit 12 bis 16 Knoten sehr angenehm, jedoch zu schwach, um das Schlagen der Segel, des in den Wellen schwankenden Bootes, zu verhindern. So kreuzen wir vor dem Wind, was die zu segelnde Strecke verlängert und unsere Etmale, berechnet aus der gut gemachten Strecke nach St. Helena, schmälert.

Heute Morgen passierten wir die Valdivia Bank, eine Untiefe 23 Meter unter der Wasseroberfläche, 500 Seemeilen östlich von Lüderitz in Namibia. Kein Problem mit unserem Tiefgang von 2.8 Metern aber laut dem Segelführer von Jimmy Cornell „Segelrouten der Welt“ sollen sich an dieser Stelle Monsterwellen bilden können.

Dass wir wissen, wo diese Untiefe liegt, verdanken wir der Papierseekarte, die den gesamten Atlantik zwischen Südamerika und Afrika abbildet. Trotz des Massstabs von 1:10‘000‘000 ist die Untiefe verzeichnet. Auf beiden elektronischen Karten, die die Daten für die elektronischen Navigationssysteme an Bord liefern, fehlt der Eintrag. Dafür erscheint beim Hochfahren der Systeme der Hinweis, dass sie nur Navigationshilfen darstellen, die die Arbeit mit offiziellen Karten erleichtern sollen. Auch wird darauf hingewiesen, dass man niemals allein den Gerätefunktionen vertrauen soll. Zumindest weiss der Hersteller um die Mängel seiner Produkte.

Unsere Position um 12 Uhr Bordzeit (1 Stunde vor mitteleuropäischer Zeit) war 25°52’S, 4°59’E., 844 Seemeilen bis St. Helena.

Freitag 13. Januar 2017: Tag 3

Einzig der schwankende Wind erforderte in den letzten 24 Stunden unsere Aufmerksamkeit. Nach einem sehr ruhigen Nachmittag mit 4 Beaufort frischte der Wind gegen 21 Uhr in Böen auf 7 Windstärken auf, weshalb wir das Grosssegel bargen und nur unter Fock mit 9 bis 10 Knoten Bootsgeschwindigkeit in die Nacht hineinsegelten. In den folgenden 6 Stunden machten wir 50 Seemeilen auf St. Helena gut. In den Morgenstunden wurde der Wind wieder schwächer und erlaubte uns „nur“ ein Etmal von 178 Seemeilen. Somit liegen 1174 Seemeilen zwischen uns und St. Helena.

Fische, wenn es dann welche hat, sind nicht sehr beissfreudig. Wir ziehen den Köder hinter uns her, aber ohne jeglichen Erfolg oder Teilerfolg.

Ansonsten ist an Bord alles o.k. und die Magennerven der Crew erlauben schon halbe Portionen des vom Skipper gekochten Mittagessens. Oder sind es gar nicht die Magennerven, die die Portionsgrösse bestimmen?

Unsere Position um 12 Uhr Bordzeit (1 Stunde vor mitteleuropäischer Zeit) war 28°55’S, 10°11,5’E.

Donnerstag 12. Januar: Tag 2

In den letzten 24 Stunden hat sich das Meer beruhigt, die Wellenhöhe abgenommen und der Luftdruck ist über 10 mbar gestiegen. Zudem scheint mittlerweile die Sonne bei fast wolkenlosem Himmel, der in der letzten Nacht noch vollständig bedeckt war, was den Blick auf den Vollmond verstellte.

Wir nähern uns dem im subtropischen Südatlantik wetterbestimmenden Hochdruckgebiet, das südlich von St. Helena liegt. An seinem östlichen und später nördlichen Rand sollten wir mit günstigem Wind in den nächsten Tagen gut vorwärtskommen, wenn wir uns dem Kern des Hochs nicht zu sehr nähern. Bis auf ein paar Stunden mit schwächerem Wind segeln wir mit 7 bis 8 Knoten über Grund bei Windgeschwindigkeiten von 15 bis 20 Knoten direkt auf St. Helena zu. Von der unterstützenden Wirkung des Benguela-Stroms, der entlang der afrikanischen Küste nach Norden fliesst, merken wir nichts. Seitdem wir uns von der Küste deutlich entfernt haben, kreuzen keine Frachtschiffe unseren Kurs. Ausser ein paar Seevögeln haben wir keine Begleiter.

Unsere Position um 12 Uhr Bordzeit (1 Stunde vor mitteleuropäischer Zeit) war 30°37,5’S, 12°58,0’E, womit wir in den letzten 24 Stunden 180 Seemeilen St. Helena nähergekommen sind.

Mittwoch 11. Januar:  Tag 1

Kurz nach 12 Uhr Mittag lösten wir gestern unsere Festmacherleinen. Wenige Augenblicke später hatten wir uns schon wieder am Stag vertäut, da der Gashebel klemmte und wir mit der Maschine weder vorwärts noch rückwärts fahren konnten. Mit ein paar Spritzern WD40 auf den Schalthebel und die Schaltmechanik war das Problem gelöst und wir konnten unsere Leinen nun endgültig lösen.

Die beiden Brücken vor der Marina öffneten sich für uns und wir verliessen Kapstadt mit vielen positiven und nachhaltigen Eindrücken. Vorbei an Robben Island, der Insel, auf der die Führer des ANC während der Apartheit gefangen waren, ging es hinaus auf den südlichen Atlantik. In vielen Berichten von Seglern als angenehmer Ozean beschrieben, sind wir gespannt, welche Erfahrungen wir auf der 1700 Seemeilen langen Strecke nach St. Helena machen werden. Die ersten drei Stunden ging es  bei Windstille nur unter Maschine vorwärts. Erst dann stellte sich der vorhergesagte Wind von 5 Beaufort aus südlicher Richtung ein.

Es wurde empfindlich kühl und die bis 3 Meter hohen Wellen und die kabbelige See strapazierten die Magennerven meiner Crew stark. Mit Scopoderm, dem Mittel welches auch bei der Skipperin Wunder wirkte und einer durchgeschlafenen Nacht, sah heute Morgen die Welt für Hagen schon wieder besser aus.

Unsere Position um 12 Uhr Bordzeit (1 Stunde vor mitteleuropäischer Zeit) war 32°25,2’S, 15°48,0’E. In den ersten 23.5 Stunden haben wir 158 Seemeilen St. Helena gutgemacht.

Dienstag 10. Januar 2017: Abschied von Cape Town


Heute ist es soweit. Wir legen ab und starten Richtung St. Helena. In den letzten Tagen zeigte sich der Tafelberg mit einer Wolkenwalze. Table Cloth nennen die Einheimischen dieses Wetterphänomen. Bei starkem Südost-Wind kondensiert sich die Feuchtigkeit der aufsteigenden Luft am Bergrücken aus und löst sich auf der anderen Seite des Berges wieder auf. 

Gestern waren wir 3 Stunden mit dem Ausklarieren beschäftigt. Es braucht eine Bestätigung der V&A Marina, dass wir die Hafengebühr bezahlt haben. Mit dieser Bestätigung geht es zur Hafenbehörde, die besagt, dass wir den Hafen verlassen wollen. Ein weiteres Dokument erhalten wir im zweiten Boothafen von Cape Town, dem Royal Cape Yacht Club, der der offizielle Ausklarierungshafen ist. Bis vor einigen Jahren musste man sogar mit dem Boot in diesen Hafen fahren, um das Papier zu erhalten. Mit den 3 Unterlagen geht es zu Immigration, die, nachdem wir 2 Formulare ausgefüllt und unterschrieben haben, unsere Pässe abstempelt und einen Schein ausstellt, den wir für den Zoll brauchen. Der Zoll-Schalter ist glücklicherweise direkt neben dem Schalter für Immigration. Jetzt erhalten wir das entscheidende Dokument, das wir für die Einreise in St. Helena brauchen und den dortigen Behörden bestätigt, dass wir aus Südafrika kommen.   


Ein Selfie vom Balkon des 11. Stocks des Hochhauses der Hafenbehörde von Kapstadt mit meinem Mitsegler Hagen. Das Büro des Harbourmasters, der uns eines der Dokumente ausstellte, befindet sich in luftiger Höhe mit wundervoller Aussicht über den Hafen und Kapstadt. Das war die Sonnenseite unseres Marathons durch die verschiedenen Behörden. Um in den 11. Stock zu gelangen, mussten wir an der Rezeption in einen Alkohol-Tester blasen. Den Test haben wir mit Bravour bestanden.   

Donnerstag 6. Januar 2017: Temperaturschock


Einen Tag später als geplant bin ich zurück in Südafrika. Der erste Schnee dieses Jahr liess es nicht zu, dass mein Umsteigen in München nach Flugplan klappte. Allen die zu Hause mit der Kälte hadern, widme ich das Bild des Seehunds, der auf dem Steg neben NOE den Tag in der wärmenden Sonne bei 30° verschläft.

Die nächsten Monate werde ich mit verschiedenen Mannschaften NOE via Brasilien, Kap Verden und Kanaren ins Mittelmeer segeln. Dort wird die Skipperin wieder an Bord kommen und wir werden die verbleibende Strecke in heimatlichen Gewässern gemeinsam segeln. Die langen Segelstrecken der doppelten Atlantik-Überquerung will sie sich sparen.


Jetzt verdaue ich den Temperaturschock und bereite NOE für die Querung des südlichen Atlantiks vor. Das erste Ziel ist St. Helena, 1700 Seemeilen in nordwestlicher Richtung von Kapstadt entfernt. Weitere 2500 Seemeilen liegen vor uns, um den Einklarierungshafen Angra dos Reis etwas westlich von Rio zu erreichen. Wenn wir mit unserer üblichen Durchschnittsgeschwindigkeit segeln, sollten wir etwa 24 Tage auf See sein, unterbrochen von einem kurzen Aufenthalt auf St. Helena. Wenn das Wetter mitspielt, geht es am Dienstag oder Mittwoch los.