Freitag 10. Februar 2017: Tag 15
Land in Sicht. Heute um 15 Uhr sahen wir 30 Seemeilen vor uns die 390 Meter hohe Ilha do Capo Frio aus dem Dunst auftauchen. Sie liegt direkt vor der brasilianischen Küste, die an dieser Stelle direkt nach Westen zum 60 Meilen entfernten Rio de Janeiro oder nach Nordosten zum durch Brigit Bardot berühmt gewordenen Badeort Buzios verläuft
Gestern um 18 Uhr starteten wir die Maschine, da der Wind uns im Stich liess. Unter Motor ging es durch die gesamte Nacht bis wir am späten Vormittag wieder Wind fanden. Leider gab es dann nur für eine Stunde herrlichen Segelwind bei traumhaftem Sonnenschein. Bedingungen, die wir in den letzten Tagen vergeblich suchten. Hoch am Wind bei wenig Welle konnten wir bei 12 Knoten Wind und 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit direkt auf unser Ziel zuhalten. Nach einer Stunde stellte der Wind ab und wir den Motor an.
In der Nacht passierten wir im Licht des fast vollen Mondes und den zuckenden Blitzen des Wetterleuchtens aus den am Horizont stehenden Kumuluswolken das etwa 100 Kilometer vor der Küste liegende Pampo Oilfield. Auf über 100 Kilometer Länge erstreckt sich dieses riesige Feld, im dem über 50 Installationen auf der Seekarte verzeichnet sind. Die Förderanlangen und Bohrtürme stehen teilweise auf dem brasilianischen Festlandsockel, wo das Wasser weniger als 100 Meter tief ist. Andere operieren in Wassertiefen von mehr als 2000 Meter. Alle Anlagen senden zur Identifikation ein AIS-Signal, sind aber durch ihre Grösse und üppige Beleuchtung bei klarem Wetter viele Meilen sichtbar.Eine Annäherung von weniger als 500 Meter ist verboten.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 22°58,3’S, 41°09,5’W, 160 Seemeilen westlich unseres Ziel Angra dos Reis. Laut Wetterbericht soll der Wind in den nächsten Stunden schwach bleiben, sodass wir die letzten Meilen dieser Passage unter Maschine fahren werden. Dann sollten wir Morgen um die Mittagszeit nach genau 16 Tagen auf See ankommen.
Donnerstag 9. Februar 2017: Tag 14
Letzte Nacht um null Uhr kreuzte ein in seiner Manövrierfähigkeit eingeschränkter Schleppverband unseren Kurs. Der schöne Wind, den wir seit Dienstagabend geniessen, verabschiedete sich just in dem Moment, als sich unser Abstand zum Schleppverband auf unter einer Meile verringerte und wir entscheiden mussten vor oder hinter ihm durchzugehen. Bei konstant gutem Wind hätten wir problemlos vor ihm passieren können Um eine ausreichende Distanz zu halten halsten wir und gingen hinter ihm wieder auf unseren Kurs Richtung Brasilien.
Geschleppt wurde eine Ölbohrplattform. Im fahlen Mondlicht konnte wir den nur mit Positionslichtern ausgestatteten, riesigen Stahlkolloss schemenhaft erkennen. Mit vier Knoten bewegt sich das Duo über das Meer und soll Anfang März in der Türkei ankommen.
Der Wind hat es uns auf dieser Passage bislang nicht sehr leicht gemacht. Gestern zog er noch eine Gemeinheit aus dem Ärmel. Leichter Wind direkt von vorne. Nachdem der Schlepper mit seinem Ungetüm an uns vorüber war, refften wir das Grosssegel aus und versuchten hoch am Wind, das Beste aus den 2-3 Beaufort herauszuholen.
Am Morgen zog die erste Regenbö des Tages über uns und zwang uns zum Reffen des Grosssegels. Am Mittag wurde der Wind schwächer, worauf wir ausrefften. Um halb 3 Uhr schlief der Wind ein und wir starteten den Motor. Eine Stunde später die nächste Regenbö, in der wir eine dreiviertel Stunde segeln konnten. Dann wieder Flaute und Motor für 30 Minuten. In der Zwischenzeit bargen wir das Grosssegel und segelten unter Fock durch die nächste Regenbö. Nach unserer bisherigen Erfahrung sind die Böen nie stärker als 20 Knoten bzw. 5 Beaufort, also unkritisch was das Segeln angeht. Aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Lange hält sich der Wind in den Regenschauern nicht. Nach 45 Minuten lief der Motor schon wieder. Langer Rede, kurzer Sinn. Das sind keine optimalen Bedingungen, ausser man trainiert Segelmanöver.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 22°22,3’S, 38°18,7’W. Damit liegen noch 321 Seemeilen vor uns und das Etmal des Tages betrug 145 Seemeilen. Ankommen werden wir sicher. Eine Prognose, wann das sein wird, wagen wir bei den herrschenden Verhältnissen eher nicht.
Mittwoch 8. Februar 2017: Tag 13
Endlich wieder einmal ein schönes Etmal. 169 Seemeilen machten wir zwischen dem gestrigen und dem heutigen Schiffsmittag, also 12 Uhr unserer Bordzeit, auf unser Ziel Brasilien gut. Das bislang zweitbeste Etmal auf dieser Passage. 466 Meilen liegen nun noch vor uns.
Der Wind kommt nun wir vorhergesagt aus Nordosten, bläst damit schräg von hinten und schiebt uns mit 4 Windstärken mit 7 bis 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit nach Westen. Wir segeln mit doppelt gerefftem Grosssegel und Genua, da mit gewisser Regelmässigkeit Regenschauer über uns hinwegziehen. In den Regenschauern frischt der Wind auf 5 bis 6 Windstärken auf, wo wir uns mit reduzierter Segelfläche deutlich wohler fühlen.
Heute sahen wir zum ersten Mal nach 10 Tagen wieder ein Schiff. Die 100 Meter lange Maria S. Merian kreuzte unseren Kurs mit 2 Meilen Abstand auf ihrem Weg zu den Kap Verden. In 9 Tagen wollen sie dort ankommen. Unser Weg wird uns ebenfalls auf die Kap Verdenführen, aber erst in einigen Wochen. Zum zweiten Mal, nach unserem ersten Besuch im November 2014. Die Inselgruppe wird neben den Kanaren die einzige sein, die wir auf unserer Reise zweimal besuchen.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°52,7’S, 35°52,7’W.
Dienstag 7. Februar 2017: Tag 12
Nach dem gestrigen Action-Vormittag war der heutige Tag richtig langweilig. Dafür mit einer Annäherung an Brasilien von 143 Seemeilen im für diese Passage oberen Bereich der Etmale. Segeln mussten wir dafür 171 Seemeilen und viermal halsen. Die Zahl unserer Halsen hat sich damit auf 17 erhöht. Dies manchen wir, um möglichsten den besten, also geringsten, Winkel zwischen unserem Kurs und dem direkten Weg ohne Schlagen der Segel zu steuern. Jedes Mal, wenn der Wind um mehr als 10 Grad dreht, halsen wir, damit wir uns auf dem anderen Bug (für Nichtsegler, Wind von der anderen Seite des Bootes) schneller, also mit einem direkteren Weg, unserem Ziel nähern.
Als wir in St. Helena starteten, war ein anderes Segelboot seit 38 Stunden ebenfalls in Richtung Rio unterwegs. Es handelt sich um eine 56 Fuss lange Yacht der englischen Marke Oyster mit 4 Personen an Bord. Wir vereinbarten via Satelliten-Email in Kontakt zu bleiben. Anfangs tauschen wir unsere Positionen und später Wetter- und Windinformationen aus. So wussten wir, dass wir nicht alleine mit den schwierigen Bedingungen kämpften. Im letzten Mail schrieben sie uns, dass sie wegen fehlendes Windes seit über 24 Stunden unter Maschine unterwegs sind.
Heute Morgen hatten wir wieder Kontakt. Sie werden heute in Rio ankommen und segelten in den letzten Stunden bei schönen Wind zwischen 20 und 30 Knoten. Ihren grossen Vorsprung, der nun auf 4 Tage angewachsen ist, ergibt sich aus der Leistung ihres Motors und ihres grossen Dieseltanks. 120 Stunden sei er seit St. Helena gelaufen, schrieben sie uns. Unser Motor lief seit St. Helena noch nicht, obwohl die Versuchung vorhanden war, den misslichen Bedingungen mit Motorkraft zu entfliehen. Bislang konnten wir dieser Versuchung widerstehen und wie es für die nächsten Tage aussieht, werden wir bis Capo Frio gute Bedingungen zum Segeln mit einem für uns günstigen Windwinkel antreffen.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°31,7’S, 32°45’W. Damit liegen noch 635 Seemeilen vor uns.
Montag 6. Februar 2017: Tag 11
Der Morgen begann mit einem Malheur. Nach dem Frühstück setzten wir, wie an vielen Tagen dieser Passage den Gennaker. Beim Setzen des Segels konnte ich die Leine des Bergeschlauchs nicht fassen und der Gennaker entfaltet sich selbstständig.Land in Sicht. Heute um 15 Uhr sahen wir 30 Seemeilen vor uns die 390 Meter hohe Ilha do Capo Frio aus dem Dunst auftauchen. Sie liegt direkt vor der brasilianischen Küste, die an dieser Stelle direkt nach Westen zum 60 Meilen entfernten Rio de Janeiro oder nach Nordosten zum durch Brigit Bardot berühmt gewordenen Badeort Buzios verläuft
Gestern um 18 Uhr starteten wir die Maschine, da der Wind uns im Stich liess. Unter Motor ging es durch die gesamte Nacht bis wir am späten Vormittag wieder Wind fanden. Leider gab es dann nur für eine Stunde herrlichen Segelwind bei traumhaftem Sonnenschein. Bedingungen, die wir in den letzten Tagen vergeblich suchten. Hoch am Wind bei wenig Welle konnten wir bei 12 Knoten Wind und 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit direkt auf unser Ziel zuhalten. Nach einer Stunde stellte der Wind ab und wir den Motor an.
In der Nacht passierten wir im Licht des fast vollen Mondes und den zuckenden Blitzen des Wetterleuchtens aus den am Horizont stehenden Kumuluswolken das etwa 100 Kilometer vor der Küste liegende Pampo Oilfield. Auf über 100 Kilometer Länge erstreckt sich dieses riesige Feld, im dem über 50 Installationen auf der Seekarte verzeichnet sind. Die Förderanlangen und Bohrtürme stehen teilweise auf dem brasilianischen Festlandsockel, wo das Wasser weniger als 100 Meter tief ist. Andere operieren in Wassertiefen von mehr als 2000 Meter. Alle Anlagen senden zur Identifikation ein AIS-Signal, sind aber durch ihre Grösse und üppige Beleuchtung bei klarem Wetter viele Meilen sichtbar.Eine Annäherung von weniger als 500 Meter ist verboten.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 22°58,3’S, 41°09,5’W, 160 Seemeilen westlich unseres Ziel Angra dos Reis. Laut Wetterbericht soll der Wind in den nächsten Stunden schwach bleiben, sodass wir die letzten Meilen dieser Passage unter Maschine fahren werden. Dann sollten wir Morgen um die Mittagszeit nach genau 16 Tagen auf See ankommen.
Donnerstag 9. Februar 2017: Tag 14
Letzte Nacht um null Uhr kreuzte ein in seiner Manövrierfähigkeit eingeschränkter Schleppverband unseren Kurs. Der schöne Wind, den wir seit Dienstagabend geniessen, verabschiedete sich just in dem Moment, als sich unser Abstand zum Schleppverband auf unter einer Meile verringerte und wir entscheiden mussten vor oder hinter ihm durchzugehen. Bei konstant gutem Wind hätten wir problemlos vor ihm passieren können Um eine ausreichende Distanz zu halten halsten wir und gingen hinter ihm wieder auf unseren Kurs Richtung Brasilien.
Geschleppt wurde eine Ölbohrplattform. Im fahlen Mondlicht konnte wir den nur mit Positionslichtern ausgestatteten, riesigen Stahlkolloss schemenhaft erkennen. Mit vier Knoten bewegt sich das Duo über das Meer und soll Anfang März in der Türkei ankommen.
Der Wind hat es uns auf dieser Passage bislang nicht sehr leicht gemacht. Gestern zog er noch eine Gemeinheit aus dem Ärmel. Leichter Wind direkt von vorne. Nachdem der Schlepper mit seinem Ungetüm an uns vorüber war, refften wir das Grosssegel aus und versuchten hoch am Wind, das Beste aus den 2-3 Beaufort herauszuholen.
Am Morgen zog die erste Regenbö des Tages über uns und zwang uns zum Reffen des Grosssegels. Am Mittag wurde der Wind schwächer, worauf wir ausrefften. Um halb 3 Uhr schlief der Wind ein und wir starteten den Motor. Eine Stunde später die nächste Regenbö, in der wir eine dreiviertel Stunde segeln konnten. Dann wieder Flaute und Motor für 30 Minuten. In der Zwischenzeit bargen wir das Grosssegel und segelten unter Fock durch die nächste Regenbö. Nach unserer bisherigen Erfahrung sind die Böen nie stärker als 20 Knoten bzw. 5 Beaufort, also unkritisch was das Segeln angeht. Aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Lange hält sich der Wind in den Regenschauern nicht. Nach 45 Minuten lief der Motor schon wieder. Langer Rede, kurzer Sinn. Das sind keine optimalen Bedingungen, ausser man trainiert Segelmanöver.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 22°22,3’S, 38°18,7’W. Damit liegen noch 321 Seemeilen vor uns und das Etmal des Tages betrug 145 Seemeilen. Ankommen werden wir sicher. Eine Prognose, wann das sein wird, wagen wir bei den herrschenden Verhältnissen eher nicht.
Mittwoch 8. Februar 2017: Tag 13
Endlich wieder einmal ein schönes Etmal. 169 Seemeilen machten wir zwischen dem gestrigen und dem heutigen Schiffsmittag, also 12 Uhr unserer Bordzeit, auf unser Ziel Brasilien gut. Das bislang zweitbeste Etmal auf dieser Passage. 466 Meilen liegen nun noch vor uns.
Der Wind kommt nun wir vorhergesagt aus Nordosten, bläst damit schräg von hinten und schiebt uns mit 4 Windstärken mit 7 bis 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit nach Westen. Wir segeln mit doppelt gerefftem Grosssegel und Genua, da mit gewisser Regelmässigkeit Regenschauer über uns hinwegziehen. In den Regenschauern frischt der Wind auf 5 bis 6 Windstärken auf, wo wir uns mit reduzierter Segelfläche deutlich wohler fühlen.
Heute sahen wir zum ersten Mal nach 10 Tagen wieder ein Schiff. Die 100 Meter lange Maria S. Merian kreuzte unseren Kurs mit 2 Meilen Abstand auf ihrem Weg zu den Kap Verden. In 9 Tagen wollen sie dort ankommen. Unser Weg wird uns ebenfalls auf die Kap Verdenführen, aber erst in einigen Wochen. Zum zweiten Mal, nach unserem ersten Besuch im November 2014. Die Inselgruppe wird neben den Kanaren die einzige sein, die wir auf unserer Reise zweimal besuchen.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°52,7’S, 35°52,7’W.
Dienstag 7. Februar 2017: Tag 12
Nach dem gestrigen Action-Vormittag war der heutige Tag richtig langweilig. Dafür mit einer Annäherung an Brasilien von 143 Seemeilen im für diese Passage oberen Bereich der Etmale. Segeln mussten wir dafür 171 Seemeilen und viermal halsen. Die Zahl unserer Halsen hat sich damit auf 17 erhöht. Dies manchen wir, um möglichsten den besten, also geringsten, Winkel zwischen unserem Kurs und dem direkten Weg ohne Schlagen der Segel zu steuern. Jedes Mal, wenn der Wind um mehr als 10 Grad dreht, halsen wir, damit wir uns auf dem anderen Bug (für Nichtsegler, Wind von der anderen Seite des Bootes) schneller, also mit einem direkteren Weg, unserem Ziel nähern.
Als wir in St. Helena starteten, war ein anderes Segelboot seit 38 Stunden ebenfalls in Richtung Rio unterwegs. Es handelt sich um eine 56 Fuss lange Yacht der englischen Marke Oyster mit 4 Personen an Bord. Wir vereinbarten via Satelliten-Email in Kontakt zu bleiben. Anfangs tauschen wir unsere Positionen und später Wetter- und Windinformationen aus. So wussten wir, dass wir nicht alleine mit den schwierigen Bedingungen kämpften. Im letzten Mail schrieben sie uns, dass sie wegen fehlendes Windes seit über 24 Stunden unter Maschine unterwegs sind.
Heute Morgen hatten wir wieder Kontakt. Sie werden heute in Rio ankommen und segelten in den letzten Stunden bei schönen Wind zwischen 20 und 30 Knoten. Ihren grossen Vorsprung, der nun auf 4 Tage angewachsen ist, ergibt sich aus der Leistung ihres Motors und ihres grossen Dieseltanks. 120 Stunden sei er seit St. Helena gelaufen, schrieben sie uns. Unser Motor lief seit St. Helena noch nicht, obwohl die Versuchung vorhanden war, den misslichen Bedingungen mit Motorkraft zu entfliehen. Bislang konnten wir dieser Versuchung widerstehen und wie es für die nächsten Tage aussieht, werden wir bis Capo Frio gute Bedingungen zum Segeln mit einem für uns günstigen Windwinkel antreffen.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°31,7’S, 32°45’W. Damit liegen noch 635 Seemeilen vor uns.
Montag 6. Februar 2017: Tag 11
Über den Gennaker wird wie ein Strumpf der Bergschlauch gezogen, um ihn einfacher Setzen und Bergen zu können. Beim Setzen zieht man den Bergschlauch samt Gennaker in die Mastspitze. Mit der Bergeleine wird der Bergeschlauch nach oben beziehungsweise vor dem Bergen nach unten gezogen. Während des Segelns ist die Bergeleine am Boot vertäut.
Da sich der Gennaker heute Morgen selbständig durch den Winddruck entfaltete, sauste die Bergeleine mit dem nach oben fahrenden Schlauch ebenfalls nach oben. Um an die Bergeleine zu kommen, mussten wir den 180 Quadratmeter grossen Gennaker ablassen, was mit 2 Personen, wobei eine das Fall im Cockpit bedienen muss, eine anforderungsreiche Übung ist. Nach Murphys Law passierten beim Ablassen zwei Pannen. Die Bergeleine verfing sich in der Saling. Deshalb Gennaker nochmals nach oben und beim Wiederablassen passierte das Malheur. Der Gennaker fiel ins Wasser. NOE machte selbst unter doppelt gerefftem Grosssegel so gute Fahrt, dass es den Gennaker sofort ins Wasser zog. Ihn über die Reling wieder an Bord zu holen, war hoffnungslos.
Selbst als wir das Grosssegel geborgen hatten, war unser Problem nicht gelöst. Der Zug auf dem Segel im Wasser durch das treibende Boot war zu gross. Wir lösten bis auf das Fall alle Leinen, mit denen der Gennaker mit dem Boot verbunden ist. Dadurch treibt der Gennaker nach achtern aus. Es sah wie ein Walfischfänger aus, mit seiner toten Beute im Schlepptau. So konnten wir den Gennaker über das Heck einholen, am Schluss den Kopf des Segels vom Bergeschlauch abschlagen und den Rest des Segels an Bord nehmen.
Zuerst setzten wir wieder das Grosssegel, zogen den tropfnassen Gennaker in seinen Bergeschlauch, schlugen alle Schoten und die Halsleine an, setzten ihn, achteten darauf dass die Bergeleine nicht verloren geht und zogen den Bergeschlauch nach oben. Der Blick in den aufgeblähten Gennaker zerstreute unsere Sorgen. Er hatte bei dieser Tortur zum Glück keinen Schaden genommen. Eine Stunde hat die gesamte Übung gedauert. Kleine Ursache, grosse Wirkung
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°29,5’S, 30°08,3’W. 126 Seemeilen haben wir uns unserem Ziel genähert und es verbleiben noch 778. Ein paar Seemeilen haben wir durch unser Malheur verloren. Gestern um 22 Uhr segelten wir 30 Meilen südlich der zu Brasilien gehörenden Inseln Martin Vaz und Trinidade. Beide Inseln sind Schutzgebiete und man darf sich ihnen nur bis zur 50 Meter Tiefenlinie näher. Einen Blick hätten wir gerne auf die Inseln geworfen, aber in der Nacht, trotz hellem Mond, schien uns das zu wenig lohnend
Sonntag 5. Februar 2017: Tag 10
Das einzige, was derzeit an Bord nicht nach unserem Geschmack ist, ist das Wetter. Wir dachten gestern, dass die Wettermodelle die Situation der nächsten Tage richtig vorhersagen. Konnten wir gestern Nachmittag bei nordöstlichem Wind einige Zeit mit einer Bootsgeschwindigkeit von 8 Knoten direkt in Richtung unseres Ziels segeln, war die Freude nur von kurzer Dauer. In der Nacht drehte der Wind zurück auf Südost, wurde schwächer und wir dümpelten mit schlagenden Segeln auf dem Ozean. Anluven hilft das Schlagen der Segel zu vermeiden. Nachteil ist der längere Weg.
Heute Morgen setzten wir beim Wachwechsel um 8 Uhr den Gennacker, was uns bei gleichem Kurs ein bis zwei Knoten mehr Fahrt bringt. Um 15 Uhr und 40 Meilen näher am Ziel wieder Ende der Vorstellung. Regenschauer von allen Seiten brachten uns ein paar letzte Böen und liessen NOE auf über 9 Knoten beschleunigen. Als sie sich vorzogen, standen wir mit nassen Gennacker in der Flaute.
Wie mühsam diese Passage bislang ist, zeigt der Vergleich mit den Tagesmeilen der anderen Passagen.
Passage Distanz Zeit Meilen/Tag
Atlantik Nord (Cap Verden Karibik) 2110 14d18h 143
Pazifik (Galapagos Marquesas) 2980 17d18h 168
Indischer Ozean (Cocos La Réunion) 2450 14d0h 175
Atlantik Süd (900 Meilen vor Brasilien) 1300 10d0h 130
Auch wenn es etwas mühsam ist, kommen wir unserem Ziel unaufhaltsam näher. 124 Seemeilen waren es in den letzten 24 Stunden, womit wir die Distanz auf 904 Seemeilen verkürzten.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 20°50’S, 27°59’W.
Samstag 4. Februar 2017: Tag 9
Wir kommen bei den herrschenden Verhältnissen und unserem konservativen Segelstil nicht richtig in die Gänge. Wieder ein unterdurchschnittliches Etmal von 123 Meilen. 1028 Seemeilen liegen noch vor uns. Der Wind wehte auch in den letzten 24 Stunden in die Richtung in die wir wollen. Während der Nacht segelten wir nur mit der Genua und liessen das Grosssegel eingepackt im Baum liegen. Die meiste Zeit eher untermotorisiert, waren wir jedoch ein paar Mal froh nur so wenig Tuch im Wind zu haben. Eine Handvoll Regenschauer gleichmässig über die ganze Nacht verteilt, einer mit Windstärke 7, die anderen mit 6 Beaufort, gaben uns recht. Mehrmals ein- und ausreffen, wäre eine Alternative gewesen, aber deutlich zu Lasten des Komforts.
Um die Mittagszeit drehte der Wind auf Nordost. Das Hoch, welches uns eine ganze Woche wenig optimale Verhältnisse brachte, verlagert sich nach Nordosten. Zudem segeln wir nach Westen, wodurch wir auf die Nordwestseite des Hochs und damit in den Bereich des Nordostwinds kommen. Die Situation soll solange für uns wetterbestimmend sein, bis wir Mitte der nächsten Woche in die sich vor Küste Brasiliens aufbauenden Tiefdruckgebiete gelangen. Was dort auf uns wartet, konnte der Meteorologe vom Dienst nicht sagen. Die Modelle zeigen noch zu unterschiedliche Resultate. Anfang nächster Woche werden wir es erfahren.
Am Vormittag haben wir das dritte Brot dieser Passage gebacken. Diesmal ein Dinkel-Roggen-Brot. Ob es gelungen ist, schmecken wir heute Abend. Ein Fisch hat immer noch nicht angebissen. Auch die vier Seevögel, die neugierig, aus dem Nichts auftauchend, den Köder beäugten, waren keine Vorboten für Meeresbewohner.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 21°15’S, 25°39,3’W.
Freitag 3. Februar 2017: Tag 8
Als ob der Atlantik unseren letzten Post gelesen hätte und zeigen wollte, was in ihm steckt. Am frühem Morgen um halb 4 Uhr schickte er uns eine Regenbö mit kräftigen 6 Windstärken, liess NOE, die bis dahin mit Vollzeug unter Autopilot dahinsegelte, in den Wind schiessen und bescherte uns ein paar Minuten intensive Arbeit das Grosssegel zu reffen. Die Genua haben wir in der gleichen Aktion ebenfalls verkleinert.
Mit der richtigen Segelgarderobe ging es durch den wieder sonnigen Vormittag, der uns konstante 5 bis 6 Beaufort und einer knapp 2 Meter hohen Welle brachte. Alles in allem, schönes Hochseesegeln auf einer etwas ondulierter Unterlage.
Mit einer gesegelten Strecke von 173 Seemeilen war die Annäherung an unser Ziel 135 auf 1151 Meilen, da der Wind immer noch in die Richtung bläst, in die wir wollen und wir vor dem Wind kreuzen.
Heute Abend gegen 22 Uhr feiern wir Bergfest. Von den 2204 Seemeilen St. Helen – Angra dos Reis haben wir die Hälfte im Kielwasser. Für den zweiten Teil sollten wir nicht länger brauchen als für den ersten. Das aktuelle Wetterrouting von heute Morgen sieht frischen und am Ende möglicherweise starken Wind voraus, der ab Sonntag in einem angenehmeren Winkel zu unserem Kurs wehen sollte.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 20°13.3’S, 23°37,5’W.
Donnerstag 2. Februar 2017: Tag 7
Der Wind ist wie versprochen zurück und die gutgemachte Distanz von 128 Seemeilen in den letzten 24 Stunden liegt im aufsteigenden Trend. Die gesegelte Strecke war 154 Meilen. Der Wind weht ziemlich genau in die Richtung, in die wir wollen, weshalb wir vor dem Wind kreuzen. Daraus resultiert ein 20% längerer Weg, was sich auch in den nächsten Tagen nicht wesentlich verändern wird. In den letzten 4 Tagen haben wir 7 Halsen gefahren. Für einen Segler auf unseren heimischen See die Beschäftigung eines halben Nachmittags. Auf dem Ozean ist das Zeitnormal nicht Minuten oder Stunden, sondern Tage.
Nach einer Woche haben wir etwas mehr als 900 Seemeilen zurückgelegt und haben 1286 vor uns. Das Wetter ist immer das gleiche. Meist strahlender Sonnenschein, nur selten eine grössere Wolke, die ein paar vereinzelte Regentropfen abgibt. Das Barometer schwankt in einer minimalen Bandbreite von 2 Millibar zwischen 1015 und 1017 Millibar hin und her. Das Grosssegel haben wir beim Verlassen von St. Helena gesetzt und seither das Fall (für Nichtsegler, die Leine um das Segel den Mast hochzuziehen) nicht angerührt. Nur die Genua tauschen wir an manchen Tagen gegen den Gennacker aus. Wirklich entspannenden dieser Teil des südlichen Atlantiks.
Wir vermuten uns in fischreichen Gewässern. Zumindest lassen die 2 Fischerboote diesen Schluss zu, die wir in den letzten Stunden gesehen haben. Was sie fischen wissen wir nicht. Vielleicht jagen sie Sardinen-Schwärme. Wir ziehen unseren Köder nach aber er zieht nichts an. Also weiterhin Reis, Pasta und Kartoffeln ohne frischen Fisch.
Und dann haben wir noch 2 Elefanten gesehen, die eine Schildkröte verfolgten. Durchgeknallt oder Halluzinationen nach zu vielen Tagen auf See? Mitnichten. Der Beweis folgt, wenn wir unsere Bilder dieser Passage auf den Blog stellen.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 19°55’S, 21°15’W.
Mittwoch 1. Februar 2017: Tag 6
Unsere Strategieänderung entsprechend den Empfehlungen des Wetter-Routings hat sich schon etwas ausgezahlt. Obwohl Dienstag und Mittwoch als die windschwächsten Tage vorhergesagt wurden, konnten wir zwischen gestern 12 Uhr und heute 12 Uhr 80 Meilen auf unser Ziel gutmachen. 11 mehr als gestern. In den ersten 6 Stunden von Tag 7 waren es mit dem aufkommenden Wind schon 35 Seemeilen. Damit liegt ein dreistelliges Etmal in Reichweite. Mit dem heutigen Etmal sind wir Brasilien auf 1414 Meilen nahegekommen.
Ansonsten gibt es wenig Spannendes zu berichten. Der Generator ist zu seinem Eigenleben zurückgekehrt und lässt uns die zwei Batterieladegeräte und den Warmwasserboiler nur separat betreiben. Ansonsten funktionieren alle Systeme an Bord einwandfrei. Da die Versorgung mit Gemüse auf St. Helena sehr schlecht war, verbleiben uns bis zum Ziel, was wir wahrscheinlich in etwa 10 Tagen erreichen sollten, ausser reichlich Kartoffeln und Zwiebeln noch 2 Gurken, ein paar Rüben und eine Handvoll kleiner Stangen Lauch. Für die letzten Tage haben wir uns schon auf Gemüse aus der Dose eingestellt. Besser sieht es mit Obst aus. Hier sollten wir bis Ende dieser Passage frische Äpfel, Bananen und Orangen haben.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 19°21’S, 19°03.5’W.
Dienstag 31. Januar 2017: Tag 5
Gestern Abend wurde der Wind auf unserer südlichen Route so schwach, dass wir unsere Strategie änderten, kurz vor Einbruch der Nacht halsten und uns in der Hoffnung auf besseren Wind auf den Weg nach Norden machten. Kaum eine Meile machten wir in den Nachtstunden auf unser Ziel Brasilen gut, aber die Aussicht auf besseren Wind schien es uns wert. So verkürzten wir die Distanz nach Angra dos Reis in den letzten 24 Stunden nur um 69 Meilen, obwohl wir 113 gesegelt sind. Eine schlechte Ausbeute.
Die von unserem Wetter-Router genannte Breite von 19°30´, die wir in den nächsten 3 Tagen südlich lassen sollen, haben wir mittlerweile ebenso überschritten wie die direkte Route von St. Helena bis Capo Frio auf dem Grosskreis.
Der Wind ist etwas besser geworden. Mit 5-7 Knoten, also 2-3 Beaufort, Windgeschwindigkeit aus achterlicher Richtung lassen sich keine Rekord-Etmale erzielen. Unter Grosssegel und Gennacker schleichen wir nun mit ein paar Knoten Fahrt unserem Ziel entgegen und erwarten sehnsüchtig auf Donnerstag, wenn der Wind zurückkehren sollte.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 19°17’S, 17°37.2’W. Damit verbleiben 1494 Seemeilen für diese Passage.
Montag 30. Januar 2017: Tag 4
Der Wind wird von Tag zu Tag schwächer und die auf unser Ziel gutgemachte Strecke immer kürzer und kürzer. In den letzten 24 konnten wir die Distanz um 142 Seemeilen verringern im Vergleich zu den 156 und 187 Seemeilen in den Tagen zu vor. Die noch zu segelnde Distanz beträgt damit 1565 Seemeilen.
Morgen erwarten wir ein eher noch kleineres Etmal, da der Wind möglicherweise ganz abstellt. Laut heute Morgen erhaltenem Wetterbericht soll Dienstag der windschwächste Tag sein mit einer sehr weiträumigen Verteilung, dass ein Umfahren der Flaute nicht möglich ist. Es wurde uns empfohlen, nicht weiter als 19°30‘ in den Süden zu fahren bis wir bei 24°W sind und dann wieder direkt unseren Wegpunkt vor der brasilianischen Küste anzusteuern. Dadurch sollten wir am geringsten von der Flaute aufgehalten werden. Wollen wir hingegen bei den herrschenden 2 Beaufort aus Südost etwas Geschwindigkeit im Schiff behalten, müssen wir entweder etwas zu weit in den Süden oder auf dem anderen Bug (für Nichtsegler, also der Wind von der anderen Schiffseite) in den Norden fahren ohne Strecke auf unser Ziel gutzumachen. Also ein echter double blind; wie man es macht, ist es nicht richtig. Für die nächsten Stunden wählen wir die südliche Variante in der Hoffnung, dass der Wind nicht ganz einschläft und wir mit dem aufkommenden Wind am Mittwoch, der aus nordöstlicher Richtung kommen soll, wieder auf eine Breite von 19°30‘ segeln können. Falls es doch anders kommt, helfen wir ein paar Stunden mit der Maschine nach.
Wir sehen in der Mitte des südlichen Atlantiks weder Delphine noch Seevögel. Selbst die fliegenden Fische machen sich rar. Immerhin kreuzte letzte Nacht ein chinesischer Supertanker mit einer Länge von 1188 Fuss (362 Meter) im Abstand von 6 Seemeilen unseren Kurs. Ganz alleine sind wir also nicht.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 19°49.6’S, 16°13’W.
Sonntag 29. Januar 2017: Tag 3
Gestern Nachmittag schob sich von Südwesten eine dichte, graue Wolkenschicht über den ansonsten blauen Himmel. Nicht bedrohlich, aber ein im Allgemeinen untrügliches Zeichen, dass sich das Wetter ändert. Kurz vor Mitternacht zog die erste Regenbö über uns hinweg. Wir bargen in der dunklen Neumondnacht sicherheitshalber das Grosssegel, um es eine Stunde später, wegen zu geringer Geschwindigkeit und bei sternenklarem Himmel wieder zu setzen. Am Morgen kam der nächste Regenschauer, jedoch nur mit so viel Wind, dass NOE ungerefft auf angenehme 9 Knoten beschleunigte und wir uns eine Viertelstunde der Geschwindigkeit erfreuen konnten. Im Verlauf des Vormittags kehrte das schöne Passatwetter zurück und wir genossen unser Mittagessen unter der Sonne des Südatlantiks. Zum Essen gab es Tortillas mit einer Füllung aus Kohl, Lauch, Mais, Champignons und Tomaten.
Um 156 auf 1707 Seemeilen haben wir uns in den letzten 24 Stunden unserem Ziel genähert. Die nächtlichen Wind- und Wetterkapriolen haben uns die eine oder andere Meile gekostet. Dafür funktioniert unser Generator ohne unser Zutun wieder tadellos. Anders als vorher, wo wir den Warmwasserboiler und die beiden Batterieladegeräte nur jeweils einzeln zuschalteten, damit die Drehzahl nicht in den Keller ging, können wir jetzt alle Verbraucher gleichzeitig betreiben und der Generator regelt, wie es sein sollte, die Drehzahl nach oben um die geforderte Leistung zu erbringen.
Gestärkt durch das Mittagessen haben wir heute Nachmittag unseren Gennacker, das grosse asymmetrische Leichtwindvorsegel, gesetzt. Bei angenehmen 4 Beaufort aus Ostsüdost geht es seither mit durchschnittlich 8 Knoten unserem Ziel entgegen. Bei Einbruch der Nacht werden wir den Gennacker bergen und mit der normalen Beseglung durch die Nacht fahren. Morgen ist auch wieder ein Tag.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 18°44.3’S, 13°54’W.
Samstag 28. Januar 2017: Tag 2
In den letzten 24 Stunden haben wir 187 Seemeilen auf unser Ziel gutgemacht, das heisst es liegen noch 1863 Seemeilen direkter Weg nach Angra dos Reis vor uns.
Unser Einklarierungsort hat sich mittlerweile auch geklärt. Wir können in Angra dos Reis einklarieren, wie uns der dortige TO-Stützpunkt versicherte und seine Hilfe beim Gang zu den Ämtern anbot. TO steht für Trans Ocean, ein deutscher Verein, dessen Mitglieder laut Eigenwerbung die See im Herzen haben. Der Verein engagiert sich für die Förderung des Hochseesegelns und betreibt derzeit an 177 Standorten über die gesamte Welt verteilt Anlaufstellen für Vereinsmitglieder, zu denen wir auch gehören. Die Stützpunkte sind eher zufällig über die Welt verteilt. Die meisten liegen sinnigerweise an der Küste, es gibt aber auch Stützpunkte in München und in Graz. In Brasilien gibt es 4 Standorte, einer davon glücklicherweise in Angra dos Reis.
Wind und Wetter haben sich in den letzten 24 nicht geändert. Wir haben Südost-Wind mit 4 bis 5 Beaufort, die Wellen sind kaum höher als 2 Meter, die Sonne scheint und wir segeln ungerefft mit Grosssegel und Genua. Unser Kurs beträgt zwischen 275° und 260°. 275° ist unser Zielkurs, der sich über die Distanz verändert, da wir auf dem Grosskreis segeln, also der kürzesten Verbindung zwischen 2 Punkten auf einer Kugel. Auf der ebenen Karte ist die Grosskreis-Route eine zum Pol leicht gekrümmte Linie, ausser die beiden Punkte liegen auf dem Äquator oder auf dem gleichen Längengrad. Wird der Wind schwächer, luven wir bis 260 Grad an (für Nichtsegler, einen spitzeren Winkel zum Wind segeln), damit ausreichend Druck in den Segeln ist und sie weniger schlagen.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 17°50.2’S, 11°18.8’W.
Freitag 27. Januar 2017: Tag 1
Gestern um halb eins haben wir unsere Leinen an der Mooringboje vor James Town gelöst und sind Richtung Brasilien gestartet. Es hätte 2 Stunden früher losgehen sollen, aber das Immigration-Office, wo wir den Ausreisestempel abholen wollten, war am Morgen um 9 verwaist. Wir trafen nur die Putzfrau an, die uns sagte, dass vielleicht um ein Uhr jemand da sei. Im gegenüberliegenden Polizei-Gebäude fragten wir die Rezeptionistin, die, ebenfalls erstaunt, sofort den Polizeichef von St. Helena anrief. Auch er konnte uns nicht helfen. Des Rätsels Lösung war die norwegische Dreimastbark Sorlandet. Am Morgen steuerte sie noch mit Matrosen beim Auftuchen der Segel in den Rahen auf der Reede von James Town zu und ging 300 Meter entfernt von uns vor Anker. Die 70 Personen an Bord, mehrheitlich Seeleute in Ausbildung, bekamen vor Ort ihrem Stempel in den Pass, weshalb das gesamte Immigration-Office und der Harbour-Master, bei dem wir unsere Mooring-Gebühr bezahlen wollten, nicht in ihren Büros waren. Es blieb uns nichts Anderes übrig als zu warten. Als die Immigration-Offizierin an die Pier zurückkam, bekamen wir ganz unbürokratisch unsere Ausreisestempel auf der Strasse in die Pässe.
Mit einem magnetischen Kurs von 270° (der wahre Kurs beträgt 250°) sind wir seither unterwegs ins 2204 Seemeilen entfernte Angra dos Reis, beziehungsweise zur Ilha Grande, der von vielen Seglern als einer der schönsten Flecken an der Küste Brasiliens genannt wird. Diese Insel wird für uns dieses Jahr der westlichste Punkt der Reise sein. Auf unserem Weg dorthin passieren wir nach 1400 Seemeilen die beiden unbewohnten Inseln Ilha Trinidade und Martin Vaz (auf der ersten gibt es einen brasilianischen Militärstützpunkt) und erreichen nach 2100 Seemeilen am Capo Frio die Küste Brasilien. Von dort sind es 60 Seemeilen nach Rio und weitere 60 zur Ilha Grande. Sowohl Rio als auch Angra dos Reis sind offizielle Einklarierungshäfen. Da es jedoch unterschiedliche Aussagen dazu gibt, werden wir möglicherweise zuerst Rio de Janeiro anlaufen. In den nächsten Tagen hoffen wir eine Antwort zu haben.
In den ersten 23,5 Stunden dieser Passage haben wir bei 4 bis 5 Beaufort aus achterlicher Richtung 154 Seemeilen auf unser Ziel gutgemacht. Bis auf einen morgendlichen Regenschauer scheint die Sonne aus dem mit Passatwolken bestücktem Himmel. Nachts war es ohne Mond sternenklar.
Unsere Position um 12 Uhr mittags (Zeitzone UTC, also 1 h Stunde nach MEZ) war 16°49’S, 08°14’W.






















