Galapagos-Marquesas


Alle Berichte dieser Teilstrecke werden Abschnitte eines Posts sein. Dies, weil die Anzahl der Posts bei Blogspot auf 500 pro Blog begrenzt ist. So erreichen wir weniger schnell diese Grenze.
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Mittwoch 29.April 2015: Rosas polynesisches Hühnchen

Als wir wie abgemacht um 12 Uhr bei Rosa waren, trafen wir nur ihre Tochter. Rosa sei im Nachbardorf beim Arzt. Fatua Hiva hat zwei Ortschaften, Hanavave und Omoa, welche 17 Kilometer über Land oder 3 Seemeilen auf dem Wasser entfernt voneinander sind. Die Frage der Tochter, ob wir hungrig sind, bejahten wir, worauf sie in der Nachbarschaft verschwand und mit zwei Tellern Reis mit Huhn für uns zurückkam. Es schmeckte ganz ordentlich und als wir mit dem Essen fast fertig waren, kam Rosa und entschuldigte sich vielmals, dass sie nicht mehr an uns gedacht hatte. Zum Nachtisch gab es Pampelmuse, in der Grösse eines Kinderkopfs. Sehr saftig und leicht süsslich.

Die Einrichtung des Hauses war einfach und bestand aus zwei Tischen, zwei Bänken und einem Fernseher. Eine Küche gab es nicht, gekocht wird auf der Feuerstelle hinter dem Haus. Dort garten gerade zwei Brotfrüchte. Uru, wie sie das Gericht nennen, ähnelt unserem Kartoffelbrei.

Rosa Schwiegertochter war mit ihrem 5 monatigen Baby anwesend und erzählte uns, dass sie in Papeete entbunden hat. Das heisst, zuerst eine 50 Seemeilen Bootsfahrt mit einen kleinen, offenen Boot nach Hiva Oa, dann der Flug nach Tahiti. 1500 Kilometer bis zum nächsten Krankenhaus.
Fatu Hiva hat wegen der Topographie und der geringen Einwohnerzahl von etwa 700 Menschen kein Flugfeld. Es gibt auch keine regelmässige Schiffsverbindung zu einer der anderen Inseln der Marquesas-Gruppe. Wer nach Fatu Hiva möchte, muss sich selbst organisieren. Oder man schifft sich in Papeete auf dem Versorgungsschiff Aranui III ein und fährt ein paar Wochen durch die Tuamotu-Inseln bis zu den Marquesas. Wahrlich keine Destination für den Massentourismus.
Neben der Selbstversorgung sichert die Produktion von Coprah ihren Lebensunterhalt. Coprah ist das getrocknete Fruchtfleisch der Kokosnüsse. Sie werden aufgebrochen, das Fruchtfleisch von der Schale getrennt und vor Regen geschützt unter einem Dach aus Wellblech getrocknet. In Säcken abgefüllt, geht die Ware mit dem Versorgungsschiff nach Tahiti zur Ölproduktion.
Dienstag 28.April 2015: Landfall of Paradise

Heute Morgen in der frühen Dämmerung um 5.45 segelten wir an der Nordspitze Fatu Hivas vorbei. Nach knapp 18 Tagen und 3000 Seemeilen haben wir die längste Teilstrecke unserer Reise ohne Schwierigkeiten oder Probleme gemeistert. Das Wetter, abgesehen von eine paar Regenschauern in den ersten Tagen, war mit viel Sonne, moderatem Seegang und angenehmen 3-6 Windstärken ebenfalls auf unserer Seite. Den Pazifik haben wir seit Panama bislang als friedlichen Ozean erlebt.
In der Baie Hanavave, die ein paar Meilen südlich an der geschützten Westküste Fatu Hivas liegt, liegen wir nun vor Anker und bewundern die satten Grüntöne der verschiedenen Pflanzen an den steilen Hängen und die ursprünglich für diese Bucht namensgebenden Felsformationen. Mit Jungfrauen haben sie überhaupt nichts zu tun.
Bei einem ersten Landgang realisierten wir, dass sich nicht viel seit den Tagen James Cooks geändert hat. Anders als damals gibt es technische Einrichtungen, wie einen Dieselgenerator für den Strom, Autos, Solarzellen, Parabol-Antennen und eine Post, die stundenweise geöffnet hat. Dort soll es, wenn es Strom gibt, auch einen Internet-Zugang geben. Die Geldwirtschaft ist ausser in einem kleinen Laden gegenüber dem Tauschhandel eher unterentwickelt.
Wo wir fragten, ob wir Früchte kaufen können, wurden wir aufs Tauschen angesprochen. Parfüm und Hochprozentiges werden von den Polynesiern sehr geschätzt. Beides haben wir nicht an Bord und Verantwortung für die Ausbreitung des Alkoholismus wollen wir nicht tragen. Zum Glück sind auch T-Shirts, Schokolade und Kekse als Tauschgüter akzeptiert.
Beim Spazieren durch den Ort wurden wir von Rosa angesprochen, die mit einer Blume am Ohr vor ihrem Haus sass. Sie fragte, ob wir morgen bei ihr Einkehren wollten. Sie werde uns Huhn in polynesischer Sauce kochen. Wir sind gespannt und werden berichten, wie empfehlenswert die polynesische Küche ist.
Sonntag 26.April 2015, 16. Tag: Wir schleichen durch die Südsee

Bald nachdem ich den letzten Post geschrieben und abgeschickt hatte, wurde der Wind deutlich schwächer. Seither treiben wir (segeln kann man es kaum noch nennen) bei 10 Knoten Wind mit 5 Knoten Bootsgeschwindigkeit dahin. In den letzten 24 Stunden kamen wir daher unserem Ziel nur 117 Seemeilen näher. Unsere Ankunftsprognose müssen wir auf Dienstag revidieren, wenn wir, was wir annehmen, für die letzten 220 Seemeilen die gleichen Bedingungen haben.

Wir sind so langsam, dass wir nicht einmal die Fliegenden Fische erschrecken können. Selten sehen wir sie, wie sie vor uns zur Flucht über das Wasser ansetzen. Sind wir schneller unterwegs, springen ganze Schwärme aus dem Wasser und fliegen links und rechts vom Bug davon um nach einigen zig Metern in einer Welle zu verschwinden. Manche sind richtige Flugkünstler und schaffen es durch einige Wellentäler hindurch zu fliegen.


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um sonntäglichen Mittagessen gibt es Älplermaggeronen mit Käse von einer Alp oberhalb des Tamiatals bei Bad Ragaz. Ganz lecker und tröstest über das schwache Etmal hinweg.

Position um 12 Uhr mittags: 9°42‘ S, 135°01‘ W.
Samstag 25.April 2015, 15. Tag: Mitternachtsaktion
In den letzten 24 Stunden drehte der Wind erwartungsgemäss stetig von Südost auf Ost. Da wir nach Westen segeln, kommt er jetzt genau von achtern. In der Nacht bargen wir unser Grosssegel und setzten den Spinnackerbaum um die Genau auszubaumen. Das Grosssegel werden wir bis zu den Marquesas wohl nicht mehr brauchen, weshalb wir es trotzt später (oder früher) Stunde sauber im Grossbaum verstauten. Jetzt schlägt kein Grosssegel mehr und wir laufen mit etwa 7 Knoten unserem Ziel entgegen. Heute Morgen haben wir unser kleines Stagsegel „Max“ gesetzt, was ein paar Zehntel Knoten zusätzliche Geschwindigkeit erbringt.

Die nächtliche Aktion hat eine Stunde gedauert und direkt vor dem Wind sind wir leider auch nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Tagen. Entsprechend resultierte ein schmales Etmal von 149 Seemeilen. Für die verbleibenden 334 Seemeilen sollten wir etwa 50 Stunden brauchen. Die Prognose, dass wir am Montag ankommen, bleibt gültig.

Unsere Vorräte an Bananen, Kartoffeln, Zwiebeln und Rübli neigen sich langsam dem Ende. Gestern haben wir 100 Liter Wasser produziert, wobei wir mit unseren 480 Litern in den Wassertanks problemlos über die Runden kommen würden. Diesel haben wir mehr als genug, da der Motor seit Galapagos nur ein paar Stunden lief und wir für die Stromerzeugung nur etwa 2 Liter am Tag brauchen. Und Gas zum Kochen und Backen haben noch für mehr als 2 Monate. Wir müssen keinen Hunger leiden oder die Rationen kürzen. Auf einen frischen Salat auf Fatu Hiva freuen wir uns allemal.

Unsere Position um 12 Uhr mittags: 9°32‘ S, 133°04‘ W.

Freitag 24.April 2015, 14. Tag: Vive la France

Unsere Etmale pendeln sich mit geringer Bandbreite bei einem Durchschnitt von 180 Seemeilen ein. In den letzten 24 Stunden haben wir uns 183 Seemeilen unserem Wegpunkt Marquesas genähert und sind jetzt, nach zwei Wochen Segeln mit einer Strecke von 2500 Seemeilen, 483 Seemeilen östlich von ihm. D.h. wir sollten in drei Tagen auf Fatu Hiva sein, wenn der Wind in etwa so bleibt wie er derzeit weht.

Auch wenn Fatu Hiva kein Port of Entry ist, also für den ersten Landfall an sich nicht in Frage kommt, wird es wohl stillschweigend geduldet. Kollegen des kanadischen Skippers, mit dem wir uns vorgestern über Funk unterhalten haben, sind schon dort und konnten keinen Gendarmen ausfindig machen. Das heilt zwar nicht die Illegalität, aber wo kein Kläger, da kein Richter. Hier kommt uns das französische Laissez-faire zu gute.

Die Marquesas gehören mit den Gesellschaftsinseln und den Tuamotos zu Französisch Polynesien und sind ein französisches Departement. Weder die Spanier noch die Engländer machten diese Inseln zu ihren Kolonien. Die Franzosen schlossen 1842 einen Vertrag mit den Häuptlingen auf den Marquesas und sind seither in Besitzt dieser Inseln. Ganz freiwillig haben die Häuptlinge diesem Vertrag wohl nicht zugestimmt. Die französischen Kriegsschiffe mit ihren geöffneten Geschützpforten leisteten ein Teil der Überzeugungsarbeit.
Unsere Position um 12 Uhr mittags: 9°22‘ S, 130°33‘ W.
Donnerstag 23.April 2015, 13. Tag: Schiff in Sicht


Unser Etmal von 179 Seemeilen brachte uns auf 666 Seemeilen an unserem Wegpunkt Marquesas heran. Seit Tagen hat sich das Wetter nicht mehr verändert. Der Himmel ist bis auf ein paar Passatwolken strahlend blau, der Wind bläst mit 4 Beaufort aus Südost und die Wellenhöhe ist im Bereich von einem Meter.

Gestern nach dem Mittagessen haben wir ein Segel am Horizont entdeckt oder präziser 3, da es sich um einen Boot mit zwei Masten handelt. Über Funk haben wir Kontakt aufgenommen. Geantwortet hat der Kanadier Marc, der mit seiner 4 köpfigen Familie von Kanada aus mit ihrer Yacht Amelie 4 um die Welt segelt. Da die beiden Kinder schulpflichtig sind, werden sie von ihren Eltern an Bord unterrichtet.

Sie starten 2 Tage vor uns auf den Galapagos-Inseln und mussten zum Teil unter Motor bis auf 7° südliche Breite gehen, um in den Passat zu kommen. Wir unterhielten uns über all das was Segler interessiert, wie Bootgeschwindigkeit, Reiseziele und Zeitplan, Wetteraussichten und voraussichtlicher Ankunftszeitpunkt auf den Marquesas. Über Iridium haben wir E-Mails geschickt und abgemacht, falls wir zur gleichen Zeit in der gleichen Bucht ankern uns zu besuchen.

Den ganzen Nachmittag segelten sie in einigen Meilen Abstand südlich von uns, wobei wir sie langsam überholten. Nachts um 3 Uhr haben wir ihre Positionslichter noch mit dem Fernglas hinter uns gesehen. Am Morgen waren sie hinter dem Horizont verschwunden und auch mit Funk nicht mehr zu erreichen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags: 9°02‘ S, 127°28‘ W.
Mittwoch 22.April 2015, 12. Tag: Die Entdeckung der Marquesas

Heute um 12 Uhr mittags segeln wir 845 Seemeilen vor unserem Wegpunkt Marquesas. Das Etmal mit 164 Seemeilen ist leicht unterdurchschnittlich. Der Wind kommt nun von Südost und wird weiter auf Ost drehen, weshalb keine Spitzenetmale mehr zu erwarten sind.

Die Marquesas oder Fenua Enata wie sie auf Polynesisch heissen (auf Deutsch Land der Menschen) wurden wahrscheinlich vor ca. 2000 Jahren von Osten aus besiedelt. Genau weiss man es nicht, da die Polynesier keine Schrift entwickelten und keine datiertbaren Zeugnisse der Vergangenheit hinterlassen haben. Der erste Europäer der die Inseln sah, war der Spanier Alvaro de Mendana, der sie nach seinem Sponsor, dem Vizekönig von Peru Marques de Mendoza, benannte. Dies war 1595.

Das Interesse an diesen entfernt liegenden Inseln war bei den seefahrenden Nationen Europas eher gering. Es dauert bis 1774 als James Cook auf seiner zweiten Pazifik-Reise die Marquesas ansteuerte und Inseln entdeckte, die Mendoza nicht beschrieben hatte. Im Logbuch von James Cook findet sich für den 12. April 1774 folgender Eintrag. „Die Einwohner dieser Eilande sind ohne Ausnahme eine so schöne Rasse wie irgendeine andere in diesem Meer oder wo auch sonst immer; die Männer sind in der eigenartigsten Weise tätowiert…..“ (Zitiert aus der deutschen Übersetzung der Logbücher, James Cook Entdeckungsfahrten im Pazifik).

Es war auch James Cook, der den polynesischen Begriff „tatau“ als Tattoo nach Europa brachte. Tatau heisst schlagen, da die Technik des Tätowierens durch Schlagen des Tatauierinstrumentes in die Oberhaut ausgeführt wird. Die Zacken des Instrumentes werden davor in ein Gemisch aus Russ und Wasser oder Kokosöl getaucht. Das Verheilen der Wunden dauert etwa 4 Wochen. Auf den Marquesas wurden die Männer am ganzen Körper tätowiert, was mehrere Jahre in Anspruch nahm. Und schmerzhaft war die Prozedur ebenfalls. Wir werden uns auf den Marquesas an der Schönheit der Natur erfreuen und unsere Köper so lassen wie sie sind.

Unsere Position um 12 Uhr mittags: 8°39‘ S, 124°30‘ W.
Dienstag 21.April 2015, 11. Tag: Unsere Ziele auf den Marquesas

Wie gestern haben wir auch in den letzten 24 Stunden ein Etmal von 182 Seemeilen geloggt. Damit haben wir noch ein Drittel der Strecke vor uns.
Seit kurz vor Mitternacht, als der Wind auf 5-6 Beaufort zulegte, segeln wir mit dem 2. Reff im Grosssegel. Die Wellen sind etwas höher als die letzten Tage, was das Leben an Bord ungemütlicher macht. Zum Glück war gestern der Kuchen- und Brot-Backtag. Heute wäre die Verrichtung dieser Tätigkeiten keine Freude, wenn die Skipperin überhaupt damit begonnen hätte.

In den letzten Tagen haben wir uns durch alle Handbücher gelesen, die Ankerplätze und Buchten der Marquesas beschreiben. Falls jemand, als virtueller Spähtrupp sozusagen, auf Google Earth schon einmal ein Blick auf unsere voraussichtlichen Ankerplätze werfen möchte, hier ist die Liste. Da die Marquesas sich von Südosten nach Nordwesten erstrecken, also genau in vorherrschender Windrichtung, planen wir den ersten Landfall auf Fatu Hiva in der Baie Hanavave.

Das ist zwar zolltechnisch nicht ganz ok, da das Einklarieren auf Hiva Oa in Atuona stattfindet. Das ist erst unsere 2. Station, da bei umgekehrter Reihenfolge 40 Seemeilen gegen den Wind zu segeln wären. Das wollen wir uns ersparen und der französische Gendarm auf Fatu Hiva wird wohl ein Auge zudrücken. Auf der Nordseite von Hiva Oa liegt die Baie Hanaiapa, die ein ruhiges Ankern ermöglichen sollte.

Vor der Weiterfahrt zur Insel Ua Pou, die auf halben Weg nach Nuku Hiva liegt, geht es noch ein kleines Stück nach Süden Insel Tahuata. Dort wir die Baie Hanamoena empfohlen. Auf Ua Poa gibt es zwei Möglichkeiten, Hakahau oder Hakahetau.

Nuku Hiva ist die grösste Inseln und das Verwaltungszentrum. Baie Taiohae werden wir zum Ausklarieren und Verproviantieren anlaufen. Die Baie Du Controleur ist der Schauplatz von Herman Mevilles Aufenthalt (oder besser Gefangenschaft) im Jahr 1842. Im Norden wird die Baie D’Hatikeu empfohlen mit dem Restaurant Chez Yvonne, wo es Ferkel nach polynesischer Art aus dem Erdofen gibt. Falls diese Bucht zu unruhig ist, soll die Nachbarbucht Baie D’Anaho die bessere Alternative sein.

So zumindest unsere Ideen, wo wir auf den Marquesas unseren Anker fallen lassen wollen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags: 8°15‘ S, 121°26‘ W.
Montag 20.April 2015, 10. Tag: Ein schöner Passat-Tag zum Geburtstag

Skipper feiert heute Geburtstag. Der Aprikosenkuchen ist im Backofen und draussen scheint die Sonne von einem blauen Himmel, der mit weissen Passat-Wolken getupft ist. Der Wind mit Stärke 4 aus Südost lässt uns bei moderat bewegter See weiterhin gut vorankommen. In den letzten 24 Stunden waren es 182 Seemeilen. Noch verbleiben 1209 Seemeilen.

Ansonsten gibt es nichts Spannendes zu berichten. Alle Systeme an Bord funktionieren einwandfrei und erlauben uns ein sorgenfreies Segeln. Wind und Wetter sollen die nächsten 5 Tage stabil bleiben, was uns ebenfalls erfreut.

Unsere Position um 12 Uhr mittags: 7°47‘ S, 118°24‘ W.
Sonntag 19.April 2015, 9. Tag: 8 Tage und 8 Stunden

Solange haben wir für die erste Hälfte der Strecke von den Galapagos zu den Marquesas-Inseln benötigt. Die letzten 4 Tage mit Etmalen von 204, 196, 216 und 201 Seemeilen haben uns schneller nach Westen gebracht, als wir es erwartet hatten.

Die gesegelte Strecke der letzten 24 Stunden war mit 174 Seemeilen eher wieder etwas aus dem Cruising-Bereich. Wir sind schon etwas verwöhnt durch die Etmale mit einer 2 als erste Ziffer. 1400 Seemeilen liegen jetzt noch vor uns.

Hier draussen ist schon wenig los. Selbst die Vögel machen sich mittlerweile rar. Fliegende Fische gibt es und Delphine. Wir sehen sie jedoch nur nachts, wenn sie an uns vorbei flitzen, sich vor dem Bug tummeln und dabei, wie wir in unserem Kielwasser, eine Leuchtspur fluoreszierender Lebewesen hinter sich herziehen. Leider lässt sich das nicht fotographisch festhalten, wenn neben uns einige Delphine ihre Leuchtspuren ins Wasser ziehen. Es sieht faszinierend aus. Warum die Delphine uns nur nachts begegnen, wissen wir nicht. Trotzdem ist eine Wache und regelmässiges Ausschau halten nötig. Heute Morgen haben wir das AIS-Signal eines japanischen Fischerbootes in 10 Seemeilen Abstand empfangen, das sich auf dem Weg von Süd nach Nord zu den Marshall-Inseln befand. In wissenschaftlicher Walfangmission?

Unsere Position um 12 Uhr mittags: 7°18‘ S, 115°23‘ W.
Samstag 18.April 2015, 8. Tag: Ereignisloses Nicht-Wetter-Tag 
Das Wetter ist eine Art Nicht-Wetter. Etwas Sonne, etwas bedeckter Himmel, ein paar Regentropfen und manchmal ein Seegang, bei dem wir uns bei allen was wir tun gut abstützen müssen um nicht von einer Schiffbewegung umgeworfen zu werden. Mal haben wir 4 Windstärken, meistens 5 und manchmal 6.

Trotz 2. Reff und in der Nacht sogar mit 3. Reff sind wir 201 Seemeilen gesegelt. Um 12 Uhr Mittag betrug die Distanz zu unserem Wegpunkt Marquesas 1565 Seemeilen. Heute Abend werden wir die Hälfte der Strecke in unserem Kielwasser haben. Der Wetterbericht für die nächsten Tage zeigt keine Änderung von Windstärke und Windrichtung, weshalb wir auch weiterhin gut vorankommen sollten. Warten wir es ab. Derzeit segeln wir mit Genua und 3. Reff im Grosssegel, wodurch das gesamte Potential an Geschwindigkeit nicht ausgeschöpft wird, aber wir kommen mit guter Geschwindigkeit einigermassen komfortabel voran.

Für Nichtsegler: 1., 2., 3. Reff? Die Segelfläche eines Bootes richtet sich nach Windstärke und Windrichtung. Nimmt der Wind zu, wird die Segelfläche verkleinert. Mit dem 3. Reff ist bei uns die Fläche des Grosssegels halbiert, beim 2. Reff verbleiben 70% und beim ersten Reff sind 85%.

Wie funktioniert das Reffen? Die drei Seiten des Grosssegels heissen Vorliek (am Mast), Unterliek (am Baum) und Achterliek (frei). Die Einrichtung zum Reffen besteht aus Ösen oder bei grösseren Booten aus Rollen, die im parallelen Abstand zum Unterliek an Vorliek und Achterliek angebracht sind. Bei uns sind 3 pro Liek.

Eine Leine wird ausgehend vom hinteren Ende des Baums durch die unterste Rolle am Achterliek geführt, von da nach unten zum Baum, wo sie umgelenkt von einer Rolle im Baum zum vorderen Ende des Baums geführt und dort nach oben umgelenkt wird zur untersten Rolle im Vorliek. Von dort geht es nach unten zum Fuss des Mastes und mit einer weiteren Rolle umgelenkt ins Cockpit. Und das ganze dreimal für alle 3 Reffs. Mit dieser etwas kompliziert erscheinenden Leinenführung kann man vom Cockpit durch Wegfieren des Grossfalls und Anziehen der Reffleinen das Grosssegel verkleinern, was bei viel Wind viel sicher ist, als auf dem Vorschiff herumzuturnen. Die ganze Übung dauert nur ein paar Minuten und lässt sich alleine oder besser zu zweit durchführen.

Andere Reffsysteme basieren darauf, dass das Grosssegel im Mast oder im Baum aufgerollt wird. Dann geht das Reffen elektrisch auf Knopfdruck. Diesem grossen Vorteil und der Möglichkeit das Segel kontinuierlich bis auf den letzten Quadratmeter zu reffen stehen ein paar Nachteile gegenüber und Puristen fühlen sich von diesen Systemen nicht wirklich angesprochen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags: 6°40‘ S, 112°31‘ W.

Freitag 17.April 2015, 7. Tag: Glückliche Segler, frustrierte Fischer 

Der Passatwind meint es gut mit uns. Er kommt wieder mehr aus südlicher Richtung und weht mit 5 Windstärken auch etwas stärker als gestern. 216 Seemeilen in den letzten 24 Stunden sind das Ergebnis. Ein neues Rekord-Etmal für uns. Die Skipperin meinte das sei jetzt des Guten zu viel und wir sollten den Fuss vom Gas nehmen. Also zweites Reff ins bisher ungereffte Grosssegel. NOE fährt jetzt ruhiger, krängt weniger, ist aber auch nicht mehr ganz so schnell. In einer Woche haben wir uns den Marquesas von anfänglich 2980 auf 1766 Seemeilen genähert.
 


In der Nacht auf Freitag sahen wir am Horizont vor uns ein weises Licht. Da der Himmel bedeckt war, konnte es kaum ein Stern sein. Ein AIS-Signal haben wir nicht empfangen und unser Funkspruch blieb unbeantwortet. Auf dem Radar konnte wir sehen, das der Abstand vom 6 Seemeilen kleiner wurde und dass wir im sicheren Abstand vorbei segeln werden. Nach 2 Stunden sahen wir sein rotes linkes Positionslicht und nach zwei weiteren Stunden war der andere Segler verschwunden. Schade, dass wir ihm nicht bei Tag begegneten, wenn wir mehr sehen als nur sein weisses und rotes Licht.


Nach einem Tag ohne Angeln schleppten wir den Köder wieder im Heckwasser mit. Schon nach einer Stunde surrt die Bremse. Noch bevor wir das Boot verlangsamen konnten, war in wenigen Sekunden die gesamte auf der Rolle befindliche Angelleine ausgefahren. Der Fisch war kräftiger als die Leine und leider brach der Knoten an der Rolle und nicht der am Köder. Damit ist unsere Angelleine fort und da wir (noch) keinen Ersatz an Bord haben, gibt es bis zum nächsten Angelladen keine Chance auf frischen Fisch. Wie heisst es im Englischen zu dieser Art von Beschäftigung: frustrating business.

Unsere Position um 12 Uhr Mittags: 6°19‘ S, 109°10‘ W

Donnerstag 16.April 2015, 6. Tag: Einstimmung auf die Südsee


Der Passatwind drehte in den letzten 24 Stunden nach Südost und kommt nun schräg von achtern. Dadurch sind wir nicht mehr ganz so schnell, wie bei einem Windeinfall schräg von vorne oder genau von der Seite. Entsprechend unser Etmal „nur“ 195 Seemeilen. Damit haben wir die ersten 1000 Seemeilen, also ein Drittel der Strecke, gesegelt.
 


Neben Navigation (ist in dieser Gegend nicht so aufwendig), Segeln (oft steuert der Autopilot), Kochen und Boot sauber halten, bleibt etwas Zeit zum Lesen. Wir studieren die entsprechenden Handbücher, wie den Pacific Crossing Guide, Charlie’s Charts of Polynesia, South Pacific Anchorages und Landfalls of Paradise. Dort sind die Ankerbuchten mit ihren Vor- und Nachteilen beschrieben, wie gut der Anker im Grund hält, welchen Schwell (Seegang) bei unterschiedlichen Windrichtungen zu erwarten ist, der das Leben an Bord sehr unangenehm machen kann, und was man an Land an Versorgungseinrichtungen und kulturellen Dingen finden kann.

Diese Bücher sind von der Natur der Sache eher eine trockene Materie. Etwas mehr Spannung und Unterhaltung gibt es bei Herman Melvilles Abenteuer in der Südsee. Dort beschreibt er wie er als 23 jähriger 1842 auf den Marquesas-Inseln von einem Walfänger getürmt ist um dem Joch eines despotischen Kapitäns zu entgehen. Als das Schiff in der Bucht Taiohae auf der Insel Nuku Hiva ankerte und sich für die nächste Fahrt versorgte, nutze er mit einem Leidensgenossen den Landgang zur Flucht. Ohne Kenntnisse der Geographie der Insel, landen sie in einem Tal bei einem Stamm, der als Kannibalen verschrien, sie aufnimmt. Melvilles Kollege gelingt sich der Gastfreundschaft der Eingeboren durch weitere Flucht zu entziehen, während Melville selbst, wegen einer Verletzung am Bein, über längere Zeit unter den „Wilden“ lebt und dieses Leben sehr detailliert und facettenreich beschreibt. Die genannte Bucht wollen wir anlaufen, sie ist zugleich der Ausklarierungspunkt für die Weiterfahrt zu den Atollen Französisch Polynesiens.

Unsere Position um 12 Uhr Mittag: 5°51‘ S, 105°35‘ W. Da wir heute die Uhr um eine Stunde zurückgestellt haben, sind die beiden letzten Positionen 25 Stunden auseinander.

Mittwoch 15.April 2015, 5. Tag: 204 Seemeilen und ein Thunfisch

In den letzten 24 Stunden haben wir uns um 204 Seemeilen unserem Wegpunkt auf den Marquesas genähert, davon 109 Seemeilen in den letzten 12 Stunden. Noch nie sind wir mit NOE in 24 Stunden so weit gekommen. Wind, Wetter und Strom sind weiterhin auf unserer Seite und lassen uns zügig vorankommen. Die Aussagen von Jimmy Cornell zu dieser Gegend treffen bei uns erfreulicher Weise nicht zu. Die Sonne scheint unablässig und nur kleine Passatwolken ziehen vorbei. Der Wind kommt beständig aus Südsüdost und bläst mit 4 Beaufort.

Neben dem Wetterglück stellte sich auch der erste Erfolg beim Fischen ein. Während Ursula das Mittagessen aus Kartoffeln und Spiegelei vorbereitete, hörten wir das Geräusch der Bremse unserer Schleppangel. Sofort haben wir die Fock eingerollt, das Grosssegel aufgefiert und sind höher an den Wind gegangen um Geschwindigkeit aus dem Schiff zu nehmen. Der Zug auf der Angel war nicht so stark und wir sahen keinen Fisch springen. Ich dachte, wir sind einem Fehlalarm aufgesessen und es hat sich vielleicht etwas am Köder verhakt. Seit der Abfahrt von Panama haben wir fast jeden Tag den Köder hinter uns hergezogen und nie hat etwas angebissen. Unsere Hoffnung jemals etwas zu fangen, war nicht mehr sehr gross. Und doch, wir hatten Glück, ein Thunfisch hing an der Angel. Da er nur ca. 40 Zentimeter lang war, konnten wir ihn leicht an Bord ziehen und ausnehmen. Genau richtig für zwei Personen. Zum Mittagessen gab es gebratenen Thunfisch mit Kartoffeln. Sehr lecker.

Die Investition in Angelausrüstung steht bei weitem noch nicht im Gegenwert zum Wert des gefangen Fisch. Da es in der Einsamkeit des Pazifiks keinen Fisch zu kaufen gibt, ist jeder Fang etwas Besonderes und eine willkommene Bereicherung für den Speiseplan, die einer schnöden Investitionsrechnung nicht zugänglich ist.

Unsere Position um 12 Uhr Mittag: 5°18‘ S, 102°13‘ W. 

Dienstag 14.April 2015, 4. Tag: Der Strom schiebt uns
Nicht nur der Wind bringt uns vorwärts, auch die Meeresströmungen tun es. Im südlichen Pazifik in der Nähe des Äquators fliesst das Wasser von Ost nach West, von der Südamerikanischen Küste bis auf die andere Seite des Pazifiks. Während wir in den ersten Tagen nach Abfahrt von den Galapagos-Inseln keinen Strom bemerkten, setzte er gestern ein und gibt uns bis zu 0.5 Knoten Fahrt extra. Unser Etmal ist noch nicht rekordverdächtig, jedoch mit 161 Seemeilen und nun fast 600 Seemeilen in 4 Tagen erfreulich. Je weiter wir nach Westen kommen, desto stärker sollte der Strom werden und über 1 Knoten betragen.

Für Nichtsegler: woran sehen wir, dass uns der Strom schiebt? Die Geschwindigkeit eines Bootes kann mit verschiedenen Methoden gemessen werden, deren Differenz die Geschwindigkeit des Stroms ergibt. Die eine Methode ist das GPS, welches uns sagt, wie schnell wir uns relativ zur Erde (oder wie die Franzosen sagen relativ zur Sonne) bewegen. In der Seefahrt heisst diese Geschwindigkeit Geschwindigkeit über Grund. Die andere Methode, und vor Aufbau des GPS-Systems die einzige, ist die Logge. Dies ist ein im Boden des Schiffs angebrachtes kleines Schaufelrädchen, mit Magneten in seinen Schaufeln, die über Induktion ein elektrisches Signal erzeugen, welches in Geschwindigkeit umgerechnet wird. Also wie der Geber beim Velo-Computer. Diese Geschwindigkeit ist die Geschwindigkeit durch Wasser. Die Differenz aus Geschwindigkeit über Grund und durchs Wasser ist der Strom. Gut vorstellen kann man sich dies, wenn man gedanklich mit einem Boot einen Fluss hinauffährt und zwar so schnell wie die Fliessgeschwindigkeit des Flusses. Dann bewegt man sich relativ zum Ufer nicht.

Und wie haben die Columbus, Magellan und Cook die Geschwindigkeit ihrer Schiffe gemessen. Sie nahmen ein Stück Holz, bohrten ein Loch hinein und führten durch dieses Loch eine Schnur, die alle 51 Zentimeter einen Knoten hatte. Wird die Schnur neben oder hinter dem Boot hergezogen entspricht die Geschwindigkeit des Bootes in Knoten der Anzahl von Knoten, die das Holzstück pro Sekunde passiert. Oder noch einfacher, man wirft am Bug etwas Schwimmfähiges ins Wasser (bitte kein Plastik verwenden) und misst die Zeit, bis es am Heck vorbeischwimmt und beginnt zu rechnen.

Der südliche Äquitorialstrom, in dessen Einfluss wir uns nun befinden, wurde von Thor Heyerdhal auf seinem Floss Kon-Tiki benutzt, um von Peru nach Westen zu gelangen. Sein Experiment, das mit einer Strandung auf einem Südsee-Atoll endete, sollte beweisen, dass Polynesien auch von Osten aus besiedelt worden ist. Die Besiedlung von Westen gegen Strom und vorherrschenden Wind, schien ihm weniger wahrscheinlich. Ich glaube, er hat die seglerischen und navigatorischen Fähigkeiten der Polynesier mit ihren Auslegerkanus unterschätzt.

Wir nähern uns Polynesien auf die einfache Weise, mit Wind und Strom im Rücken, dazu GPS und Seekarten an Bord.

Unsere Position um 12 Uhr Mittag: 4°43‘ S, 98°52‘ W. 
Montag 13.April 2015, 3. Tag: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
In Abwandlung dieses Spruches war unser Segelsonntagnachmittag im Passat noch nicht der Beginn einer Drei-Wochen-Schönwetterfahrt. Um Mitternacht verschwanden die Sterne des südlichen Himmels hinter dichten Wolken und seitdem ist es bedeckt und es regnet von Zeit zu Zeit. Da der Wind mit 3-4 Beaufort von Süden bläst, wir also mit halben Wind nach Westen segeln, können wir uns nicht beklagen. Mit dem Etmal von 155 Seemeilen sind wir auch zufrieden.
Die Kollegen der Segelyacht Argentina segelten die halbe Nacht im Abstand von 3 Seemeilen neben uns her. Am frühen Morgen bargen wir aus Vorsicht bei einem Regenschauer unser Grosssegel, was sich im Nachhinein als zu grosse Vorsicht herausstellte. Bei Tagesanbruch sahen wir sie einige Meilen voraus, wie sich ihr weisses Grosssegel deutlich gegen den dunklen, wolkenverhangenen Himmel abzeichnete. Sie segeln einen Regenschauer vor uns. Gegen Mittag verschwanden sie im grauen Einerlei des Horizonts, auf einer südlicheren Route.
Im Standardnachschlagewerk der Weltenbummler von Jimmy Cornell „Segelrouten der Welt“ findet sich der Absatz bei der Beschreibung der Route Galapagos-Marquesas, dass in einem Gebiet zwischen 3 und 8° südlicher Breite und 95 und 108° westlicher Länge oft mit unregelmässigen Wetterbedingungen zu rechnen ist. Dann sind es für uns nur noch 600 Seemeilen oder 4 Tage bis wir ausserhalb sind. Einschränkend sagt er aber auch, dass die Lage nicht so genau zu bezeichnen ist und sich jedes Jahr verändert. Hoffen wir, dass es dieses Jahr nicht noch gewachsen ist.
Unsere Position um 12 Uhr Mittag: 4°19‘ S, 96°12‘ W.

Sonntag 12.April 2015, 2. Tag: Wir sind nicht ganz allein
Unser Nachbar an der Boje in San Cristobal, die 53 Fuss lange Aluminiumyacht Argentina mit einem nicht sehr gesprächigen, italienischen Eigner, machte sich ebenfalls am Freitag auf den Weg Richtung Westen. Sie legten etwas früher ab als wir und wir verloren sie am Freitagabend aus den Augen. Am Samstagmorgen bei Sonnenaufgang sahen wir sie ein paar Meilen vor uns. Wir blieben den ganzen Tag in Sichtweite, da sich Geschwindigkeit unserer Boote und die Taktik um durch die Kalmen zu kommen offensichtlich gleichen. In der Nacht bei auffrischenden Wind konnten wir sie überholen, sie sind uns jedoch auf den Fersen. Unsere Kursänderungen machen sie mit, so segelten wir in der Nacht wegen des stärkeren Windes gemeinsam ein paar Stunden genau Richtung Marquesas, um am Morgen bei schwächerem Wind wieder anzuluven (Drehung zum Wind) um Weg nach Süden gut zu machen.
Seit 10 Uhr heute Morgen bläst der Passatwind. Auf 3°40‘ Süd, also wie die Wettervorhersage angegeben hat, setzte Südwind mit 3-4 Beaufort ein. Der Himmel klarte auf, die Wolken der nächtlichen Regenschauer verwandeln sich im wahrsten Sinne des Wortes in Luft, der Seegang ist moderat mit weissen Schaumkronen auf den Wellenkämmen und wir geniessen einen schönen Segelsonntagnachmittag im südlichen Pazifik.
Mit einsetzenden Passat-Wind korrigierten Argentina und wir unseren Kurs auf 254°, da nun der direkte Weg zu den Marquesas der schnellste sein sollte. Auf ihrem AIS-Signal sehen wir, mit welcher Geschwindigkeit sie in welche Richtung segeln, und umgekehrt.
Heute Morgen haben wir Argentina angefunkt und eine Antwort erhalten. Leider war die Verbindung so schlecht, dass wir sie nicht verstehen konnten. Wir probieren es heute Abend noch einmal. In einer Gegend, wo man tagelang nur Wasser und Himmel sieht, ist ein Schwatz von Boot zu Boot eine willkommene Abwechslung.
Zur Statistik, wir haben uns in den letzten 24 Stunden 155 Seemeilen unserem Ziel genähert. 
Unsere Position um 12 Uhr Mittag: 3°47‘ S, 93°39‘ W
Samstag 11.April 2015, 1. Tag: In den Kalmen
Gestern um 12.30 haben wir von unserer Boje in der Wreck-Bay abgelegt und uns auf die lange Reise zu den Marquesas gemacht. Die Zone zwischen den Passatwinden auf der Nord- und Südhalbkugel wird wegen der schwachen Winden und Flauten Kalmen genannten. Sie war bei Seeleuten früherer Jahrhunderte gefürchteter als Breiten mit hoher Sturmwahrscheinlichkeit. Lagen ihre trägen Schiffe oft wochenlang in den Kalmen fest und kam kaum vom Fleck. Und dies bei senkrechter Einstrahlung der Sonne mit sengender Hitze. Die Sonne steht auch bei uns senkrecht, aber wir haben die Option Motor, zumindest solange wir unser Dieselvorräte nicht über die Massen beanspruchen.
In den ersten knapp 24 Stunden haben wir 120 Seemeilen auf unseren, zu Beginn der Reise 2980 Seemeilen entfernten Wegpunkt zwischen den Inseln Fatu Hiva und Hiva Oa gutgemacht. Dabei lief unser Motor 4 Stunden, als in der Nacht der Wind einschlief. Ein Regenschauer um 4 Uhr morgen brachte dann wieder etwas Wind.
In den ersten Tagen werden wir nicht den direkten Kurs (Westsüdwest, also in der Mitte von West und Südwest) segeln, sondern nach Südwesten, um schneller den Südostpassat zu erreichen. Das ist ein kleiner Umweg, sollte sich aber auszahlen, da wir weniger lange in den Kalmen bleiben. Direkt von den Galapagos-Inseln nach Süden zu segeln um auf 4° südlicher Breite den Passat zu erwischen ist auch möglich, aber mit einem entsprechenden Umweg.
Eine Gruppe Buckelwale kreuzte unseren Kurs, Delphine begleiteten uns, Thunfische konnten wir bei ihrer Jagd nach Fressbarem beobachten und einen Seelöwen haben wir beim Schlafen gestört. Ansonsten gewöhnen wir uns nach 10 Tagen Pause an das Leben unter Segeln, was bei dem leichten Wind nicht so schwierig ist.
Unsere Position um 12 Uhr: 2°31‘ S, 91°16‘ W

Donnerstag 9.April 2015: Nuku Hiva, Hiva Oa, Fatu Hiva, Ua Huka, Ua Pou

Morgen starten wir Richtung Polynesien. Die Inseln mit den für uns exotisch klingenden Namen bilden die Gruppe der Marquesas. Die Marquesas gehören zu Französisch Polynesien und liegen 3000 Seemeilen in südwestlicher Richtung von den Galapagos Inseln entfernt. Dies wird die längste Seestrecke ohne Zwischenhalt auf unserer Reise. Je nach Wind werden 3-4 Wochen unterwegs sein.

Laut Wetterberatung soll sich der Südost-Passat (auf der Südhalbkugel weht der Passat wegen der Coriolis-Kraft von Südost im Gegensatz zum Nordost-Passat auf der Nordhalbkugel) auf 4° Süd einstellen. Also etwa 200 Seemeilen südlicher als unsere aktuelle Position. Bis dahin wird es schwachwindig sein mit ein paar Flauten. Hoffentlich kommen wir durch die Kalmen, wie man diesen Wettergürtel um den Äquator nennt, einigermassen schlank hindurch.

Die letzten beiden Tage haben wir eingekauft, Diesel und Wasser gebunkert sowie NOE unter Wasser gereinigt. Die letzte Reinigung liegt schon etwas zurück und nach 10 Tagen ohne Bewegung im warmen und nährstoffreichen Wasser der Galapagos-Inseln bildet sich ein flaumartiger Bewuchs, der mit kleinen Muscheln durchsetzt ist. Lässt sich jedoch alles gut abbürsten und abkratzen. Zur Freude der vielen Fische um mich herum, die alles fressen, was ich unter Wasser vom Boot kratze. Leider kam kein Seelöwe vorbei, um mir seine Schwimmkünste zu zeigen. 


Die nächsten Wochen werden wir täglich unsere Position zur Mittagszeit auf Netz stellen und schreiben, wie es uns geht. Bilder gibt es wieder, wenn wir auf den Marquesas angekommen sind.   

Zum Abschied von den Galapagos-Inseln ein letztes Bild. Der Pelikan hatte es sich in der Abendsonne auf unserem Bugbeschlag gemütlich gemacht. 


Dienstag 7.April 2015: Infrastruktur auf der Isla Isabela


Kein besonders spezielles Bild vom Balkon unseres Hotels auf der Insel Isabela. 

Infrastrukturen wie Strassen, Strom oder Wasser sind für uns selbstverständlich. Auf Isabela gibt es Strom, auch wenn die Hausanschlüsse etwas abenteuerlich daher kommen. Wasser gibt es auch, nur kann man es nicht trinken. Die Küstenstrasse zwischen unserem Hotel und dem Strand ist einspurig und ungeteert. Geht auch, oder? 

Versorgung mit Geld gibt es hingegen nicht. Wer mit dem Gedanken spielt diese Insel zu bereisen, sollte ausreichend Bargeld mitnehmen. Einen Geldautomaten hat es nicht und die einzige Bank bedient nur Kunden, die bei ihr ein Konto haben. 

Montag 6.April 2015: Am und unter dem Wasser

Für heute hatten wir eine Schnorcheltour an einem der Lavafelsen gebucht, die der Ortschaft Villamil vorgelagert sind. Der Guide versprach nicht zu viel, was wir alles sehen werden. 

Warum in der Antarktis leben, wenn es am Äquator viel angenehmer ist. Das haben sich wohl einige Pinguine gedacht und machten sich auf den langen Weg. Oder funktioniert Evolution komplexer? Die Galapagos Pinguine ist die am nördlichsten vorkommende Pinguin-Art, die mit einer Population von nur 2400 Tiere stark gefährdet ist. Der Hauptfeind ist die von Menschen eingeschleppte Ratte, die sich über ihre Gelege hermacht. 




Ein Rochen zieht gemächlich unter uns hindurch.



Erst kommen ein paar Doktorfische, dann ein ganzer Schwarm. Am Übergang vom Rumpf zur Schwanzflosse haben sie 3 skalpellartige, scharfkantige Erhebungen, die sie zur Verteidigung einsetzten.




Ein schwarzpunktierter Kugelfisch? (meine laienhafte Fischbestimmung) 


Hier bin ich mit meinen Fisch-Bestimmungs-Latein endgültig zu Ende. 


Der Weissspitzenhai liess sich auch noch blicken. Eher scheu und da wir nicht in sein Beuteschema passen, verschwand er so schnell wie er gekommen war. 


Das letzte Bild dieser Bilder-Orgie. Ein blauer Seestern.




Sonntag 5.April 2015: Sierra Negra, ein aussergewöhnlicher Vulkan

Das aussergewöhnliche ist seine Grösse. Laut unserem Führer besitzt der Vulkan Sierra Negra den zweitgrössten Krater der Welt. Seine ovale Form mit den Ausmassen von 10 x 7 Kilometer ist sehr beeindruckend. Der Vulkan ist noch aktiv; der letzte Ausbruch datiert auf Oktober 2005. 

Erstarrte Lava soweit das Auge blickt. Selbst mein 18mm Weitwinkel genügt nicht, um den ganzen Krater zu erfassen. Das Bild zeigt etwa den halben Krater. 


Das Magazin Der Spiegel zählt ihn zu den 7 besonderen Vulkanen der Welt. Dies, weil er einer Luke ähnlich seinen Deckel auf einer Seite hebt und so Gase und Magma in einer relativ kontrollierten Art austreten können. 


Der Vulkan Chico ist ein kleiner Krater an der Nordost-Flanke der Sierre Negra. Aufgrund der Zusammensetzung seiner Lava, besonders der Eisen- und Schwefelanteil, ergeben sich verschiedene Farben. 


Sie ist hier zu Hause, die endemische Galapagos Lavaechse. Bei diesem Exemplar handelt es sich um eine Männchen. Die fotogeneren Damen, mit der Rotfärbung der Unterseite, haben wir leider nicht gesehen.


Wer das Naturschauspiel Sierra Negra und Sierra Chico erleben möchte, muss einigermassen gut zu Fuss sein. Sechs Stunden dauerte die Wanderung in dieser speziellen Landschaft.  

Samstag 4.April 2015: Schöner Strand




Für alle, die mit den Osterwetter zu Hause hadern, zwei Bilder zur Aufmunterung. Der Strand heisst Bahia Tortuga und ist von Puerto Ayora  über einen 30 minütigen Fussmarsch durch den Nationalpark zu erreichen. Das selektiert das Publikum etwas. Das Hinterland des etwas einen Kilometer langen Strandes ist Nationalpark und daher unberührt.  

Neben Menschen sonnen sich die schwarzen Meerechsen am Strand, die in der Mittagshitze den Schatten der Mangroven aufsuchen. 


Pelikane gibt es auch, die namensgebenden Schildkröten haben wir leider nicht angetroffen. 


Am Nachmittag ging es mit dem Speedboot (47 Seemeilen in 2 Stunden) nach Puerto Villamil auf der Insel Isabela. Auf der grössten Galapagos-Insel wohnen etwas mehr als 2'000 Menschen. Tourismus gibt es hier erst seit 10 Jahren, davor lebten die Einwohner von Fischfang und Ackerbau. Geteerte Strassen gibt es (noch) keine, selbst im Hauptort Villamil hat es ausschliesslich Naturstrassen. Dies ist wirklich eine andere Welt. 

Freitag: 3.April 2015: Bei den Riesenschildkröten

Über Ostern besuchen wir die Inseln Santa Cruz und Isabela. NOE lassen wir an der Boje vor San Cristobal, da Segler nur an 2 Stellen auf den Inseln ankern dürfen. 

Auf Santa Cruz leben Riesenschildkröten in freier Wildbahn. Sie sind eine der wenigen, aus der Zeit der Dinosaurier stammenden Arten. Interessant, dass diese langsamen und wehrlos erscheinenden Tiere, die letzten 150 Millionen Jahre überdauert haben. 


Die über ihr ganzes, mehr als 100 jährigem Leben wachsenden Tiere werden gewöhnlich bis zu 250 Kilogramm schwer, mache sogar bis 400 Kilagramm. 


Bei Gefahr, und scheinbar fühlt sich die Schildkröte von mir bedroht, zieht sie den Kopf in ihren Panzer zurück. 


Am Schluss des Posts ein Farbtupfer. Die Blüte der Passionsfrucht. 


Donnerstag 2.April 2015: Entstehungsgeschichte der Galapagos-Inseln

Aufgrund ihrer Lage 1000 Kilometer vom Festland entfernt und ihres vulkanischen Ursprungs hat sich auf den Galapagos-Inseln eine besondere Flora und Fauna ausgebildet mit vielen endemischen, also nur dort vorkommenden Arten, wie die Riesenschildkröten, die Echsen und einige Vogel und Pflanzenarten. 

Die geologisch eher jungen Inseln sind zwischen 3 und 0.5 Millionen Jahre alt. Sie liegen an einer Bruchzone zweier tektonischer Platten, die über eine Magma-Kammer, ein sogenannter Hot-Spot, gleiten. Die Drift-Geschwindigkeit der Platten beträgt 5-7 Zentimeter pro Jahr. Bei einer Drift-Richtung nach Südosten sind die nordwestlich gelegenen Inseln die jüngsten und zählen zu den vulkanisch aktivsten Gebieten der Welt. Der letzte Vulkanausbruch wurde 2010 beobachtet. 

Während Vögel und Fische die Inseln auf natürliche Weise erreichen konnten, erreichten Landbewohner die Inseln durch Zufälle. Auf Bäumen oder Vegetationsinseln, die sich durch Verkeilen von durch Stürmen oder Überschwemmungen in Flüssen treibenden Bäumen gebildet hatten, konnten sehr resistente Arten, das wochenlange Treiben auf dem Meer überleben und ökologischen Nischen besetzen, da keine anderen Landbewohner mit ihnen um das Territorium konkurrierten. 

Der Mensch und von ihm eingeschleppte Arten, wie Ratten, Ziegen, Esel und Fliegen, stellen die grösste Gefahr für dieses Ökosystem dar. Bevor die Inseln 1535 vom Bischof von Panama entdeckt wurden (weil sein Schiff in der Flaute treibend vom Kurs abkam) lebten ca. 400.000 Schildkröten auf den verschiedenen Inseln. Heute sind es nur noch 40.000. Sie dienten im 17. und 18. Jahrhundert als Proviant der Seeräuber, die die Galapagos-Inseln als Rückzugsort und zum Auffüllen ihrer Vorräte nutzen.  


Nicht endemisch, aber etwa die Hälfte aller weltweit existierender Blaufuss-Tölpel leben auf den Galapagos-Inseln.





Der Galapagos-Seelöwe bildet seit ca. 2 Millionen Jahren eine eigenständige genetische Art und gilt daher als endemisch. Ohne jegliche Scheu vor Menschen, nutzt er auch Parkbänke als Schlafgelegenheit. Neben Parkbänken lieben es die Seelöwen auch auf Booten zu schlafen. Auf unser Boot haben sie es zum Glück noch nicht geschafft.