Donnerstag 29. Januar 2015: Kameraverbot auf Mustique

Mustique ist eine spezielle Insel. Sie gehört politisch zu St. Vincent, ist aber eine Privatinsel im Besitz der Mustique Island Company. In den 50er Jahren von einem englischen Aristokraten für 45.000£ mit dem Ziel Baumwollanbau zu betreiben gekauft, ist sie heute, da der Baumwollanbau sich nicht materialisierte, eine Luxusdestination für Show- und Big-Business. Ausser 2 Hotels gibt es auf der knapp 6 Quadratkilometer grossen Insel 89 private Villen, von denen 4 zum Verkauf stehen. Es wohnen ca. 1000 Menschen dauernd auf der Insel, die die gesamte Infrastruktur von Flughafen, Zoll, Stromversorgung, Geschäfte bis zur Müllabfuhr erledigen. Einen anderen (wirtschaftlichen) Zweck, als als Rückzugsgebiet einiger weniger zu dienen, hat die Insel nicht. 

Als wir im Büro des Mustique Harbour Masters unseren Obulus für 2 Nächte an der Boje entrichten, erhalten wir ein Merkblatt, was erlaubt und verboten ist. Derzeit gilt ein Kameraverbot auf der Insel. Warum erklärte uns niemand, aber vielleicht ist derzeit einer der Villenbesitzer auf der Insel, der nicht (oder nur gegen Geld) fotographiert werden möchte. Ausserdem ist die Bewegungsmöglichkeit für uns Segler auf einen schmalen Streifen Stand entlang der Britannia Bay beschränkt. Alles sehr komisch; auf dieser Insel gilt wohl der Grundsatz "wer zahlt befiehlt". Da sind unsere 70US$ für 2 Nächte an der Boje ein schwaches Argument. Also gibt es heute nur Bilder vom Boot aus, obwohl es viele schöne Motive gegeben hätte. Schade, aber die nächste Insel kommt schon morgen. 

Die Yacht Talitha am Morgen vor Mustique. So reist man stilvoll. Die 80 Meter lange Jacht wurde 1929 auf der Krupp-Weft in Kiel gebaut, hat über die Jahre mehrfach den Eigner gewechselt und kann heute gechartert werden. Charterpreis 393.750€ pro Woche. Resevaionen sind per Internet möglich.


Zwei Fotos mit Blick aufs Land in der Britannia Bay. So sieht Karibik de Luxe aus. Ohne Bretterbuden und fliegende Händler. Na denn, wir fanden Dominica oder St. Lucia viel spannender und reizvoller. 




Mittwoch 28.Januar 2015: Von Insel zu Insel

Heute stand eine grössere Strecke auf dem Programm. Nach den vielen Warnungen, die Insel St. Vincent wegen hoher Kriminalität zu meiden, sind wir in einem Schlag von St. Lucia nach Mustique gesegelt. Die Warnungen kamen von Seglern als auch von Einheimischen aus St. Lucia. Oder machen sie Negativ-Werbung gegen die missliebige Konkurrenz. Wir sparen uns den Selbstversuch.  

Morgens um 7.30 Uhr ging es los, damit wir die berechnete Strecke von 65 Seemeilen und das Ansteuern von Mustique bei Tageslicht schaffen. 

Die Pitons in der Morgensonne. Links der kleine, rechts der grosse Piton.


Und weil es so schön ist, das Ganze noch aus einer anderen Perspektive, wenn auch bei weniger stimmungsvollen Lichtverhältnissen. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Matterhorn kann man dem Petit Piton nicht absprechen. 




Bislang wählten wir beim Vorbeisegeln die Westseite der Inseln in der Karibik. Die Westseite ist die Wind ärmere, manchmal wegen der Abdeckung der hohen Berge sogar windstille Seite. Bei St. Vincent hielten wir uns an die rauere Atlantikseite, da dies der direkte Weg ist und wir keine Ankerbucht auf der ruhigen Seite ansteuern wollten. 

Glücklicherweise geht der Regenschauer hinter uns durch. Uns brachte er eine Mütze voll Wind (6 bft). Auch wenn der Tag mit 4-5 Windstärken alles andere als windstill war, nutzen wir diese 2 Stunden mit Starkwind um mit Genua und 3fach gerefftem Grosssegel unser Ziel noch bei Tageslicht zu erreichen. Im letzten Licht machen wir an der letzten freien Boje fest.


Dienstag 27.Januar 2015: The Piton Climb


Unser Ziel, der 736 Meter hohe Petit Piton. Für die Alpen keine Höhe, wir starten jedoch auf Meereshöhe. Die beiden Pitons sind Zeugen der vulkanischen Tätigkeit auf St. Lucia und das Wahrzeichen der Insel. Selbst auf der Landesflagge sind sie vertreten. 


Es geht über Stock und Stein. Bäume und Wurzeln helfen beim Aufstieg über die zum teil rutschigen Vulkanfelsen. An manchen Stellen sind Fixseile angebracht. 


Auf dem Gipfel zelebriert sich unser Führer Toni.


Der Blick nach Süden zum 60 Meter höheren Gros Piton. Er ist über einen Wanderweg erschlossen.


Und nach Norden auf  Soufrière, die zweitgrösste Stadt St. Lucias

Montag 26.Januar 2015: Die Marigot Bay und Dr. Dolittle


Weit sind wir heute nicht gesegelt. Bei frischen 5-6 Windstärken waren wir nach einer Stunde in der 8 Seemeilen entfernten Marigot Bay Marina angekommen. Dieser schöne Naturhafen diente einst als Kulisse des Musikfilms Dr. Dolittle.  

Das Boot oder besser gesagt das Schiff neben uns hat eine stattliche Grösse. 108 Fuss oder 33 Meter Länge bei einem Gewicht von ca. 80 Tonnen. Es handelt sich um die Yacht WinWin, die von der finnischen Werft Baltic in 2 Jahren gebaut und im letzten Sommer ausgeliefert wurde. Auch andere Zahlen, wie ein Spinnacker von 1000 Quadratmetern, sind beeindruckend. Wen mehr interessiert unter Segelyacht WinWin googeln. 



Den Nachmittag nutzen wir zu einer kurzen Velotour. Es geht nur berauf und bergab, meist mir zweistelligen Steigungsprozenten, jedoch auf einer recht ordentlichen Strasse entlang der Küstenlinie. Wir geniessen die Farben und Farbenfreude der Karibik und ihrer Einwohner.





Sonntag 25.Januar 2015: Fast fauler Tag in der Rodney Bay

Faul heisst nicht Nichtstun sondern nicht Segeln. Nachdem wir nun 14 Tage ununterbrochen unterwegs sind, war es Zeit für einen Bootstag. Aufräumen, putzen, Kleinigkeiten erledigen, E-Mails beantworten, zum Zoll gehen sowie etwas Sightseeing. 

Ein fahrender Händler mit fliegenden Fahnen. Man hat fast etwas Mitleid, wenn man dieses Gefährt sieht, dass jeden Augenblick ein Opfer des Meeres werden könnte. Frisch sind die angeboten Früchte, Gemüse und Kräuter jedenfalls.  


Man begegnet ihnen auf Schritt und Tritt in der Karibik. Den englischen Kanonen. Als Kanonengiesser haben die Engländer eine wahre Meisterschaft erreicht. Fragt man sich, wie sie vor 250 Jahren diese mehrere Tonnen schwere Ungetüme auf die Stellungen gebracht haben. 


Ganz einfach. Man nimmt ein Schiff, ankert es unter Land und vertäut es. Der Besanmast (also der hintere Mast) dient als Ausgangspunkt für die Seilbahn und die Kanonenstellung als Bergstation. Das Anheben der Kanone und die Bergfahrt erfolgten über ein Ankerspill (Trommel mit Spieren, zum Heben des Ankers), welches mit Menschenkraft betrieben wurde. 

Offensichtlich war diese Tätigkeit alles andere als ein Zuckerschlecken; gab es als Bonus die doppelte Ration Rum.   


Samstag 24.Januar 2015: Von Martinique nach St. Lucia



Die 42 Seemeilen von St. Pierre entlang der Westküste Martinique und hinüber nach St. Lucia segeln wir mit einem frischen Passatwind.

Dieser Felsen an der Südwestecke Martiniques ist auch ein Schiff. Die HMS Diamond Rock, (HMS Her oder His Majesty Ship) von den Engländern 1804 besetzt, mit Artillerie und 120 Soldaten ausgestattet und zum Kriegsschiff der königlichen Marine erklärt, hat es 17 Monaten allen Versuchen der Franzosen getrotzt, den Felsen zurück zu erobern. Mit der List eines mit Rum beladenen Schiffs, welches die Franzosen an dem Felsen stranden liessen, war die Herrschaft der Engländer besiegelt. Nach anderen Quellen haben sich die Engländer ergeben, weil ihnen die Vorräte an Munition und Wasser ausgingen, als die Franzosen in Übermacht den Felsen angriffen und die Versorgung durch englische Schiffe behinderten. 

Da das "Schiff" jedoch nie unterging wird es noch heute offiziell als ein Schiff der Royal Navy behandelt. Britische Marine-Schiffe grüssen beim Vorbeifahren. Es lebe die Tradition.

 

Unser Ankerplatz in der Rodney Bay.


Freitag 23.Januar 2015: St. Pierre, das Pompeji der Karibik

Wir verlassen am Morgen unseren Ankerplatz und damit auch Dominica. Martinique ist das nächste Ziel. 36 Seemeilen weiter südlich wartet der Ankerplatz vor der Ortschaft St. Pierre. 



St. Pierre war einst das Paris der Karibik und Hauptort von Martinique. Bis zum 8.Mai 1902. An diesen Tag ereignete sich eine dramatische Naturkatastrophe, die das ganze Dorf zerstörte und 30.000 Menschen in den Tod riss. In den Tagen davor hatte es Anzeichen für einen Ausbruch des Vulkans Montagne Pelée gegeben. Sie waren so deutlich, dass die Bevölkerung das Dorf verlassen wollte aber durch den Gouverneur und seine Truppe daran gehindert wurde. Morgens um 7.50 explodiert der Vulkan und eine 2000°C heisse und 150km/h schnelle Glutlawine rast auf St. Pierre zu. Alle Uhren bleiben um 7.52 stehen. 

Selbst die meisten vor der Küste vor Anker liegenden Schiffe fingen Feuer und sanken. Die Seekarte verzeichnet 8 Wracks. Einziger Überlebender im Dorf war der Häftling im Gefängnis, dessen dicken Mauern ihn schützen. 

St. Pierre hat sich von dieser Katastrophe nie erholt und ist heute ein kleine Ortschaft mit ein paar Ruinen. Der Hauptort von Martinique ist seitdem Fort-de-France, wo etwa ein Drittel der 400.000 Einwohner Martiniques leben.

Der Treppenaufgang des ehemaligen Theater.



Die Reste der Eingangshalle des Theaters mit den Vulkan Montange Pelée im Hintergrund.



Das Innere des Theaters mit Bühne und Theatergraben.


Ein Transformator, so wie ihn die Katastrophe zurückgelassen hat. 


Neben Ruinen gibt es auch ein paar schmucke Häuser. Man muss sie aber suchen. 


Donnerstag 22.Januar 2015: Ruhiges Segeln entlang der Westküste Dominicas

Nach unserer ausgedehnten Geothermie-Exkursion war das genau das Richtige. Bei leichten Winden ging es 25 Seemeilen entlang der Küste bis in den Süden der Insel. Die höchste Erhebung im Hintergrund ist der Morne Diablotin; mit 1447 Metern nicht nur der höchste Berg Dominicas sondern auch der höchste der Kleinen Antillen. 


Die Westküste bietet wegen der steil abfallenden Uferzone wenig gute Ankerplätze. Wir liegen südlich der Hauptstadt Rosseau vor der Ortschaft Loubiere an einer Boje und hoffen, dass das Bojengeschirr unter Wasser besser aussieht als über Wasser. Bei nur leichtem Wind sollte es uns halten können. Der Dinghi-Anleger und die dazugehörige Bar sind besser in Schuss.  



Der Tag klingt aus. 



Musik an Bord braucht es auch hier nicht. Wir werden mit lautstarker Reggae-Musik eines nahe gelegenen Hotels beschallt. Dann gute Nacht und bis morgen auf unserer Fahrt nach Martinique.

Mittwoch 21.Januar 2015: Für die Freunde der Geothermie

Wie fast überall auf der Welt, fällt auch in Dominica die Geothermie niemand in den Schoss. Mit finanzieller Untersützung aus der EU und mit Hilfe von Isländischen Fachleuten will man das geothermische Potential der Vulkaninsel anzapfen. 


Wir haben uns mit einem Führer zu Fuss auf den Weg durch den Regenwald gemacht, um uns vom Potential der Erdwärme zu überzeugen. Über Vulkankreten ging es bergauf und bergab zu einer geologischen Besonderheit, die es auf der Welt in dieser Grösse neben Dominica nur in Neuseeland gibt. 


Nach ungefähr der Hälfte des Weges das erste Rauchzeichen (leicht links der Bildmitte). Von diesem Punkt in den Bergen Dominicas auf 1100 Meter über dem Meer blickt man sowohl auf den Atlantik als auch auf das Karibische Meer. 


Wir kommen der Sache näher. Das Valley of Desolation hat ein paar heisse Quellen.


Nach 3 Stunden Fussmarsch haben wir unser Ziel erreicht. Der Boiling Lake; ein See kochenden Wassers. Wir staunen nicht schlecht. Nur das Pendant in Neuseeland ist noch grösser.  Am Rand des See beträgt die Wassertemperatur ca. 90°C, in der brodelnden Mitte sollen es 230°C sein. 


Immer wieder verdecken Dampfschwaden die brodelnde Seemitte. Es ist, als schaut man in einen Kochtopf mit kochendem Wasser. Der See hat zwei Zuflüsse und einen Abfluss.


Auf Dominica muss nicht 5000m tief gebohrt werden, um festzustellen, dass die geothermische Stromerzeugung ein schwieriges Unterfangen ist. Es genügen 3 Stunden Wanderung (und 3 Stunden für den Rückweg), um kochendes Wasser in grossen Mengen an der Erdoberfläche zu beobachten. Von Zeit zu Zeit gibt es Erdstösse auch ohne Tiefenbohrungen, lebt man doch auf einer noch aktiven vulkanischen Zone. 


Bis es mit der Geothermie soweit ist, wird der Strom zu 40% aus Wasserkraft und 60% aus Dieselgeneratoren gewonnen. 


Nach zwei spannenden Tagen auf Domenica geht es morgen weiter nach Süden. Je nach Wind bis zur Südspitze Dominicas oder direkt bis nach Martinique. 

Dienstag 20. Januar 2015: Im Regenwald

Mit durchschnittlich 580mm Niederschlag pro Jahr regnet es in Dominica nur knapp halb so viel wie in der Schweiz. Verglichen mit anderen Karibik-Inseln regnet es wegen der hohen Berge mehr, weshalb die Vegetation üppig ist, genügend Trinkwasser zur Verfügung steht und ein Teil des Wasser zur Stromerzeugung verwendet werden kann. 



Dominica soll 365 Flüsse haben, wobei manche mit spektakulären Wasserfällen in Tal stürzen. Das Bad unter dem Wasserfall haben wir nicht genommen. Wir sind, was Wassertemperaturen angeht, mittlerweile etwas verwöhnt.


Die dominierende Farbe ist Grün in allen Farbtönen mit ein paar Tupfer in Rot, Weiss und Gelb.


Neben Wasser ist das Angebot an anderen Flüssigkeiten ebenfalls reichhaltig. 


Montag 19. Januar 2015: Dominica, die Insel für Naturliebhaber

Unter Segel verlassen wir am Morgen das Bojenfeld vor Bourg de Saintes und steuern durch die Inseln ins freie Wasser zur 18 Seemeilen entfernten Insel Dominica. Seit 1978 unabhängiger Staat innerhalb des Commonwealth ist diese Insel anders als der Rest der Karibik. Es gibt nur wenig Tourismus, kaum Hotels, zwei kleine Flughäfen ohne internationale Anbindung und keine Häfen; weder für kommerzielle Schiffe noch für Jachten.

Der  Tourismus wird bewusst als Öko-Tourismus betrieben. Dem Erhalt des Regenwalds und der Tauchgründe wird grosse Bedeutung beigemessen. 

Unser Ziel ist die Prince Rupert Bay im Schutze der zwei auffälligen, bewaldeten Kegel. Im Hintergrund, in den Wolken versteckt, der höchste Berg der Karibik, der 1441m hohe Vulkan Morne Diablotin. 


Lawrence, der Wassertaxi-Fahrer. Sein Boot heisst sinnigerweise Lawrence of Arabia. Er und seine 13 Kollegen verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit verschiedenen Services für Segler, die die Bucht anlaufen. 


Franzosen und Engländer wechselten sich als Besitzer von Dominica in der Kolonialzeit häufig ab. Das restaurierte Fort Shirley ist ein Zeuge dieser Zeit. 


Welch ein Zufall, dass gleich zwei Grosssegler am gleichen Tag die Bucht anlaufen und diesem Schnappschuss etwas nachhelfen. 


Das ehemalige Wohnhaus der Offiziere auf Fort Shirley. 


Die Kreuzfahrer verlassen mit der untergehenden Sonne die Bucht und werden morgen vor der nächsten Traumkulisse aufwachen.  


Sonntag 18. Januar 2015: Die Inseln der Heiligen


Die Ȋles les Saintes liegen ein paar Seemeilen südlich von Guadeloupe und bestehen aus 9 kleinen Inseln. Von Malendure beträgt die Strecke ca. 25 Seemeilen. Die erste Hälfte in völliger Flaute in der Abdeckung der hohen Berge von Guadeloupe, danach schöner Wind im freien Wasser zwischen Guadeloupe und den Inseln der Heiligen.

Vor uns die deutsche Jacht Doppelbock. Offensichtlich ist der Eigner passionierter Gerstensaftliebhaber.


Die Bucht vor Bourg de Saintes ist mit Bojen ausgestattet, wo wir an einer der letzten freien festmachen. Über 60 Jachten liegen in der gut geschützten Bucht.   


Die Bucht ist kreisrund und nach meiner laienhaften Vermutung ein ehemaliger Vulkankrater, dessem Ränder zum Teil unter Wasser liegen. 




Beim Suchen nach Motiven fliegt mir ein Tölpel direkt vor die Linse.


Karibisches Idyll