Montag 31. Juli 2017: Fischers Fritz fischt frische Fische


Neben Ätna und Catanias historischen Gebäuden empfiehlt jeder Reiseführer den Besuch des Fischmarktes. Nichts für Menschen mit empfindlichen Nasen, jedoch ein schönes Beispiel sizilianischer Lebensart.  





Wer nach Catania kommt, begegnet auch ihm; dem schwarzen, aus Lavagestein geschaffenen Elefanten auf dem Domplatz, der einen Obelisken trägt.  




Auch heute Abend werden wir vom Boot aus die Sonne hinter der Stadt untergehen sehen. Für Catania vorerst das letzte Mal, da wir morgen weiter nach Norden segeln. 

Sonntag 30. Juli 2017: Vom Domplatz geht es immer bergan


Die Strecke vom Hafen zum Ätna führt über den Catanias Domplatz. Kurz danach geht es 46 Kilometer permanent bergan. Die ersten, geteerten 38 Kilometer überwinden mit meist angenehmer Steigung 1800 Höhenmeter. Die restlichen 8 Kilometer der Strasse bestehen aus Schotter und Sand. Sie darf nur von Wanderern, Velofahrern und den Bussen der Parkverwaltung benutzt werden. Mit 1100 Höhenmetern auf dieser kurzen Strecke ist sie unangenehm steil und verlangt zumindest von mit viele Schiebepassagen. Da der Rücken der Skipperin seit gestern schmerzt, verzichtete sie auf den Versuch 2900 Höhenmeter in einem Stück zu meistern. 

Die nächsten Fotos brauchen kaum einen Kommentar. Das Motiv ist immer das gleiche, nur der Abstand verringert sich zusehends. 






Nach einen kurzen Ausbruch Ende April war der Gipfelbereich gesperrt. Mittlerweile, da der Ätna nur noch Asche ausspuckt, darf man sich wieder bis 2900 Meter selbst bewegen, für den Anstieg zum Krater-Rand auf 3323 Metern braucht es einen kundigen Führer. 


Gute Selfies sehen anders aus, aber kurz vor Ende dieses Anstiegs über 2900 Höhenmeter bin ich schon froh, dass der Bildausschnitt einigermassen stimmt.  


Samstag 29. Juli 2017: Catania, im Schatten des Ätna




Zuerst unter Segeln dann leider unter Motor ging es heute 30 Seemeilen von Syrakus nach Catania. Im grossen Hafen gibt es vier Organisationen die Steg-Anlagen betreiben. Wir sind beim Circolo Nautico, einem der örtlichen Yacht-Clubs und blicken auf den sanft vor sich hin rauchenden Ätna. 30 Kilometer Luftlinie sind es bis zum auf 3320 Meter liegenden Krater.

Gestern besuchten wir das Barock-Städtchen Noto, das wie seine Nachbarn Syrakus, Ragusa und Modica beim Erdbeben von 1693 zerstört wurde. Die Einwohner Notos entschieden ihre Stadt nicht am gleichen Ort sondern 10 Kilometer entfernt mit einen modernen, rechtwinklig angeordneten Strassenplan wieder aufzubauen. 




Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden 15 Paläste, 19 Klöster und 23 Kirchen gebaut. 


Unter diesem Balkon genossen wir unser Mittagessen bei Modica di San Giovanni. 

Wieder in Syrakus gingen wir noch bei den alten Griechen und Römern vorbei. Diese künstliche Höhle bekam wegen ihrer Form den Übernahmen das Ohr des Dionysos. Sie ist Teil des Steinbruchs, der für den Bau der Stadt betrieben wurde, die in ihrer Blüte vor 2400 Jahre eine halbe Million Einwohner gehabt haben soll.  


Das grösste griechische Theater in Sizilien und eines der grössten in der Welt der antiken Griechen mit 13'000 Sitzplätzen war Teil der Stadt. Das Besondere ist, dass es mit seinen seitlichen Eingängen, den Sitzreihen und der Bühne aus dem Kalksteinfelsen herausgeschlagen wurde. 


Als die Römer die Stadt übernahmen, bauten sie neben der griechischen Theater eine weitere Arena mit einem Fassungsvermögen von 14'000 Besucher. Der Grund war wohl, dass die römischen Volksbelustigungen nach dem Herrschaftsprinzip panem et circenses handfesterer Art waren als die schöngeistigen Aufführungen der Griechen. Bei den Römer ging es Mann gegen Mann oder Mann gegen Tier bis zum bitteren Ende. Zumindest bei der Paarung Mann gegen Tier mussten bauliche Vorkehrungen getroffen werden, damit die Zuschauer nicht auch Teil des blutigen Spektakels wurden.  


Nach diesem reichhaltigen Tagesprogramm kehrten wir zum Boot zurück und streckten alle Viere von uns.  


Donnerstag 27. Juli 2017: Friedrich II und seine Kastelle


Über 200 Burgen, Kastelle und Verteidigungsanlagen sowie eine Kirche gehen auf den von 1220 bis zu seinen Tod 1250 regierenden Kaiser des römisch-deutschen Reichs zurück. Das beeindruckendste ist das achteckige Castel del Monte in Apulien. Auch das Kastell in Syrakus gehört zu dieser Sammlung friderizianische Bauten. Sie dienten weniger zum Abwehr von Feinden von aussen, sondern zur Sicherung der Macht nach innen. Die italischen Städte waren dem Tedesco auf dem Thron nicht immer wohlgesonnen, weshalb er um Bürgeraufstände im Keim zu ersticken, eine rege Bautätigkeit entwickelte. 

  
Leider ist das Innere des Kastells wegen Renovierungsarbeiten derzeit nicht zugänglich. So mussten wir uns mit einen Foto des immensen Sala Ipostila im Ticketoffice begnügen und konnten nur die im 16. und 17. Jahrhundert hinzugefügten wuchtigen Teile besichtigen. Sie brauchte es zur Aufstellung von Kanonen zur Verteidigung der strategisch wichtigen Bucht.   





Neben der Beschäftigung mit deutscher Machtausübung im Sizilianischen Königreich, das zu seiner Zeit aus der Insel und dem südlichen Teil des italienischen Stiefels bestand, braucht der Mensch auch etwas zum Essen. 


Der Markt in Syrakus war bislang der schönste und grösste, den wir in Sizilien besucht haben. Fisch, Gemüse, Käse, Obst und Gewürze gibt es im Überfluss und wir marktschreierisch angeboten. 

Und für die Katzenliebhaber unter dem Blog-Lesern, noch das Bild einer jungen Strassen-Katze. 





Mittwoch 26.Juli 2017: Störe meine Kreise nicht!


Frühstück mit Gegenlicht. Bevor wir in den Hafen von Syrakus fuhren und uns in der Stadt Archimedes umsahen, erfreuten wir uns am silbrigen Glitzern der Morgensonne auf dem Meer. 

Syrakus, im Jahr 733 vor unserer Zeitrechnung von den Griechen gegründet, soll in der Antike die grösste und mächtigste Stadt Siziliens gewesen sein. Archimedes wurde hier geboren und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in der Stadt. Seine Erfindungen wie der Flaschenzug, Wurfgeschosse und der Brennspiegel halfen der Stadt lange der römischen Belagerung zu trotzen. 

Beim Sturm auf die Stadt 212 vor Christus wurde der fähigste Mathematiker und Physiker der Antike trotz eines anders lautenden Befehl des römischen Feldherrn Claudius Marcellus von einem römischen Soldaten getötet. Nach der Legende wird ihm der berühmte Satz "störe meine Kreise nicht" beim Anblick des Soldaten, der ihn bei einer Berechnung störte, in den Mund gelegt. Sicher hingegen ist, dass er als erster die Fläche eines Kreises berechnen konnte und eine Anleitung gab, wie die Zahl Pi zu bestimmen sei.  


Der Dom von Syrakus mit seiner barocken Fassade hat seinen Ursprung in einem griechischen Tempel. 


Die Stufen sind nicht nur eine schöner schattiger Platz um Eis zu Essen, sondern das Fundament des griechischen Tempels.


Die Byzantiner integrierten die dorischen Säulen und machten aus dem Tempel in 7. Jahrhundert eine christliche Basilika. Im 17. und 18. Jahrhundert kamen die barocke Fassade und weiter Gebäudeteile hinzu. 

Nach soviel Kultur zur Entspannung ein paar Schnappschüsse von unserem Spaziergang durch die Altstadt mit ihren Hinterhöfen und Gassen . 



Darf in Italien im Sommer nicht fehlen. Das innovative Konzept einer Gelateria. 


Mit Fotografieren kann man nicht früh genug anfangen. Ist ja auch langweilig, wenn immer nur die Eltern ihr Kind ablichten. 




Dienstag 25. Juli 2017: 3 Ankerplätze in 2 Tagen



Unser erster Ankerplatz am gestrigen Tag. Idyllisch gelegen im Windschatten der kleinen Insel Isola di Capo Passero an der Südostecke Siziliens. Geankert haben wir des Blicks und des klaren Wassers wegen. Nach einer kurzen Badepause wollten wir unseren Ankerplatz für die Nacht vor die Ortschaft am Festland verlegen. 

Unsere Versuche den Anker zu lichten scheiterten, da er sich an einem Stein verhakte. Einheimische auf ihren Motorboote erkannten unser Problem und kamen uns zu Hilfe. Nur mit Flossen und Taucherbrille tauchten 2 von ihnen auf 13 Meter Tiefe und befreiten den Anker. Mille Grazie.   


Das war der Blick aufs Land heute morgen von unserem Ankerplatz für die vergangene Nacht. Das Gesamtensemble sieht jedoch sizilianischer aus als dieser eingeschränkte Blickwinkel vermuten lässt. 


Mit mässigem Wind von 3 Beaufort konnten wir heute die gesamten 25 Seemeilen von Capo Passero bis in die Porto Grande genannte Bucht von Syrakus segeln. Beim Vorbeisegeln an der Zitadelle nahmen wir die Segel herunter und fuhren mit Motor in den Süden der grossen Bucht zu unserem Ankerplatz.


Morgen verlegen wir uns in den Hafen und füllen unsere geschrumpften Vorräte auf. 


Am Ankerplatz gibt es immer etwas zu sehen. Wie diese Wasserspielzeuge einer Superyacht.  


Oder an Land das statisch ungenügende Schwimmbecken einer Villa an der labilen Uferböschung. 



Sonntag 23. Juli 2017: Zeitsprung von der Antike ins Barock


Wir bleiben unserem Rhythmus von einem Tag Segeln gefolgt von einem Tag Besichtigungen treu. Heute war die Barock-Stadt Ragusa an der Reihe, nachdem wir gestern Nachmittag in der Marina di Ragusa festmachten. 

1693 von einem schweren Erdbeben heimgesucht, wurde die Stadt im Baustil des Sizilianischen Barocks wieder aufgebaut. Sie zählt zum UNESCO Weltkulturerbe der Spätbarocken Städte des Val di Noto. 


Motive gibt es zuhauf, wobei es nicht nur die Fassaden der vielen Kirchen sind sondern auch die kleinen Details an den Häusern und Gebäuden, die bei einem Spaziergang durch die Stadt ins Auge fallen. 


So üppig kann eine Balkonabstützung sein. Barocker geht es kaum noch. 




Weniger der Balkon als der Husky auf ihm, veranlasste zu diesem Bild. Bei 35° im Schatten in diesen Tagen für den Schnee-Liebhaber echte Hundstage.  


Wir verzogen uns in eine Gelateria, die wegen ihren Eis mit Weingeschmack berühmt ist. Sie heisst Gelati di Vino und befindet sich auf dem Platz beim Duomo San Giorgio. 


Noch ein letztes Bild und wir fuhren mit dem Bus 25 Kilometer zurück zum Boot in der Marina di Ragusa. 


Am späten Nachmittag verzogen sich die Damen mit einem Abstecher zu den Waschmaschinen im Hafen an den Strand. Ich setzte mich aufs Mountainbike und radelte zum 20 Kilometer entfernten Castello Donnafugata. 

Würde ich nicht derzeit als Einstimmung und Begleitung der Sizilien-Reise den Roman Il Gattopardo von Giuseppe Tomasi de Lampedusa lesen, wäre mir dieses Ziel wahrscheinlich nicht in den Sinn gekommen. Sein Roman erschien postum 1958 und spielt im Sizilien des politischen Wandels von 1860 bis 1910 und beschreibt den Niedergang des Sizilianischen Adels. Das Schloss Donnafugata mit seinen 122 Zimmern ist ein zentraler Ort der Handlung, wo sich Tomasi als Kind oft aufhielt.