Der Eindruck täuscht. Im Licht der Morgensonne sieht unser Fluss-Hafen friedlich aus, nach einem aufregenden Start in den Tag.
Am frühen Morgen drehte der Wind um 180 Grad, von Nordost auf Südwest, also auf den Wind vor dem wir in East London Schutz suchten. Die Drehung der Boote und der Zug auf die Anker in Gegenrichtung reduzierte die schon geringe Haltekraft im Schlick weiter. Als die ersten giftigen Böen mit bis zu 7 Windstärken durch den Hafen pfiffen, gingen einige Boote auf Drift. So auch wir und bevor wir uns versahen, touchierten wir das Boot hinter uns. Zum Glück gab es nur einen kleinen Kratzer, den wir provisorisch gleich zuspachtelten.
Am neuen Platz hatten wir mehr Glück mit unserem Anker. Er hielt allen Böen stand. Den ganzen Tag blieben wir auf dem Boot und betrachteten die Böen, die den Fluss hinunter auf uns zukamen und NOE an der Ankerkette reissen liess.
Das Boot zu verlassen war heute keine Option. Mindestens ein Boot von den 12 anderen war immer damit beschäftigt den Anker nach einer Drift aufzuholen, ein Stück nach vorne zu fahren und neuerlich zu ankern.
Reger Funkverkehr herrschte, da die meisten ihre Dieselvorräte auffüllen mussten, die auf dem Weg nach East London verbraucht wurden. Manche brauchten mehrere Hundert Liter. Ein Segler organisierte einen Lieferservice, nahm alle Bestellungen entgegen und regelte die Reihenfolge. Boot für Boot fuhren wir an die Mole vor der Einfahrt zum Trockendock und wurden aus einem kleinen Tank-Anhänger betankt. Dreimal musste der Lieferant in die Stadt fahren um seinen Anhänger wieder zu füllen. Bis das letzte Boot betankt war, war der Tag fast zu Ende.
Auch zeigte sich die grosse Hilfsbereitschaft unter den Weltumseglern. Diejenigen wie wir, die nur zu zweit unterwegs sind, wurde angeboten, dass eine dritte Person an Bord kommt, um beim Anlegen an der Mole bei den böigen Verhältnissen zu helfen. Beim Ablegen gegen den Wind unterstütze das Dinghi des Bootes "Paradise Found" als Schlepper, in dem es das Heck von der Mole wegzog. Also wie bei den grossen Schiffen im Hafen nur im Masstab 1:10.
Mittlerweile ist der Wind vollständig eingeschlafen, der Luftdruck ist um 5 Millibar gestiegen und jeder hofft auf eine ruhige Nacht. Morgen laufen alle Schiffe aus und segeln weiter entlang der Küste. Das Wetter der nächsten Tage erlaubt uns in einem Stück 320 Seemeilen bis nach Mossel Bay zu segeln. Dort sollten wir am Donnerstag, spätestens Freitag ankommen.















































