Montag 28. November 2016: Schreck am Morgen


Der Eindruck täuscht. Im Licht der Morgensonne sieht unser Fluss-Hafen friedlich aus, nach einem aufregenden Start in den Tag.

Am frühen Morgen drehte der Wind um 180 Grad, von Nordost auf Südwest, also auf den Wind vor dem wir in East London Schutz suchten. Die Drehung der Boote und der Zug auf die Anker in Gegenrichtung reduzierte die schon geringe Haltekraft im Schlick weiter. Als die ersten giftigen Böen mit bis zu 7 Windstärken durch den Hafen pfiffen, gingen einige Boote auf Drift. So auch wir und bevor wir uns versahen, touchierten wir das Boot hinter uns. Zum Glück gab es nur einen kleinen Kratzer, den wir provisorisch gleich zuspachtelten.    

Am neuen Platz hatten wir mehr Glück mit unserem Anker. Er hielt allen Böen stand. Den ganzen Tag blieben wir auf dem Boot und betrachteten die Böen, die den Fluss hinunter auf uns zukamen und NOE an der Ankerkette reissen liess. 


Das Boot zu verlassen war heute keine Option. Mindestens ein Boot von den 12 anderen war immer damit beschäftigt den Anker nach einer Drift aufzuholen, ein Stück nach vorne zu fahren und neuerlich zu ankern. 


Reger Funkverkehr herrschte, da die meisten ihre Dieselvorräte auffüllen mussten, die auf dem Weg nach East London verbraucht wurden. Manche brauchten mehrere Hundert Liter. Ein Segler organisierte einen Lieferservice, nahm alle Bestellungen entgegen und regelte die Reihenfolge. Boot für Boot fuhren wir an die Mole vor der Einfahrt zum Trockendock und wurden aus einem kleinen Tank-Anhänger betankt. Dreimal musste der Lieferant in die Stadt fahren um seinen Anhänger wieder zu füllen. Bis das letzte Boot betankt war, war der Tag fast zu Ende. 

Auch zeigte sich die grosse Hilfsbereitschaft unter den Weltumseglern. Diejenigen wie wir, die nur zu zweit unterwegs sind, wurde angeboten, dass eine dritte Person an Bord kommt, um beim Anlegen an der Mole bei den böigen Verhältnissen zu helfen. Beim Ablegen gegen den Wind unterstütze das Dinghi des Bootes "Paradise Found" als Schlepper, in dem es das Heck von der Mole wegzog. Also wie bei den grossen Schiffen im Hafen nur im Masstab 1:10.  

Mittlerweile ist der Wind vollständig eingeschlafen, der Luftdruck ist um 5 Millibar gestiegen und jeder hofft auf eine ruhige Nacht. Morgen laufen alle Schiffe aus und segeln weiter entlang der Küste. Das Wetter der nächsten Tage erlaubt uns in einem Stück 320 Seemeilen bis nach Mossel Bay zu segeln. Dort sollten wir am Donnerstag, spätestens Freitag ankommen.  

Sonntag 27. November 2016: Ankern im Fluss


30 Stunden waren wir von Durban nach East London unterwegs. Zwei Drittel der Zeit unter Motor, da der Wind schwach war, wir aber innerhalb des Wetter-Fensters in East London ankommen mussten. Die letzten 10 Stunden gab es frischen bis starken achterlichen Wind, der uns zusätzlich zur schiebenden Wirkung der Strömung mit 9 - 10 Knoten Fahrt über Grund sicher und rechtzeitig nach East London brachte.    

Der Hafen von East London ist die ausgebaute Mündung des Buffalo Rivers und der einzige Fluss-Hafen Südafrikas. Ein Hafen ist es für die Grossschifffahrt gebaut, nicht aber für Segler. Wir ankern mit einer Vielzahl anderer Boote, die wir auf dem Weg nach Kapstadt sind, vor dem Bojen-Feld des örtlichen Segel-Klubs mitten im Fluss. 

Die Böen pfeifen durch den Hafen und testen die Haltekraft der Ankergeschirre. Bei einer Bö gingen wir auf Drift, konnten aber schnell genug unseren Motor starten, um die Kollision mit einem hinter uns ankernden Schiff zu vermeiden. Unser Anker hält sehr gut auf sandigen Böden, wo er sich wie ein Pflug eingräbt, ist aber etwas heikel bei Schlamm, Schlick, ton oder Seegrass. Nach ein paar erfolglosen Versuchen hatten wir unseren Anker so ausgebracht, dass wir sicher liegen und hoffentlich eine ruhige Nacht verbringen. 

Für Montag ist starker Südwest-Wind angesagt, weshalb wir froh sind, uns im Buffalo-Fluss zu verstecken. Ausser diesem Hafen gibt es 260 Seemeilen nach Norden und 130 Seemeilen nach Süden keinen anderen Zufluchtsort. Am Dienstag soll es weitergehen. Via Port Elizabeth geht es nach Mossel-Bay, wo wir ein paar Tage bleiben wollen. 


Wir sind in Afrika und unsere Fock sieht nach der Reparatur der Maserung eines Zebras nicht unähnlich. Die Reparatur war notwendig, da durch das Ein- und Ausrollen des Segels die äussere Schicht an einigen Stellen durchgescheuert ist. Dadurch sind die Carbon-Fasern, die die Kräfte im Segel aufnehmen und die Form des Segels sicherstellen, der Sonne und der Feuchtigkeit ausgesetzt. Damit das Segel noch weitere 10'000 Seemeilen hält, hat der Segelmacher alle schadhaften Stellen mit einer Folie überklebt. In Ermangelung einer Folie im gleichen Farbton hat er eine hellere Folie gewählt und uns diesen Zebra-Look verschafft.  

  

Freitag 25. November 2016: Die nächste Etappe, Durban - East London


Morgen, beim ersten Tageslicht, machen wir uns auf die 260 Seemeilen lange Etappe nach East London. Der Südwest-Wind der letzten Tage hat sich heute schon deutlich abgeschwächt und soll in der Nacht weiter zurückgehen und im Verlauf des Samstags auf Nordost drehen. 

Wenn wir mit 8 Knoten unterwegs sind, haben wir um Mitternacht etwas mehr als die Hälfte der Strecke geschafft. Das gelbe Bötchen auf dem Bild wäre dann unser Standort. 

Ein paar Stunden später, am Sonntag um 1800 sieht das Bild dann so aus.


Verläuft alles nach Plan sind wir zu dieser Zeit schon ein paar Stunden im Hafen. Mit dem aufkommenden Starkwind aus Nordost müssen wir uns nicht mehr auseinandersetzen. 

Der Grund, dass wir nach East London segeln und den nächsten Schritt von 130 Seemeilen nach Port Elizabeth in einigen Tagen angehen, sieht man hier. 



Das ist die Situation am Montag um 0600 Uhr. Zu dieser Zeit wären wir zwar nicht mehr weit von Port Elizabeth entfernt, aber bei über 40 Knoten gegen den Wind und die Wellen zu segeln, ist nicht nur sehr ungemütlich, sondern in dieser Gegend auch gefährlich. 

Donnerstag 24. November 2016: Nelson Mandela



Auf unserer Fahrt von den Drakensbergen zurück nach Durban ist es nur ein kurzer Umweg zum Städtchen Howick. Ausser einem kleinen Museum über die Burenkriege bietet es wenig Interessantes. Für die Geschichte Südafrikas hat der Ort hingegen eine besondere Bewandtnis. 

Am 5. August 1962 war Nelson Mandela mit einem Mitstreiter des ANC im Auto auf den Weg von Johannesburg nach Durban. Politisch agierte er zu dieser Zeit in Südafrika als Führer des bewaffneten Teils des ANC aus dem Untergrund, reiste jedoch für militärische Ausbildungen und für Kontakte mit anderen afrikanischen Freiheitskämpfern ins Ausland. In der Nähe von Howick wurde das Auto von der Polizei gestoppt und Mandela verhaftet. Erst 1990, nach fast 28 Jahren, war er wieder ein freier Mann.  


Eine Skulptur aus 50 profilierten, zwischen 6 und 10 Meter langen Stäben, aufgestellt in einem Quadrat, an der Stelle, wo Nelson Mandela verhaftet wurde. 

Betrachtet man die Skulptur genau senkrecht zu ihrer Achse aus dem richtigen Abstand, entsteht ein flaches Bild seines Portraits. Neben der Skulptur gibt es eine Ausstellung zu seinem Werdegang und dem Übergang Südafrikas vom Apartheit-Staat zu einer Demokratie mit gleichen Rechten und Pflichten aller Südafrikaner.     


Mittwoch 23. November 2016: Hoch hinaus


Das nächste Wetterfenster für die Strecke Durban East London geht am Samstag auf. Wir nutzen die Zeit und fahren zu den südlichen Drakensbergen, 3 Autostunden von Durban entfernt. Station machen wir in der kleinen Ortschaft Himeville, der Ausgangspunkt zur höchsten Passstrasse Südafrikas. Der Sani-Pass auf 2865 Meter liegt auf der Grenze zum Königreich Lesotho, das als Enklave vollständig von Südafrika umgeben. Dieser Status ist eine Folge der wechselnden Zugehörigkeit des Basatholands, dem Vorläufer Lesothos, zur britischen Krone oder der Kap-Kolonie. Als die Kap-Kolonie unabhängiges Südafrika wurde, war Basatholand ein britisches Protektorat.


Die Strasse auf südafrikanischer Seite ist nicht geteert und in den letzten Kehren so steil und so abenteuerlich, dass sie nur mit geländegängigen 4 Rad-Fahrzeugen befahren werden darf. Wir buchen für die Fahrt Plätze bei einem Tourunternehmen und kommen so in den Genuss eines kleinen Einblicks in das Leben der Bergbauern auf der kargen Hochebene hinter dem Pass. Die Strasse führt 25 Kilometer durch die Drakensberge, die sich uns leider bei bewölktem Himmel zeigen.



Auf der Seite Lesothos führt seit einem Jahr eine geteerte und gut ausbaute Strasse bis an die Grenze. Lesotho, seit 1966 unabhängig von Grossbritannien, ist eine konstitutionelle Monarchie ohne gefestigte demokratische Strukturen mit den dafür typischen Begleiterscheinungen wie gewaltsame Regierungswechsel. Das Land mit 2.5 Millionen Einwohner lebt von den Einkünften aus einer Diamanten-Mine und einem grossen Stausee, der ausreichend Strom für das Land und den Export nach Südafrika liefert. Die Menschen auf der Passhöhe bekommen davon wohl wenig ab.


Sie leben in runden, fensterlosen Hütten aus Stein. Als Übergewand tragen sie Decken, um sich vor dem kalten Wind zu schätzen. Die Landschaft, die im Winter unter einer Schneedecke liegt, lässt ausser Schafzucht keine weitere Bewirtschaftung zu.




Bevor es wieder ins Tal ging, gab es Mittagessen im höchsten Pub Afrikas. 


Montag 21. November 2016: Schlüsselerlebnisse in Südafrika

Der Titel des Posts bezieht sich nicht auf uns, sondern auf diesen weltbekannten Herrn. 


Die Bronzeskulptur steht im ehemaligen Bahnhof von Durban, wo sich Mahatma Gandhi 1894 in den Zug nach Johannisburg setzte. In Pietermaritzburg wurde er aus dem Zug geworfen, da nur Weisse die erste Klasse benutzen durften. Er protestierte und durfte am nächsten Tag seine Reise in der ersten Klasse fortsetzen. 

Gandhi (1869-1948) lebte 21 Jahre von 1893 bis 1914 in Südafrika. Nach seinem Jura-Studium in England nahm er eine Stelle  bei einer indischen Handelsgesellschaft in Südafrika an. Der Vertrag war auf ein Jahr befristet. Als die Provinz Natal 1843 englische Kolonie wurde, brauchten die weissen Grundbesitzer Arbeiter für ihre Zuckerrohr-Plantagen, die sie aus Indien rekrutierten und eher wie Sklaven behandelten. Später kamen frei eindische Bauern und Händler nach Natal, die auf ein besseres Leben als in Indien hofften. 

Nach dem diskriminierenden Erlebnis im Zug folgten weitere, die Gandhi zu seiner Form des Protests durch gewaltlosen öffentlichen Ungehorsam führten. Er engagierte sich für Abbau der Rassenschranken und die Rechte der indischen und indigenen Bevölkerung in Südafrika. Zeitweilig sass der dafür im Gefängnis. Er diente jedoch freiwillig mit anderen Indern für England in den verschiedenen Kriegen gehen Buren und Zulu. Aus religösen Gründen wurden die gläubigen Hindus im Sanitätsdienst eingesetzt. Gandhi erhoffte sich durch diesen freiwilligen Dienst Anerkennung der indischen Bevölkerung durch die herrschenden Engländer. 

1915 kehrte er nach Indien zurück und führte das Land 1947 in die Unabhängigkeit von England. In Südafrika geniesst Gandhi ein hohes Ansehen, was sich seit Ende der Apartheit in vielen Denkmälern und nach ihm benannten Strassen dokumentiert.      

Freitag 18. November 2016: Durban, der wärmste Ort schlechthin


So zumindest der Slogan der Vermarkter der Stadt. Im südlichen Sommer liegen die Temperaturen in Durban oft oberhalb der 30° Marke und das Wasser des Indischen Ozeans liegt wegen des Agulhas-Stroms ganzjährig über 20°. 



Für die Fussball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika hat Durban viel in die touristische Infrastruktur investiert. Die Promenade am kilometerlangen Strand der Stadt wurde saniert und aufgewertet. Ob zu Fuss oder mit dem Velo ist sie ein Anziehungspunkt der Stadt. Schwimmer, Wellenreiter, Windsurfer und Kiter finden ideale Bedingungen, wobei die die zum Teil starke Strömung ein gewisse Vorsicht verlangt.  


Wohl eine der teuersten Bungee Jumping Anlagen der Welt. Der dem Y in der Südafrikanischen Nationalflagge nachempfunden Bogen des Moses Mabhida Stadions erlaubt von der zweitobersten Strebe den Sprung aus 106 Meter Höhe. 


Die für die Fussball-Weltmeisterschaft erbaute Arena bietet 55.000 Zuschauern Platz.  

Ein Zeugnis südafrikanischer Geschichte. Mitten in Durban steht diese Mauer und der Wachturm, beide Teil eines Gefängnisses, im dem Aktivisten gegen die Rassentrennung inhaftiert waren. Das Gefängnis wurde abgerissen um Platz für das grösste Convention Centre in Afrika zu schaffen. 







Donnerstag 17. November 2016: Spaziergang in Durban


Durban ist nach Kapstadt und Johannisburg mit 600'000 Einwohnern die drittgrösste Stadt Südafrikas. Über 3 Millionen Menschen leben im Grossraum Durban. 

Das Stadtzentrum liegt in Gehdistanz zum Hafen. Die Damen im Marina-Büro haben uns abgeraten nach 6 Uhr abends das Hafengelände zu Fuss zu verlassen. Tagsüber hingegen ist das Spazieren auf den belebten Strassen so sicher oder unsicher wie in jeder Grossstadt. Zumindest war das unser erster Eindruck. 

Die Strassen-Frisöre hatten ihren sichtlichen Spass, sich mit ihren Kundinnen fotografieren zu lassen. Da wir erst kürzlich in Mayotte uns die Haare schneiden liessen, blieb es bei einem Foto. 

Die Geschichte Durbans beginnt mit zwei Engländern, Henry Finn und Francis Farewell, die 1824 hier ihr Lager aufschlugen um mit den Zulu Elfenbein zu handeln. In der Natal Bay, also dem heutigen Hafen von Durban, ankerte wahrscheinlich 1497 Vascos da Gama. Verbrieft ist, dass er die Küste an Weihnachten 1497 entlang segelte und ihr den Namen Natal gab, der sich im Namen der Region KwaZulu-Natal wiederfindet. 

Der Aufstieg Durbans als wichtige koloniale Hafenstadt begann 1843 als nach mehrjährigen Kämpfen zwischen Zulu, Engländern und Buren die Engländer obsiegten und die Region Natal annektierten. 


Das 1910 erbaute Stadthaus von Durban beherbergt heute unter anderem ein naturkundliches Museum und eine Galerie für afrikanische Kunst.  


Eines der schönsten Gebäude der Stadt, das im Art Deco Stil erbaute Hochhaus der Versicherung Colonial Mutul Life. 

Ein Mosaik an der Decke des Gebäudes, im dem die Touristeninformation sein sollte. Leider war sie umgezogen ohne die Hinweisschilder zu ändern. 




Dienstag 15. November 2016: Durban by Night


Die erste Etappe entlang der Südafrikanischen Küste ging von Richards Bay nach Durban. Am Morgen um 0530 legten wir in Richards Bay ab und erreichten Durban um 19 Uhr in der Dämmerung. Anfangs kam der Wind bei noch stark bewegter See schwach von vorne, später schlief er ein und am Schluss gab es achterlichen Wind. Da wir noch bei Licht ankommen wollten, haben wir aufs Segeln beim aufkommenden Wind verzichtet und sind die gesamte Strecke von 85 Seemeilen unter Motor gefahren. 

Wir ankern im Hafen und haben einen Teil der Skyline direkt vor uns. Da wir uns über die Wassertiefe im Yachthafen, der in einer Ecke des Container-Hafens liegt, nicht im Klaren sind, telefonieren wir morgen früh erst einmal mit dem Marina-Office. Neben uns ankert noch ein weiteres Boot. Offensichtlich wird das Ankern im Hafen toleriert, wenn man sich nicht die Fahrrinne als Ankerplatz aussucht.   

Hinter uns liegt eine Pier des Container-Hafens. Insgesamt gibt es vier solcher Terminals in Durban, der neben Cape Town der wichtigste Container-Hafen Südafrikas ist.   


Das Bild unten zeigt keine jagende Meute, die mit uns ausgelaufen ist, sondern die offene Reede von Richards Bay und unsere Tracks beim Einlaufen vor eine Woche und heute Morgen beim Auslaufen. 23 Schiffe warten auf ihren Slot um im Hafen mit Kohle, Holzschnitzeln oder Erz beladen zu werden. 


Sonntag 13. November 2016: Mit dem Wetter in Südafrika ist nicht zu spassen


Da braute sich gestern etwas zusammen. Der Wetterbericht warnt vor schweren Gewittern und das Barometer fällt und fällt. Etwa 2 mbar pro Stunde und es scheint nicht zu enden. Erst bei 995 mbar, nach einem Rückgang von fast 20 mbar geht es wieder nach oben. Dabei dreht der Wind von Nord auf Südwest. Bläst der Wind stark gegen den nach Süden laufenden Strom können sich sehr hohe Wellen bilden, die selbst für grössere Boote gefährlich sind. 


Um uns zucken die Blitze, die Gewitterzellen sind jedoch klein und ein paar Kilometer entfernt. Es fängt an zu regnen und im Hafen ist alles in Ordnung. Vor Jahresfrist zog ein grosser Sturm über Richards Bay und hat die Steg-Anlage, an der wir liegen, stark in Mitleidenschaft gezogen. Da dem Hafen das Geld für eine Sanierung fehlt, sind die Stege heute noch verbogen. 


Weniger gut ging es diesem belgischen Boot, das heute Morgen von der Seerettung in den Hafen geschleppt wurde, da die Maschine ausgefallen war. Vom der Fock sind nur noch Fetzen übrig, die am Vorstag hängen. Von einem weiteren Boot hören wir, dass es von einer Welle erfasst und zur Seite gedrückt wurde. Dabei wurde eine Person durch das Boot geschleudert und hat sich den Arm gebrochen.  


So sah der Durchzug der Front auf dem Barograph aus. Leider ist das Wetter weniger stabil als in dieser Jahreszeit zu erwarten. Die Fronten kommen in höherer Frequenz und entsprechend sind die Wetter-Fenster kürzer. 

Am Dienstag geht wieder ein Fenster auf. Wir werden es nutzen um nach Durban zu segeln. Die Strecke ist nur 85 Seemeilen lang, lässt sich also innerhalb eines Tages gut bewältigen. 

Die nächste Strecke von Durban nach East London beträgt 260 Seemeilen und ist damit die längste an dieser Küste ohne Möglichkeit in einem Hafen Schutz zu suchen. Hierfür wünschen wir uns ein Wetter-Fenster von 3 Tagen. Zwei genügen auch, jedoch auf Kosten der Sicherheitsmarge. 130 Seemeilen sind es von East London nach Port Elizabeth, 185 von Port Elizabeth nach Mossel Bay und 265 von Mossel Bay  nach Capetown, wobei auf der letzten Strecke mehrere Häfen angelaufen werden können. 

Freitag 11. November 2016: Besuch bei den schnellsten Tieren der Welt


Da wir weder Löwen noch Leoparden zu Gesicht bekamen, besuchten wir heute eine Station zur Aufzucht von Servalen, Afrikanischen Wildkatzen, Karkalen (Bild oben) und Geparden. Keine Grosskatzen, aber schöne und besondere Tiere. Die für die Zucht verwendeten Tiere sind an Menschen gewöhnt, weshalb man bei einer Führung in die Gehege darf. 


Für unser ungeübtes Auge nicht von der Hauskatze zu unterscheiden. Die alten Ägypter domestizierten die afrikanische Wildkatze zur Mäuse- und Rattenjagd in ihren Kornspeichern. 


Der Sportwagen der Tierwelt. Von 0 auf 100 km/h in 3 Sekunden, enge 90 Grad Kurven ohne Abbremsen, Spitzengeschwindigkeit bis 120 km/h. Beeindruckende Werte. Nach 800 Meter geht dem Gepard die Puste aus. In 90% der Fälle genügt ein solcher Sprint zum Erreichen und Töten der Beute. Es dauert dann 20 Minuten bis sich Herzschlag und Körpertemperatur des Geparden normalisiert haben und er seine Beute verschlingen kann. Wenn nicht in der Zwischenzeit ein anderes Raubtier die Situation ausgenutzt hat. 


8 Monate ist dieser Gepard alt und hat grosse Freude, wenn er gestreichelt wird. Er schnurrt wie eine Katze. Gutes Marketing für eine Tierart, die als gefährdet eingestuft ist. Es sollen weltweit etwa 10'000 Exemplare existieren, davon nur die Hälfte in freier Wildbahn.  

Donnerstag 10. November 2016: Auf Grosswildjagd in Afrika

50 Kilometer nördlich von Richards Bay liegt der 1895 gegründete Hluhluwe-iMfolozi (hl wird wie sl ausgesprochen) Nationalpark. Er ist nach dem Yellowstone-Park in den USA der zweitälteste der Welt. Bei weitem nicht so gross wie der berühmtere Krüger-Nationalpark, aber für uns leicht zu erreichen und die Big 5 sind auch hier heimisch. Der Krüger Nationalpark ist halb so gross wie Schweiz, der Hluhluwe-iMfolozi Park entspricht der Fläche des Kantons Thurgau. 


Die Rhinozerosse waren ausschlaggebend für die Einrichtung des Parks. Durch die unkontrollierte Bejagung wegen des Horns und durch "sportliche" Grosswildjäger auf wenige Exemplare am Ende des 19. Jahrhunderts dezimiert, hat sich der Bestand bis 1961 soweit erholt, dass seit dieser Zeit 3500 Tiere in andere Parks und Zoos verteilt werden konnten. Die Parkverwaltung kämpft intensiv gegen die Wilderei, zum Beispiel durch Einfangen und Verlagern der Tiere, damit die Wilderer kein so leichtes Spiel haben. Beim gegenseitigen Katz- und Maus-Spiel zwischen Parkverwaltung und Wilderen gibt es immer wieder Tote auf beiden Seiten. Unglaublich was für die perverse Nachfrage nach diesen Hörnern vornehmlich aus Asien an Grausamkeit an den Tag gelegt wird.   

Die Big 5 sind der Elefant, das Rhinozeros, der Büffel, der Löwe und der Leopard. Nicht die Grösse der Tiere war für diese von den Grosswildjägern erstelle Gruppierung entscheidend, sondern die Gefährlichkeit und Schwierigkeit bei der Jagd. Die Raubtiere unter den Big 5 haben wir leider nicht gesehen. Nach Jahren der Dürre hat es in den letzten 6 Wochen viel geregnet. Der Park ergrünt und hat viele Wasserlöcher. Damit verteilen sich die Tiere auf die gesamte Fläche des Parks, was es für die Beobachtung schwieriger macht. 

   
Ein brünstiger Elefantenbulle nähert sich uns, nachdem wir ihn aus einiger Entfernung betrachtet haben. 

  
Als er die Ohren aufstellt und beschleunigt, gibt unser Guide Gas. Etwa 700 dieser grauen Riesen leben im Park.


Der Büffel war so mit Fressen beschäftigt, dass der nicht einmal der Kopf für ein Portrait anhob. 


Die Impala-Antilope oder der McDonalds der afrikanischen Tierwelt. Es gibt sie an jeder zweiten Ecke und wird daher von Löwe und Leopard gerne verspeist. 


Dieses Zebra-Fohlen ist erst wenige Stunden alt. Seine Chance das Erwachsenenalter zu erreichen, beträgt 50%. 

Montag 7. November 2016: Welcome to South Africa


Heute Morgen sind wir in Richards Bay in Südafrika angekommen. Die letzten Meilen hatten es nochmals in sich. 40 Seemeilen vor Richards Bay zog eine Front über uns mit Böen bis 7 Windstärken, viel Regen und einer veritablen Gewitterzelle. Zudem reichlich Schiffsverkehr, welcher in unserer Richtung oder Gegenrichtung  von oder nach Durban oder Richards Bay unterwegs war. 

Richards Bay ist mit 54 Millionen Tonnen Verlade-Kapazität für Kohle der grösste Hafen dieser Art in der Welt. Vor dem Hafen lagen über 20 Frachter auf Reede und warteten auf ihre Beladung. Wir liegen im Small Craft Harbour direkt an der Kaimauer, die im Tagesverlauf wegen der Tide von 1.5 Meter vor uns rauf und runter wandert. Mal steigen wir ebenerdig vom Boot aufs Land, mal geht es etwas artistischer. 


Beim Anlegen half uns Jan, der mit dem kleinen gelben Boot auf dem Bild um die Welt segelt. Zum erstem Mal haben wir ihn in der Jungfrauen-Bucht in Fatu Hiva Ende April 2015 getroffen. Eine tolle Leistung mit einem nur 8 Meter langen, 34 Jahren alten Boot alleine um die Welt zu segeln. Bevor er in die Südsee einbog, segelte er non stop durch den Atlantik von den Kanaren nach Südamerika. Von dort durch die Magellan-Strasse und den Beagle-Kanal in den Pazifik. Zum letzten Mal trafen wir in Opua in Neuseeland im November des letzten Jahres. Er ist nun seit ein paar Tagen in Richards Bay nach einer 8000 Seemeilen langen direkten Fahrt von Vanuatu bis nach Südafrika. 80 Tage hat er dafür gebraucht.  

Wie bei jedem Landfall in einem neuen Land war der erste Tag ausgefüllt mit Einklarieren, Wäsche zum Waschen bringen, Gasflaschen auffüllen lassen, lokale SIM-Karte kaufen, frische Lebensmittel besorgen und so weiter. Auffallend häufig werden wir dabei mit Welcome to South Africa begrüsst. 



Diese putzigen Kollegen springen durch das Hafengelände und suchen nach Essbarem. Sie haben sich an das Leben mit den Menschen angepasst, sind gleichzeitig scheu und frech. Nähert man sich ihnen, springen sie davon. Als wir im Cockpit beim Frühstück sassen, sprang hingegen einer in einem Moment wo er sich unbeobachtet fühlte aufs Boot, angelockt vom unserem Essen. 



Als Nachlese unserer Segelwoche im Kanal von Moçambique. Ein leichtes Spiel für einen Hai, der den mit uns kämpfenden Thunfisch bis auf den Kopf verschlungen hat und uns das Nachsehen gab.