Freitag 29. Juli 2016: Wir sind sauber


Morgens um 7 Uhr legt dieses Arbeitsboot hinter uns an. Viel Equipment für die Untersuchung unseres Rumpfes. Die Angst, dass Boote aus fremden Gewässern Parasiten einschleppen ist nicht unbegründet. Vor ein paar Jahren musste der Hafen für 8 Wochen geschlossen werden und sehr aufwendig von einer sich sehr aggressiv vermehrenden Muschel aus dem asiatischen Raum befreit werden. Für uns ohne Kosten, betreibt der Hafen lieber diesen Aufwand. 


Der Taucher wird für den Einsatz vorbereitet. 

Auf einem Monitor schauen zu und sprechen mit ihm. Er findet kaum Bewuchs und vor allem keine Muscheln. 


Nach getaner Arbeit noch ein Erinnerungsfoto für uns. 


Zum Abschluss der Prozedur wird eine Chemikalie in die Seewasser-Kühlkreisläufe des Motos und des Generators gefüllt, die 10 Stunden wirken muss. Dann ist jede Gefahr gebannt und wir können durch die Schleuse zu unserem Hafenplatz fahren.  


Donnerstag 28. Juli 2016: Bilder von Lizard Island bis nach Darwin


Gestern Nacht sind wir in Darwin angekommen. Kurz vor Mittag haben wir uns bei Flut vor die Schleuse der Cullen Bay Marina verschoben. Der Tidenhub beträgt bis zu 7 Metern, weshalb der Hafen mit einer Schleuse auf konstantem Wasserstand von 3 Metern gehalten wird. Derzeit, bei Halbmond, sind es 4 Meter Tidenhub. 


Am Abend waren wir noch nicht wirklich weiter, ausser dass wir jetzt bei Ebbe auf das geschlossene äussere Schleusentor blicken und wir Zeit hatten NOE nach 10 Tagen Segeln zu entsalzen und ein paar Einkäufe zu erledigen. 

Grund für die Wartezeit ist eine notwendige Untersuchung und gegebenenfalls eine Reinigung für Boote, die sich ausserhalb australischer Gewässer aufgehalten hatten und seither nicht längere Zeit auf dem Trockenen standen. Alles wird von einem Taucher erledigt, der morgen kommen soll. 

Seit Cairns hatten wir, wenn überhaupt nur sehr eingeschränktes Internet. Daher heute die Bilder der letzten Tage. 


Unser Ankerplatz in der Mrs. Watson Bay auf Lizard Island. Zum ersten Mal in Australien klares Wasser mit Blick bis auf den Grund. Leider war uns das Wetter fürs Baden und Schnorcheln zu schlecht. 


Wir wanderten stattdessen auf den 360 Meter hohen Gipfel der Insel, Captain Cooks Lookout. Die Skipperin verewigt sich im Gipfelbuch und ich studiere die Erklärungen zu Cooks Strandung und seiner weiteren Reise durch die Riffe.



Damals, ohne Karten, wochenlang bei nur 10 bis 20 Meter Wassertiefe durch die Riffe zu navigieren, muss eine enorme Nervenanspannung gewesen sein. 


Ist das der Geist von Mrs. Watson? Ihre Geschichte endete tragisch. Sie zog mit ihrem Mann, einem Fischer, ihrem Kleinkind und zwei Dienern 1879 auf die Insel, in Unkenntnis oder Unwissenheit, dass die Insel den Aborigines heilig ist. Während ihr Mann beim Fischen war, ermordeten die Aborigines einen der Diener. Ihr gelang mit dem zweiten Diener und ihrem Kind die Flucht in einem Kessel zum Kochen der gefangenen Seegurken. Sie wurden jedoch nicht ans Festland sondern auf eine andere, unbewohnte Insel getrieben, auf der alle Drei wenige Tage später verdursteten. Ihre Leichen und Mrs. Watsons Tagebuch wurden drei Monate später entdeckt. 

   
Unser nächster Ankerplatz. Sieht aus wie Südsee, ist jedoch Morris Island, eine der vielen Inseln innerhalb des Great Barrier Reefs. Die Palme ist ein Überbleibsel aus der Zeit in der England als Weltmacht die Meere beherrschte und die Navigation in diesem Seegebiet oft mit Schiffbruch endete. Die Britische Admiralität liess auf Inseln Palmen pflanzen und setzte Ziegen aus, damit Schiffbrüchige bis zur Rettung eine besser Überlebenschance hatten. 


Portland Roads, eine gute Adresse für Offroad-Fahrer und 4WD-Freunde. Bis in die Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts gab es eine grosse Landungsbrücke für Frachtschiffe und in der Nähe drei Flugfelder. Alles Überbleibsel der australischen Verteidigung bei einem möglichen Angriff der Japaner während des 2. Weltkriegs. 


Heute leben hier ein paar Menschen und bewirten Touristen, die entweder eingeflogen werden oder die die 500 Kilometer Fahrt von Cooktown auf sich genommen haben. Angeboten werden Übernachtungen und Verpflegung. Geworben wird mit hausgemachten Kuchen. Was bei der Distanz zur nächsten Patisserie nicht wirklich erstaunt.  

Von Portland Roads ging es ohne Stopp ins 900 Seemeilen entfernte Darwin. Wir starten so, dass wir am nächsten Morgen an der Albany-Passage auf der Ost-Seite der Torres-Strasse ankamen. 


Temiten-Hügel, rote Pisten und rostbraune, erzhaltige Felsen begrüssen uns. 


Die drei Seemeilen lange Passage liegt nach knapp einer Stunde hinter uns; mit 2-3 Konten Strom von vorne, jedoch frischem achterlichen Wind ging es gemütlich voran. 


Cape York, die Nordspitze Australiens querab. Das Kap ist der Felsen in der Mitte, gesäumt von den Inseln Eborac (links) und York. 


Segeln in der Torres Strasse. Das Wasser ist nur 10 Meter tief und hat die Farbe eines Gletschersees. 








Montag 25.Juli 2016: Cape Wessel, eine erste Wegmarke auf unserer langen Route nach Westen

Unser letzter Post aus der Torres Strasse ist etwas kurz ausgefallen. Zum einen waren wir mit Navigieren durch die Inseln und Untiefen dieser Wasserstrasse beschäftigt, zum anderen wussten wir nicht, wie lange wir Internet haben werden. Kurz nach Abschicken des Posts brach die Verbindung ab.

Die Torres Strasse, die 80 Seemeilen breite und nur wenige Meter tiefe Meerenge zwischen Australien und Papua-Neuguinea, wurde nach dem Spanier Luis de Torres benannt, der von Südamerika kommend, sie als erster Europäer befuhr. Es ist fast ein Wunder, wie die Segler von damals heil durch die Passagen kamen. Offensichtlich fanden sie mit Geschick, Geduld und etwas Glück die sicheren Routen oder erlitten Schiffbruch.

Die kommerzielle Schifffahrt benutzt heute den Prince of Wales Channel, der nördlich der zu Australien gehörenden Inseln verläuft. Der Weg zwischen den Inseln Tuesday, Thursday und Friday (die Inseln heissen wirklich so) ist die Flinders Passage, benannt nach Mathew Flinders, der zwischen 1801-02 die Australische Küste vermass und dabei den Begriff des Great Barrier Reefs prägte. Captain Cook segelte 1770 mit seinem Schiff Endeavour, dessen Namen für diesen Weg steht, nahe der Küste und südlich der Inseln der Wochentage.

Die Torres Strasse ist eine Folge der globalen Erwärmung unseres Planeten nach der letzten Eiszeit. Die Ureinwohner kamen trockenen Fusses über eine ausgedehnte Landbrücke auf den Australischen Kontinent, der vor 20‘000 Jahren 30 Prozent mehr Fläche hatte als heute. Durch den Anstieg des Wasserspiegels um 135 Meter bildete sich die See-Verbindung zwischen Pazifik und Indischem Ozean. An der ehemaligen Küstenlinie wuchs im warmen Wasser des Pazifiks das Great Barrier Reef, nachdem das ehemalige, flache Küstenvorland überschwemmt wurde.

Unser Weg führte zuerst durch den Albany Kanal, der die Albany Insel und das Festland trennt. Die mäanderförmige Küstenlinie des wenige hundert Meter breiten Kanals mit ihren Buchten und Sandstränden ist wegen der bis zu 5 Knoten starken Gezeiten-Strömung leider zum Ankern weniger ideal. Von dort segelten wir um das Cape York in die Endeavour Passage, an deren Eingang die Possession Insel liegt.

Dort ankerte James Cook, ging mit seinen Leuten an Land, schoss drei Gewehrsalven ab, stellte einen Fahnenmast auf und hisste den Union Jack. In einer kleinen Zeremonie erklärte er die gesamte Ostküste Australiens vom 38. Breitengrad bis an diese Stelle auf dem 10. Breitengrad mitsamt seinen Buchten, natürlichen Häfen und Flüssen im Besitz des englischen Königs, also die beachtliche Strecke von mehr als 3500 Kilometer. So einfach war das damals. Obwohl er mit den Ureinwohnern Kontakt hatte, wäre es ihm wohl nicht in den Sinn gekommen, dass das Land schon einen Besitzer hat.

Wir sparten uns den Landgang an dieser historischen Stätte und nutzten die günstigen Bedingungen für die weitere Fahrt Richtung Westen zum 325 Seemeilen entfernten Cape Wessel, an dem wir heute um die Mittagszeit vorbeisegelten.

Unser nächster Stopp ist in Darwin. Durch die Dundas Street, den Van Diemen Gulf, die Clarence Street geht es in den Beagle Gulf. Insgesamt 420 Seemeilen. Alles kurze Distanzen im Vergleich zu den 6‘000 Seemeilen, die wir in den nächsten Monaten nach Südafrika segeln werden. Nicht an einem Stück, gibt es auch im Indischen Ozean ein paar Inseln, die wir anlaufen werden.

Samstag 23. Juli 2016: Vom Pazifik in den Indischen Ozean


Heute Morgen haben wir das Cape York, die nördliche Spitze des australischen Kontinents gerundet.  Links und rechts im Bild die dem Kap vorgelagerten Inseln und in der Mitte die eher unscheinbare nördliche Spitze Australiens. Das Kap ist die Grenze zwischen Pazifik und Indischen Ozean. Nach 16 Monaten im Pazifik geht es nun für uns durch den dritten Ozean. 

700 Seemeilen liegen bis Darwin vor uns. Dort wollen wir in 4 bis 5 Tagen ankommen. Der Wind meint es sehr gut mit uns. Wir haben 4 bis 5 Windstärken und nur wenig Seegang. Ideale Verhältnisse, die es in der Torres Strasse nicht oft gibt. 

Unser nächster Wegpunkt ist das Cap Wessel in zwei Tagen. Von dort werden wir uns wiederr melden. 

Donnerstag 21. Juli 2016: Segeln im Niemandsland

3 Tage sind wir seit Lizard Island mit Tagesetappen entlang der unbewohnten Küste der Halbinsel York unterwegs. 500 Kilometer nördlich von Cooktown und 300 Kilometer südlich von Cape York liegt Portland Roads. Dies ist neben einer Siedlung der Aborigines die einzige Ortschaft an der gesamten Küste.

Geankert haben wir in der Stokes Bay auf Flinders Island, vor Morris Island und in der Bucht von Portland Roads. Jedes Mal waren wir das einzige Boot.

Auch in Portland Roads gibt es keinen Radioempfang und nur ein sehr schwaches Mobilfunk-Signal. Mobiles Internet bleibt ein Traum. Daher eine kurze Meldung, da wir nicht wissen, ob wir in der Torres-Strasse bessere Möglichkeiten haben. Spätestens in Grove oder Darwin sind wir wieder online. Bis dahin sind es aber noch ein paar Tage.

Sonntag 17. Juli 2016: Lizard Island, auf Captain Cooks Spuren



Von April bis August 1770 segelte James Cook als erster Europäer mit seinem Schiff Endeavour entlang der australischen Küste, vom heutigen Sydney bis zur Torres Strasse. 

In der Nacht von 10. auf den 11. Juni hätte die Fahrt des Entdeckes fast ein tragisches Ende auf einem Riff gefunden. Cook entschied trotz der Gefahren in tieferes Wasser zu segeln. 23 Stunden lag das Schiff auf dem Riff, bis es durch die Flut sowie durch Überbordwerfen von Ballast und schweren Gegenständen wie Kanonen wieder flott wurde. Die Schäden am Schiff bedingten eine Reparatur an Land. Nach sieben Wochen konnte er die Reise fortsetzen. Die heutigen Ortsbezeichnungen wie Endaevour River, Cooktown und Endeavour Reef zeugen von diesen dramatischen Ereignissen.   

Wir passieren des Endeavour Riff im sicherem Abstand von 3 Seemeilen. Zwar auch bei Dunkelheit, was heute mit den elektronischen Möglichkeiten gefahrlos möglich ist. Der Schiffsverkehr innerhalb des Riffs ist recht intensiv. Auf unserer 120 Seemeilen langen Fahrt von Cairns nach Lizard Island kommen uns im Stundenrhythmus Schiffe entgegen oder überholen uns. Die Frachter sind typischerweise knapp 200 Meter lang und passieren und im Abstand von ein paar hundert Metern, da wir wie sie in der sicheren Schifffahrtsroute segeln. 

Am August landete er auf Lizard Island, wo er, wie wir 250 Jahre später, als einzige Landtiere Echsen vorfand. Er bestiegt den höchsten Punkt, um sich einen Überblick über eine mögliche Route durch das Labyrinth der Riffe zu verschaffen. 

Wie alle anderen Boote in der Bucht, warten auch wir auf besseres Wetter. Die Internet-Verbindung ist sehr schlecht, weshalb es die anderen Bilder zu diesem Post leider erst später geben wird. 









Donnerstag 14. Juli 2016: In Tuchfühlung mit den Salzwasser-Krokodilen


Ein Tiefdruck-Trog bringt uns Regen und Starkwind. Wir bleiben im Hafen bis das Wetter besser wird. Eine gute Gelegenheit für das touristische Programm. 


Die beiden Bilder der Salzwasser-Krokodile sind nicht in freier Wildbahn sondern auf einer Krokodil-Farm entstanden. Neben der Zucht von etwa 1500 Krokodilen leben hier auch 200 Exemplare in Gefangenschaft. Sie wurden eingefangen, da sie Menschen zu nahe kamen. Nach ihrer sehr starken Dezimierung durch die Jagd auf ihre Haut, stehen sie in Australien seit 1971 unter Schutz. Seither haben sie sich erstaunlich schnell erholt und gehören nicht mehr zu den gefährdeten Arten. 


Eine Krokodil-Farm ist ein Zuchtbetrieb, der streng nach wirtschaftlichen Grundsätzen geführt wird. Durch die Bruttemperatur der Eier werden fast ausschliesslich männliche Krokodile "produziert" Sie wachsen schneller als das weibliche Pendent und können daher früher verwertet werden. Die Qualität des Leders ist abhängig davon, wie stressfrei die Tiere aufwachsen können. 


Nach 3 bis 4 Jahre (bei einer Lebenserwartung von 70 bis 100 Jahre) haben sie eine Grösse von 1.5 Metern erreicht. Das ist gross genug für die Anforderungen der Lederindustrie. Die Bauch-Haut älterer Krokodile eignet sich wegen der grösseren und spröderen Schuppen nicht mehr für die Verarbeitung. Das Muskelfleisch geht zum Metzger und der Rest in die Tierfutter-Industrie. Laut Aussage der Farm landet nichts im Abfall. 


Ein 12 Monates altes Krokodil zum anfassen. Ganz zur Freude der Kinder. Das Maul ist zugeklebt, ansonsten wäre das Streicheln von "schnappy" nicht so ungefährlich.


Neben Krokodilen werden auch Echsen im Park gehalten. Wem der Anblick dieser urzeitlichen Kreaturen wenig Freude bereitet, kann mit diesen Bildern geholfen werden. 

  
Sie schlafen den ganzen Tag und werden erst Nachts etwas aktiver. Aber auch nur um Eukalyptus-Blätter zu fressen. Ein paar von ihnen müssen tagsüber arbeiten und sich auf dem Arm von Touristen mit ihnen fotografiert zu lassen. Ich glaube das Nickerchen in der Astgabel wäre ihnen lieber. 


Der farbenfrohe grüne Papagei aus nächster Nähe, was uns in der freien Wildbahn nie geglückt ist.  

Im Restaurant des Parks steht der Kroko-Burger ganz oben auf der Speisekarte. Wir beliessen es mit Pasta und Salat.



  

Mittwoch 13. Juli 2016: Varazze - Cairns, 20'000 Seemeilen


20'000 Seemeilen hatten wir seit unserem Start in Varazze auf der Logge als wir gestern entlang der Fahrrinne die letzten Meilen in die Marlin Marina nach Cairns fuhren. Die Eskorte war reiner Zufall, hatte das Schiff der australischen Marine zur gleichen Zeit den gleichen Weg wie wir.  


Sahen wir in den letzten Tagen Umschlagplätze für Kohle und Zuckerrohr ist Cairns ein solcher für Touristen. An der Strandpromenade reiht sich ein Hotel an das Andere und im beziehungsweise am Hafen verkehren morgens und abends die Ausflugsschiffe, Tauchboote sowie Helikopter zum Great Barrier Reef und den Inseln in der nähe von Cairns. 


Die Lagune von Cairns im doppelten Sinne. Optisch gehen sie ineinander über, sie sind jedoch durch eine Mauer getrennt. In der künstlichen Lagune herrscht am Nachmittag Hochbetrieb während in der flachen Bucht von Cairns Krokodile ihr Unwesen treiben können. Zumindest hat uns die Dame im Hafen-Büro dringend vom Schwimmen in der Bucht abgeraten, da die Mangroven am gegenüberliegenden Ufer Krokodil-Habitat sind. 


Dieser Versuchung konnten wir nicht widerstehen. 

Montag 11. Juli 2016: Der Zucker-Hafen von Mourilyan


Unser letzter Ankerplatz vor Cairns ist im Naturhafen Mourilyan. Die Einfahrt ist nur 100 Meter breit und auf beiden Seiten von Bergrücken begrenzt. Es ist sicher nicht der schönste Hafen und das Dorf Mourilyan liegt 8 Kilometer entfernt. Aber für eine Nacht ist es ok.

Der Hafen ist ein Verladeplatz für Zuckerrohr und Melasse. Yachten können ankern, jedoch nur ausserhalb des Drehkreises der Frachter. Viel Platz zwischen den flachen Stellen und dem Drehbereich bleibt bei Ebbe nicht, besonders bei NOEs Tiefgang von 2.8 Metern. Bei einer Winddrehung hatten wir plötzlich nur noch 2.9 Meter Wasserstand, weshalb wir schleunigst unseren Ankerplatz weiter in den auf 6.8 Meter Tiefe ausgebaggerten Bereich verlegten. 

Vor dem Hafen sahen wir einen Frachter vor Anker, der auf dem AIS Ziel Mourilyan angab. Kurz vor 4 Uhr begann die UKW-Kommunikation zwischen Frachter und Hafen, weshalb wir wussten, dass uns ein Schauspiel geboten wird. 

      
Das Lotsenboot verlässt den Hafen. Kurz darauf fahren auch die beiden Schlepper los. 


Der 180 Meter lange und 30 Meter breite Frachter fährt mit eigener Kraft durch die schmale Einfahrt. 

Als wir wussten, dass der Frachter einfahren wird, überlegten wir uns was passieren würde, wenn zum Beispiel der Frachter in der Einfahrt auf Grund liefe, sich dabei querstellte und dann wochenlang den Hafen blockierte. Wir wären an diesem Ort gefangen. Nun ja, das wäre wirklich der worst worst case. Bei nahezu Windstille und geringem Stroms durch die Nipp-Tide (also beim geringsten Unterschied zwischen Ebbe und Flut) sollte dieses Scenario eine äusserst geringe Wahrscheinlichkeit haben.  


Die Schlepper drehen ihn direkt vor uns auf der Stelle um 180 Grad und schieben ihn an die Pier. Die Seeleute beherrschen ihr Handwerk. Und wir hätten noch ein paar Meter weiter in dem von Bojen begrenzten Bereich ankern können. 



Samstag 9. Juli 2016: Magnetic Island, wo Captain Cooks Kompass irrte

Als James Cook mit seinem Schiff Endeavour 1770 hier vorbei segelte, wurde die Nadel seines Kompass abgelenkt. Er vermutet eisenhaltiges Gestein auf der Insel und nannte sie Magnetic Island. Alle anderen Seefahrer, die später hier vorbei kamen,  konnten Cooks Beobachtung nicht nachvollziehen. Auch unser Kompass hat einwandfrei funktioniert.


Unser Ankerplatz in der Horseshoe Bay, 32 Seemeilen nordwestlich von Cape Bowling Green. 5 Stunden waren wir zwischen diesen beiden Ankerplätzen unterwegs. Anfänglich bei schönen Wind, der uns bis über 9 Knoten Bootsgeschwindigkeit bescherte aber in den letzten beiden Stunden zunehmen schwächer wurde. 


Die Balding Bay mit ihren Granitfelsen, 30 Minuten Fussmarsch von der Horseshoe Bay entfernt. Ein statisches Wunderwerk der Natur, diesen Felsbrocken so aufzuschichten.  


Und weil es so schön ist, der gleiche Felsen aus einer anderen Perspektive. 

Für die technisch interessierten Leser des Blog etwas zum Thema Ankerwinsch. In Neuseeland tauschten wir unsere Ankerkette aus, mit dem Effekt, dass die Kette sich beim Aufholen in der Kettennuss verklemmte. Für Nichtsegler: die Kettennuss ist der Teil der Ankerwinsch, der die Kette beim Ablassen und Aufholen des Ankers transportiert. Scheinbar war der Verschleiss der Nuss so hoch, dass die neue Kette beim Auslauf nicht mehr sauber von der Nuss freigegeben wurde. Die Kettennuss findet sich unter der polierten Abdeckung. Bis die neue Nuss geliefert war, hielten wir als Notlösung einen Hammer zwischen Kette und Kettennuss, um die Kette von der Nuss abzustreifen. 


Zum Einbau der neuen Kettennuss muss die Abeckung, die gleichzeitig als Rutschkupplung dient, abgeschraubt werden. Dann lässt sich die Nuss von der Welle des Anker-Motors abziehen und herausnehmen. Die kleine Einbuchtung am Lukenrand, die nötig ist, damit man die Nuss abziehen kann, war bei unserem Schiff leider nicht serienmässig. Mit einer leistungsfähigen Säge, einer Feile und Schleifpapier an Bord ist auch das kein Problem. 

Freitag 8. Juli 2016: Mit wenig Wind von Kap zu Kap

Entlang der australischen Coral Coast geht es nach Norden. Die Ankerplätze sind gleichmässig verteilt. Alle 30 bis 40 Seemeilen findet sich ein Kap oder eine Insel, wo es eine geschützte Bucht mit einem Grund aus Sand oder Schlick gibt. 


Gestern segelten wir am Kohle-Terminal von Abbot Point vorbei zum Cape Upstart. Cape Upstart, eine Namensgebung von James Cook, wegen der exponierten Lage gegenüber dem umgebenden Land.  

Unterwegs bestaunten wir das zweifarbige Wasser, für das wir keine Erklärung haben, und am Ankerplatz den Sonnenuntergang. 







Die aufsteigenden Rauchsäulen stammen von Zuckerrohrfeldern. Das Zuckerrohr wird vor der Ernte angezündet, um die unnützen Teile der Pflanze loszuwerden und die Stiele besser schneiden zu können. 

Mit dem dritten Tag mit schwachem Wind in Folge kommen wir auch heute nur zum nächsten Kap. Wir ankern wir im Schutz von Cape Bowling Green. Wobei Schutz etwas hoch gegriffen ist. Eine 10 Seemeilen lange Landzunge begrenzt die flache Bucht. Das Ende der Landzunge bildet eine ein paar Meter hohe und breite Sanddüne. Hinter ihr haben wir geankert. 


Da nicht wirklich fotogen, noch die Kartenansicht aus Dreingabe. 


Auf der Karte findet sich der Hinweis, dass sich die Lage der Düne durch Strömungen verschieben kann und sie daher nicht als Referenz für die Navigation verwendet werden sollte. Das Leuchtfeuer, steht jedoch dort, wo es laut Karte stehen soll. 

10 Seemeilen östlich der Landzunge ist auf der Karte ein historisches Wrack eingezeichnet. Es liegt auf 20 Meter Tiefe und es braucht eine Genehmigung um dort zu tauchen. Es handelt sich um den Dampfer Yongala, der 1911 in einem Zyklon mit Mann und Maus verschwand. Ausser einem Kadaver eines Pferdes und ein paar Wrackteilen fand man nichts. 1943 lief ein Minensucher in der Gegend auf etwas, was für eine Sandbank gehalten wurde. 1947 wurde die Gegend mit Echolot untersucht, wobei ein 91 Meter langes Wrack entdeckt wurde. Ausser der Yongala gibt es in der Nähe kein anderes Wrack. Eine weitere Untersuchung fand jedoch nicht statt. Erst 1958 machten sich zwei Taucher daran, das Wrack zu untersuchen. Sie bargen den Safe des Schiffes, der nur Schlick enthielt. Aufgrund der Seriennummer wurde festgestellt, dass er auf der Yongala eingebaut war. 



  

Mittwoch 6. Juli 2016: Bye, bye Whitsundays


An sich wollten wir gestern unsere Reise entlang der Coral Coast nach Norden fortsetzten. Ohne Wind und der wenige noch aus der falschen Richtung ist das ein schwieriges Unterfangen. Zur Überbrückung fuhren wir mit dem Moutainbike zum Shute Harbour, einem Naturhafen ein paar Kilometer südlich von Airlie Beach. Auch er, wir Airlie Beach einer der Zugänge zu den nahe gelegenen Whitsunday-Inseln mit entsprechenden touristischen Angeboten. 


Wenn ein Wirbelsturm über die Korallen-Küste fegt, ist dass das Resultat. Abgebrochene Korallen werden auf den Strand geworfen und zu einem Wall aufgeschichtet. Passiert ist dies 2001. 

Nun geht es heute Richtung Cairns. Wir wollen die 300 Seemeile in 5 bis 6 Tagen segeln, je nachdem wie günstig der Wind ist. Unterwegs gibt es in Bowen und Townsville einen Hafen, jedoch auch Ankerplätze, die alle einen guten Schutz gegen die vorherrschenden Winde bieten sollen. Falls wir kein Zugang zum Internet haben, melden wir uns aus Cairns wieder.  

Montag 4. Juli 2016: Die Veteranen von Abell Point


Als wir am Sonntag in den Hafen von Abell Point fuhren, fiel uns dieser Steg mit einigen speziellen Booten auf. 



Nach getaner Arbeit schlenderten wir heute durch den Hafen und haben uns auf diesem Steg umgesehen. Die auffälligen Boote sind ehemalige Off-Shore Racer, die für Gruppen oder Firmen für Segel-Events gebucht werden können. Manche der über 20 jährigen Yachten sind in einem vergleichsweise guten optischen Zustand, andere werden wohl eher dem Verfall preisgegeben. 



Sie stammen aus einer Zeit, wo die Konstrukteure der Meinung waren, dass das Heck schmal und weit nach hinten auslaufen musste. Karbon-Masten gab es damals auch noch nicht. 


   
Dieser 60 Fuss lange Veteran ist im Volvo Ocean Race 1998/99 von einer Frauen-Crew um die Welt gesegelt worden. Damals hiess das Boot EF Education. Jetzt wird es gerade von seinem neuen Besitzer zum Segeln für Touristen hergerichtet. 

Wir durften einen Blick ins Innere werfen, wo es immer noch so spartanisch aussieht, wie beim Rennen um die Welt.  

   
Die Küche besteht aus einem einflammigen Kocher und einem Waschbecken (das einzige auf dem ganzen Boot). Mehr braucht es nicht um Wasser für gefriergetrocknete Nahrung heiss zu machen. Kojen gab es nicht für alle, da ein Teil der Mannschaft immer an Deck zum Segeln war. Vom Gewicht des Bootes von 13 Tonnen befinden sich 8 Tonnen im Ballast des Kiels.