Sonntag 14.Dezember 2014:Karibische Klänge

Ein schöner Abschluss unseres Aufenthalts in der Karibik für dieses Jahr. Eines der kulturellen Highlights Antiguas soll das sonntägliche Steel Drum Konzert auf Shirley Hights sein. Als wir am letzten Sonntag in English Harbour vor Anker lagen, haben wir die Klänge nur von Weitem gehört. Dieses Mal haben wir es live genossen. 

Die Musiker gaben alles, haben ihr Publikum über 3 Stunden in ihren Bann gezogen und ein grossartiges Finale geboten.   




Nach Sonnenuntergang und der kurzen Dämmerung ging das Finale los. Wirklich faszinierend. 






Und hier noch zwei Clips





Das zweite Video habe ich auf Vimeo gestellt. Einfach Link anklicken und Video starten. Dann ist die Auflösung selbst im Vollbildmodus ganz ok. http://vimeo.com/115359361

Das ist der letzte Post für dieses Jahr. Am Dienstag fliegen wir nach Zürich und kehren am 6. Januar nach Antigua zurück. Ab dann gibt es wieder Posts von unserer Reise. Wir bedanken uns für das grosse Interesse an unserer Reise und die lebhaften Diskussionsbeiträge. Allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.  





Samstag 13.Dezember 2014: Entlang der ältesten Strasse Antiguas

Bezeichnenderweise heisst sie Old Road und sie erschliesst der Südküste Antiguas. Von Jolly Harbour entlang an schönen Stränden, durch einen Regenwald bis nach English Harbour. 60km hin und zurück; grösser ist die Insel nicht. Ein schöner Ausflug alleweil und landschaftlich der schönste Teil Antiguas. 


Laut offiziellen Angaben gibt es 365 Strände in Antigua. Da der Tidenhub (Unterschied zwischen Ebbe und Flut) vernachlässigbar ist, bieten sich die flachen Strände zum Baden an und die Küstenstrasse liegt buchstäblich am Stand.



Und noch ein Strand, weil es so schön ist. Glücklicherweise sind die Ferienressorts gut in die Landschaft integriert.


Was neben den Stränden ins Auge sticht, sind die vielen Kirchen. Unzählige haben wir auf unseren Velotouren gesehen, in allen Farben und christlichen Religionsrichtungen. 


Diese Farbgestaltung wäre bei uns, zumindest für ein Gotteshaus, nicht denkbar. Laut Einheimischen ist es wirklich eine Kirche.


Ein Schwätzchen am Strassenrand mit Elaine, die in ihrem Culture Shoppe (kein Schreibfehler) feine Getränke und Konfitüre anbietet. Leider bringen die Touristen wenig Geld ins Land, wie sie uns erzählte. Die Ferienressorts kaufen kaum lokal sondern lassen vieles einfliegen und die Touristen verlassen die Ressorts kaum. Da seien wir eine Ausnahme. Wir haben hingegen keine richtige Landwirtschaft gesehen. Vieles dient wohl der Selbstversorgung, da die hohen Preise in den Läden und die tiefen Gehälter, wenn dann eines erwirtschaftet wird, nicht zusammenpassen. Autos stehen vor jeder Hütte, ist sie noch so armselig.   


Der Umkehrpunkt unserer Velotour war Shirley Hights in der Nähe von English Harbour. Shirley Hights ist ein Aussichtspunkt mit herrlichem Blick über English Harbour und Falmouth Harbour. Über 200 Jahre zurück war es auch der Ausblick, der den Ort ausmachte und weshalb er überbaut wurde. Wobei der Ausblick von diesem strategischen Punkt eine ganz andere Bedeutung hatte.


Und der Ausblick ist wirklich schön und umfassend. 


Auch in Richtung der Insel Montserrat ergeben sich schöne Bilder. Megayacht im Gegenlicht.


Shirley Hights war nicht nur ein Auskuck sondern eine gesamter militärischer Komplex mit Krankenhaus und Friedhof. Die Wahrscheinlichkeit einen Karibikaufenthalt zu überleben ist heute zum Glück deutlich höher als damals. Wobei die grösste Gefahr nicht der Feind, sondern das Gelbfieber und die Malaria war. 


Die Ruine des Hospitals und das Denkmal auf dem Friedhof.


Freitag 12.Dezember 2014: Mit dem Velo über die Insel

Nach 3 Tagen Boot saubermachen gab es einen Landausflug in die Hauptstadt St. Johns und in den Norden Antiguas. 

In Antigua sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich sehr offensichtlich und liegen teilweise direkt neben einander. Schöne Villen am Strand im Norden der Insel kontrastieren zu einfachen Häusern in den Dörfern entlang der Strassen über Land. 

Ein Motto nicht nur für die Karibik. 


Ein Denkmal für V. C. Bird, die treibende Kraft hinter der Unabhängigkeit Antiguas von Grossbritannien. ZDK ist das Kürzel der Radiostation seines Bruders. Nach Aussagen von Einheimischen wäre ohne ihn Antigua heute nicht unabhängig.


Auch vor Gotteshäusern macht der Verfall durch das karibische Klima nicht Halt. Die Kathedrale von St. John ist einen erbärmlichen Zustand. Betreten ist verboten; derzeit wieder sie wieder hergestellt. 


Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 9.,10.,11.Dezember 2014: NOE aufklaren in der Jolly Harbour Marina

Wir sind am Montag nachmittag in der Jolly Harbour Marina eingelaufen. Den Hafenplatz hatten wir schon vor längerer Zeit gebucht, da wir diesen Hafen als erstes grosses Etappenziel festgelegt haben und über Weihnachten Hochsaison herrscht.  


Der Hafen ist ein Kunstbau in einem ehemaligen Mangrovensumpf mit Hotels, Villen, Restaurants und Geschäften. Manches ist überinvestiert, ist doch das eine Hotel mittlerweile eine leerstehende, dem Verfall preisgegeben Ruine.



Für Segler gibt es alles was man sich wünscht inklusive Travellift (um das Boot aus dem Wasser zu heben), Werft und Shipchandler (Grossmarkt für alles was man auf einem Schiff brauchen kann).  Und der Strand aus feinem, weissen Muschelkalk ist 5 Minuten zu Fuss entfernt.  



Der beste Platz also um drei Tage das Boot von Innen und Aussen zu putzen sowie die Dinge zu organisieren, die es für die weitere Reise braucht. Inklusive der Reparatur an der Steuersäule, wo wir eine kompetente Firma finden konnten, die, wenn die Ersatzteile aus Italien kommen, in unserer Abwesenheit mit der Arbeit beginnt. Wir werden am 16. Dezember nach Hause fliegen und erst nach Neujahr wieder zu unserem Boot zurückkehren. 




Montag 8.Dezember 2014: Karibische Farben

Jetzt haben wir das Wetter aus der Bacardi-Werbung und siehe da, wir geniessen die herrlichen Farben der Karibik.  





Sonntag 7.Dezember: Ankern vor historischer Kulisse - English Harbour

Zur Zeiten von Lord Nelson war die englische Karibikflotte hier stationiert. Vor etwa 50 Jahren hat ein britischer Navy Offizier begonnen, die verfallenen Gebäude wieder aufzubauen und diesen Ort zu einem Mekka für Segler zu machen. 

Very british, indeed



Geschossen wird heutzutage nicht mehr


Der Panoramablick über den gesamten Naturhafen English Harbour.


Unsere Ankerbucht gegenüber Fort Berkely, auf der linken Seite der Einfahrt. NOE liegt leicht links vom Fahnenmast in der vorderen Reihe.  

Velofahren scheint eine brandgefährliche Sportart zu sein. Gesehen im Nachbarhafen Port Falmouth. 



Samstag 6.Dezember 2014: Französisches-karibisches Flair in Deshaies

Die Kombination französischer Lebensart mit karibischen Wesen sieht ungefähr so aus. Sehr idyllisch bei gewissen Abstand, etwas heruntergekommen, wenn man näher dran ist. Das Essen hingegen sehr fein und der Service ausgezeichnet.



Der Zahn der Zeit nagt an allem und die üppige Natur erobert alles. 


Der Blick auf unseren Ankerplatz. Nach 2 Tagen wechselten wir sozusagen die Kanalseite. Es ging 40 Seemeilen nach Norden zur Bucht English Harbour auf Antigua.


Freitag 5.Dezember 2014: Bildernachlese Atlantik

Vielen Dank für die vielen Kommentare, Glückwünsche, für die kulirischen Tipps zu Guadeloupe und die Hinweise zum Angeln. Werden wir alles testen (angeln und essen).


Eine Frage war nach unserem Wachsystem. Wir, mein Bruder und ich haben uns im 3 Stundenrhythmus abgewechselt. Da wir meist selbst gesteuert haben und den Autopilot wenig in Anspruch genommen haben, sind 3 Stunden schon relativ lange um die Konzentration zu halten. 



Marinetraffic.com läuft über das AIS-Signal, was über UKW gesendet wird. Daher sieht man nur etwas neues wenn wir uns in einem Abstand kleiner ca. 50 Seemeilen von einem grösseren, kommerziellen Hafen befinden. Ansonsten sind wir ausserhalb der Reichweite dieses Systems. 



Ein letzter Blick zurück auf Sao Antão.



Delphine besuchten uns sehr selten und dann nur Nachts. Nur einmal sahen wir sie am Tag. Das war sehr ungewöhnlich.


Hingegen waren sie vor allem in der zweiten Hälfte unsere ständigen Begleiter. Regenwolken und Regenbögen.



Aber es gab auch diese Tage. Stundenlanges Segeln vor dem Wind mit Spinnacker. Das macht Spass und gibt viele Seemeilen.


Und der Blick ins Kielwasser. Da sieht man die agbespulten Seemeilen.



Der Spinnacker ist ein empfindliches Segel und einen kleinen Riss kann es schon mal geben. Zum Glück mussten wir nur einmal das Flickzeug auspacken und unseren Salon in eine Segelwerkstatt umfunktionieren.


Reparaturarbeit an den Blöcken der Lazy Jacks. Das ist nicht der Spitzname des Spippers, sondern Leinen, die zwischen Mast und Baum gefahren werden, um das Einholen des Grosssegels zu erleichtern. Die beiden Blöcke sind aus Kunststoff und haben innerhalb von 2 Tagen nach 5 Jahren Einsatz ihren Geist aufgegeben. Um die Verletzungsgefahr auf dem schwankenden Mast zu verringern, trage ich meinen Velohelm.


Sie haben wir auch vermisst. Die grandiosen Sonnenauf- und Untergänge. Immer wieder haben Wolken den Blick versperrt.


Algenteppiche wie diesen sahen wir fast auf der gesamten Überquerung. Mal mehr mal weniger. 




Donnerstag 4.Dezember 2014: Angekommen

Um 5 Uhr morgens fiel unser Anker in der Anse Deshaies im Nordwesten Guadeloupes. In den letzten 14 Tagen haben wir den Atlantik überquert und sind nun in der Karibik angekommen.
Bis auf das Malheur mit der Steuerstand am 6. Tag hat alles bestens funktioniert. Alle Systeme am Bord haben tadellos funktioniert, das Boot war dicht und das Ruder hat ebenfalls problemlos seinen Dienst versehen.

Die gebunkerten Mengen an Obst,  Gemüse, Getränke und Lebensmittel waren ausreichend, dass wir über die gesamte Fahrt jeden Tag ein schmackhaftes und reichhaltiges Essen zubereiten konnten. Uns hat es an nichts gefehlt. Ausser an Wind in den letzten Tagen. Treibstoff haben wir nur in geringen Mengen für unseren Generator gebraucht, der am Tag 2-3 Stunden lief. Seit dem Auslaufen in Gran Canaria haben wir unseren Motor nur für 6 Stunden in Betrieb gehabt. Unser Dieseltank ist fast voll.

Das Wetter ist immer noch nicht so wie in der Bacardi-Werbung. Der Himmel ist wolkenverhangen und es regnet zurzeit. Alles ist bereit für den Landgang, wenn die Sonne sich wieder zeigt. Falls ich ein Internetcafé finde, gibt’s auch Bilder.

Mittwoch 3.Dezember 2014: Land in Sicht

Heute um 15 Uhr unserer Zeit haben wir die Insel La Desirade aus den Wolken am Horizont auftauchen sehen. La Desirade ist Guadeloupe vorgelagert und mit einer Höhe von knapp 200m gut sichtbar. Damit ist unsere Atlantiküberquerung fast abgeschlossen.  Am Morgen haben wir entschieden, zuerst nach Guadeloupe und ein paar Tage später nach Antigua zu segeln. Die Inseln liegen in einem Abstand von 40 Seemeilen.

Guadeloupe hat sich angeboten, da das Einklarieren dort sehr einfach ist und im Nordwesten der Insel die Ankerbucht Anse Deshaies lockt, die auch ein Port of Entry ist. Wenn man das Glück hat, dass der Beamte in der Gendarmerie anwesend sein sollte. Laut Revierführer ist das nicht immer der Fall. Ansonsten machen wir den Landfall mit nachträglichem Einklarieren.

Bis zu unserer Ankerbucht sind es noch knapp 50 Seemeilen. Bei dem herrschenden schwachen Wind aus Ost werden wir für diese Strecke die ganze Nach brauchen und im Morgengrauen ankommen. An Land gibt es frische Croissants und Baguettes. Das haben wir uns in den letzten 2 Wochen verdient.

Dienstag 2.Dezember 2014: Die letzten Meilen müssen wir uns wahrlich verdienen

War das vorletzte Etmal mit 107 Seemeilen gering, ist das Etmal von gestern auf heute mit 100 Seemeilen noch bescheidener. Das Wetter lässt nichts zu wünschen übrig, die Regenschauer haben sich verzogen, jedoch ist der Wind mit 1-2Bft genau von hinten nicht gemacht für grosse Etmale. So wird die jetzt noch verbleibende Strecke uns wohl über 30 Stunden beschäftigen. Also geschenkt bekommen wir den Landfall in der Karibik am Ende der Atlantiküberquerung nicht. Der Mond wird zunehmend voller, was das Segeln in der Nacht im Gegensatz zu den rabenschwarzen, regnerischen Neumondnächten zum Vergnügen macht.

Unsere Position zur Mittagszeit war 17°03’N, 58°45’W. Um 16 Uhr Ortszeit liegen noch 155 Seemeilen vor uns.

Montag 1. Dezember 2014: Fischalarm

Heute hatten wir einen Teilerfolg beim Fischen. Eine Goldmakrele hat angebissen und wir haben sie bis zum Schiff gebracht. Vielleicht waren wir zu ungeduldig sie an Bord zu bringen, riss der Widerhaken aus ihrem Maul, als wir sie zappelnd an Bord bringen wollten. Für uns Angelnovizen trotzdem ein ermutigendes Ergebnis.

Das letzte Etmal fiel mit 107 Seemeilen gering aus. Der Wind ist schwach und wir kreuzen vor dem Wind, damit die Segel wegen des leichten Windes nicht so stark schlagen. Das verlängert die zu segelnde Strecke deutlich. Das Wetter ist alles andere als schön. Nur die Temperaturen sind karibisch. Regenschauer verteilen sich über die ganze Nacht und den fast den ganzen Tag. Erst gegen Abend ist es trockener geworden.

Unsere aktuelle Position um 19 Uhr Ortszeit ist 17°18’N, 57°32’W. Wir haben noch 244 Seemeilen bis zu unserem Wegpunkt Antigua.

Sonntag 30.November 2014: Vielen Dank fürs Daumen drücken

Unser Spinnackerfall haben wir wieder. Heute Nachmittag war der Seegang moderat und mit einer dicht geholten Grossschot auf einem Vorwindkurs (normalerweise sind die Schoten auf diese Kurs, wenn der Wind von hinten kommt, offen) haben wir das Boot stabilisiert. Da war der Aufstieg zur Mastspitze fast so einfach wie im Hafen.

Jetzt wo wir das Fall wiederhaben, hat uns der Wind verlassen. Aus 1-2Bft müssen wir das Beste machen, was bei Seegang und schlagenden Segeln leichter getan als gesagt ist. Die Windprognose für die nächsten Tage zeigt keine Besserung. Die letzten 350 Seemeilen bis Antigua müssen wir uns wahrscheinlich hart erarbeiten.

Letzte Nacht sahen wir zum ersten Mal das Sternbild des Grossen Wagen. Hatten wir ihn schon vermisst, da er in unseren Breiten immer leicht zu erkennen ist.

Unsere Position zur Mittagszeit war 17°08’N, 55°08’W. Das erreichte Etmal mit 150 Seemeilen hat uns gefreut. Nach dem geringen Vorwärtskommen der letzten Stunden bin ich mit meiner Prognose über unsere voraussichtliche Ankunftszeit vorsichtig geworden. Auch hier ist Daumendrücken für guten Wind sehr erwünscht.