Montag 31. August 2015: Magellan und die Datumsgrenze

Magellan ist bekanntlich der Ur-Vater aller Weltumsegler, auch wenn er das Ende seiner epochalen Reise selbst nicht mehr erlebte. 

Ihm gelang es als Portugiesen den spanischen König zu überzeugen, eine Flotte von fünf Schiffen mit 237 Mann auszurüsten, die den vermuteten Seeweg um Südamerika finden sollten. Die Überzeugung Magellans, dass es diesen Seeweg gibt, gründete wahrscheinlich auf der falschen Annahme, dass das immense Mündungsdelta des Rio de la Plata eine Meerenge sei. Dass dies eine falsche Annahme war, stellte sich bald heraus, da nach einigen Tagen Fahrt gegen den gemächlichen Strom das Wasser immer weniger salziger schmeckte.

Er liess sich nicht entmutigen und suchte nach Süden segelnd in allen gösseren Buchten Wege, die nach Westen führten. Dabei verlor er ein Boot durch Schiffbruch und ein weiteres kurz vor dem Ausgang der Magellan-Strasse in den Pazifik durch Desertation und Rückkehr nach Spanien, da Kapitän und Mannschaft nicht mehr an einen Erfolg glauben.  
Mit drei Schiffen in erbärmlichen Zustand sowie kranker und hungriger Mannschaft erreichte er nach über drei Monaten auf dem Pazifik die Insel Guam. Wenig später, am 27. April 1521 verlor er und Teile seiner Mannschaft bei einem Scharmützel mit Einheimischen auf den Philippinen sein Leben.

Die verkleinerte Mannschaft versenkte ein Schiff und segelt mit nur noch zweien weiter nach Borneo und zu den Molukken, die durch den Gewürzhandles Kontakte zu Portugiesen hatten. Da nur ein Schiff seetauglich war und das andere dringend repariert werden musste, brach das letzte übrig geblieben alleine zum Rest der Reise auf und erreichte am 6. September 1522 den spanischen Ausgangshafen Sevilla. Von der ursprünglichen Mannschaft erreichten nach zwei Jahren, 11 Monaten und zwei Wochen lediglich 18 das Ziel.

Einer der 18 war der junge Italiener Antonio Pigafetta, der die Reise in einem Tagebuch dokumentierte. Bei der Landung auf den Kap Verden zur Aufnahme von Lebensmitteln, einem Mittwoch nach den Aufzeichnungen Pigafettas, erfuhren sie, dass es Donnerstag war. Pigafetta durchforste seine Aufzeichnungen und verglich sie mit den Logbüchern, der verlorene Tag war nicht zu finden. 

Bei der Reise um die Welt immer nach Westen, ging der eine Tag verloren. Die gebildete Welt der damaligen Zeit war über das Phänomen erstaunt und kam zu Erkenntnis, dass in verschiedenen Weltteilen unterschiedliche Zeiten herrschen müssen. Neben der Entdeckung der Magellan-Strasse wohl die grösste Erkenntnis aus der Reise Magellans, dem Ur-Vater der Weltumsegler.   

Spannend geschrieben kann man in Stefan Zweigs Buch „Magellan, Der Mann und seine Tat“ dies alles im Detail nachlesen.

Die heutigen Weltumsegler brauchen anders als die Mannen Magellans nicht mehr zu darben. Zumindest bei seriöser Planung. Und selbst auf heimische Genüsse muss man nicht verzichten.


Im tanzenden Hahn bei Gunther, dem Schweizer Koch, er sich auf Tonga niedergelassen hat, gibt es neben vielen anderen leckeren Sachen Bratwurst mit Rösti. 


Und diejenigen, die wie die Skipperin zeitweise unter Heimweh leiden, finden im Café Aquarium eine Heimat fern der Heimat. 


Sonntag 30. August 2015: Wo Sonntag noch Sonntag ist

In der tongaischen Verfassung ist festgeschrieben, dass am Sonntag alles zu ruhen hat. Ein Mitautor der Verfassung war ein methodistischer Missionar. Am Sonntag gibt es daher keine Sportveranstaltungen, kein Flugzeug startet oder landet, alle Geschäfte haben geschlossen. Einzig Ausnahme sind ein paar Restaurants, die als Konzession gegenüber den Touristen offen haben. 

Selbst im Feld der Boote ist es ruhiger als an Wochentagen. Alle Boote liegen an einer Boje, da die Wassertiefe mit 30 bis 50 Meter zum Ankern ungeeignet ist. Trotz des Ansturm der vielen Segler hat es genügend Bojen. 


Die St. Josephs Kathedrale von Neiafu. 




Samstag 29. August 2015: Vava'u von oben

Ein erster Landgang führte uns auf dem Mt. Talau, den 131 Meter hohen Hausberg von Neiafu. Von dort hat man eine schöne Aussicht auf die vielen Buchten und bewaldeten Inseln der Vavu'a-Gruppe. 




Freitag 28. August 2015: Landfall auf Tonga, den freundlichen Inseln


Wir nähern uns Tonga. Es ist nass, kühl und mit 6 bis 7 Windstärken recht windig. Segeln in den Tropen sollte anders aussehen.  

Das Königreich Tonga besteht aus 170 Inseln, von denen jedoch nur 36 dauernd bewohnt sind. Zwischen dem 174. und 175. westlichen Breitengrad erstreckt sich Tonga über 500 Kilometer von Nord nach Süd mit der Hauptinsel Tongatapu im Süden und der Niua-Gruppe im Norden. Dazwischen liegen die als Kronjuwelen Tongas bezeichnete Vava’u-Gruppe, mit ihrem fjordartigen  Labyrinth kleiner, bewaldeter Inseln und die Ha’apai-Gruppe, die sich durch ihre Korallenriffen und endlosen Sandstränden auszeichnet. Der Wasserfläche Tongas von 700‘000 km2 stehen 747 km2 Landfläche gegenüber.

Tongas Staatsform ist eine konstitutionelle Erbmonarchie und ist damit das einzige Königreich Polynesiens. Obwohl von mehreren europäischen Entdeckern bereist, wurde Tonga nie Kolonie einer Seemacht. Die ersten Europäer, die die nördlichsten Inseln Tongas sichteten, waren 1616 die Holländer Willem Schouten und Jakob Le Marie. 1643 erforschte Abel Tasman Teile des Archipels. James Cook bereiste die Inseln auf zwei seiner Reisen und verbrachte 1777 3 Monate auf Tongatapu und der Ha’apai-Gruppe. Da man ihm sagte und er es glaubte, dass es nördlich keine sicheren Ankerplätze gäbe, blieb die Vava’u-Gruppe bis 1781 von Europäern unentdeckt, als der Spanier Don Francisco Antonio Mourielle, sie als eine der letzten Inseln im südlichen Pazifik entdeckte. Er ankerte vor der Ortschaft Neiafu, einem der besten und sichersten Naturhafen weit und breit, da von allen Seiten geschützt. Dies ist auch unser Port of Entry, neben etwa 65 anderen Yachten auf ihrem Weg nach Westen.

Die Besiedlung durch die Polynesier erfolgte schon deutlich vor unserer Zeitrechnung. Fundstücke der sogenannten Lapita-Kultur lassen sich auf etwa 900 vor Christi datieren.  Den Beinamen die freundlichen Inseln, dem man hier in Firmennamen wie „The Friendly Island Book Shop“ begegnet, erhielten sie von James Cook, der vom Empfang und der Bewirtung durch die Polynesier sehr angetan war.  Offensichtlich war das nur eine Finte um ihn einzulullen und später zu überfallen. Da sich die Häuptlinge jedoch nicht darauf einigen konnten, wie es genau anstellen sollten, reiste er mit seinen beiden Schiffen vor seinem vermeintlichen Ende ab. So zumindest die Legende, der damals von Kannibalen bewohnten Inseln.

Tonga liegt östlich der Datumsgrenze, die entlang des 180. Breitengrads verläuft. Um das gleiche Datum wie die wichtigen Nachbarn Neuseeland und Australien zu haben, macht die Datumsgrenze um Tonga einen Bogen nach Osten In Tonga beginnt sozusagen der Tag. Gegenüber Mitteleuropa gehen die Uhren 12 Stunden vor, auch wenn es den Anschein hat, dass sie hier deutlich langsamer laufen.

Das Einklarieren bei Zoll, Immigration und Gesundheitsbehörde verläuft sehr unbürokratisch. Der Herr vom Zoll kommt kurz nachdem wir an der Pier festgemacht haben an Bord. Bei den alkoholischen Getränken will er unser Bier sehen. Schon seit unserer Abfahrt in Varazze fahren wir ein paar Dosen Heiniken spazieren, wobei die Marke beim Zöllner Eindruck erweckt. Den Hinweis der Skipperin, dass das Bier seit einigen Monaten abgelaufen ist, entgegen der Zöllner, dass er das Bier gerne für uns entsorgen werde. Wir gehen davon aus, dass die fachgerechte Entsorgung durch seine Kehle erfolgt. Prost.  

Dienstag 25. August 2015: Koe kia Niue, fakaalofa lahi Tonga (jetzt mit Bildern)

Goodbye Niue, hello Tonga sagen wir nach 5 Tagen auf dieser speziellen Insel, die uns mit ihrer Naturschönheit und den freundlichen Menschen sehr gut gefallen hat. 

Letzte Nacht weckten uns um 3 Uhr morgens Wale, die laut schnaubend neben unserem Boot lagen. Am Morgen waren sie leider zu weit entfernt, um spannende Bilder zu schiessen. Wir hoffen nun auf Tonga, dessen Whale Watching Operatoren gerade für ihre Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurden. 

Wir werden gegen 17 Uhr Ortszeit (13 Stunden später als MESZ) lossegeln und sollten am Freitag (warum erst Freitag?) nach 250 Seemeilen in Tonga sein; genauer in Neiafu, dem Hauptort der Vavau-Gruppe. 

Und zum Abschied noch ein paar Bilder. 

Eine Landesregierung für 1200 Menschen. 


Unser Ankerplatz vor Alofi an der Westküste Niues.  


Zum Abschied Sushi beim Japaner. Sehr lecker.


Die sogenannte Zarpe, das offizielle Ausreisedokument, welches in jeden Land ausgestellt wird und im nächsten Land vorzuweisen ist. Ohne dieses Dokument kann es bei der Einreise mit einem Boot Schwierigkeiten und eine saftige Busse geben. 









Sonntag 23. August 2015: Niues wilder Osten



Der Mix aus Sonne, Wolken und Regenschauern begleitet uns weiterhin. Der polynesische Winter fühlt sich nasser und kälter an, als wir ihn erwartet hätten. Kommt hingegen die Sonne heraus, wird es sofort warm und es hat T-Shirt Wetter. 

Nachdem wir am Samstag die Wunder der Erosion an der Nordwest-Küste betrachteten, ging es heute auf die Ostseite der Insel. Die Strasse führt quer über die Insel durch einen Dschungel aus verschiedenen Laubbäumen, Kokospalmen, Sträuchern und Farnen, die an vielen Stellen so dicht und hoch wachsen, dass sie ein grünes Dach bilden, unter dem wir hindurch fahren. Nur an wenigen Stellen wurde gerodet um Fläche für den Anbau von Bananen oder Papaya zu schaffen.

Auffallend sind die vielen verlassenen und zerfallenden Häuser. Etwa die Hälfte schätzen wir sind nur noch Ruinen und auch die offensichtlich bewohnten machen einen eher schäbigen Eindruck. Der Folgen des Wirbelsturms Heta, der 2004 die Insel verwüstete, und die Abwanderung der Bevölkerung nach Neuseeland lassen sich nicht verbergen. Einzig die bis zu 200 Touristen, die jeden Freitag mit dem Flugzeug aus Aukland kommen, bringen etwas Geld ins Land. Der Flughafen Niues kennt ausser diesem Flug einmal die Woche keine weitere Flugbewegung.  

Ein Wanderweg führt uns durch den Wald entlang an Korallenblöcken, die einst den inneren Rand des Atolls bildeten.  Am äusseren Rand öffnet sich der Blick auf Meer und auf eine Karstlandschaft, die aus einer Unmenge von mannshohen, spitze Kalkgebilden besteht. Ein kleiner Weg erlaubt den Abstieg durch das sonst nahezu undurchdringbare Labyrinth. 



Am Ende des Weges steigen wir über eine Leiter in eine 20 Meter tiefe Kluft hinab, die gleich einer Oasen einen von Palmen bewachsenen Sandboden hat. Die genügsamen Palmen gedeihen sogar hier. 



Wir besuchen noch eine weitere Kluft, die zwar tiefer, aber kaum zwei Meter breit ist, und schlicht unfotogen ist.

Wir kommen ins Gespräch mit einem neuseeländischen Ehepaar aus der Nähe von Aukland, die ihren Urlaub auf Niue verbringen. Wir erhalten von ihnen wertvolle Tipps zum Segeln im Hauraki-Golf, da sie in einer Marina nördlich von Aukland ihr Boot liegen haben. Das ist das Segelgebiet, wo Alinghi einst den Americas-Cup gegen Neuseeland gewonnen hat.

Sie fragen uns, ob wir uns an der Boje sicher fühlen. Sie haben es vor zwei Jahren erlebt, dass ein Katamaran an einer dieser Bojen abgetrieben wurde, da die Verbindung zwischen Trosse und Meeresboden nicht hielt. Zusätzlich kam der Wind aus Süden und trieb den Katamaran an Land. Bis er geborgen werden konnte, war er schrottreif. Wir hoffen, dass der Niue Yacht Club daraus gelernt hat und nun seine Bojen in Ordnung hält. Und wir haben Ostwind. Sollte unsere Boje nicht halten, würde sich NOE alleine nach Tonga, unserem nächsten Ziel, aufmachen. 

Samstag 22. August 2015: Die Höhlen, Klippen und Bögen von Niue

Niue besteht ausschliesslich aus Kalkstein abgestorbener Korallen bedeckt mit einer dünnen Schicht Erde. Über die Jahrtausende hat die Erosion ihre Spuren hinterlassen, die vor allem an der Küste zu bewundern sind. 



Pools im Korallengestein mit glasklarem Wasser laden zum Baden ein.  




Aber aufgepasst. Nicht aggressiv, aber tödlich. Die bis ein Meter langen Seeschlangen leben in den vielen Spalten des erodierten Gesteins. Sie fliehen eher als sie beissen. Trotzdem ist Vorsicht geboten.  




Die fotogenen Bögen von Talava. Drei Bögen erstaunlicher Ausmasse gibt es zu bewundern, wenn man eine halbe Stunde Fussmarsch auf sich nimmt. Der Blick durch einen Bogen zum Nächsten. Scheitelhöhe über 5 Meter bei einer Bogenlänge von 20 Metern. Ein wahrer Kraftort. 


Freitag 21. August 2015: Niue; das kleine Land auf dem grossen Atoll

Nach dem Besuch des versunkenen Atolls Beveridge Reef ist unsere nächste Station nicht weniger speziell. Nach einem Tag unter Segel erreichen wir Niue. Die Insel Niue ist ein eigenständiger Staat mit etwa 1500 Einwohnern und gilt damit als eines der kleinsten Länder der Welt. Niue ist als ehemalige britische Kolonie unabhängig, hat jedoch eine freie Assoziation mit Neuseeland gewählt, das für die auswärtigen Angelegenheiten und die Verteidigung zuständig ist. Die Währung ist wie auf den Cook-Inseln der Neuseeländische Dollar, ebenso sind die Einwohner Staatsbürger Neuseelands.  

Die Insel Niue ist mit 22 Kilometern Länge und 15 Kilometern Breite für polynesische Verhältnisse eine relativ grosse Insel. Das Besondere ist, dass es sich nicht um ein Atoll im gewöhnlichen Sinne handelt, mit Lagune, Riff und Inseln auf dem Riff, sondern um das grösste gehobene Atoll der Welt. Niue wurde bei zwei prähistorischen Erdbeben um je 30 Meter angehoben. 

Die an der höchsten Stelle 60 Meter hohe Insel ist ein Korallenblock, der zu allen Seiten steil ins Meer abfällt. Die Einwohner nennen ihn liebevoll „The Rock“. Der flache innere Teil der Insel ist die ehemalige Lagune. Es gibt keinen Hafen, kaum Ankermöglichkeiten, aber ein paar Bojen, ausgelegt vom Niue Yacht Club.  Eigenwerbung „Der grösste kleine Yachtclub der Welt“. Es ist kein Yachtclub in unserem Sinne, sondern ein Backpacker-Hotel und Anlaufstelle für Yachties.

Korallenklippen an der Küste bei Alofi, dem Hauptort auf Niue.



Die erste Besiedlung Niues erfolgte wahrscheinlich vor mehr als 1000 Jahren von Samoa oder Tonga aus. James Cook sichtete die Insel 1774 auf seiner zweiten Reise und nannte sie Savage Island, die Insel der Wilden, wegen des unfreundlichen Empfangs durch Krieger, die ihre Insel gegenüber Eindringlingen verteidigten. Erst beim dritten Versuch konnte er landen, hisste den Union Jack, erklärte die Insel als Besitz der britischen Krone und verliess daraufhin die Insel wieder ohne jemals zurückzukehren. 1830 scheiterten die ersten europäischen Missionare bei ihrem Versuch die Insel zu Christianisieren und es dauerte weitere 20 Jahre bis Geistliche aus Samoa erfolgreicher waren.


Heute ist von der damaligen Wildheit nichts mehr zu spüren. Es geht eher langsam und gemütlich zu. Die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung arbeitet für die Regierung und das seit neuestem 4 Tage die Woche, bezahlt für 5 Tage. Das kann man sich nur mit den neuseeländischen Subventionen leisten. 


Anlanden mit dem Dinghi ist wegen der felsigen Küste nur am Betonquai von Alofi möglich. Wegen des andauernden Schwells (Wellengang) müssen die Dinghis und alle anderen anlegenden Boote mit einem Kran an Land gehoben und abgestellt werden. 


Wir sind permanente Walbeobachter. Mehrere Buckelwale halten sich vor der Küste auf und kamen uns sehr nahe. Nachts und im Morgengrauen schwimmen sie zwischen den Booten an den Bojen hindurch. Vor allem nachts ist es etwas unheimlich, da man sie nicht sieht, aber ihre Atemgeräusche und ihre Laute sind direkt neben unserem Boot zu hören sind. Mit etwas Geduld gibt es vielleicht in den nächsten Tagen schöne Nahaufnahmen, falls sie auch tagsüber bei uns vorbei schwimmen sollten.  

Freitag 21. August 2015: Bildernachlese Palmerston und Beveridge Reef

Immer wieder erstaunlich, welche Farben, Formen und Muster die Natur zu Stande bringt, wie an diesen Riffischen  in der Lagune von Palmerston zu sehen ist. 
 


Der scheue Rochen posiert nicht so gerne vor der Kamera wie seine bunten Kollegen am Riff.  


Ein Screen-Shot des Navigationsbildschirm bei der Fahrt zum Ankerplatz im Beveridge Reef. Die grüne Fläche ist das Atoll auf der elektronischen Seekarte. Die violetten Punkte sind die Radarsignale der Brecher am Riff. Verbindet man die Punkte erhält man die wahre Position des Atolls. An der Ostseite sind die Signale stärker als an der Westseite, weil die Wellen von Osten kamen. Die violette Fläche links unten ist der Regenschauer der kurze Zeit später über uns hinweg ging. Die schwarze Line stellt unseren Kurs dar und die roten Kreuze unsere Wegpunkte. Die grauen Dreiecke sind die Identifikationssignale anderer Schiffe, die im Riff ankern. Und last but not least, das schwarze Dreieck ist NOE.


Das Beveridge Reef, die blaue und türkisfarbene Oase in der Weite des Pazifiks. 


Der Blick auf unser Unterwasserschiff. Das Wasser innerhalb des Riffs ist glasklar, gibt es im Umkreis von mehreren 100 Kilometer keine Verschmutzungsquelle. 


Zum Glück ist das Wasser so klar. Damit man beim Schnorcheln sieht, wer im Riff auch unterwegs ist. An dieser Stelle beträgt die Wassertiefe 12 Meter. 


Fast gleichzeitig verlassen alle 6 Boote das Beveridge Reef in Richtung besser geschützter Ankerplätze, da für Montag nächster Woche stürmische Winde vorhergesagt sind. Da kommt natürlich Regattafieber auf, wenn auch fairer Weise zu sagen ist, dass die Geschwindigkeitspotentiale der Boote sehr unterschiedlich sind. Wir passieren gerade die amerikanische Yacht Ransom. 



Montag 17. August 2015: Ankern auf dem Ozean

Auf den 285 Seemeilen von Palmerston zum Beveridge Reef haben wir in den letzten drei Tagen unseren bisherigen Rekord im Langsam-Segeln aufgestellt. Ausser in den ersten Stunden war der Wind sehr schwach und kam genau von achtern. Dafür schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Mehr als 4 bis 5 Knoten Bootsgeschwindigkeit lagen nicht drin und das noch auf Kursen, die bis zu 30 Grad von der direkten Linie abwichen.  Das verlängert zwar die zu segelnde Distanz, aber die Segel schlagen nicht mehr in der Dünung.

Von etwa 5 Seemeilen Entfernung zum Beveridge Reef sieht man mit dem Fernglas die ersten Brecher an der Riffkante und einige Buckelwale. Sie kommen im südlichen Winter aus der Antarktis in wärmere Gewässer, um sich zu paaren und ihre Jungen zu gebären. Unsere Konzentration war jedoch nicht der Walbeobachtung geschenkt sondern ihnen auszuweichen und die die Einfahrt in die Lagune zu finden.

Auf der Papier-Seekarte findet sich der Hinweis, dass das überschwemmte Atoll 3 Seemeilen weiter in nordöstlicher Richtung liegen soll und die Darstellung auf der elektronischen Karte wirkt eher schematisch, was auch kein Vertrauen erweckt. Vor ein paar Wochen haben wir bei einem journalistisch sehr aktiven deutschen Weltumsegler, der das Atoll vor 7 Jahren besuchte, per E-Mail angefragt, ob er uns die Koordinaten des Passes nennen könnte. Postwendenden erhielten wir die zwei magische Zahlen 20° 00,0036s und 167° 46,7311w. Vielen herzlichen Dank, Sönke. Damit war die Ansteuerung kein Problem. Mit zunehmender Annäherung war die Strömung im Pass gut zu erkennen und die einzelnen Radarsignale der Brecher an der Riffkante formten sich zu den wahren Umrissen des Atolls, die nur sehr grob dem entspricht, wie die elektronische Karte versucht die Realität darzustellen.

Auf 12 Meter Tiefe fällt unser Anker an der Ostseite der Lagune kurz bevor ein Regenschauer über uns hinweggeht. Das Wasser ist glasklar und selbst bei bedecktem Himmel sind die Farbunterschiede zwischen Sandboden und Korallenköpfen gut zu erkennen.  Die nächsten Tage sollen uns wieder sonniges Wetter bescheren, dann können wir das Farbenspiel der Lagune und die Unterwasserwelt richtig geniessen.

Bilder gibt es, wenn wir in Niue sein werden. Diese Insel liegt 120 Seemeilen in westlicher Richtung und ist einer der kleinsten Staaten der Welt. Wahrscheinlich werden wir am nächsten Wochenende dort sein.

Samstag 15. August 2015: Unterwegs zu einem der bizarrsten Orte im Pazifik

Das Palmerston-Atoll ist ein spezieller Ort auf der Welt, kam man ihn, obwohl bewohnt, entweder nur auf dem eigenen Kiel oder etwas umständlich mit einem Versorgungschiff erreichen. Umso herzlicher wurden wir als Segler empfangen und von unseren Gastgebern bewirtet. Dieser Insel-Besuch gehört zu den Highlights auf unserer bisherigen Reise.

Heute war für alle 4 Crews der vor Palmerston liegenden Yachten Waschtag, da uns angeboten wurde die Waschmaschine von Marsters zu benutzen. Danach ging es zum Schnorcheln in die Lagune. Die von Arthur Marsters geführte Insel-Administration stellt das Ausreisezertifikat aus. Mit ihm hatten wir ein interessantes Gespräch über die Diskussion auf der Insel zum Bau eines Flughafens. Air Rarotonga möchte ihn gerne bauen, um wie auf Aitutaki Tagestouristen einzufliegen. Einige seien dafür, um ihren Kindern eine Zukunftsperspektive zu bieten, andere dagegen, da sie keine Änderung des Status quo wollen. Die Dynamiken in dieser Frage in den einzelnen Familien seien komplex, weshalb sich die Diskussion ohne Ergebnis seit Jahren hinzieht. Er prophezeite uns, dass, wenn wir in 10 Jahren wiederkommen würden, es immer noch keine neue Entwicklung bei diesem Thema gäbe.

Am späten Nachmittag verabschiedeten wir uns von unseren Gastgebern, gaben ihn ein paar Dinge, die wir bis zum nächsten Stopp nicht brauchen und dort wieder beschaffen können. Zwei andere Yachten und wir machten uns noch vor Einbruch der Nacht zum nächsten Ziel auf. Der Wind soll noch ein bis zwei Tage günstig sein und dann schwächer werden. Da wollen wir auf unserem Weg zum 285 Seemeilen entfernten Beveridge Reef keine Zeit verlieren.

Das Beveridge Reef ist auf Landkarten nicht verzeichnet, hingegen auf Seekarten, da es sich um eine Untiefe mitten im südlichen Pazifik handelt. Bei Flut ist das ringförmige Riff vollständig überspült und bei Ebbe sind Teile sichtbar. Dauernd sichtbar und eine gute Orientierung für die Ansteuerung ist ein vor sich hin rostendes Wrack auf dem Riff. Wer es auf der Karte suchen möchte, die Koordinaten sind 20°00‘S, 167°46’W. In die Lagune gibt es einen befahrbaren Pass und die Navigation in der 10 Meter tiefen Lagune soll bei Tageslicht unter der Beachtung von ein paar Korallenköpfen nicht schwierig sein. Wir werden uns mit der nötigen Vorsicht diesem Kuriosum nähern. Der Ankerplatz mitten auf dem Meer im glasklaren Wasser gilt als einer der bizarrsten auf dem Weg um die Welt.

Wenn wir dort sind, melden wir uns, wie jetzt, mit einem bilderlosen Post. Auf Niue, 120 Seemeilen weiter westlich, werden wir wieder Bilder posten können.

Donnerstag 13. August 2015: Einen Tag mit Familie Marsters

Um 10 wurden wir von Edward Marsters abgeholt. Er steuerte sein gut motorisiertes Aluminium-Boot durch den gewundenen und nur einen halben Meter tiefen Pass in die Lagune zur Ostseite der Insel, wo, umringt von Palmen, sein Haus liegt.

Nach einem kurzen Gespräch bricht er wieder auf, da am Morgen eine weitere Yacht angekommen ist und er die Offiziellen hinaus fährt und samt Mannschaft der Yacht nach einer Stunde wiederkommt. 


Simon Marsters, der ältere Bruder von Edward, vermutet bei jedem Segler einen ausgewiesen Techniker vor sich zu haben und erhofft sich Hilfe für elektrische Probleme. Morgen werden wir mit Messgerät anrücken, dann sind zumindest Diagnosen möglich. Das Interessante an dem Bild ist das Drumherum. So wohnt die Familie Marsters.


Auch es gehört zur Familie. Die 6 Monate alte Sau Bacon ist zahm wie ein Hund und lässt sich streicheln wie ein Katze. Sein Name ist Programm, aber erst in zweieinhalb Jahren. Noch ist sie das Schmuseschwein.

Mit Rose und David von der Yacht Aussi Rules geht es mit David Marsters, einem der Söhne Edwards, zum Rundgang um die Insel. Vorbei an der Schule, in der, von der aus England stammenden Lehrerin und 4 Hilfslehrern etwa 20 Kinder unterrichtet werden, geht es zum Kraftwerk der Insel. Die Schulpflicht beginnt mit 6 Jahren und endet nach 11 Schuljahren.


Der ganze Stolz der Insel ist das seit 6 Monate in Betrieb befindliche Solarkraftwerk. 39kW Leistung genügen für die Stromversorgung, wobei die Gefriertruhen in denen der Fisch für den Verkauf nach Rarotonga gelagert wird, die mit Abstand grössten Verbraucher sind. Das Versorgungsschiff geht zwei bis dreimal im Jahr vor Palmerston vor Anker und übernimmt den gefrorenen Fisch. Dies ist die einzige Einnahmequelle der Bewohner von Palmerston, sieht man von der geringen Gebühr ab, die wir als Segler für die Benutzung der Bojen zahlen müssen.   


Der Strompreis ist alles andere als paradiesisch. Einen halben Euro kosten die Kilowattstunde. Damit die Versorgung zuverlässig ist, braucht es von Zeit zu Zeit Dieselgeneratoren als Back-Up. 


Cook Island Telecom sorgt für die Verbindung zum Rest der Welt. Satelliten-Kommunikation ist auf den im Pazifik verstreuten Inseln die einzige Möglichkeit mit der Aussenwelt in Kontakt zu bleiben. Wer verreisen will, wartet auf das Versorgungsschiff und kommt frühestens wieder zurück, wenn das nächste Schiff die Insel ansteuert. Und das ist erst in einigen Monaten der Fall, ohne einen genauen Fahrplan. Wer hier lebt, hat ein anderes Verhältnis zur Zeit als wir. 


Auf der Hauptstrasse mit Blick auf die Kirche und dahinter dem Haus von William Marsters, erbaut aus den Eichenbalken eines am Riff gestrandeten Schiffs. Auch wenn der Zahn der Zeit an diesem Haus nagt und die Spuren vieler Wirbelstürme, bei denen die Hauptstrasse überschwemmt wird, sichtbar sind, halten seine Nachfahren es in Ehren. 


Das Grab des Urvaters der Inselbevölkerung, in Mitten der Gräber einiger seiner Kinder, Enkel und Urenkel. Anders als bei uns sind die Inschriften der Grabsteine vom Grab weg ausgerichtet und die Gräber für die Ewigkeit gemacht. 


Die Hauptstrasse endet am Strand zur Lagune. Das sieht nicht nur schön aus, sondern hat einen sehr praktischen Hintergrund. Bei einer Überschwemmung der Insel durch einen Wirbelsturm läuft das Wasser hier ab. 


Abends um 5 bringt uns unser Gastgeber mit den Crews der anderen 3 Yachten, die heute angekommen sind, zu NOE zurück. Nun liegen 4 Yachten vor Palmerston und alle Bojen sind belegt. 
  
  

Mittwoch 12. August 2015: Herzlicher Empfang auf dem Palmerston-Atoll

Wir sind schon an unserem Ziel, jedoch nicht weil wir so schnell gesegelt sind, sondern weil wir Montagnacht und nicht wie geplant erst Dienstagmorgen unseren Ankerplatz vor Aitutaki verlassen haben.  Dies, weil der Wind gedreht hatte und wir auf das Riff getrieben wären, wenn der Anker nicht gehalten hätte. Mit nur etwa 100 Meter Abstand zwischen Heck und Riff schläft sich nicht so gut. Da ist Anker auf um 23 Uhr und Segeln in der Nacht die bessere Alternative.

Das Palmerston-Atoll gehört zur Gruppe der Nördlichen Cook Inseln. Aus den Handbüchern und von Erzählungen anderer Segler wussten wir, dass es an der Aussenseite des Riffs Bojen gibt. Schiffbare Pässe in die Lagune gibt es hingegen nicht. Nur kleine Motorboote mit weniger als einem halben Meter Tiefgang  können durch schmale Kanäle in die türkisblaue Lagune fahren.

Bei der Annäherung an das Atoll erkennt man auf 6 Seemeilen die ersten Motus. Bis auf eines sind alle unbewohnt. Auf Kanal 16 rufen wir Palmerston Island und postwendend meldet sich ein Herr, der mich „My Friend“ nennt, und uns Anweisung gibt, wo die Bojen sind und welche wir nehmen sollen. Das steil abfallende Riff eignet sich schlecht als Ankergrund, weshalb Bojen am Grund befestigt wurden. Wegen des auch hier geringen Abstands zum Riff, sind sie nur beim vorherrschenden Südostwind sicher und müssen verlassen werden, wenn der Wind drehen sollte. Laut Vorhersage soll dies nicht den nächsten Tagen nicht der Fall sein.  Und wenn sich die Sonne zeigen würde, was zu den normalen tropischen Wintertemperaturen von 25° führen würde, wären wir froh. Derzeit ist es kalt, bei etwas Nieselregen und grau. Alles andere als tropisch.  


Am Nachmittag kommt der besagte Herr begleitet von seinen zwei Söhnen und zwei Beamten mit seinem Aluminium-Boot durch den gewundenen Pass gefahren und hält auf uns zu. Sie stellen sich vor und alle heissen Marsters. Da uns gerade 10% der Bewohner des Atolls einen Besuch abstatten, ist das kein Zufall.

Das Atoll wurde 1774 von James Cook entdeckt und nach Lord Palmerston benannt. 90 Jahre später, 1862, siedelte der Engländer William Marsters  mit seinen zwei polynesischen Frauen von der Insel Penrhyn, zu der später noch eine Dritte hinzukam, auf dem unbewohnten Atoll. Mit diesen drei Frauen zeugte er 26 Kinder und teilte die 2 Kilometer lange Hauptinsel in drei Teile auf, entsprechend den drei Familienstämmen. Er stelle strenge Regeln bezüglich Heiraten (monogam versteht sich) zwischen den Familienstämmen auf und bestimmte Englisch als Inselsprache. Alle heutigen Bewohner von Palmerston sind Nachkommen eines Vaters und tragen auch seinen Namen.


Palmerston ist eine isolierte Insel. Sie hat als einzige der Cook-Inseln keinen Flugplatz und wegen der geringen Bevölkerungszahl kommt das Versorgungsschiff nur alle 3-4 Monate. Das Internet draussen vor dem Riff ist hingegen einwandfrei. Zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung weilt derzeit noch in Rarotonga, wo sie bei den Unabhängigkeitsfeiern mitgewirkt haben und warten auf ihr Schiff für die Rückkehr. Yachten sind in der Nicht-Zyklon-Saison die einzigen Besucher. Jeder Yacht wird ein Gastgeber zugeteilt, der sich während des Aufenthalts um die Besatzung kümmert. Wir werden morgen von unserem Gastgeber abgeholt und sind gespannt was uns in den nächsten Tagen alles erwartet. 

Montag 10. August 2015: E no'o ra Aitutaki, Kia orana Palmerston

Mit diesem Post verabschieden wir uns von Aitutaki und machen uns morgen früh auf den Weg zum 200 Seemeilen entfernten Atoll Palmerston, welches ebenfalls zu den Cook Inseln gehört. Bis Donnerstag sollten wir dort, da eher schwache Winde angesagt sind. 


Hier ist ein Könner am Werk. Nach drei Tagen Kite Kurs war ich froh, schon die ersten Meter auf dem Board zurückgelegt zu haben. Auf dem Weg nach Westen gibt es sicher weitere Möglichkeiten das Kiten zu probieren.


Einer der vielen Tropikvogel, die auf dem Motu Honeymoon Island ihre Jungen ausbrüten und füttern bis sie flügge werden.


Ein letzter Blick zurück auf Honeymoon-Island bei der Fahrt durch die Lagune auf dem Boot der Kite-Schule. 

Samstag 8.August 2015: Schnappschüsse einer Inselrundfahrt

Mit gemieteten Velos ging es heute um und über die Insel. Sportliche Höchst- und Dauerleistungen sind dabei nicht gefragt, liegt der höchste Punkt der Insel auf 124 Meter und die Strecke von einem Ende der Insel zum anderen beträgt etwa 12 Kilometer.


Der beruhigende Blick vom ersten Aussichtspunkt, Piraki Lookout. NOE (das vordere der beiden Boote) liegt an ihrem Ankerplatz vor dem Riff. Auch wenn wir schon drei Tage dort liegen, hat man immer ein leicht ungutes Gefühl, wenn das Boot alleine vor Anker liegt. 


Vom höchsten Berg der Insel, dem 124 Meter hohen Maungapu, übersieht man die gesamte weite Lagune auf der Ostseite der Insel mit ihren unbewohnten und unbebauten Motus am Riff. Nur auf einem Motu, dem One Foot Island gibt es ein Hotel. Der Vergleich mit Bora Bora drängt sich auf. 

Die Lagune an der Westseite ist schmaler und mit Korallengärten bewachsen. 


Und der Stand dazu. Hier sollte sich ein Plätzchen finden lassen um das lauwarme Lagunenwasser in aller Ruhe zu geniessen.


Der laut Aitutaki Tourismus schönste Strand der Insel, der Ootu Beach. Ausgeschlossen sind hier wohl die Strände auf den Motus, da sie nur mit einem Boot zu erreichen sind.