Samstag 30. April 2016: Souvenirs, Souvenirs


Laut dem Song von Bill Ramsey aus dem Geburtsjahr des Skippers sollen sie das Salz in der Suppe des Lebens sein. Nun ja, für uns sind es schöne Erinnerungen an eine besondere Reise, wie dieses Velo-Trikot mit dem Silberfarn-Emblem. 

Heute Morgen haben wir die letzte Wartungsarbeit abgeschlossen. Am Mittwoch waren wir, leider bei sehr wenig Wind, auf dem Wasser. Dabei hat unsere hydraulische Schot des Hauptsegels beim Dichtholen immer wieder Aussetzer gehabt. Die Ursache war eine einfache. Wegen einer Leckage haben wir den Hydraulikmotor letzte Woche ausbauen und revidieren lassen. Dabei und durch die Leckage ging etwas Hydraulik-Öl verloren. Gerade ausreichend, dass bei voll ausgefahrenem Hydraulikzylinder, also bei ganz angezogener Gross-Schot der Niveau-Schalter des Tanks ansprach und das System abschaltete. Ein Liter Hydraulik-Öl einfüllen und das Problem war gelöst.    

Am Montag kommt NOE noch einmal aus dem Wasser um das Unterwasserschiff zu reinigen. Dies, damit wir etwas schneller segeln und weil der Hafen in Opua, wo wir ausklarieren werden, eine Bescheinigung eines sauberen Unterwasserschiffes oder einen Anstrich des Unterwasserschiffs verlangt, der nicht älter als 6 Monate sein darf. Sie wollen sich damit vor dem Staubwedel-Wurm schützen, der in die Gewässer Neuseelands eingeschleppt wurde und als Parasit gilt. 

Dann heisst es für uns nach 5 Monaten Abschied nehmen von der Gulf Harbour Marina und Whangaparaoa und den vielen sehr liebenswerten und äusserst hilfsbereiten Menschen, die wir hier kennengelernt haben. 

Dienstag 26. April 2016: Yumi hapi sel bakegen

Wenn das Wetter sich so entwickelt wie es der Wetterbericht verspricht, segeln wir am nächsten Montag Richtung Norden zurück in die Südsee. Unser erstes Ziel ist Vanuatu. 


Vanuatu, oder Neue Hebriden, wie sie vor der Unabhängigkeit genannt wurden, ist eine aus 85 Inseln bestehende Inselgruppe. Sie liegt zwischen dem 21. und 13. Breitengrad Süd.

Besiedelt wahrscheinlich um 1400 vor unserer Zeitrechnung durch Melanesier, die nach Osten segelten. Etwa 400 Jahre später erfolgte die nächste Welle der Besiedlung durch Polynesier. Am 3. Mai 1606 landete als erster Europäer der Portugiese Ferdinand de Quiros, im Dienste Spaniens, von Peru kommend nach 4 monatiger Reise auf der grössten Insel des Archipels, taufte sie Terra Australis del Espiritu Santo und verweilte dort 49 Tage. Dann meuterte die Mannschaft und segelte nach Mexiko. Erst 160 Jahre später, 1786 landete der Franzose Bougainville als zweiter Europäer auf den nördlichen Inseln, gefolgt von James Cook 1774 auf seiner zweiten Reise in den südlichen Pazifik mit seinem Schiff Resolution. Er fertigte Karten an und benannte die Inseln, deren Namen zum Teil heute noch verwendet werden. Er nannte die Inselgruppe Neue Hebriden, nach der Inselgruppe im Nordwesten Schottlands. 

Dann kamen wegen des Sandelholz die Händler und die Missionare, die oft in den Kochtöpfen der Kannibalen landeten. Der letzte rituelle, kannibalische Akt soll 1969 erfolgt sein. 

Franzosen und Engländer entschieden 1906 das Land gemeinsam zu verwalten. Das führte dazu, dass beide Sprachen offizielle Landessprachen sind. Auch gab es vor der Unabhängigkeit parallele französische und britische Verwaltungen und Gerichte. Die dritte Landessprache ist Bislama oder Pidgin English, eine Kombination aus englischem Wortschatz mit ein paar französischen Brocken sowie ozeanischer Aussprache und Grammatik. Daneben werden noch über hundert melanesische und polynesische Dialekte gesprochen. 

Etwa 270.000 Menschen leben heute in Vanuatu, d.h. im Durchschnitt 2auf einem Quadratkilometer. Pro Kopf wird ein Bruttosozialprodukt von 3000 US$ erwirtschaftet. Leider wurde Vanuatu im Februar 2015 von einem schweren Wirbelsturm heimgesucht, dessen Schäden noch nicht vollständig beseitigt sind. 

Zur unseren Vorbereitungen gehört auch der Kontakt zu Zoll und Immigration. Unsere per Mail übermittelten Formulare wurden innerhalb weniger Stunden beantwortet. Wir dürfen auf der Insel Tenna Station machen und später in der Hauptstadt Port Vila auf der weiter nördlich gelegenen Insel Efate die Zollformalitäten erledigen. 


  
Auch auf den Südseeinseln braucht man Geld. Da es auf vielen der Inseln keine Geldautomaten gibt, sollte man ausreichend Bares dabei haben. Wir haben uns in Neuseeland die Landeswährung Vatu besorgt, wobei man bei der Bank erst den Gegenwert in Neuseeland-Dollar einzahlt, um dann am nächsten Tag die gewünschte Währung abzuholen. Zur Umrechnung Vatu in €: 2 Nullen streichen und 20% abziehen. 

Der auf dem Schein abgebildete Turm mit dem furchtlosen an den Beinen mit Lianen gehaltenen Springer ist ein Land-Diver. Die Bewohner Vanuatus, genauer die der Insel Pentecost sind die Urväter des Bungee-Jumpings, was sie zur Initiation junger Männer vollführen. Heute auch als Touristenattraktion, wobei der Fall so kurz vor dem Boden gestoppt wird, dass sie ihn mit den Händen berühren.  

Die Geldscheine sind auf der einen Seite in Englisch sowie Französisch bedruckt und auf der andere Seite in Bislama. Die Sprache besteht aus etwas 2500 Wörtern. Begriffe werden meist aus zwei Worten mit blong zusammengesetzt, wie Reserve Bank Blong Vanuatu. Glas blong lukluk ist eine Lupe, glas blong hariken ist ein Barometer. Rubba blong fakfak muss man mit dieser Vorbildung nicht mehr übersetzten. 

Und der Titel des Post: yumi heist wir aus you and me, hapi ist happy, sel ist segeln und bakegen bedeutet wieder aus back again. So zumindest meine Übersetzung nach einer Stunde Bislama Selbststudium. Wer sich auch dafür interessiert, kann auf www.bislama.org mehr erfahren. 
  

Samstag 23. April 2016: Seglerisch Fremdgegangen


Der America's Cup, die älteste Sporttrophäe der Welt, wurde in den Jahre 1992 bis 2007 mit Booten der International America's Club Class ausgetragen. Die 25 Meter langen Boote haben ein Gewicht von 24 Tonnen, wobei etwa 20 Tonnen der Kiel ausmacht. Der Mast ist 35 Meter hoch und die Segelfläche (Gross- und Vorsegel) beträgt 325 Quadratmeter. 17 Mann (Frauen wären nach den Regeln nicht ausgeschlossen, es traten aber immer nur reine Männer-Crews an) segelten die Schiffe bei den Rennen. 101 Boote wurde nach dieser Konstruktionsregel gebaut und wurden von 1 bis 101 durchnummeriert, mit dem Namen des Landes des jeweiligen Besitzers davor. 2 von ihnen liegen in Auckland im Hafen und ermöglichen America's Cup Segeln für jedermann.  

   
Mit diesem Boot, gebaut 1995 als Japan 41, später von einem englischen Syndikat als Training und Sparrings-Boot erworben und schliesslich in Neuseeland gelandet, ging es bei 5-10 Knoten Wind mit 16 anderen zahlenden Gästen aufs Wasser. Das Boot ist bis auf die nachträglich eingebaute Maschine, auf Haltbarkeit ausgelegte Segel und die fehlende Elektronik unverändert.


Das ist nicht nur durch den Mast eindringendes Regenwasser (das gibt es auch bei unserem Boot), was vor dem Auslaufen aus dem Rumpf gepumpt wird. An den Kiel-Bolzen sei der Rumpf nicht mehr ganz dicht (das gibt es bei uns nicht). Solange der Kiel nicht herunterfällt, soll es mir recht sein. 


4 Mitarbeiter des Betreibers segeln das Boot, wobei die Gäste selber steuern dürfen und bei den Manövern an den Grindern kräftig kurbeln müssen.


Der Grossschot-Trimmer in Aktion. Das Boot regiert sensibel auf Böen, lässt sich jedoch angenehm ohne wesentlichen Ruderdruck steuern. Die vielen Hebel im Vordergrund schalten die Hydraulik auf Baumniederholer, Vor- und Unterliek-Strecker. Für Nicht-Segler, das sind die Verstellmöglichkeiten um die Form des Grosssegels der Wind-Stärke und Richtung anzupassen. 


Hoch am Wind mit ein paar Kreuzschlägen ging es auf den Hauraki-Golf. Das Boot fährt so ruhig, dass man die Bootsgeschwindigkeit von 10 Knoten nur an der deutlich langsameren anderen Segelboot wahrnimmt.  


Zurück ging es vor dem Wind unter Gennacker. Dieses 500 Quadratmeter grosse Segel wird vom Profis in 8 Sekunden hochgezogen. Bei uns dauerte es ein paar Sekunden länger, aber immer noch schnell genug, dass es nicht ins Wasser fiel. 


Das Segel stammt aus den Beständen der America's Cup Zeit, wie der Stempel des Vermessers zeigt. Beim Bergen des Segels gehen 4 Mann unter Deck und ziehen das Segel möglichst schnell durch eine Luke ins Vorschiff. 

Unter Deck sieht es alles andere als gemütlich aus. Alles in elegantem Carbon-Schwarz gehalten und in der Bilge schwappt des Wasser der lecken Kiel-Bolzen. Da fahren wir zum Glück etwas anders zur See, dafür aber nicht so schnell. 


Nach 2 Stunden ist der Riesenspass leider schon vorbei und es geht zurück in den Hafen von Auckland. 


Zum Schluss des Posts noch etwas für die Liebhaber von Schokolade. Gesehen in einem Restaurant an der Uferpromenade. 


  


Donnerstag 21. April 2016: Das viel zu kurze Leben einer Longlife Batterie


Das ist unsere EPIRB, die, wenn sie aktiviert wird, 48 Stunden lang ein Signal mit Position und Schiffskennung via Satellitenfunk aussendet bis die Batterie erschöpft ist. Getestet und aktiviert wird sie mit den blauen Schalter rechts oben. Die Lebensdauer der Batterie wird vom Hersteller mit fünf Jahren angegeben. 

Bevor wir uns wieder in die Südsee aufmachen, führten wir zum ersten Mal auf der Reise den Test durch. Bislang haben wir es unvernünftiger Weise nicht gemacht, da wir die Batterie vor unserer Abreise ersetzen liessen. Damals ersetzen wir als Garantiefall eine nur ein Jahr alte Batterie, da sie beim Test des Geräts kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Das gleiche erlebten wir jetzt wieder. Da wird man schon etwas nachdenklich, wenn man sich überlegt, dass wir ein im Notfall wichtiges Gerät mit möglicherweiser defekter Batterie dabei hatten. Ausser die Batterie hat ihren Geist in den letzten Monaten aufgegeben. 

Langer Rede kurzer Sinn ist, dass wir den Vertriebspartner der Herstellerfirma in Auckland aufsuchten um nach dem Gerät zu schauen. Seine Analyse war, dass das Gerät einwandfrei funktioniert nur die Batterie, obwohl noch keine zwei Jahre alt, ist leer. Eine Erklärung für die viel zu kurze Lebensdauer konnte er uns nicht geben. Er hat die Batterie ersetzt (leider ausserhalb der Garantie), die nun bis Mai 2021 funktionieren soll. Wir haben in seiner Werkstatt den Test erfolgreich durchgeführt. 

Den Test werden wir von jetzt ab in kürzeren Abständen und vor jeder längeren Seestrecke wiederholen, damit wir sicher sind, dass wir eine funktionierende EPIRB an Bord haben. Der Stromverbrauch für den nur wenige Sekunden dauernden Test soll für die Gesamtlebensdauer der Batterie vernachlässigbar sein. Falls wir dann wieder einen negative Überraschung erleben, ist es hoffentlich in einer Gegend wie Auckland, wo in einer Strasse alles beisammen ist, was man an Ausrüstungen und Komponenten in einem Boot braucht. Die Strasse heisst Beaumont Street und liegt direkt am Yachthafen. Die Batterie in einem Südsee-Atoll zu tauschen ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit.  


Sonntag 17. April 2016: Die Panik-Säcke


Auch das gehört zur Vorbereitung der nächsten längeren Passage; das Packen der Panik-Säcke. Falls wir unser Schiff auf See fluchtartig verlassen müssten und in die Rettungsinsel steigen, sollten diese beiden wasserdichten Säcke dabei sein. Sie liegen in der Backskiste, also unter der Sitzbank im Cockpit.   



Der Inhalt sollte uns helfen ein paar Tage im Notfall zu überleben. Neben Lebensmitteln und Wasserflaschen haben wir einen handbetriebenen Wasser-Macher dabei, mit dem ein Liter Trinkwasser pro Stunde erzeugt werden kann. Weiterhin haben wir ein Satellitentelefon und ein GPS dabei. 

Nicht in den Säcken aber ebenfalls zum Notfall-Inventar gehört die EPIRB (Emergency Position Indicating Radio Beacon), die, wenn sie aktiviert wird, ein Signal mit unserer Position und Kennung sendet. Dieses Signal wird von einer Bodenstation empfangen und ein Kontrollzentrum weist die am nächsten zu unserer Position befindlichen Schiffe an, unsere Position anzulaufen. 

Wir hoffen natürlich, dass wir all das nie brauchen werden. Aber ohne diese Ausrüstung zur See zu fahren, ist nicht verantwortungsvoll.  


Freitag 15. April 2016: Reisevorbereitungen

Bald ist es wieder soweit. Anfang Mai wollen wir, für 4 Wochen verstärkt durch meinen Bruder, zurück in die Südsee segeln. Das erste Ziel ist Vanuatu, etwa eine Woche nördlich von Neuseeland. 

Während unserer Abwesenheit wurden die zwei noch anstehenden Arbeiten am Boot zu unserer Zufriedenheit erledigt. Der Vorstag (das ist Verbindung zwischen Mastspitze und Bug) wurde mit der reparierten Vorstagschiene (das ist das Aluminium-Profil durch den der Vorstag läuft und in dem das Vorsegel gehalten wird) montiert. Das gesamte Rigg wurde für die neuen Wanten frisch eingestellt und justiert. 

Auch die zweite Arbeit, unsere nun getrennten Salzwasser-Pumpen für WC-Spülung und Entsalzungsanlage sind montiert. Ob die neu eingebaute Pumpe für die Entsalzungsanlage den vom Hersteller versprochenen Betriebsmodus erlaubt, werden wir sehen wenn wir den Hafen verlassen, da der Wasser-Macher nur bei sauberem Wasser, also im gewissen Abstand von der Küste laufen sollte. Ein kurzer Funktionstest im Hafen verlief ohne Beanstandungen. 


Für Technik-Interessierte: die schwarze Pumpe erzeugt den konstanten Druck für die WC-Spülung von 2.5 bar, ist aber nicht für Dauerbetrieb ausgelegt. Die blaue Pumpe versorgt den Wasser-Macher und ist für Dauerbetrieb spezifiziert. 

Unsere neue Genua (zu Deutsch Vorsegel) wurde ebenfalls geliefert und die alte ging zur Reparatur nach Italien.  

Da wir bald für längere Zeit unterwegs sind und das Angebot in Vanuatu möglicherweise nicht auf jeder Insel gleich gut ist, bunkern wir jetzt schon die länger haltbaren Lebensmittel sowie Mineralwasser und Fruchtsaft. 

Zusätzlich kümmern wir uns um die Verlängerung unserer Visa, da die visafreien 90 Tage am 21. April ablaufen und wir uns drei weitere Wochen in Neuseeland aufhalten wollen. Das heisst Formular ausfüllen, Passbilder und Passkopien beilegen, einen Behördengang nach Auckland machen und Rückfragen per e-Mail beantworten. So müssen wir nachweisen, dass NOE uns gehört und wir die notwendigen finanziellen Mittel haben, um in den nächsten Wochen nicht zu einem neuseeländischen Sozialfall zu werden. 


Damit die Woche wirklich ausgefüllt ist und kein Schlendrian aufkommt, bleiben noch ein paar Arbeit am Boot, wie das Lackieren der Hölzer am Eingang zum Niedergang (das ist Treppe vom Cockpit in den Salon).   

Sonntag 10. April 2016: Abschluss unserer Neuseeland-Rundreise

Seit Sonntag Nachmittag sind wir wieder auf unserem Boot. Glücklicherweise hatten wir in Niue die Bekanntschaft mit einem neuseeländischen Ehepaar gemacht, welches ein Boot in Gulf Harbour hat. Sie schauten während unsere Abwesenheit nach unserem Boot, was uns ein sorgloses Reisen in den letzten 7 Wochen ermöglichte. 

Zum Abschluss unserer Rundreise besuchten wir die Halbinsel Coromandel. In der Vergangenheit bedeutsam wegen des Holz der Kauri-Bäume und der Goldfunde. Heute ein Paradies für Touristen und Wassersportler. 


Das wahrscheinlich grösste von Menschen gemachte Loch in Neuseeland. Bis 1953 wurde Gold-haltiges Gestein aus Minen an die Oberfläche gefördert. Dann stand der Bergbau in Waihi für ein paar Jahrzehnte still, bis von 1989 bis 2003 im Tagebau gefördert wurde. Über 200 Meter tief ist diese Grube, bei der die Lastwagen 3 Kilometer zurücklegten um am Grund ihre Ladungen aufzunehmen. Heute wird hier nicht mehr gesprengt, sondern saniert und in ein paar Jahren soll die mit Wasser gefüllte Grube ein See sein.  


Die bergige Halbinsel bietet uns viele schöne kurvige Anstiege und Abfahren sowie Aussichten.


Anfang Mai wollen wir, nach Ende der Zyklon-Saison im südlichen Pazifik, wieder nach Norden segeln. Bis es soweit ist, gibt es noch ein paar Dinge auf NOE zu tun und wenn das Wetter mitspielt ein paar Tage segeln zu den Inseln im Hauraki-Golf. 

Donnerstag 7. April 2016: Farbenspiele in Rotorua

 

Unsere Reise durch Neuseeland nähert sich ihrem Ende. Unsere zweitletzte Station war Rotorua, mit ihren heissen, nach Schwefel-Wasserstoff stinkenden Quellen. Faszinierend sind die Farben der verschiedenen geothermischen Erscheinungen. 


Der Champagner-Pool, benannt nach den aufsteigenden Gasbläschen, ist 75° Celsius und übersättigt mit Arsen- und Antimon-Sulfit. Am Rand kristallisieren diese Verbindungen aus und bilden einen ockerfarbenen Überzug.  


Die Strukturen auf dieser Sinterterasse sind nur einige Millimeter gross. Warum sie gerade so wachsen? 


Dieser blaue See verändert seine Farbe, Wasserstand und Temperatur im Rhythmus von 28 Tagen. Es entstand durch einen Vulkanausbruch im Juni 1886, der die Landschaft um Rotorua stark veränderte und einige Maori-Dörfer unter einer Asche- und Schlamm-Schicht vergrub. Viele Bewohner kamen dabei ums Leben. Seither ist der Vulkan Tarawera ruhig. 


Ob die Farbe des See bei der Farbgestaltung dieser Jacke eines Schweizer Herstellers für Outdoor-Produkte Pate gestanden hat? 


Mittwoch 6. April 2016: 84 Kilometer durch den Wald


Neuseeland hat ein Herz für Mountainbiker. Viele Trails durchziehen das Land und seit diesem Jahr kann man von Nord nach Süd von einem Trail zum nächsten fahren. 

Ein kleines Stücken dieser Strecke ist der Timber Trail. Er führt von Pureora nach Ongarue, wobei vom Startort nur noch der Name und am Ziel von einer ehemals 2000 Einwohner grossen Gemeinde nur eine Handvoll Häuser übrig ist. Ende der 70er Jahre regte sich in Neuseeland zunehmend Protest gegen das Abholzen der natürlichen Wälder. Eines der Zentren dieser Bewegung war der Wald um Pureora. Die veränderte Gesetzgebung führte zum Verbot von Holzschlag auf öffentlichem Grund und zur Wiederaufforstung mit den ursprünglichen Baumarten in grossen, zusammenhängenden Schutzgebieten. Ehemalige Zentren der Holzindustrie verschwanden zum Leidwesen ihrer Einwohner von der Landkarte. 

Ein Prozent des heute in der Welt industriell genutzten Holz stammt aus Neuseeland. Im wesentlichen ist es das Holz der Monterey-Kiefer, die auf grossen Flächen in Plantagen als Ersatz für das Abholzen der natürlichen Wäldern angepflanzt wird. Sie kann in 40 Jahren auf eine Höhe von 60 Meter wachsen, bei einem jährlichen Zuwachs im Stammquerschnitt von 20 bis 30 Millimeter. 


Auf den ehemaligen Wegen und Schienensträngen durch das Waldgebiet von Pureora wurde der Trail angelegt und durch das Department of Conservation erhalten. Jeden Kilometer findet sich eine Markierung und an vielen Stellen Erklärungen zum Wald und seiner Geschichte. 


Ein paar dieser Hängebrücken überquert man im Verlauf des Trails und erspart sich viele Höhenmeter. Diese ist mit 143 Meter die längste.


Die Hälfte ist geschafft. Zu dieser Stelle führt eine, wenn auch nicht geteerte, öffentlich Strasse. Am Ort einer ehemaligen Holzfäller-Siedlung ist heute ein Campingplatz. 


Der zweite Teil der Strecke führt meist entlang einer ehemaligen Bahntrasse, die unter hohen Aufwand zum Abtransport des Holzes durch das Waldgebiet gebaut wurde.  


Eines der Relikte entlang des Schienenstrangs ist die Spirale von Ongaruein der der Zug 15 Meter Höhenunterschied überwand. Heute erinnert nur der unbeleuchtete Tunnel, durch den Trail geht, an diese Zeit. Laut Erklärung gibt es auf der Welt 71 dieser Zug-Spiralen und diese ist die einzige, die mit dem Bike befahrbar ist. 

Unter diesem Link https://youtu.be/TFVqu2JGmNI findet sich ein Werbe-Video zum Trail. Wer Lust bekommen hat, in Neuseeland zu biken muss entweder seine Outdoor-Ausrüstung auf dem Rad mitführen oder einen gewissen logistischen Aufwand betreiben. Ich konnte morgens um 8 aus dem geheizten Campervan auf Rad steigen und wurde von der Skipperin 6 Stunden nach Abfahrt am Ende des Trails wieder in Empfang genommen. Benny, ein Velo-Mechaniker aus Rotorua, der ein paar Jahre beim deutschen Profi-Rennstall Team Telekom gearbeitet hat, fuhr am gleichen Tag auf dem Trail, als Teil seiner Fahrt bis Wellington. Er war am Vortag schon über 100 Kilometer gefahren, übernachtete am Start im Zelt und führte 10 Kilogramm Gepäck mit. Trotzdem erreichten wir das Ziel fast zeitgleich, auch wenn ich immer wieder abstieg und fotografierte. Hut ab, Benny.  




Dienstag 5. April 2016: Napier, die Hauptstadt des Art Déco

Wir haben uns von den schönen Landschaften der Südinsel verabschiedet und sind auf die Nordinsel zurückgekehrt. Langsam nähert sich unsere Zeit in Neuseeland dem Ende zu. Mitte April geben wir unseren Campervan zurück, den wir für die Rundreise gemietet haben und Anfang Mai wollen wir weiter segeln. Bis dahin bleiben noch ein paar Tage, um ein paar Eindrücke auf der Nordinseln zu sammeln. Zum Beispiel in Napier. 


Neben South Beach in Miami ist Napier die Stadt der Welt mit der grössten Dichte an Gebäuden im Art Déco Stil. Napier wurde am 3. Februar 1931 durch ein starkes Erdbeben nahezu vollständig zerstört. Der Wiederauf sollte als Signal verstanden werden, bei dem Architekturstudenten aus ganz Neuseeland beteiligt waren. Nicht nur weil es derzeit Mode war Geschäftshäuser so, bauen sondern auch aus praktischen Überlegung wie vorhandene Baumaterialien und einfache Verzierungen wurde dieser Baustil gewählt. 


1990 wurden die aus dieser Zeit erhaltenen Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Die pastellfarbenen Anstriche waren eine Notlösung, da wegen der knappen Mittel die Farben mit Wasser gestreckt wurden. 




Damit nicht nur die Hausfassaden stilecht bleiben, sondern auch das Interieur wie in den 30er Jahren aussieht, gibt es in der Stadt den Art Déco Shop. 


Donnerstag, 31. März 2016: Auf der Wairau Hanmer Springs Hydro Road


Die 112 Kilometer lange Wairau Hanmer Springs Hydro Road verdankt ihre Existenz dem Bau von Stromleitungen durch menschenleere Täler. Die Strasse ist nur für geländegängige Fahrzeuge zwischen Dezember und Anfang April geöffnet. 90 Kilometer sind nicht geteert und ein Teil davon führt über privates Land, wo der Unterhalt als "best effort" mit den zu zahlenden Mautgebühren betrieben wird. Mountainbiker bezahlen 2 NZ-Dollar. Den Rest des Jahres ist sie für jeglichen Verkehr gesperrt. Mehr als doppelt so lang, nämlich 240 Kilometer beträgt die Strecke auf "normalen" geteerten Strassen zwischen St. Arnaud auf der Nordseite und Henmar Springs im Süden. Dafür gibt es auf der normalen Strasse für jede Überquerung eines Baches eine Brücke. Diesen Luxus hat man sich hier gespart und sich auf die grösseren Wasserläufe beschränkt. Daher ist die Strecke nach grossen Regenfällen nicht passierbar.


Unterwegs gibt es für Wanderer und Mountainbiker einfache Hütten für Selbstversorger. Ich beneide die Velofahrer nicht, die mit ihrem Gepäck am Rad beschwerlich über diese Strecke fahren. Wir haben uns auf einen Teil der Strecke beschränkt und sind am gleichen Tag wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt zurück gekehrt.  



Auch die Kühe und Schafe sind nicht zu beneiden, die in dieser kargen Umgebung an der Grenze zwischen der Rainbow und der Molesworth Farm grasen. 


Am Abend ging es nach Blenheim, in die grösste Weinregion Neuseelands. Nach dem Kommentar auf unseren ersten Post von der Südinsel schauten wir hier vorbei und unterhielten uns mit dem Kellermeister Hätsch Kalberer, der vor 25 Jahren mit Georg Fromm aus Malans auf einer ehemaligen Farm ihre ersten Reben pflanzten. Georg Fromm hat seinen Anteil mittlerweile verkauft und konzentriert sich bis auf den 13 Hektar grossen Clayvin Vineyard auf sein Weingut in Malans.