Passage Ashmore Reef – Christmas Island

Montag 22. August: Tag 5

Auch ohne Gennacker geht es gut voran. In der letzten Nacht haben wir bei auffrischendem Wind und geschoben von einem Knoten Strom 100 Seemeilen in 12 Stunden auf unser Ziel gutgemacht. Ein 200 Seemeilen Etmal wurde es leider nicht, da der Wind tagsüber wieder etwas schwächer wurde.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 10°37.5’S, 107°37.0‘E. Mit dem heutigen Etmal von 190 Seemeilen verbleibt bis Christmas Island eine Strecke von 116 Meilen. Wir rechnen damit, dass wir morgen früh ankommen.

Christmas Island wurde durch den britischen Kapitän William Mynors benannt, der die Insel am 25. Dezember 1643 sichtet. Niemand hatte starkes Interesse an der unbewohnten Insel bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts reiche Phosphat-Vorkommen entdeckt wurden. Ein paar Jahre später begann der kommerzielle Abbau, auf der zu Australien gehörenden Inseln.

Die Bevölkerung der 20 Kilometer grossen Insel vulkanischen Ursprungs besteht zum wesentlichen Teil aus Chinesen und Malaien, die als Arbeitskräfte auf die Insel geholt wurden. Da die Phosphat-Vorkommen endlich sind und der Höhepunkt der Förderung längst überschritten ist, wird mit Tourismus versucht dem absehbaren Niedergang der Inselwirtschaft entgegen zu wirken. Das besondere an der Insel ist die bei Vollmond im November stattfindende Wanderung von Millionen von Kokosnuss-Krabben an die Strände zu Eiablage. Die Insel beherbergt die weltweit grösste Population dieser Landkrabben, da sie hier streng geschützt sind. Dieses Schauspiel werden wir nicht sehen, aber wir sind gespannt, was es sonst auf der kleinen Insel zu sehen gibt.

Wenn sich schon kein Geld mit Phosphat mehr verdienen lässt, hat sich die australische Regierung die Insel als Lösung für ihr Migrationsproblem auserkoren. Im südlichen Teil der Insel liegt ein grosses Lager für Migranten und Bootsflüchtlinge. Die Meinungen in der australischen Öffentlichkeit gehen weit auseinander, ob dies die richtige Vorgehensweise ist.
 

Sonntag 21. August: Tag 4

Die letzten 28 Stunden segelten wir unter Gennacker und legten dabei 210 Seemeilen zurück. Wir können uns nicht erinnern, so lange und so weit schon einmal so unterwegs gewesen zu sein. Um 16 Uhr heute Nachmittag haben wir den Spass beendet. Da sich dunkle Wolken vor uns bildeten und der Wind stärker wurde, haben wir mit dem Austausch unserer Segel-Garderobe Vorsicht walten lassen. Jetzt geht es unter doppelt gerefften Grosssegel und Genua in die Nacht hinein. Nicht mehr ganz so schnell wie mit dem Gennacker, jedoch bei 15 - 18 Knoten Wind mit einem deutlich besseren Gefühl.

Seit dem Verlassen des Ashmore Reefs sehen wir grosse, weisse Bojen, die eindeutig Fischern gehören. Offensichtlich treiben sie, da die Wassertiefen zwischen 2000 und 7000 Metern liegen. Nachts sind sie unbeleuchtet und wir fragen uns, wie viele wir knapp nicht gerammt haben. Einzig die dazugehörenden Fischerboote fehlten uns. Letzte Nacht sahen wir einige Lichter und heute während des Tages schmale, offene etwa 10 Meter lange Boote, die in der Dünung schaukelten. Immer mindestens 2 zusammen, was wohl die Lebensversicherung ist, fällt auf einem Boot der Motor aus. Richtig hochseetauglich erschienen uns die Boote beim Blick durch das Fernglas nicht. Erstaunlich, dass die Fischer mit diesen Booten 175 Seemeilen von der Küste Javas entfernt unterwegs sind und welche Risiken sie eingehen müssen, um ihren Broterwerb zu sichern.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 11°08.9’S, 111°48.5‘E. Mit dem heutigen Etmal von 181 Seemeilen verbleibt bis Christmas Island eine Strecke von 306 Meilen.
 

Samstag 20. August: Tag 3

Der Engländer würde sagen, „just another day on the ocean“. Nach 3 Tagen kehrt die Bordroutine ein. Brotbacken, Boot putzen, Lesen, Strom und Wasser machen sowie schlafen, falls es in der nächsten Nacht mehr Präsenz braucht. Die unangenehme Querdünung hat sich zum Glück heute Nachmittag deutlich abgeschwächt, nachdem sie unsere Skipperin beziehungsweise deren Magen sie am Morgen geärgert hat. Ansonsten gab es in den letzten 24 Stunden wenig zu berichten.

Seit dem Mittag segeln wir wieder unter Gennacker und lassen ihn auch während der Nacht stehen. Unter den aktuellen Bedingungen mit 10- 15 Knoten wahrem Wind schräg von hinten (für Nichtsegler, der gefühlte, scheinbare Wind kommt wegen der Fahrwindkomponente direkt von der Seite) und leichter Dünung die Besegelung, die den besten Speed und das ruhigste Segeln ergibt.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 11°33.3’S, 113°50.8‘E. Mit dem heutigen Etmal von 163 Seemeilen verbleibt bis Christmas Island eine Strecke von 487 Meilen. Wenn der Wind so bleibt, und das verspricht der Wetterbericht, sollten wir in 3 Tagen ankommen.

Freitag 19. August: Tag 2

Die Vollmondnacht bescherte uns gleichmässigen Wind mit 4 Beaufort und guten Speed unter Gennacker. In den 12 Nachtstunden machten wir 93 Seemeilen auf unser Ziel gut. Und dabei konnten wir sogar ein paar Stunden ruhig schlafen.

Am Morgen wurde der Wind etwas stärker, erreichte 5 Beaufort in den Böen und eine 2-3 Meter hohe Dünung aus südlicher Richtung, also quer zu unserer Fahrtrichtung, kam auf. Besser jetzt den Gennacker bergen, als zu spät. Das Manöver klappte ohne Probleme und seither sind wir nur mit der Genua unterwegs. Leicht untermotorisiert und nicht mehr so schnell, aber deutlich komfortabler. Mit dem nun einsetzenden Südäquatorial-Strom summierte sich das Etmal auf 180 Seemeilen. Für Landmenschen 333 Kilometer in 24 Stunden.

Es ist nicht nur komfortabler, sondern auch Fischen ist möglich. NOE unter Gennacker mit nur 2 Personen an Bord zu stoppen, wenn ein Fisch anbeisst, würde viel zu lange dauern. Und tatsächlich am Nachmittag rauscht die Angelleine aus der Trommel und wir ziehen einen Yellow Fin Thunfisch an Bord. Nicht allzu gross, aber für 2 Mahlzeiten ausreichend.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 11°42.0’S, 116°38.2‘E. Mit dem heutigen Etmal verbleiben 650 Seemeilen bis Christmas Island.

Donnerstag 18. August: Tag 1

Heute war der erste Tag seit unserer Abreise aus Darwin, an dem wir nicht von einem Flugzeug der australischen Grenzpolizei überflogen oder wie im Ashmore Reef von den Beamten persönlich aufgesucht wurden. Beim ersten Überflug riefen sie uns auf Sprechfunk an, erkundigten sich nach Start und Ziel und wünschten uns guten Wind. Bei den anderen Überflügen flogen sie nur wortlos an uns vorbei und drehten ab. Erstaunlich welchen Aufwand der australische Staat betreibt uns in seinem Hoheitsgebiet zu begleiten. Das steht in keinem Verhältnis zur Wertschöpfung, die wir während unseres 2-monatigen Aufenthalts generiert haben. Auch erstaunt uns, wie sie uns jeden Tag so treffsicher über 150 Seemeilen von der Küste entfernt gefunden haben. Ihre Überwachungsmaschinerie hat eine hohe Perfektion; australische Verabschiedungs-Kultur mit Optimierungspotenzial.

Laut Wetterbericht liegt unsere Route bis Anfang nächster Woche in einem Wetter-inaktiven Bereich. Wir haben zwar ein Wetter, es ändert sich aber nicht so schrecklich viel. In der Nacht und am Morgen ist der Wind mit 2-3 Beaufort schwächer als am Nachmittag, wo er in Böen auf 4 Beaufort auffrischt. Mal kommt er aus Südost, dann wieder etwas südlicher.

Besonders in den Schwachwindphasen segeln wir am besten nur mit unserem 180 Quadratmeter grossen Gennacker (einem asymmetrischen Vorsegel). Das gibt die beste Geschwindigkeit und das Rigg wird nicht durch schlagende Segel belastet. Letzte Nacht haben wir den Gennacker bei Sonnenutergang eingeholt und uns in der zweiten Nachthälfte über schlagenden Segel und geringe Geschwindigkeit geärgert. Heute Nacht lassen wir den Gennacker stehen und hoffen auf ein besseres Resultat. Dafür gibt es etwas weniger Schlaf für den Skipper.

Um 1800 Bordzeit war unsere Position 12°04.7’S, 119°40.3‘E. Um 135 Seemeilen haben wir uns von 1800 gestern bis 1800 heute Xmas Island genähert. Es verbleiben 830 Seemeilen.

Mittwoch 17. August: Start nach Christmas Island, die Krabben-Insel

Gestern besuchten wir die West-Insel des Riffs. Die beiden anderen Inseln, Middle und East Island sind Sperrzone. Und auf West-Island ist der Aufenthalt nur in einem 50 Meter breiten Streifen am Strand erlaubt. Die Inseln sind Brutgebiete für Tropic-Vögel, Tölpel, Meeresschildkröten und einige weitere Vogelarten.

Da kein Ranger auf der Insel war, spazierten wir den Strand entlang und bestaunten die Spuren der Schildkröten, die sie in der letzten Nacht zur ihren Eiablageplätzen hinterlassen hatten. An der Südspitze der Insel ging ich für einen besseren Blickwinkel eines Fotos ein paar Schritte ins Wasser, als die Skipperin schrie, ein Hai, ein Hai. Tatsächlich schwamm ein etwa 2 Meter langes Exemplar im flachen Wasser vor dem Strand. Die Skipperin untersagte mit sofortiger Wirkung jegliche Betätigungen im Wasser, auch wenn es sich wahrscheinlich nur einen harmlosen Riff-Hai gehandelt hat. In vielen Berichten über das Ashmore Reef liest man von giftigen Wasserschlangen, die in grosser Zahl hier leben. Wir haben keine gesehen. Sie sind nicht aggressiv, ihr Biss kann aber tödlich sein. Wenn es keine Krokodile gibt, dann eben etwas Anderes, was Baden und Schnorcheln in australischen Gewässern zum Nervenkitzel macht.

Eingeschränkter Inselzugang, keine Betätigung im Wasser, ein gutes, sich jedoch schliessendes Windfenster für die 1025 Seemeilen Passage nach Christmas Island und Vollmond fürs Segeln in der Nacht. Das nächste günstige Wetterfenster soll erst Mitte nächster Woche aufgehen. Also los, weiter Richtung Westen zur nächsten Insel, Christmas Island.

Heute Morgen um 9 Uhr lösten wir unsere Leinen an der Mooring-Boje und es ging durch den gut betonnten Kanal (je 13 Tonnen auf jeder Seite innerhalb von 2 Seemeilen) aus der inneren Lagune ins offene Wasser. 4 Stunden lief der Motor, bis der versprochene Wind von 3-4 Beaufort aus südöstlicher Richtung (also schräg von hinten) einsetzte.

In den nächsten Tagen werden wir wie bei den anderen Passagen uns einmal am Tag mit einem Bericht melden. Um 1800 Bordzeit (das ist 1200 MESZ) ist unsere Position 12°10.1’S, 121°57.8‘E. Bis Xmas Island verbleiben 965 Seemeilen. Wenn wir dort sind, gibt es die Bilder der letzten Tage, da es im Ashmore Reef verständlicherweise kein WLAN gibt.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Liebe Ursula,
Lieber Hans,

Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Etmal unter Gennacker! Vorgestern sind wir auch Gennacker gesegelt,!aber in der Ägais bekommen wir nicht den konstanten Rückenwind,der für so ein tolles Etmal notwendig wäre. Hier im Schengen Raum gibt es auch Kriegsschiffe, aber die sind bei weitem nicht so eifrig wie die australischen. Super Bilder!
Gute Besserung an die Skipperin wg. des Schwells...

Isabel,Sibylle und Uli aus der Ägais