Donnerstag 30.Juli 2015: Tom Neale, Suvarrow

Jeder, der sich mit einer Weltumseglung  beschäftigt, stösst früher oder später auf diesen Namen. Bei der Umrundung der Insel sah ich (die Skipperin spürte eine aufziehende Grippe und blieb im Boot) gegenüber dem Flughafen zwischen Strasse und Meer einen kleinen Friedhof, der mit einem modernen Geschütz dekoriert war und auf dem alle Gräber weisse Holzkreuze hatten. Als ich vom Rad stieg, entdeckte ich diesen Grabstein.



Wenn man von Französisch Polynesien weiter nach Westen segelt, gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Routenwahl. Entweder segelt man auf der gleichen geographischen Breite nach Westen Richtung Samoa, was 1200 Seemeilen entfernt liegt und von dort nach Fidschi. Auf dem Weg dorthin geht es durch die nördlichen Cook-Inseln, deren südlichste das Atoll Suvarrow ist. Oder man segelt wie wir weiter südlich nach Rarotonga, also zu den südlichen Cook-Inseln und von dort über Niue und Tonga nach Fidschi.  

Wir sind, wie wir feststellen, die deutliche Minderheit, liegen neben uns nur zwei andere Segelboote im Hafen und die Super-Yacht M5, die wir auch in Nuku Hiva gesehen haben, draussen auf Reede. Man kann auch zwischen mehr nördlich und mehr südlich gelegenen Inseln hin und herpendeln, um einige der Cook-Inseln, Samoa, Niue, Tonga und Fidschi zu besuchen.

Das Atoll Suvarrow ist unbewohnt. Es ist ein Naturschutzgebiet, auf dem während der Hurrikan freien Zeit ein paar Park-Ranger leben. Die Lagune hat einen befahrbaren Pass.

Auf zwei Einsiedler hat Suvarrow eine grosse Anziehungskraft ausgeübt. Der erste war Robert Dean Frisbie, der sich jedoch nur kurz dort aufhielt, da er mit den kargen Lebensbedingungen nicht zu Recht kam.

Erfolgreicher war Tom Neale. Der Neuseeländer, der fast sein ganzes Leben in der Südsee verbrachte, lebte insgesamt 16 Jahre alleine auf Suvarrow, unterbrochen von zwei längeren Aufenthalten in Rarotonga. Zum ersten Mal sah er das Atoll 1945, auf einer Versorgungsmission zu den dort anwesenden Wachsoldaten. Es dauerte jedoch bis 1952, als sein erster Aufenthalt auf dem mittlerweile wieder menschenleeren Atoll begann. Er endete nach zwei Jahren mit der Rückkehr nach Rarotonga wegen starker Rückenbeschwerden, die in nahezu paralysierten. Glücklicherweise besuchte zu dieser Zeit eine Yacht das Atoll und fand ihn in seiner misslichen Lage.

Der zweite Aufenthalt dauerte vier Jahre von 1960 bis 1964. Neale kehrte freiwillig nach Rarotonga zurück, unter anderen, da ihn der periodische Besuch von Perlentaucher auf Suvarrow in seinem Einsiedlerleben störte.

1967 siedelte er wieder auf Suvarrow und lebte dort bis 1977, als ihn die Besatzung einer Yacht an Magenkrebs erkannt vorfand und nach Rarotonga brachte, wo er 8 Monate später verstarb.


Die ersten beiden Aufenthalte als Einsiedler hat er in seinem 1966 erschienen Buch „An Island to Oneself“ verarbeitet.  

Dienstag 28.Juli 2015: Man geht auf Rarotonga nicht verloren

So hat uns die Dame im Hafenbüro die Situation zusammengefasst, als wir sie nach der Inselrundfahrt befragten. 33 Kilometer beträgt die Länge der Strecke, immer eben entlang der Küste. Gefühlt fährt man immer gerade aus, am Ende ist man doch einmal im Kreis gefahren. 

Ein gutes Frühstück muss sein. 


Der schönste Strand Roratongas, der Muri Beach mit vier vorgelagerten Motus an der Riffkante. Rarotonga ist vollständig von einem Riff umschlossen, welches die Wellen des Pazifiks vom Strand fernhält. Die Mehrzahl der Touristen kommt aus Neuseeland. Die neuseeländische Regierung hat im Tausch gegen die Landerechte für Air New Zealand den internationalen Flughafen auf Rarotonga 1965 gebaut. 


So haben sie ausgesehen, die grossen, bis zu 25 Meter langen Doppelkanus der Polynesier, mit denen sie ihre weiten Reisen unternahmen. Der hochgezogene Teil der Rümpfe ist nicht der Bug, sondern das Heck.   


Während auf manchen Südseeinseln die ersten Missionare in Kochtöpfen landeten, waren die Missionare der London Missionary Society in Rarotonga sehr erfolgreich. Innerhalb weniger Jahre war die Christianisierung abgeschlossen und eine Schule für den kirchlichen Nachwuchs aufgebaut, der dann als polynesische Missionare weitere Schäfchen auf den vielen Inseln des südlichen Pazifiks dazu gewann. Diese, aus Korallengestein erbaute Kirche von 1835 stammt aus dieser Zeit. 


Ein Landhaus im Kolonialstil, mit der weiten, Schatten spendenden Veranda.  



Montag 27.Juli 2015: Te Maeva Nui, das grosse Tanz-Spektakel


Wer die Cook- Inseln bereist und nach Rarotonga kommt, dem wird empfohlen es Anfang August zu tun, da zu dieser Zeit das grosse Tanz- und Musikfestival aller 15 Inseln stattfindet. Die Tänzer der Cook-Inseln zählen zu den besten im polynesischen Raum. Wir sind also zur richtigen Zeit am richtigen Ort, wobei dieses Jahr ein spezielles Jahr mit einem speziellen Fest ist. 


Dieses Jahr jährt sich die Unabhängigkeit in der Assoziation mit Neuseeland zum 50. Mal. Aus diesem Grund dauert das Fest mit allabendlichen Veranstaltungen nicht eine sondern zwei Wochen. Leider gilt während der Veranstaltung ein Film- und Fotografier-Verbot, was streng kontrolliert wird. Daher konnte ich bei unserem ersten Besuch nur 2 Aufnahmen machen, bis mich eine Dame auf diese Regel aufmerksam machte. 


Der Knirps vor den Trommeln in der Mitte ist erst drei Jahre alt. Scheinbar bekommt man den polynesischen Groove schon mit der Muttermilch, machte es seine Sache wie ein Grosser.


Schade, dass ich von den Top Acts der Gruppen mit bis zu 50 Tänzerinnen und Tänzern keine Bilder habe. Das Erlebnis hätten wir gerne mit euch geteilt. Wir werden uns sicher noch einen zweiten oder dritten Abend mit polynesischer Folklore gönnen. 

Sonntag 26.Juli 2015: Landfall in Rarotonga

530 Seemeilen südwestlich von Bora Bora liegt Rarotonga, die Hauptinsel der Cook Islands. Die weit verstreuten 15  Cook-Inseln sind entweder Atolle oder von einem Riff umgebene Vulkaninseln. Wir wollen neben Rarotonga die beiden Atolle Aitutaki und Palmerston besuchen.

Drei Tage waren wir von Bora Bora unterwegs. Der Wind kam aus Südosten, also senkrecht zur unser Fahrtrichtung und war mit bis zu 6 Windstärken teilweise recht frisch. Das bescherte uns von Freitag auf Samstag ein Etmal (Distanz zwischen zwei Standorten um 12 Uhr mittags an zwei aufeinander folgenden Tagen) von 195 Seemeilen, wobei wir nur mit der Genua (Vorsegel) unterwegs waren und das Grosssegel wegen des zum Teil schlechten Wetters mit Regenschauern und Böen gar nicht gesetzt hatten. Auf Sonntag wurde das Wetter wieder schöner und der Wind schwächer. Die Sicht war so gut, dass wir schon auf 40 Seemeilen Rarotonga mit dem Auge gut sehen konnten. 

Noch 10 Seemeilen bis zum Landfall. 


Sobald man in Reichweite des Sprechfunks ist, muss man sich mit der Hafenbehörde in Verbindung setzen. Dort bekommt man Anweisungen, wie im Hafen anzulegen ist. Der Hafenmeister mobilisiert Zoll, Immigration, Gesundheitsamt und die Landwirtschafts-Behörde. Überlaufen ist der Hafen nicht. Neben uns liegt nur ein zweiter Segler. Sonst hat es ein paar Fischerboote, ein Polizeiboot und ein Lastkahn.


Wir waren noch mit dem Anlegen mit Buganker und Heckleinen beschäftigt, erschien schon die Dame vom Zoll und stellte fest, dass wir unserer Pflicht, uns 72 Stunden vor Einlaufen beim Zoll zu melden nicht nachgekommen sind. Wir sagten ihr, dass in unseren Handbüchern dies nicht vermerkt sei. Die Regel sei drei Jahre alt und auf der Zoll-Webpage ersichtlich. Wir werden bei der Ausreise einen entsprechenden Vermerk bekommen, damit wir beim der nächsten Einreise in die Cook-Island es besser machen oder falls nicht als Wiederholungstäter ein Busse erhalten. 

Der Herr der Gesundheitsbehörde wollte nicht über unsere Gangway an Bord kommen und drückte uns eine Sprayflasche in die Hand, die wir ein paar Mal unter Deck betätigten. Keine Ahnung, welche Vorsorge wir damit getroffen haben. Die Landwirtschaftsbehörde erschien bislang noch nicht, was uns überhaupt nicht stört, da sie unsere gesamten Frischprodukte konfiszieren wird. 


Man merkt, wir sind nicht mehr in Französisch Polynesien, wo wir bis auf unsere beiden Besuche der Gendarmerien von Hiva Oa und Bora Bora keine weiteren Behördenkontakte hatten. Die Cook-Inseln sind eine ehemalige Britische Kolonie, was wir nicht nur am Linksverkehr realisieren. Der polynesische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft tut das jedoch keinen Abbruch, da selbst eine Verletzung der Einreisebestimmungen von der Beamtin gutmütig erklärt wird. 

Donnerstag 23.Juli 2015: Au revoir Polynesie Francais, welcome to Cook Islands

Heute hatten wir mit dem einzigen Führer in Bora Bora für eine Tour auf den Mt. Pahia abgemacht. An sich sollte die Tour schon am Mittwoch stattfinden, wurde aber vom ihm um einen Tag verschoben, da ihm das Wetter nicht schön genug war. Stattdessen tourten wir bei Sonnenschein mit dem Auto um die Insel und genossen so ein paar der schönen Aussichten. Leider hat uns der Führer für heute wieder abgesagt, da er die Tour nur mit mindestens vier Gästen durchführt und 2 Gäste absagten. Auf unser Angebot etwas mehr zu zahlen ging er nicht ein, sondern bot uns die Tour für Freitag an. Da unsere Geduld mit ihm nun erschöpft war und wir das gute Wetterfenster der nächsten Tage nutzen wollten, kam Freitag für uns nicht in Frage und wir sagten ihm ab. Äusserst schade, hatten wir uns auf diese Tour sehr gefreut und sie wäre möglicherweise das I-Tüpfelchen auf unsere faszinierenden drei Monate in Französisch Polynesien gewesen.

Insgesamt sind unsere Erfahrungen mit Berg- und Wanderführern in Französisch Polynesien mit Ausnahme von Nuku Hiva durchwegs negativ. Entweder haben sie auf unsere E-Mails nicht geantwortet oder wie in Bora Bora kam es leider nicht zur Tour. Auf eigene Faust loszumarschieren wird nicht empfohlen, da die Wege oft über privaten Grund gehen und sie zudem unmarkiert und schlecht zu finden sind.

Also gingen wir zur Gendarmarie und meldeten uns ab, kauften noch ein paar Sachen ein, bereiteten uns auf die Weiterfahrt vor und legten um 2 Uhr Nachmittags ab. Der Gendarm lobte unerwarteter und unberechtigter Weise unser Französisch, was nach drei Monaten Übung zumindest den Vergleich mit dem non existing french der Amerikaner nicht scheuen muss. Das war nämlich der Vergleichsmassstab des Gendarmen, da vor uns ein radebrechender Amerikaner am Schalter stand und der Gendarm Englisch sprechen musste.

Unser nächstes Ziel sind die Cook Inseln. Diese 15 Inseln liegen zwischen dem 8. und 23. Grad südlicher Breite und 156. und 167. Grad westlicher Länge. Wie der Reiseführer sagt, eine Landfläche von 25%  von Berlin und einer Wasserfläche fünfmal so gross wie Deutschland, bewohnt von 12‘000 Menschen. Politisch sind die Cook Inseln seit 1965 ein selbstverwaltetes Territorium, assoziiert mit Neuseeland. D.h. Neuseeland schiesst Geld zu und die Einwohner sind auch Bürger Neuseelands. Aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse und der wenig aussichtsreichen Perspektiven leben über 50‘000 Bürger der Cook-Inseln in Neuseeland.  James Cook, nach dem die Inseln benannt wurden, bezeichnete ihre Schönheit mit dem überlieferten Satz, „Diese kleinen Teile gehören nicht zu dieser Welt, sie sind davon losgelöst“. Wenn die Windprognose stimmt, sollten wir in 4 Tagen, also am Montag dort sein.

Mittwoch 22.Juli 2015: Rund um Bora Bora


Am beeindruckendsten ist Bora Bora aus der Vogelperspektive. Die Strasse um Bora Bora misst 32 Kilometer und mehr als eine Stunde Fahrtzeit braucht es kaum mit den Auto für die Umrundung, trotz oftmals schlechter Strassen. Die Punkte mit der schönen Aussicht muss man als Nicht-Ortskundiger suchen und die Sonne muss scheinen, damit das Türkis der Lagune richtig zur Geltung kommt. Wenn Alles eintrifft, kann man sich an den Farben kaum satt sehen. 


Am Matira-Beach, dem einzigen Sandstrand der Hauptinsel. Alle anderen Strände befinden sich auf den Motus entlang des Riffs, wo auch die grossen Hotels der Insel ihre Bungalows in die flache Lagune gebaut haben. Ist der Ort der Aufstellung der Laterne Resultat einer Fehlplanung oder ein Zeichen steigenden Wasserstandes durch die Erderwärmung? Wir wissen es nicht, nehmen aber das zweite an. 


Der höchste Berg Bora Boras, der 727 Meter hohe Mt. Otamanui ist während der ganzen Inselrundfahrt sichtbar. 


Ein stummer Zeuge der jüngeren Vergangenheit der Insel. Während des 2. Weltkrieges nutzen die Amerikaner Bora Bora als Versorgungsstützpunkt. Aus dieser Zeit stammt der Flughafen, der, bis 1960 der Flughafen auf Tahiti eröffnet wurde, der einzige internationale Flughafen Französisch Polynesiens war. Ebenfalls stammen aus dieser Zeit 3 Geschützstellungen um die strategischen Punkte der Insel zu verteidigen. Sie kamen jedoch nie zum Einsatz, da Bora Bora von den Japaner nicht angegriffen wurde.  


Mittagessen im Bora Bora Yacht Club. Kein Yacht Club in unserem Sinne, sondern ein Hotel und Restaurant mit ein paar Bojen und Ankermöglichkeiten sowie einem Dinghi-Dock. Da sich fast das gesamte Ufer in Privatbesitzt befindet, sind wir Segler froh um Hotels, die diesen Service bieten. Wir liegen in Vaitape vor dem Hotel Maikai an einer Boje und benutzen dort das Dinghi-Dock.    


Dienstag 21.Juli 2015: In der Gemeindegärtnerei von Vaitape

Heute Nachmittag waren wir zu Fuss in Vaitape, dem Hauptort von Bora Bora unterwegs. Wer hier etwas besonderes erwartet, wird enttäuscht. Die Haupstrasse ist ungeteert, mit Schlaglöchern übersät und, da es in der Nacht geregnet hat, leicht schlammig. Die Häuser links und rechts der Strasse sind oft in einem schlechten und baufälligen Zustand. Eine Ausnahme machen die vielen Geschäfte für Perlen- und Schmuck. 

Wir suchten eine Strasse um von einem erhöhten Punkt die Lagune zu fotografieren. Entweder landeten wir in einer Sackgasse oder vor einem Schild Kein Durchgang, Privatbesitz. 

Eine Strasse, auch mit diesem Hinweis, führte uns zu diesem Herrn und seinen zwei Kolleginnen. Er ist der Gemeindegärtner. Sein tahitianischer Name ist Noe, wirklich eine nette Koinzidenz.

   
Sie sind immer dann zur Stelle, wenn der Bürgermeister ein schönes Blumenbouquet braucht oder wenn in der Gemeinde ein Farbtupfer gewünscht wird. Wenn die französischen Steuerzahler wüssten, was sie alles in ihren Überseedepartements finanzieren. Wobei das noch etwas soziales und irgendwie liebenswertes hat. 



 Der Ausblick dieses Arbeitsplatz stellt viele andere Arbeitsplätze in den Schatten. 

Montag 20.Juli 2015: Eine Brille, vier Inseln


Es hat funktioniert. Die Skipperin ist glückliche Besitzerin ihrer neuen Brille. Beim Optiker in Moorea das Gestell ausgesucht, in Tahiti mit den Korrekturdaten angefertigt und in Bora Bora geliefert. 

Die vierte Insel? In Bora Bora gibt es keinen Optiker mehr. Von 7000 Einwohnern hat er wohl nicht leben können. Da es noch eine kleine Korrektur braucht, damit die Brille perfekt sitzt, hoffen wir auf die nächste Insel. Das ist Rarotonga, die Hauptinsel der Cook-Inseln, die wir nach Bora Bora ansteuern. 500 Seemeilen in südwestlicher Richtung.  

Sonntag 19.Juli 2015: Bora Bora

Von den vielen Inseln der Südsee ist Bora Bora wohl eine der bekanntesten. Ihre grosse, türkisfarbene Lagune und das von den erloschenen Vulkanen Mont Otemanu und Pahia bestimmte Panorama machen sie zu einem touristischen Hotspot. 

Wir näheren uns Bora Bora nach 3 Stunden schönen Segelns von Südosten und werfen an der Südwest-Ecke einen ersten Blick über das Riff in die Lagune.  


Das Motu Tapu in der Einfahrt zur Lagune. 


Wir finden eine freie Boje vor dem Hauptort Vaitape und vertäuen NOE dort. Die Skipperin hat sich in Moorea eine neue Brille bestellt, da bei ihren anderen korrigierten Sonnenbrillen die Beschichtung abfällt (ist wohl keine Balzers-Beschichtung). Der Optiker auf Moorea, der die Brille in Tahiti anfertigen liess, hat sie postlagernd nach Bora Bora geschickt, damit wir nicht 2 Wochen auf Moorea auf die Brille warten müssen. Morgen werden wir sehen, wie gut diese polynesische Insel-Kooperation geklappt hat. Mit unseren beiden Ersatzteilen, die wir uns aus Italien schicken liessen, hat es sehr gut funktioniert. 


Ein Ausleger-Wassertaxi fährt durch die Lagune. Ein Besonderheit hat Bora Bora für Flugpassagiere zu bieten. Es ist wohl der einzige Flughafen der Welt, der nur mit einem Boot zu erreichen ist. Die Landebahn liegt auf einem Motu an der Nordseite des Riffs und der Flughafen belegt die gesamte Fläche dieser kleinen Insel. 

Donnerstag 16.Juli 2015:Taputapuatea, die zentrale Kultstätte der Altpolynesier


Hava’i, die heilige Insel, wie Raiatea in der polynesischen Mythologie genannt wird. Sie war das religiöse, kulturelle und politische Zentrum Polynesiens. Die Kultstätte Taputapuatea wurde wahrscheinlich um 1000 nach Christi begonnen und in den nächsten 800 Jahren immer wieder erweitert. 

Von Raiatea aus brachen die Polynesier mit ihren grossen, hochseetauglichen Doppelkanus nach Hawaii, Rarotonga, Rapa Nui (Osterinseln) und Neuseeland auf. So zumindest die Überlieferung, da es keine Dokumente gibt. Die Reisen waren keine Einbahnstrassen, trafen sich die hohen Chefs immer wieder an diesem Ort und bekräftigten ihre politischen Allianzen, beschworen mit ihren Priestern die Götter und tauschten ihr Wissen über die Navigation aus. Auch zerbrachen Allianzen an diesem Ort. Nach der Überlieferung sollen bei einem Streit zwei der höchsten Führer getötet worden sein, was gleichzeitig das Ende der Allianz und der Reisen zwischen den Inseln gewesen sein soll. 

Die Kultplätze, oder marea in Polynesisch, sind quadratische, mit Steinen gepflasterte Plattformen. Eine Seite wird durch ebene, senkrecht stehende Steine begrenzt. In Taputapuatea gibt es vier solcher Plätze. 

   
Heute fand an diesem für Polynesier zentralen Ort eine Veranstaltung pazifischer Staaten zum Klimawandel statt. Mit einer Deklaration wollen sie auf die dramatischen Folgen des Klimawandels für viele Inseln der Südsee aufmerksam machen und erreichen, dass auf dem UN-Klimagipfel in Paris Ende 2015 konkrete Schritte zur Reduktion der Erderwärmung beschlossen werden. Hoffentlich werden sie da nicht enttäuscht.   


Wir waren sozusagen auf der Durchreise, da wir die Insel mit dem Velo umrundeten und durch Zufall beim Besuch der Kultstätte auf die Veranstaltung gestossen sind. Ein Herr, mit dem wir ins Gespräch kamen, bot sich an, uns nach der Veranstaltung zu unserem Boot zurück zufahren. Wir dankten ihm für das grosszügige Angebot, wollten aber die 100 Kilometer-Runde um die Insel zu Ende fahren. Auch waren wir mit unseren Dress etwas fehlt am Platze, wie dieser Schnappschuss zeigt.  


Mittwoch 15.Juli 2015: Heiva 2015

Wenn man im Juli nach Französisch Polynesien reist, sollte man sich den Besuch zumindest einer Heiva nicht entgehen lassen. Heiva bedeutet in Tahitianisch Tanz- und Musikfest. Schon die ersten Europäer, die auf den Gesellschaftsinseln landeten und Zeuge dieser Tänze wurden, konnten sich der Faszination dieses rhythmischen und lauten Spektakels nicht entziehen. Den christlichen Missionaren war diese Art des Tanzes wie Sodom und Gomorra und er wurde 1819 durch den zum Christentum bekehrten König von Tahiti verboten.  

Heute findet auf jeder der Gesellschaftsinseln an mehreren Abenden im Juli Vorführungen statt, die fast ausschliesslich von Einheimischen besucht werden. Das ganze ist eine ernste Angelegenheit, geht es doch um Ruhm und Ehre. Die Darbietungen werden von einer Jury beurteilt und die Sieger prämiert. 

Wir waren von der zweistündigen Performance begeistert und zollen den Tänzerinnen und Tänzern grossen Respekt. Die aufwendigen Kostüme sind mit viel Liebe zum Detail hergestellt und bis die Choreographie sitzt, fliesst sicher mancher Schweisstropfen.   










Ein paar Videos der Tänze lade ich hoch, wenn wir einen schnelleren WLAN-Anschluss haben. Dort kommt die Dynamik der Tänze richtig zur Geltung.  

Dienstag 14.Juli 2015: Quatorze Julliet

Wie überall in Frankreich ist heute Feiertag, so auch in Französisch Polynesien. Per Gesetz sind die Einwohner bei Geburt Franzosen, dem Herz nach pflegen sie jedoch keine grosse Liebe zu Frankreich. Den französischen Feiertagen sind sie jedoch nicht abgeneigt und feiern den Sturm auf die Bastille von 1789 mit Umzügen und Kanurennen.  


Wir nutzten den Tag für eine Inselrundfahrt mit dem Velo. Entlang der Westküste ging es nach Süden. Eine Bucht reiht sich an die andere. Die Insel ist mit 13.000 Einwohnern nicht so stark besiedelt, weshalb anders als in Tahiti viele Streckenabschnitte unbebaut sind und die Strasse direkt am Meer entlang führt und den Blick auf die Lagune mit ihren vielen Inseln und dem Riff freigibt. 

Durch die vielen Buchten der nur 25 Kilometer langen Insel summieren sich die Kilometer. Die Südostecke der Insel lässt sich durch eine Strasse durch das Inselinnere aussparen, womit man sich 25 der 98 Kilometer messenden Strecke spart.

Über dem Hauptort Uturoa im Nordosten der Insel thront der 300 Meter hohe Mt. Tapioi. Auf einer für allen Verkehr inklusive Velos gesperrten Naturstrasse radelten wir steil bergan und konnten kurz vor Einsetzen eines Regenschauers noch den Ausblick bewundern.


Uturoa ist nach unseren Massstäben eher ein Dorf, auch wenn es das Verwaltungszentrum der westlichen Gesellschaftsinseln ist. Am heutigen Feiertag, wenn alles geschlossen ist, inklusive des einzigen Kaffees an der Uferpromenade, kommt man sich fast wie in einer Geisterstadt vor. Selbst das Kreuzfahrtschiff, welches durch den Pässe in die Lagune fuhr und an der Kaimauer anlegte, führt nicht zu geschäftigen Treiben von Händlern, die den Touristen helfen, Geld auszugeben.  


Der Blick auf die Lagune nach Süden. Das Riff ist nur durch die Motus genannten kleinen Inseln und ein paar Pässen unterbrochen. 


Der Regenschauer hat die Schwesterinseln Tahaa erreicht und durchnässt uns 10 Minuten später auf der Abfahrt. 
  

Samstag 11.Juli 2015: An der Aussenmole der Apooiti Marina




Heute haben wir uns von unserem Ankerplatz in die Marina Apooiti verlegt. Einen Platz gab es für uns an der Aussenmole dieses kleinen Hafens, der von Booten verschiedener Charterfirmen belegt ist und für uns sowieso zu flach ist. 

Wir liegen mit dem Heck 10 Meter von der Mole entfernt, um mit unserem Ruder nicht den Grund zu berühren. Während wir unter unserem 2.8 Meter tiefen Kiel 6 Meter Wasser haben, ist es beim fast gleichlangen Ruder durch den steil ansteigenden Grund  nur noch eine halber Meter.  

Auch wenn 10 Meter Wasser zwischen uns und dem Land liegen und wir nur mit Dinghy trockenen Fusses an Land kommen, ist das Füllen der Wassertanks, der Weg zum Wäschewaschen und das Übersetzen der Velos deutlich einfacher als von unserem Ankerplatz. Und geselliger ist es im Hafen allemal.  

Freitag 10. Juli 2015: Raiatea

Nach einer Woche verlassen wir Huahine, obwohl wir wegen des schlechten Wetters wenig von der Insel gesehen haben. Unser nächstes Ziel ist Raiatea, 20 Seemeilen weiter westlich. 

Ein letzter Blick zurück in die Bucht Port Bourayne. 


Das Boot auf dem Bild haben wir zum ersten Mal auf Fatu Hiva gesehen, als wir die Bay of Virgins verliessen. 


Es ist die Yacht Athos. 63 Meter lang und 12 breit. Der Tiefgang kann mit einen Lifting-Kiel zwischen 3.6 und 8 Meter verändert werden. 10 Mann Besatzung fahren bis zu 10 Gäste über die Weltmeere. 

Noch trennen uns 20 Seemeilen und das Riff von Huahine von unserem Ziel. 5 Seemeilen fahren wir unter Maschine nach Norden bis zum Pass, der die Durchfahrt durch das Riff ermöglicht. Bei leichtem Wind geht es dann unter Segeln Richtung Osten nach Raiatea. 


Raiatea und Tahaa sind zwei Inseln, die jedoch von einem gemeinsamen Riff umgeben sind. Pässe hat es einige. Wir wählen den Pass Teavapiti nahe dem Hauptort Uturoa, die zweitgrösste Ortschaft Französisch Polynesiens, wenn auch deutlich kleiner als Papeete.


Als wir den Pass durchfuhren (im Hintergrund sieht man schwach Huahine), heftet sich dieser Kanu-Fahrer an unsere Fersen und fährt in unserer Heckwelle mit. 5 Knoten Geschwindigkeit waren ihm zu langsam und er bat uns, mehr Gas zu geben. Erst als wir bei 7 Knoten angekommen waren, war er zufrieden und begleitet uns so bis nach Uturoa. Nebenbei erzählte es uns noch, dass er Kanufahren als Wettkampfsport betreibt. Seine Muskelpakete am Oberkörper lassen vermuten, dass er nicht der langsamste ist. 

Im Nordwesten der Insel finden wir einen guten Platz und eine freie Boje für die Nacht. Die Aussicht auf Bora Bora können wir beim Abendessen geniessen. 


Oder etwas kitschiger mit Abendrot zum Abendbrot.


Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommt ein Boot und bittet uns, ihre Boje freizugeben. Da bleibt uns nichts anderes übrig als ein paar Meter weiter zu ankern. Platz hat es zum Glück genug. 

Als wir die Ankerkette sichern, entdecken wir eine Kakerlake im Kettenkasten. (Für Nichtsegler: der Kettenkasten ist die vorderste, abgeschottete Sektion des Schiffes, in der die Ankerkette verwahrt wird). Sofort holen wir die chemische Keule und machen dem Tier den Garaus. Uns ist schleierhaft, wie wir zu diesem ungebetenen Gast kamen. Einzig die fremde Boje kommt für uns in Frage. Möglicherweise hat es auf diesem Boot Kakerlaken, von denen eine über die Festmacherleine auf die Boje gelangte und so zu uns. In Zukunft werden wir uns fremde Bojen genauer ansehen.  
  

Donnerstag 9.Juli 2015: Nach dem Regen kommt die Sonne


Nach 6 Tagen mit viel Regen lockern sich die Wolken etwas auf und wir erleben den ersten Tag ohne Regen. In der Bucht Port de Bourayne, wo wir seit 3 Tagen an einer Boje liegen, ist kaum etwas los. Entlang der runden Bucht stehen nur vereinzelt ein paar Häuser. Zur nächsten Ortschaft sind es mehr als 5 Kilometer. 

In die Bucht ist gelangt man durch die beiden Einfahrten links und rechts der Insel in der Bildmitte. Kleine Motorboote können die Bucht durch einen Kanal zwischen den beiden Inseln Huanhines Richtung Osten verlassen. Wie Tahiti besteht Huahine ebenfalls aus zwei Inseln, die durch ein Riff umgeben sind. Anders als Tahiti, wo die beiden Inseln durch eine Landrücken verbunden sind, trennt sie hier ein schmaler Kanal.      

Montag 6.Juli 2015: Ein Bastelnachmittag



Nach drei regnerischen und grauen Tagen am Ankerplatz besserte sich das Wetter. Zumindest war es gut genug um durch den Kanal zwischen Riff und Insel nach Süden zum nächsten Ankerplatz in den Port du Bourayne zu fahren. 

Beim Aufholen des Anker macht die Ankerwinsch keinen Mucks. Nur das Klacken des Ankerrelais war zu hören. Die andere Richtung, Anker ablassen, funktioniert.

Da blieb uns nichts anderes übrig, als nach dem Problem zu suchen. Bei uns sind die Ankerrelais in der Ankerwinsch integriert. Das heisst, wir müssen die Ankerwinsch ausbauen, um an die Relais zu gelangen. Das ist wegen der bei Booten üblichen begrenzten Platzverhältnissen schon ein Herausforderung. Das Ankerrelais für Auf ist defekt. Da wir keinen Ersatz dabei haben, tauschen wir die beiden Relais, da das Ablassen der Kette auch ohne Motor nur mit der Schwerkraft möglich ist. Hinauf hingegen, ist der Motor von Nöten. Das Einbauen ist dann ein schwieriges Geduldsspiel. Die gesamte Ankerwinsch muss passgenau mit ihrer Welle in die Welle des Getriebes geschoben und verschraubt werden. Nach einigen erfolglosen Versuchen hat es kurz vor Einbruch der Dämmerung. 

Unseren Anker können wir nun elektrisch aufholen und mechanisch ablassen. Das einzige was uns fehlt ist die Angabe über die Länge der abgelassen Kette. Das sieht man nur, wenn auch das Ablassen elektrisch betrieben wird. Das Ersatzteil haben wir mittlerweile bestellt.   


Samstag 4. Juli 2015: Hawiki Nui Va'a

Anders als in Europa, wo die Sonne scheint und Hitzerekorde übertroffen werden, regnet bei uns seit Freitag, wobei der Regen nur von kurzen Pausen unterbrochen wird. Die Pausen sind so kurz, dass die Zeit nicht einmal zum Überlegen ausreicht, ob wir an Land gehen sollen. Also bleiben wir auf dem Boot und lesen, backen Brot, machen Strom und Wasser.  

Gestern habe ich noch ein kleines Video gedreht. Ein Auslegerkanu bestehend aus zwei als Katamaran verbundenen 6er Kanus ist bei einem Rennen an uns vorbeigefahren. Die Wind- und Regengeräusche sind etwas störend und die fehlende Sonne macht das Video auch nicht besser. Faszinierend finde ich die Präzision der Paddler vor allem beim Handwechsel, der alle paar Schläge nach dem Ruf des Schlagmanns (nehme an, der heisst so) ausgeführt wird um die Arme gleichmässig zu belasten. Wir mussten das Video mehrmals ansehen, bis wir den Bewegungsablauf einigermassen verstanden hatten. 

Wer es auch sehen möchte, bitte diesen Link aufrufen: https://vimeo.com/132619520

Auch die Ausdauer ist bemerkenswert. Als die Kanus nach etwa einer Stunde Richtung Ziel fuhren, hat die Kadenz nicht abgenommen. 

Das längste Rennen der Auslegerkanus geht in drei Etappen an drei Tagen von Huahine über Raiatea und Tahaa nach Bora Bora. Mehr als 40 Seemeilen, die die schnellsten Boote in 10 Stunden meistern. Die Veranstaltung nennt sich Hawaiki Nui Va'a (hawaiki ist ein Wort aus der Polynesischen Mythologie mit unterschiedlicher Bedeutung in den einzelnen Sprachen, nui heisst gross, va'a ist das Kanu) und findet jedes Jahr Anfang November statt. 

Freitag 3.Juli 2015: Eine Marmelade geht um die Welt


Als die Skipperin heute morgen zum Frühstück das mittlere Glas mit Heidelbeermarmelade öffnete, schien mir das ein Photo wert. 

Wir haben sie in Oslo am Flughafen gekauft, beim Rückflug von den Lyngen-Alps im Norden Norwegens, wo wir im März 2014 ein Woche mit Tourenskiern unterwegs waren. Seit Varazze fahren wir diese Marmelade in unserem Lager mit. Die anderen beiden Gläser sind lokale Produkte, mit denen wir unser Lager aufgefüllt haben. Werden sie den strengen Einreisebestimmungen Neuseelands standhalten? Vielleicht stellt sich diese Frage bis dahin nicht mehr, wenn wir bis dann unser Lager wieder geräumt haben.  

Donnerstag 2.Juli 2015: Iorana Huahine


Nach einer windarmen Nachtfahrt bei Vollmond, der so hell ist, dass man die Uhr ablesen kann, erreichen wir um die Mittagszeit den Pass Avamao an der Nordwest-Seite von Huahine. Anders als auf den Atollen der Tuamotus gibt es bei den Pässen zu den hohen Inseln kaum Strömung und entsprechend einfach sind sie zu befahren. Auch sind sie gut betonnt mit grünen und roten Baken auf jeder Seite sowie einer Peilung, damit man in der Mitte der Fahrrinne bleibt.  So könnte man diese Pässe gefahrlos auch bei Nacht meistern; tagsüber sieht man an den sich brechenden Wellen und der Farbe des Wassers, wo man fahren muss.

Das Volumen der Lagune ist zu klein, dass sich eine starke Strömung bilden kann, da zwischen Riff und Insel nur ein 100 bis 200 Meter breiter und 20 bis 30 Meter tiefer Kanal liegt. Der Kanal auf der Westseite von Huanine ist über die gesamte Länge der Küste befahrbar. 


Die brechende Welle am Riff ist der Spielplatz der Wellenreiter. Im Hintergrund die Inseln Raiatea (links) und Tahaa (rechts).


Unser Ankerplatz hinter dem Riff vor der Ortschaft Fare. Wir ankern im 25 Meter tiefen Wasser auf Sand. Die türkisfarbene Zone hinter dem Riff ist flacher und mit Korallenköpfen durchsetzt. Auch dort lässt sich ankern, jedoch kann sich die Kette in den Korallenköpfen verhaken und macht bei Bewegung des Bootes unschöne Geräusche, die die Nachtruhe stören.