Montag 30.März 2015: Mit Geduld und Diesel: wir sind auf der Südhalbkugel


In den letzten 24 Stunden brauchten wir Geduld und Diesel, um unserem Ziel näher zu kommen. Nur 90 Seemeilen waren das Resultat von Warten, etwas Segeln und 6 Stunden unter Motor.
Heute um 1600 Uhr unserer Zeit war es dann soweit. Unter Segel überquerten wir den Äquator auf der Länge von 88°13’W. Zur Feier tauchte eine Gruppe Wale auf und begleitete uns beim Übertritt dieser imaginären Linie.
Noch haben wir 97 Seemeilen bis San Cristobal vor uns. Je nach Wind und Geduld sollten wir am Dienstagabend oder Mittwochmorgen ankommen. Wir werden versuchen, bei Tageslicht in die uns unbekannte Bucht einzulaufen.
Neben Whale Watching betreiben wir auch Bird Watching, sassen die letzten beiden Nächte Tölpel auf unserem Bugbeschlag. Ohne jegliche Scheu vor Menschen, konnten wir uns ihnen am Morgen nähern und sie fotografieren. Bilder der Wale, der Tölpel und des Äquators gibt es wenn wir wieder online sind.

Samstag 28.März 2015: Panama-Galapagos, der 4. Tag

Wir kommen weiterhin erfreulich gut voran. Nach 2 Tagen mit  Nordostpassat, einer Nacht unter Motor und seit gestern mit leichten Winden aus Ost und Süd haben wir 500 Seemeilen seit der Isla Contadora in unserem Kielwasser gelassen und uns auf 350 Seemeilen unserem Ziel genähert.

Das Ende der Passatzone hat uns zwar Flaute, aber zum Glück keine Gewitter beschert. Bei sternklarer Nacht  ohne Wind liessen wir den Motor laufen. Das stoische Warten mit schlagenden Segeln in der Flaute, sich von den Strömungen treiben zu lassen und auf Wind warten, ist beim Übergang von Nordost- auf Südostpassat nicht unsere Option.

Das Wetter ist jedoch komplizierter als es die einfachen Modelle beschreiben. Das Ende des Nordostpassats bedeutete nicht, dass wir in eine Zone mit Gewittern kommen. Die tropische Konvergenzzone in der Nähe der Küste des amerikanischen Kontinents ist derzeit aufgeteilt in einen nördlichen Ast, der bei 10°N liegt und einen südlichen Ast, der sich 10° südlich von uns befindet.

Für die Zone einige Breitengrade nördlich und südlich des Äquators, die für uns bis zu den Galapagos- Inseln relevant ist, wird für die nächsten Tage stabiles Wetter ohne Schauer und ohne Gewitter mit leichtem Wind aus verschiedenen Richtungen vorhergesagt. Die Strömung wird uns anfänglich mit einem Knoten, näher bei den Galapagos-Inseln sogar mit 2 Knoten schieben. Der leichte Wind, das heisst derzeit etwa 4-6 Knoten Windgeschwindigkeit oder 1-2 Windstärken aus Süd, erzeugt keine Welle, nur ein leichtes Kräuseln des Wassers.  Unser Kurs nach Südwest, also hoch am Wind, ist ein angenehmes, ruhiges Segeln mit 7-8 Knoten Bootsgeschwindigkeit.

Auflösung des Rätsels für Nichtsegler, warum wir schneller als der Wind unterwegs sind. Zum einen haben wir den Strom der uns schiebt  zum anderen segeln wir mit unserem eigenen Fahrtwind. Da der Wind seitlich von vorne kommt, addieren sich der wahre Wind (also der Wind den ein unbewegtes Objekt wahrnimmt) und der Fahrtwind (ganz präzise korrigiert um den Einfallswinkel) zum scheinbaren Wind (also der Wind, den ein bewegtes Objekt wahrnimmt). Da der Wasserwiderstand das Boot bremst, ist es leider kein Perpetuum Mobile, sondern gibt bei diesen Verhältnissen 1-2 Knoten Bootsgeschwindigkeit über der Geschwindigkeit des wahren Windes.

Einzig ein Phänomen, dass ich nur beschreiben aber nicht erklären kann, störte uns. Auf unserer Kurslinie stossen wir auf Bereiche, die auf ihrer Ost-Seite einen Streifen von einigen Metern kabbeliges Wasser haben und scharf abgegrenzt auf der Westseite einen etwa gleich breiten Bereich mit ruhigem Wasser, in dem Schaum und viel Kunststoff-Unrat schwimmt. Diese gut sichtbare Trennlinie mäandert in der Pazifikdünung bis zum Horizont. Nähern wir einem solchen Bereich, was auch in der Nacht durch das Geräusch des kabbeligen Wasser hörbar ist, sinkt die Bootgeschwindigkeit auf 2 Knoten und die Segel fangen an zu schlagen. Vermutlich treffen hier zwei Meerströmungen aufeinander. Seit wir 15 Seemeilen westlicher als unsere direkte Kurslinie segeln, sehen wir die Bänder nicht mehr.

Lange Rede, kurzes Sinn, wir sind sehr zufrieden wie NOE den leichten Wind in Bootsgeschwindigkeit umsetzt und sind sehr froh, dass die tropische Konvergenzzone mit ihren Gewitterzellen uns in Ruhe lässt.

Donnerstag 26.März 2015: Dem Äquator entgegen

Die Wetterprognosen sind bislang eingetreten und unser Routing erweist sich als richtig. Nach 2 Tagen haben wir 300 Seemeilen auf unser Ziel Wreck Bay auf der Galapagos Insel San Cristobal gutgemacht. 550 Seemeilen liegen noch vor uns.

Tagsüber schiebt uns der Nordost-Passat mit 4-5 Windstärken unserem Ziel entgegen; nachts ist er weniger fleissig. Letzte Nacht sind wir teilweise mehr getrieben als gesegelt. Als der Sternenhimmel vollständig hinter Wolken verschwand, dachten wir, die tropische Konvergenzzone schon erreicht zu haben. Dem war nicht so, lösten sich alle Wolken am Morgen wieder auf und der Passat kam zurück.

Die Schleppangel ziehen wir hinter uns her, jedoch bislang ohne Erfolg. Entweder gibt es keine Fische oder die Fische im Pazifik mögen unseren blauen Plastik-Tintenfisch nicht. Morgen probieren wir es mit der glitzernden Fisch-Attrappe aus unserem Sortiment an Ködern. Reichhaltiger muss das Fischangebot in der Bucht von Panama sein. Hunderte von Pelikanen flogen dort kreuz und quer und stützten sich in Wasser, wenn immer sie ihren Hunger stillen wollten. In der nur 100 Meter tiefen Bucht finden Wale ebenfalls ein reichhaltiges Fressangebot, sahen wir immer ein oder zwei Exemplare in unsere Nähe.

Um 20 Uhr Ortszeit (2 Uhr morgens MEZ) befinden wir uns auf 4°23’N, 82°07’W. Der Äquator und die Südhalbkugel sind nicht mehr fern; noch dreht das Wasser im Ablauf aber rechts herum.

Mittwoch 25.März 2015: Richtung Süd-West


Wir hätten uns deutlich länger als einen Tag in den Las Perlas aufhalten können. Das günstige Wetterfenster für die Überfahrt zu den Galapagos-Inseln war uns jedoch wichtiger.
Der Bereich zwischen dem Nordostpassat auf der Nordhalbkugel und dem Südost-Passat auf der Südhalbkugel wird ITC, Inter Tropische Konvergenzzone, genannt. Diese Zone liegt im Pazifik und Atlantik in dieser Jahreszeit in der Nähe des Äquators und wandert im Sommer etwa 10 Grad nach Norden. Diese Zone kann bis zu 150 Seemeilen breit sein und zeichnet sich durch Windstille aus, die durch Gewitter und Regenschauer unterbrochen wird. Also alles andere als ein gutes Segelrevier.
Derzeit reicht die ITC im Pazifik nicht bis an Festland Südamerikas heran, was für uns eine gewitterarme Überfahrt bedeuten sollte. So zumindest die Aussage der von uns befragten Meteorologin, die uns helfen soll, eine möglichst geschickte Route von Panama zu den Galapagos-Inseln zu wählen.
Der Pazifik macht seinem Namen als friedlicher Ozean bislang alle Ehre. Bei kaum nennenswerten Seegang geht es mit 4 Beaufort achterlichem Wind mit 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit zu unserem ersten Wegpunkt Punta Mala, der westlichen Begrenzung des Golfs von Panama.
Laut der Meteorologin sollen wir dann den Punkt 4°N, 82°30’W ansteuern und von dort auf direktem Kurs Richtung Galapagos. Wir werden uns alle 1 bis 2 Tage updaten lassen, ob sich an der Wettersituation etwas geändert hat.

Dienstag 24.März 2015: Im Las Perlas Archipel


Diese Inselgruppe liegt im Golf von Panama und wird in Segelhandbüchern wegen ihrer Schönheit gerühmt. Am Montagmorgen machen wir uns von unserem Ankerplatz vor der Insel Taboga zur 30 Seemeilen entfernten Insel Contadora auf. Leider ist der Wind so schwach, dass wir fast den ganzen Tag brauchen. Unter Motor wäre es schneller gegangen, wir wollen aber unsere Dieselvorräte schonen, wird uns die Fahrt über den Äquator noch die eine oder andere Stunde unter Motor bescheren.
Die Inseln der Las Perlas Gruppe waren einst Perlen-Inseln. Schon die Spanischen Konquistadoren haben sich in räuberischer Art an diesen Schätzen bedient. Wie uns auf der Insel erzählt wurde, haben Japaner vor dem 2. Weltkrieg ein Bakterium in den Gewässern um die Inseln ausgesetzt, welches die Muscheln abtötet, um die unliebsame Konkurrenz auszuschalten. In geringem Umfang wird die Perlenzucht heute wieder betrieben, jedoch seien die Perlen nicht von so guter Qualität.
Die Insel Contadora erhielt ihren Namen von den Spaniern, die auf dieser Insel das entlang der Westküste Südamerikas zusammengeraffte Gold zählten und es dann über Land und auf dem Rio Charges an die panamaische Atlantikküste für den Transport nach Spanien brachten.
Auf dieser Insel wurde 1977 von US-Präsident Jimmy Carter und seinem panamaischen Pendant der Vertrag unterschrieben, der die Rückgabe der Kanalverwaltung an Panama regelt. Panama selbst ging aus Kolumbien hervor, just als sich die Amerikaner anschickten, das von einem Französischen Konsortium begonnene, aber gescheiterte Vorhaben Panama-Kanal zu übernehmen.
Die Segelführer haben nicht zu viel versprochen. Weisse Sandstrände von bizarren Gesteinsformationen gesäumt und gute Ankermöglichkeiten bieten die Las Perlas Inseln. Contadora ist die Insel mit der besten Infrastruktur, täglicher Flug nach Panama-City eingeschlossen. Der Tourismus scheint jedoch kein gutes Geschäft zu sein, ist die an einem herrlichen Strand gelegene Hotelanlage eine Ruine.
Uns stört es nicht. Können wir an diesem Strand mit unserem Dinghi anlanden und es ohne Sorge neben einen Katamaran legen, der zum Reinigen des Unterwasserschiffes auf dem Strand liegt.

Sonntag 22.März 2015: Ein Maserati fürs Wasser


Nach der Kanal-Passage steht die nächste Etappe an. Die Überfahrt zu den Galapagos-Inseln. Bevor wir zu dieser 850 Seemeilen langen Teilstrecke aufbrechen, müssen wir noch die während der Kanal-Passage verbrauchten Vorräte ergänzen und uns für 10 Tage mit Obst und Gemüse eindecken. Auch wollen wir unseren Dieseltank füllen.
Die Flamenco-Marina preist sich auf ihrer Webpage als hervorragender Hafen an. Da sie nur ein paar Meilen von unserem Ankerplatz entfernt liegt, steuern wir sie an. Ein Anruf bevor wir losfahren geht ins Leere, eventuell ist das Büro am Sonntag nicht besetzt.
Vor dem Hafen bekommen wir via Funk eine Antwort und eine neue Telefonnummer, für eine Reservation. Auch hier meldet sich niemand. Unsere Nachfrage via Funk lüftet das Geheimnis. Das Büro ist wirklich am Sonntag nicht besetzt und ohne Reservation können wir keinen Platz bekommen. Da wir einen Platz nur von Sonntag auf Montag wollen, ein zweckloses Unterfangen. Aber wir können, wenn die Tide hoch genug ist, in den Hafen fahren und unseren Tank an der Tankstelle füllen. Der Tidenhub beträgt bei Neumond ungefähr 6 Meter.
Also Ankern wir vor dem Hafen und machen unser Dinghi parat. In den Hafen wollen wir vor allem um Einzukaufen und für den Internet-Zugang. Das Parken unseres Dinghis im Hafen soll 20 US-Dollar kosten. 5 Dollar sind in anderen Häfen üblich, 20 ist eher ein prohibitiver Preis. Zähneknirschend entrichten wir diesen Obolus und fragen zur Sicherheit, ob die Tankstelle, wie angegeben, bis halb 6 Uhr offen hat. Das wäre auch zufälligerweise der Höchststand der Tide. Sonntag ist dem nicht so, sie hat nur bis halb 4 Uhr offen.
Da uns bis dahin nur noch eine Stunde Zeit bleibt, verlangen wir unsere 20 Dollar wieder zurück, was nach Rückfrage beim Manager auch funktioniert, fahren mit dem Dinghi zum Boot, packen es ein und motoren zur Tankstelle. Unser Frage, ob wir unser Boot an der dann geschlossenen Tankstelle für eine halbe Stunde liegen lassen können, um im Hafen-Restaurant etwas zu Essen wird kategorisch verneint. Auch meine Rückfrage, ob sie an einem zahlenden Kunden Interesse hätten, ändert die Meinung der diensthabenden Dame nicht. Zumindest haben wir unseren Tank gefüllt und das Trinkwasser für den Wassertank gab es gratis.
Wir waren ein ungebetener Gast in dieser Marina, aber mit einer Reservation (an einem Bürotag) hätte es vielleicht anders ausgesehen. Bei der Fahrt durch den Hafen, entdecken wir ein anderes Italienisches Boot. Leser von Segelzeitschriften oder Segelwebpages kennen dieses Boot. Ein von Maserati gesponsertes Rennboot, mit dem einige Rekorde aufgestellt worden sind. Die Marketing-Strategen von Maserati sind offensichtlich der Meinung, dass Segler und Maserati-Fahrer eine Zielgruppe sind. Oder sprechen sie eher die Segelboot-Besitzer an?

Samstag 21.März 2015: Welcome to the Pacific

Der zweite Tag im Kanal beginnt um kurz vor 8 Uhr. Gabriel, der neue Advisor, kommt an Bord, wir legen von der Boje ab und starten unsere Fahrt entlang der Fahrrinne über den Gatun See. 


Made in China. Containerweise kommt uns die Ware für alle Welt entgegen.


Die Panama-Kanal Eisenbahn führt entlang des Gatun-See von Colôn nach Panama-City.


Ein guter Grund, nicht im Gatun-See zu baden. 


Am Ende des Sees folgt der Gaillard-Cut, der Durchstich zu den Schleusen Pedro Miguel und Miraflores auf der Pazifik-Seite des Kanals. Anders als auf der Atlantikseite, wo die drei Kammern in einer Schleuse untergebracht sind, mussten die Erbauer ihre Pläne wegen des ungeeigneten Geländes für die, einen Kilometer lange, Schleuse ändern und eine Kammer in der separaten Schleuse Pedro Miguel errichten. Zwischen den Pazifik-Schleusen liegt der kleine Miroflores-See.  

Am Ende des Gaillard Cut fahren wir unter der Centennial-Brücke hindurch. Immer wieder schön anzusehen, die Kunstwerke der Ingenieure.




Kurz nach 11 Uhr erreichen wir die Schleuse Pedro Miguel, essen zu Mittag und warten auf das Kommando zur Einfahrt in die Schleuse, welches wir um halb 2 Uhr bekommen. 

Sieht aus wie ein Alien, ist aber ein Schlepper der Panama-Kanal-Gesellschaft.



Wir bilden wie gestern ein Päckchen mit dem Katamaran des Engländers und fahren in die Schleuse ein. Da kein weiteres Schiff in der Nähe ist, liegen wir alleine in der riesigen Schleuse. 100‘000 Kubikmeter Wasser braucht es um 2 kleine Schiffchen mit einer Verdrängung von 20 Tonnen ein paar Meter in die Tiefe zu lassen.



Um 3 Uhr öffnen sich die Tore der 2. Kammer der Schleuse Miraflores. Wir sind im Pazifik.


Hinter der Schleuse lösen wir die Leinen von unserem Schleusenpartner und fahren entlang der Fahrrinne unter der Bridge of Americas hindurch. 



Vor dem Balboa Yacht Club wird zuerst der Advisor abgeholt und etwas später verabschieden wir uns dankbar von unseren drei Line-Handlern, die mit ihren Leinen und Fendern in ein Wassertaxi steigen. Sie haben gute Arbeit geleistet. Keine noch so kleine Schramme nehmen wir aus dem Panamakanal mit. Nur das tolle Erlebnis 26 Meter oberhalb des Meeresspiegels durch den Isthmus von Panama gefahren zu sein.

Wir ankern am späten Nachmittag vor La Playita mit Blick auf die Wolkenkratzer von Panama-City.



Freitag 20.März 2015: Bye, bye Atlantico

Um 16 Uhr machen wir uns mit unseren drei Line-Handlern Rick, Oscar und Jonathan von der Shelter Bay Marina auf und motoren durch die Bucht von Colôn zu den sogenannten Flats westlich der Kanaleinfahrt und warten auf unseren Advisor. Im Gegensatz zu grossen, kommerziellen Schiffen, die einen Lotsen an Bord nehmen müssen, werden Schiffe bis 65 Fuss von einem Advisor begleitet. Lotse und Advisor sind Mitarbeiter der Kanalgesellschaft. Der Advisor arbeitet wie der Lotse. Er gibt die Kommandos für die Line-Handler, die Mannschaft auf den Schleusenmauern und den Steuermann des Schiffes.

Um 18.15 kommt das Boot der Kanalgesellschaft mit zwei Advisorn, da wir gemeinsam mit einem Katamaran geschleust werden.



Unser Advsior Guillermo springt behände vom Zubringerboot ohne dass es bei uns festmacht oder uns berührt an Bord. 



Der Frachter Wagenborg wird vor uns in der Schleuse sein. Da er im Vergleich zur fast 300 Meter langen Schleusenkammer eher kurz ist, haben wir einen grossen Abstand zu seinem Heck.
Bei Sonnenuntergang starten wir Richtung Gatun-Schleuse, die wir eine Stunde später erreichen. Wir bilden ein Päckchen mit dem Katamaran eines Engländers, der nach Neuseeland zieht und als Teil seines Umzugs sein Boot um die halbe Welt in die neue Heimat segelt. Unsere Line-Handler bereiten vor der Einfahrt in die Schleuse 50 Meter lange Leinen an Bug und Heck vor, mit denen wir in der Schleusenkammer gehalten werden.
Die Gatun-Schleuse besteht aus drei Kammern, die uns 26 Meter in die Höhe heben werden. Beim Einfahren in die Schleuse werfen Mitarbeiter der Kanalgesellschaft von der Schleusenmauer dünne Leinen herab, an deren Ende ein kleiner Ball (Segler nennen das eine Affenfaust) befestigt ist. Sie sind echte Wurfkünstler, können unsere Line-Handler die Affenfäuste problemlos auffangen. Unsere Sorge, dass die Affenfäuste ungebremst mit grosser Wucht auf unsere Luken fallen und sie dabei zu Bruch gehen könnten, ist unbegründet. An die dünnen Leinen werden die 50 Meter langen Leinen angeknotet und dann zur Schleusenmauer emporgezogen.
Das aus vier Flügeln bestehende Schleusentor schliesst sich. Wir lassen den Atlantik hinter uns. Wasser strömt in die Schleusenkammer, unsere Line-Handler nehmen die Leinen dichter und wir sehen auf dem Echolot wie wir Meter für Meter aufsteigen.  
Bei der Fahrt von einer Kammer in die nächste ziehen unsere Line-Handler die dicken sowie die dünnen Leinen ein und die Mitarbeiter der Kanalgesellschaft laufen auf der Schleusenmauer mit uns mit, bis sie in der nächsten Kammer an ihren dünnen Leinen unsere dickeren wieder hochziehen. Das heisst, pro Schleusung eines Schiffes laufen sie über einen Kilometer.
Grosse Schiffe werden von kleinen Lokomotiven von einer Kammer in die nächste gezogen. Die  Ausfahrt aus der letzten Kammer erfolgt mit der eigenen Maschine, die, wenn der Propeller anfängt zu drehen, für starke Wirbel, dem sogenannten white wash sorgt. Wir spüren nichts, da das Heck der Wagenborg zu weit von uns entfern ist. So erleben wir eine ruhige und unaufgeregte Schleusung ohne Schwierigkeiten und Blessuren.
Nach der Ausfahrt aus der letzten Kammer geht es zum Bojenplatz auf dem Gatun-See, wo wir kurz vor 22 Uhr festmachen und der Advisor abgeholt wird. Unser Line-Handler bleiben bei uns an Bord und geniessen mit uns das wohlverdiente Abendessen.

Donnerstag 19.März 2015: Der neue Panama-Kanal

Der Panama-Kanal ist seit 100 Jahren ununterbrochen in Betrieb. Durch den zunehmenden Schiffsverkehr mit grösseren Schiffen drängte sich eine Erweiterung auf. Direkt nach der Übernahme der Kanalverwaltung am 31.12.1999 durch Panama begannen die Planungsarbeiten zur Erweiterung. In einer Volksabstimmung am 22.10.2006 ergab sich dafür eine Mehrheit. Die 2007 begonnen Arbeiten sollten 2014 abgeschlossen sein. 

Ein Streit zwischen der Kanalgesellschaft und dem Spanisch geführten Konsortium, welches den Bieterwettberb mit einer sehr günstigen Offerte gewann, über Kostenüberschreitungen führte zu einer Verzögerung der Bauarbeiten und der voraussichtlichen Eröffnung auf Anfang 2016. 

Wir besuchten heute die Baustelle der neuen Gatun-Schleuse. Während die alten Schleusen von Schiffe mit einer maximalen Länge von 294 Meter und einer Breite von 32 Meter befahren werden können, passen in die neuen Schleusen Schiffe bis 366 Meter Länge und 49 Meter Breite. Das heisst von Schiffen mit heute 5'000 Containern zu 15'000 Containern in Zukunft.



In drei Stufen von je etwas mehr als 8 Metern werden die 26 Meter Höhenunterschied zwischen Atlantik (im Hintergrund) und Gatun-See überwunden. 

Nach Fertigstellung der neuen Schleusen und Zufahrstrinnen werden die alten und die neuen Schleusen parallel betrieben. Während die alten Schleusen zur Redundanz zwei Kanäle haben, wird dies bei den neuen Schleusen mit je 2 Schleusentoren pro Kammer ermöglicht. Die Schleusentore werden hydraulisch senkrecht zum Kanal bewegt und sind in der zurückgezogen Lage in in ihren eigenen Trockendock, wo sie vor Ort gewartet werden können. Die 16 gigantischen Schleusentore sind das Herzstück des neuen Kanals. 

Je drei Schleusenkammern gibt es auf der Atlantik- und Pazifikseite, wo das Anheben und Absenken der Schiffe in einer Kammer ca. 17 Minuten beträgt. In den alten kleineren Kammern sind es 10 Minuten. Der Wasserfluss erfolgt allein mit Gravitation, Pumpen sind keine im Einsatz.  



Der Schleusenkopf am Gatun-See. Noch hält der Damm das Wasser zurück, in knapp einem Jahr sollen hier Schiffe geschleust werden. Die ankernden Schiffe auf dem Gatun-See warten entweder auf die Erlaubnis zur Weiterfahrt Richtung Pazifik oder ihre Schleusung in den Atlantik.  




In den alten Schleusen geht alles Wasser, welches dem Gatun-See pro Schleusengang entnommen wird, verloren. In den neuen Schleusen wird beim Hinunterschleusen das abfliessende Wasser in Becken gehalten und für das nächste Hinaufschleusen verwendet. So lassen sich 60% der Wassermenge sparen. In den Regenmonaten gibt es meist genug Wasser, da durch den Bau des Panama-Kanals der Gatun-See, der sich bis dahin in den Atlantik entwässerte, mit dem damals grössten Staudamm aufgestaut wurde. In den trockenen Monaten von Dezember bis März ist die mehrfache Nutzung des Wassers notwendig. Die Becken für die Zwischenspeicherung sind in der Bildmitte zu erkennen. Im Hintergrund das Werk, welches den Basalt aus dem neuen Durchstich als Beimischung zum Beton der Schleusen verarbeitet.


5-6% des Welthandels laufen heute über den Panamakanal. Wenn der neue Kanal fertig ist, werden ein paar Prozentpunkte hinzukommen. 

Rio Charges heisst der Fluss zwischen Gatun-See und Atlantik. Christopher Columbus hat ihn auf seiner 4. Reise 1502 entdeckt. Für die Spanier war dieser Fluss Teil des Transportweges zwischen Pazifik und Atlantik. Entsprechend wurde seine Mündung in den Atlantik mit einer Festung, San Lorenzo, geschützt. 1670 gelang es dem Freibeuter Herny Morgen als Einzigem die Festung zu erobern und zu zerstören. 10 Jahre später wurde San Lorenzo grösser und etwas höher gelegen wieder aufgebaut. 


Mit dem Bau der Eisenbahn über den Isthmus von Panama Mitte des 19. Jahrhunderts verlor die Ortschaft Charges an Bedeutung und mit Betrieb des Panama-Kanals wurde sie sogar aufgegeben. Das Fort San Lorenzo liegt heute im gleichnamigen Naturreservat, in dem der Dschungel üppig wuchert und viele Tierarten geschützt leben. Darunter 430 verschiedene Vogelarten und 80 Arten Säugetiere, wie Affen, Jaguare und Tapire. Zwischen 1953 und 1999 lebten die Tiere nicht so ungestört, war die Gegend das Dschungel-Trainingszentrum des Amerikanischen Militärs. 

Heute haben wir unseren Zeitplan für den ersten Teil der Kanalpassage erhalten. Um 15.35 müssen wir unseren Ankerplatz vor der Gatun-Schleuse aufsuchen, um 17.05 kommt der Lotse an Bord, um 18.35 Einfahrt in die Gatun-Schleuse, 19.55 Ausfahrt aus der Gatun-Schleuse und gegen 20.20 Ankern auf dem Gatun-See, wo der Lotse von Bord geht.     

Dienstag 17.März 2015: NOE ist vermessen

Bevor es durch den Kanal geht, kommt eine oder einer der 2000 Mitarbeiter der Kanalgesellschaft aufs Boot. Wir hatten heute Besuch von Anabel, der Bootsvermesserin.


Ihre Hauptaufgabe ist das Ausfüllen vieler Formulare. Über die Masse des Bootes, die technischen Details unseres Antriebs (z.B. ob unsere Schraube links- oder rechts-drehend ist), ob wir ein Sprechfunkgerät an Bord, welche Klasse unser AIS hat (für Nichtsegler, beim automatischen Identifikation System wird zwischen Anlagen die nur Empfangen (Klasse B) und solchen, die Senden und Empfangen (Klasse A) unterschieden) und so weiter. 

Dann kommt der entscheidende Teil des Besuchs, das Messen der Bootslänge. Der Preis für die Kanalpassage richtet sich nach der Länge und ist in Klassen unter 50 und solchen über 50 Fuss eingeteilt. Gemessen wird über Alles, also jeder Überhang wird mitgezählt. Wir bleiben wenige Zentimeter unter 50 Fuss, aber nur, weil wir den Anker aus der Halterung am Bug nehmen. Der Sprung in die höhere Klasse macht einen Unterschied von 800 zu 1300 US-Dollar aus. In Panama wird alles in Dollar bezahlt, auch wenn die Amerikaner die Verwaltung des Kanals an Panama im Jahr 2000 übergeben haben. 


Man beachte die Schuhe der Dame. Sie würde auf jeder Bergtour damit eine gute Figur machen. Aber auf unserem Teakdeck, na ja...


Als letzte Amtshandlung erhalten wir unser Ship Identification Number, die für die gesamte Kommunikation während der Kanalpassage anzugeben ist. 

Am Nachmittag machten wir den Grosseinkauf, um für die nächsten 6000 Seemeilen nicht hungern zu müssen oder Durst zu bekommen.




Zwei volle Karren fahren wir vom Taxi zum Boot. Morgen werden wir Inventur machen, damit wir nicht nur gefühlt genügen dabei haben. 

Falls etwas fehlt, haben wir noch etwas Zeit. Unser Kanaltermin ist auf Freitag Nachmittag bestätigt worden. Das heisst, wir werden, wenn Alles gut geht, am Samstag im Pazifik sein. Die Passage mit Start am Nachmittag, die für kleine Schiffe üblich ist, bedeutet eine Übernachtung vor Anker auf dem Gatun-See. 





Samstag 14.März 2015: In Pueto Bello war und ist der Teufel los

Puerto Bello war einst einer der wichtigen Häfen, in den Spanier Gold und Silber aus Mittel- und Südamerika in ihre Gallonen verluden und nach Sevilla, der Hauptstadt des Spanischen Königreichs, verschifften. In den Jahren von 1574 bis 1702 verliessen 45 Flotten von Schiffen die gut geschützte Bucht von Puerto Bello. Der Wert des Edelmetalles soll pro Flotte nie weniger als 30 Millionen Pesos  betragen haben. Da solche Reichtümer andere Seemächte und Piraten angezogen haben, wurde die Bucht an ihrer Nord- und Südseite mit Festungen versehen. Die Ruinen sind noch sichtbar.


Puerto Bello ist heute ein eher verschlafenes Nest, ausser es findet das Teufels- und Congo-Festival statt. Das war gerade heute der Fall. Da es erst zum neunten Mal stattfindet und vom Tourismusverband gesponsert wird, gehört es zu den Bemühungen die Region zu beleben. Und das ist, inklusive Verkehrskollaps, gut gelungen. 

Die uniformierten Damen und Herrn auf diesem Bild sind nicht die Teufel. Sie sorgen dafür, dass es nicht zu teuflisch zu und her geht. 


Der moderne Teufel reist mit dem Auto an.


Und sieht so aus, wenn er seinem Automobil entstiegen und seine Maskerade angezogen hat. 



Laut und schrill geht es her, wenn die Teufel, durch Trillerpfeifen angetrieben, durch die Gassen springen oder die Congo-Gruppen auf der Bühne ihre Shows darbieten. Karibische Lebensfreude gepaart mit afrikanischen Rhythmen, sind doch viele Einwohner der Region Nachfahren afrikanischer Sklaven.     




Sonntag 15.März 2015: Die letzten Meilen auf dem Atlantik

Von Puerto Bello bis nach Colôn sind es nur 20 Seemeilen. Ein kurzes Segelvergnügen bei 5 Windstärken und angenehmer Welle von achtern. Ursula geniesst die letzten Meilen im Atlantik. In einigen Tagen sollten wir im Pazifik sein. 



Und sie betrachtet den Tölpel, der uns umkreist.



Schon Meilen vor der Einfahrt des Wellenbrechers, der die Hafenanlagen von Colôn schützt, liegen die Container-Schiffe und Tanker vor Anker und warten auf ihre Passage. Wir melden uns bei Christobal Control über Funk an und bitten um Erlaubnis für die Durchfahrt zur Shelter Bay Marina, die hinter dem Wellenbrecher liegt, erhalten aber keine Antwort. Keine Antwort heisst wohl Zustimmung. Christobal Control ist das Kontrollzentrum für den gesamten Schiffsverkehr rund um den Panamakanal. 

Wir passieren den Wellenbrecher (für Segler, die linke Seite für den Einfahrenden ist Grün, da Panama das Betonnungssystem B verwendet) und drehen nach rechts zur Shelter Bay Marina.



Wir müssen noch vor der Marina etwas warten, bis ein Boot vor uns festgemacht hat. 4 Stunden nach Anker auf in Puerto Bello liegen wir an unserem Platz im Hafen.  

Am Nachmittag treffen wir unseren Agenten, der uns den Papierkram für die Kanalpassage abnimmt. Der Vermesser der Kanalgesellschaft soll schon am Montag an Bord kommen. Jedes Boot, welches den Kanal passieren möchte, wird vermessen. Die Länge bestimmt den Preis für die Passage. Der Transit durch den Kanal ist schon für Freitag vorgesehen. Wir haben nicht gedacht, dass es so schnell gehen wird.  

Samstag 14. März 2015: Bilder der letzten Woche sind online

Wir fahren mit dem Dinghi an Land und frühstücken in Captain Jack's Bar und sind online. Nach einer Woche hat uns die technisierte Welt wieder. 

Vielen Dank an Thomas, der die Texte von den San Blas Inseln online gestellt hat. Die Bilder der Posts vom 5.-11.März sind nun ebenfalls zu sehen. 

Freitag, 13.März 2015: Sollen wir an diesen Tag nach Puerto Bello segeln?

Segler sind etwas abergläubisch und in früheren Zeiten sind Schiffe mit unguten Gefühlen an einem Freitag ausgelaufen. Die Kuna-Indianer teilen diesen Aberglauben nicht und begeben sich mit ihrem kippligen Kanu unter Segel bei Sonnenaufgang aufs Wasser.



Wir tun ihnen gleich und gehen um 9 Uhr Anker auf. Die etwa 60 Seemeilen nach Puerto Bello ergeben einen schönen Segeltag bei 5 Windstärken Backstagsbrise (für Nichtsegler, der Wind kommt schräg von hinten) und einem moderaten Wellengang von 2 Meter Höhe. Um 17 Uhr fällt unser Anker in der Bucht von Puerto Bello, die von Christopher Columbus auf seiner 4. Reise als sehr ruhiger Ankerplatz mit gut haltendem Grund entdeckt wurde. 

Donnerstag 12.März 2015: Chichime, unser 3. Ankerplatz im Golf von San Blas

Ab heute geht es wieder Richtung Osten. Von den Coco Bandero Ceys nach Chichime sind es 18 Seemeilen. Chichime ist die westlichste Insel im Golf von San Blas und liegt am San Blas Channel. Der Himmel war heute leider wieder wolkenverhangen und die Sonne schafft es nur manchmal hindurch zu blinzeln. 

Entlang des Mayflower Channels geht es vorbei an vielen kleinen Inseln mit ihren vorgelagerten Riffen, die gut an der Brandung zu erkennen sind. Auch im Paradies ist es bei Sonnenschein deutlich schöner. 


Chichime besteht aus 2 Inseln. Wir ankern auf der Südseite der grösseren Insel und ersparen uns den Nervenkitzel beim Durchfahren des schmalen Kanals um zwischen den Inseln zu ankern. Das Wrack am Aussenriff zeigt, dass man hier keine Risiken eingehen sollte. Dieses Wrack ist nur eines von einer Handvoll, welche wir gesehen haben. 


Mittwoch 11.März 2015: Unterwasser

Nicht Schnorcheln und fotogenen Fischen nachstellen stand heute auf dem Programm sondern Arbeit unter Wasser. Seit 2 Monaten ist NOE im Wasser seit wir sie in Antigua aus dem Wasser holten und das Unterwasserschiff mit dem Dampfstrahler reinigten. Das warme Wasser in der Karibik führt schneller zu einem Bewuchs als wir es vom relativ kälteren Mittelmeer gewohnt sind. Schon auf Curaçao habe ich an der Wasserlinie (für Nichtsegler: das ist Linie, welche die Wasseroberfläche entlang des Rumpf abbildet) ersten Bewuchs entfernt. Das lässt sich leicht schwimmender Weise machen.

Geht es unter die Wasseroberfläche muss man entweder tauchen oder das Boot aus dem Wasser nehmen. Ein Tauchausrüstung haben wir nicht Bord aber einen kleinen Kompressor, der über einen 15 Meter langen Schlauch an einen Lungenautomaten angeschlossen ist. Mit einem 4kg schweren Bleigürtel habe ich genügend Abtrieb, um über das Luftvolumen in der Lunge zwischen der Wasseroberfläche und 3 Meter Tiefe, bis zum Kiel hinunter, zu schweben. Tauchen für Dummies also.

Bei den angenehmen Wassertemperaturen auf 9° nördlicher Breite lässt es sich beliebig lange im Wasser aushalten. Da nur Ruder, Kiel und der hintere Teil des Bootes Bewuchs hatten, war nach etwas mehr als einer Stunde das anstrengende Schruppen unter Wasser zu Ende. Als Dank dafür gibt es ein paar Zehntel Knoten mehr Bootsgeschwindigkeit.

Nach der Arbeit das Vergnügen. Mit dem Dinghi ging es zur etwa 200 Meter südlich unseres Ankerplatzes liegenden Insel Olosicuidup und zur 150 Meter nördlich gelegenen Insel Tiadup, nicht zu verwechseln mit Tiadup vom Ankerplatz in den Holandes Cays. Inseln mit dem Namen Tiadup gibt es im Golf von San Blas so wie bei uns Müller und Meier. Wir fragen uns, wie die Adressen heissen würden, wenn die Kunas eine Post hätten.

Die Inseln liegen etwa einen halben Meter über dem Meer. Die am Rand der Inseln ins Meer gestürzten Palmen zeugen von der ungemütlichen Situation, den der steigende Wasserspiegel erzeugt. Viel Luft ist nicht, bis diese Inseln unter Wasser liegen, ihre Bewohner auf Festland ziehen müssen und von dieser speziellen Landschaft nur noch Korallenriffe bleiben.

Aber zuerst der Klassiker jeden Langfahrtseglers. Boot vor weissem Stand, Palmen und Wasser in allen Blautönen. 






Dienstag 10.März 2015: Coco Bandero Cays

Nach 3 Tagen mit dichter Bewölkung und nur sehr wenig Sonnenschein, was unseren Bewegungsdrang zwischen den riffumsäumten Inseln des San Blas Archipel deutlich reduziert hat, habe ich die Meteorologin von Wetterwelt angerufen. Sie kann zwar das Wetter nicht verändern, eine Prognose ist jedoch auch etwas wert. Nach ihren Wettermodellen sollten wir Sonnenschein mit Passatbewölkung haben.

Im Vertrauen auf die Prognose und weil eine leichtere Besserung erkennbar war, haben wir uns auf den Weg zu den Coco Bandero Cays gemacht, die 4 Seemeilen südlicher als unser bisheriger Ankerplatz liegen. Laut Seeliteratur gehören diese unbewohnten Inseln mit ihren weissen Sandstränden, hoch aufragenden Palmen und klarem Wasser zu den schönsten des gesamten Archipels.

Wir nähern uns vorsichtig unserem Ankerplatz, da die Abstände zwischen den Inseln klein sind und wir für unseren Geschmack sehr nahe an den Riffkanten vorbeifahren.

Unsere GPS-Position für diejenigen, die auf Google-Earth nachschauen wollen, wo wir sind, ist 9°30,8’N; 78°36,9’W.

Das Wasser ist nicht ganz so klar, wie der Führer verspricht, da durch die starke Brandung der letzten Tage am vorgelagerten Riff viel Sediment im Wasser schwimmt. Zum Baden lädt es immer noch ein. Da die Prognose eingetroffen ist, die Sonne scheint und die Farben richtig zur Geltung kommen, ging es in dem Mast, für die Aufnahmen aus der Vogelperspektive. 




Sonntag 8.März 2015: Bei der Kuna-Familie

200 Meter südöstlich unseres Ankerplatzes liegt die kleine, fast quadratische Insel Tiadup. Sie misst nur 300 mal 300 Meter und ist die Heimat von 7 Menschen, verteilt auf 3 Generationen. Neben den 2 Hütten dieser Familie stehen weitere Hütten auf der Insel, die, wenn überhaupt, nur noch zeitweise bewohnt sind. Zumindest deuten die funktionstüchtigen Kanus an Land und die Wasserlöcher darauf hin.


Die eine Hütte ist das Wohnhaus der Familie. Es besteht aus einen grossem Raum, in dem an den Dachstützen Hängematten befestigt sind. Der Boden ist der Sandboden des Erdreichs. Die wenigen Habseligkeiten bewahren sie in kleine Schränken und Truhen auf. Die Kochstelle und das Lager für Lebensmittel sind in der zweiten Hütte untergebracht.

Das Süsswasser für die Körperpflege stammt aus einem etwa ein Meter tiefen Loch im Erdreich, das zur Hälfte mit Wasser gefüllt ist. Leider sprechen wir kein Spanisch und sie kein Englisch, weshalb unsere Kommunikation auf die Vokabeln beschränkt war, wo sich Italienisch und Spanisch gleichen oder ähneln. Ihr Trinkwasser dürfte aus Flüssen des 20 Kilometer entfernten Festlands kommen oder vom Versorgungsschiff, welches von Zeit zu Zeit die Insel anfährt. Grössere, nahe am Festland liegende Inseln versorgen sich über Pipelines mit Wasser.

Jeden Morgen fahren Sohn und Schwiegersohn mit dem Kanu zum Fischen hinaus. Vor allem bei dem derzeit herrschenden starken Winden eine körperlich anstrengende und mühsame  Arbeit. Der Fang besteht aus kleinen Rifffischen, der die ganze Familie satt machen muss.


Neben dem Fischfang bestreiten sie ihren Lebensunterhalt mit den 10 USD, die jede ankernde Jacht bezahlen muss. Meine Bemerkung und das Vorweisen der Belege, dass wir schon 200 USD für das Befahren aller panamaischen Gewässer bezahlt haben, sowie 60 USD in El Provenier an den Kuna-Kongress, half nicht. Hier sei nicht El Provenier sondern die Holandes Cays. Die 10 USD wechseln gegen eine Quittung den Besitzer. Weitere Einkünfte erzielen sie aus dem Verkauf von Molas und Kokosnüssen, die sie auf Tiadup und den Nachbarinseln einsammeln.

Wir wurden von ihnen gefragt, ob wir Magazine hätten. Zuerst war uns nicht klar, was sie wollten, bis sie ein paare alte Zeitschriften aus der Wohnhütte holten. Das einzige was wir bieten konnten war eine schön bebilderte englische Hochglanzbroschüre des Fremdenverkehrsamtes Grenadas. Das Geschenk bereitet ihnen grosse Freude und wurde von der mittleren Generation sofort mit sichtbarem Genuss durchgeblättert.

Die San Blas Inseln, oder wie sie von den Kuna als Kuna Yala bezeichnet werden, da sie die Namensgebung durch die Spaniern nicht mögen, sind nur mit dem Schiff und heute mit zwei kleinen Flugplätzen erreichbar. Der Festlandstreifen, dem die Inseln vorgelagert sind, ist undurchdringbarer Dschungel ohne Strassen. Neben den Seglern sind es Kreuzfahrtschiffe, die in diese Welt eindringen und Einflüsse ausüben.

Bei der von uns auf Tiadup besuchten Familie waren sie gut an der Kleidung zu sehen. Während die Mutter mit der traditionellen Bekleidung angezogen war und an Armen und Beinen die Winis genannten, farbigen Ringe trug, sass die Tochter mit Spaghetti-Top und Shorts auf einem Plastikstuhl. Sohn und Schwiegersohn waren modisch frisiert mit Farbsträhnen im Haar.






Samstag 7.März 2015: Banedup und Tiadup

So heissen die beiden kleinen Inseln, vor denen wir heute vor Anker gegangen sind. Sie bilden das östliche Ende der Holandes Cays oder Kaimau, wie sie in der Sprache der Kuna genannt werden. Diese Inselgruppe besteht aus 21 meist unbewohnten Inseln, die durch ein 14 Kilometer langes Riff gegen die Wellen der Karibischen See geschützt sind.

Wer auf Google Earth sehen möchte wo wir genau sind, muss diese Koordinaten eingeben: 9°34.865’N, 78°40.508’W.

Den gestrigen Tag verbrachten wir vor El Provenir am Anker. Der bedeckte Himmel und die schlechte Sicht gefielen der Skipperin überhaupt nicht. Sie pflegte ihre Seele, ich das Boot. Heute war das Wetter anfänglich auch nicht viel besser und der Wind blies mit frischen 5 bis 6 Windstärken aus Nordost.

Geschützt durch die Riffe und Inseln waren die 18 Seemeilen Fahrt Richtung Osten hoch am Wind (für Nichtsegler, Winkel zwischen Windrichtung und Fahrtrichtung 45°) bei geringer Welle entlang des Mayflower Kanal wie Segeln auf einem See. Nur mit Vorsegel ging es mit 9 Knoten Bootgeschwindigkeit voran und 3 Stunden nach Ablegen fiel der Anker bei den Inseln Banedup und Tiadup. Die Einfahrt durch die den Inseln vorgelagerten Riffe war nicht sonderlich schwierig, schien zwischenzeitlich die Sonne durch die Wolken hindurch und die Untiefen waren gut zu sehen. Trotzdem ist es immer etwas aufregend in eine unbekannte, von Riffen gesäumte Bucht einzufahren.

An Nachmittag ging es mit dem Dinghi nach Banedup zum Strandspaziergang. Eine Insel ganz für uns alleine. Die auf Tiadup lebenden Kuna-Indianer sind mit ihren Kanus oder motorisierten grösseren Booten beim Fischen in der Bucht. Neben uns liegen noch 5 andere Schiffe hier und geniessen diesen ruhigen Ankerplatz vor palmenbewachsen kleinen Inseln mit dem Rauschen des Windes und der sich am Aussenriff brechenden Wellen.





Donnerstag 5.März 2015: Das Paradies gibt es nicht Umsonst

Die San Blas Inseln mussten wir uns erarbeiten. Als wir am Dienstag um die Mittagszeit in Cartagena ablegten und die schützende Bucht hinter uns gelassen haben, blies der Wind mit 6 Windstärken und steigerte sich in der Nacht bis auf 35 Knoten, also Windstärke 8. Am Morgen liess der Wind nach und damit auch unsere Geschwindigkeit. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir den Wegpunkt für die Ansteuerung in den San Blas Channel. Die Entscheidung, wegen der fehlenden Ankermöglichkeiten in der Nacht vor den Inseln hin und herzusegeln und erst am Morgen die von Riffen umgebende Insel El Provenier anzusteuern, war schnell gefällt. Tagsüber erkennt man die Riffe an den sich brechenden Wellen und die unterschiedlichen Wassertiefen korrespondieren mit unterschiedlichen Farben, die jedoch nur bei Sonnenstrahlung sichtbar sind.

Unser Vertrauen in die elektronischen Karten, die in manchen Weltgegenden so genau sind, dass man problemlos nachts in einen unbekannten Hafen fahren kann, ist in dieser Gegend nicht grenzenlos. Unsere Papierseekarte dieses Gebiets basiert auf Daten von 1919, also vor der Zeit von GPS und WGS84 (World Geodetic System 1984) und weist Verschiebungen von bis zu 0.2 Seemeilen, also fast 400 Meter, gegenüber der elektronischen Karte auf. Also die Karten sind wichtig und notwendig, Echolot und Auge sind jedoch die ultimativen Navigationsinstrumente in diesem Seegebiet.

Als wir am Morgen zur Insel El Provenier gefahren sind, erwies sich die Qualität der elektronischen Karten als erstaunlich gut. Solche Erfahrung machen wir lieber tagsüber.

El Provenier ist eine der beiden Möglichkeiten auf den San Blas Inseln für Panama einzuklarieren. Der Prozess geht schnell und unbürokratisch, es braucht nur das notwendige Kleingeld. Wir sind zweimal zum Boot zurückgefahren, da die erste Behörde (Immigration) 100 US$ für einen Stempel pro Pass verlangt und die zweite Behörde (Port Control) nochmals knapp 200US$ von uns wollte. Alles in Cash natürlich. Da waren die Damen des Kuna-Vereinigung mit 60US$ fast schon bescheiden.  Der Weg ins Paradies der Kuna-Indianer war nicht nur seglerisch etwas anstrengend, er muss auch teuer erkauft werden. Aber wie uns die Beamten stolz erklärten, können wir uns nun ein Jahr in Panama aufhalten und alle Gewässer Panamas inklusive des Panamakanals (gegen eine zusätzliche Gebühr von 800US$ bei unserer Bootsgrösse) befahren. Ob wir das alles wollen, wurden wir nicht gefragt.

Unser Ankerplatz vor El Provenier.


Die Insel El Provenier ist eine Landpiste, mit etwas Insel. Die Piste ist auf das Riff hinaus gebaut. Ein Startabbruch endet nass. 


Ein kleines Hotel für die Fluggäste gibt es auch. 


Kokosnüsse waren früher die Währung und das Einkommen der Kuna-Indianer. Heute sind sie mehr an Dollars interessiert. Trotzdem soll man die Kokosnüsse liegen lassen. Sie haben einen Besitzer. 


Ein typisches Haus der Kuna-Indianer. Das Dach soll absolut dicht sein und 15 Jahre halten.


Sie begleiten uns überall. Die Fregatt-Vögel ziehen elegant ihre Bahnen im Passatwind.


Kaum haben wir unser Anker fest, kommen Frauen in ihren Kanus und bieten Molas. Molas sind Stoffapplikationen, die durch Aufeinander-Nähen von verschiedenen Schichten farbiger Stoffe entstehen. Diese Technik haben sie aus ihren Köperbemalungen entwickelt, als die Missionare ihnen das Tragen von Kleidern verordneten.


Unser Bedarf an Molas ist fürs Erste gedeckt. 


Kinder sind überall neugierig.