200 Meter südöstlich unseres Ankerplatzes liegt die kleine, fast quadratische Insel Tiadup. Sie misst nur 300 mal 300 Meter und ist die Heimat von 7 Menschen, verteilt auf 3 Generationen. Neben den 2 Hütten dieser Familie stehen weitere Hütten auf der Insel, die, wenn überhaupt, nur noch zeitweise bewohnt sind. Zumindest deuten die funktionstüchtigen Kanus an Land und die Wasserlöcher darauf hin.
Die eine Hütte ist das Wohnhaus der Familie. Es besteht aus einen grossem Raum, in dem an den Dachstützen Hängematten befestigt sind. Der Boden ist der Sandboden des Erdreichs. Die wenigen Habseligkeiten bewahren sie in kleine Schränken und Truhen auf. Die Kochstelle und das Lager für Lebensmittel sind in der zweiten Hütte untergebracht.
Das Süsswasser für die Körperpflege stammt aus einem etwa ein Meter tiefen Loch im Erdreich, das zur Hälfte mit Wasser gefüllt ist. Leider sprechen wir kein Spanisch und sie kein Englisch, weshalb unsere Kommunikation auf die Vokabeln beschränkt war, wo sich Italienisch und Spanisch gleichen oder ähneln. Ihr Trinkwasser dürfte aus Flüssen des 20 Kilometer entfernten Festlands kommen oder vom Versorgungsschiff, welches von Zeit zu Zeit die Insel anfährt. Grössere, nahe am Festland liegende Inseln versorgen sich über Pipelines mit Wasser.
Jeden Morgen fahren Sohn und Schwiegersohn mit dem Kanu zum Fischen hinaus. Vor allem bei dem derzeit herrschenden starken Winden eine körperlich anstrengende und mühsame Arbeit. Der Fang besteht aus kleinen Rifffischen, der die ganze Familie satt machen muss.
Neben dem Fischfang bestreiten sie ihren Lebensunterhalt mit den 10 USD, die jede ankernde Jacht bezahlen muss. Meine Bemerkung und das Vorweisen der Belege, dass wir schon 200 USD für das Befahren aller panamaischen Gewässer bezahlt haben, sowie 60 USD in El Provenier an den Kuna-Kongress, half nicht. Hier sei nicht El Provenier sondern die Holandes Cays. Die 10 USD wechseln gegen eine Quittung den Besitzer. Weitere Einkünfte erzielen sie aus dem Verkauf von Molas und Kokosnüssen, die sie auf Tiadup und den Nachbarinseln einsammeln.
Wir wurden von ihnen gefragt, ob wir Magazine hätten. Zuerst war uns nicht klar, was sie wollten, bis sie ein paare alte Zeitschriften aus der Wohnhütte holten. Das einzige was wir bieten konnten war eine schön bebilderte englische Hochglanzbroschüre des Fremdenverkehrsamtes Grenadas. Das Geschenk bereitet ihnen grosse Freude und wurde von der mittleren Generation sofort mit sichtbarem Genuss durchgeblättert.
Die San Blas Inseln, oder wie sie von den Kuna als Kuna Yala bezeichnet werden, da sie die Namensgebung durch die Spaniern nicht mögen, sind nur mit dem Schiff und heute mit zwei kleinen Flugplätzen erreichbar. Der Festlandstreifen, dem die Inseln vorgelagert sind, ist undurchdringbarer Dschungel ohne Strassen. Neben den Seglern sind es Kreuzfahrtschiffe, die in diese Welt eindringen und Einflüsse ausüben.
Bei der von uns auf Tiadup besuchten Familie waren sie gut an der Kleidung zu sehen. Während die Mutter mit der traditionellen Bekleidung angezogen war und an Armen und Beinen die Winis genannten, farbigen Ringe trug, sass die Tochter mit Spaghetti-Top und Shorts auf einem Plastikstuhl. Sohn und Schwiegersohn waren modisch frisiert mit Farbsträhnen im Haar.