Donnerstag 5.März 2015: Das Paradies gibt es nicht Umsonst

Die San Blas Inseln mussten wir uns erarbeiten. Als wir am Dienstag um die Mittagszeit in Cartagena ablegten und die schützende Bucht hinter uns gelassen haben, blies der Wind mit 6 Windstärken und steigerte sich in der Nacht bis auf 35 Knoten, also Windstärke 8. Am Morgen liess der Wind nach und damit auch unsere Geschwindigkeit. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir den Wegpunkt für die Ansteuerung in den San Blas Channel. Die Entscheidung, wegen der fehlenden Ankermöglichkeiten in der Nacht vor den Inseln hin und herzusegeln und erst am Morgen die von Riffen umgebende Insel El Provenier anzusteuern, war schnell gefällt. Tagsüber erkennt man die Riffe an den sich brechenden Wellen und die unterschiedlichen Wassertiefen korrespondieren mit unterschiedlichen Farben, die jedoch nur bei Sonnenstrahlung sichtbar sind.

Unser Vertrauen in die elektronischen Karten, die in manchen Weltgegenden so genau sind, dass man problemlos nachts in einen unbekannten Hafen fahren kann, ist in dieser Gegend nicht grenzenlos. Unsere Papierseekarte dieses Gebiets basiert auf Daten von 1919, also vor der Zeit von GPS und WGS84 (World Geodetic System 1984) und weist Verschiebungen von bis zu 0.2 Seemeilen, also fast 400 Meter, gegenüber der elektronischen Karte auf. Also die Karten sind wichtig und notwendig, Echolot und Auge sind jedoch die ultimativen Navigationsinstrumente in diesem Seegebiet.

Als wir am Morgen zur Insel El Provenier gefahren sind, erwies sich die Qualität der elektronischen Karten als erstaunlich gut. Solche Erfahrung machen wir lieber tagsüber.

El Provenier ist eine der beiden Möglichkeiten auf den San Blas Inseln für Panama einzuklarieren. Der Prozess geht schnell und unbürokratisch, es braucht nur das notwendige Kleingeld. Wir sind zweimal zum Boot zurückgefahren, da die erste Behörde (Immigration) 100 US$ für einen Stempel pro Pass verlangt und die zweite Behörde (Port Control) nochmals knapp 200US$ von uns wollte. Alles in Cash natürlich. Da waren die Damen des Kuna-Vereinigung mit 60US$ fast schon bescheiden.  Der Weg ins Paradies der Kuna-Indianer war nicht nur seglerisch etwas anstrengend, er muss auch teuer erkauft werden. Aber wie uns die Beamten stolz erklärten, können wir uns nun ein Jahr in Panama aufhalten und alle Gewässer Panamas inklusive des Panamakanals (gegen eine zusätzliche Gebühr von 800US$ bei unserer Bootsgrösse) befahren. Ob wir das alles wollen, wurden wir nicht gefragt.

Unser Ankerplatz vor El Provenier.


Die Insel El Provenier ist eine Landpiste, mit etwas Insel. Die Piste ist auf das Riff hinaus gebaut. Ein Startabbruch endet nass. 


Ein kleines Hotel für die Fluggäste gibt es auch. 


Kokosnüsse waren früher die Währung und das Einkommen der Kuna-Indianer. Heute sind sie mehr an Dollars interessiert. Trotzdem soll man die Kokosnüsse liegen lassen. Sie haben einen Besitzer. 


Ein typisches Haus der Kuna-Indianer. Das Dach soll absolut dicht sein und 15 Jahre halten.


Sie begleiten uns überall. Die Fregatt-Vögel ziehen elegant ihre Bahnen im Passatwind.


Kaum haben wir unser Anker fest, kommen Frauen in ihren Kanus und bieten Molas. Molas sind Stoffapplikationen, die durch Aufeinander-Nähen von verschiedenen Schichten farbiger Stoffe entstehen. Diese Technik haben sie aus ihren Köperbemalungen entwickelt, als die Missionare ihnen das Tragen von Kleidern verordneten.


Unser Bedarf an Molas ist fürs Erste gedeckt. 


Kinder sind überall neugierig.


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