Wir kommen weiterhin erfreulich gut voran. Nach 2 Tagen mit Nordostpassat, einer Nacht unter Motor und seit gestern mit leichten Winden aus Ost und Süd haben wir 500 Seemeilen seit der Isla Contadora in unserem Kielwasser gelassen und uns auf 350 Seemeilen unserem Ziel genähert.
Das Ende der Passatzone hat uns zwar Flaute, aber zum Glück keine Gewitter beschert. Bei sternklarer Nacht ohne Wind liessen wir den Motor laufen. Das stoische Warten mit schlagenden Segeln in der Flaute, sich von den Strömungen treiben zu lassen und auf Wind warten, ist beim Übergang von Nordost- auf Südostpassat nicht unsere Option.
Das Wetter ist jedoch komplizierter als es die einfachen Modelle beschreiben. Das Ende des Nordostpassats bedeutete nicht, dass wir in eine Zone mit Gewittern kommen. Die tropische Konvergenzzone in der Nähe der Küste des amerikanischen Kontinents ist derzeit aufgeteilt in einen nördlichen Ast, der bei 10°N liegt und einen südlichen Ast, der sich 10° südlich von uns befindet.
Für die Zone einige Breitengrade nördlich und südlich des Äquators, die für uns bis zu den Galapagos- Inseln relevant ist, wird für die nächsten Tage stabiles Wetter ohne Schauer und ohne Gewitter mit leichtem Wind aus verschiedenen Richtungen vorhergesagt. Die Strömung wird uns anfänglich mit einem Knoten, näher bei den Galapagos-Inseln sogar mit 2 Knoten schieben. Der leichte Wind, das heisst derzeit etwa 4-6 Knoten Windgeschwindigkeit oder 1-2 Windstärken aus Süd, erzeugt keine Welle, nur ein leichtes Kräuseln des Wassers. Unser Kurs nach Südwest, also hoch am Wind, ist ein angenehmes, ruhiges Segeln mit 7-8 Knoten Bootsgeschwindigkeit.
Auflösung des Rätsels für Nichtsegler, warum wir schneller als der Wind unterwegs sind. Zum einen haben wir den Strom der uns schiebt zum anderen segeln wir mit unserem eigenen Fahrtwind. Da der Wind seitlich von vorne kommt, addieren sich der wahre Wind (also der Wind den ein unbewegtes Objekt wahrnimmt) und der Fahrtwind (ganz präzise korrigiert um den Einfallswinkel) zum scheinbaren Wind (also der Wind, den ein bewegtes Objekt wahrnimmt). Da der Wasserwiderstand das Boot bremst, ist es leider kein Perpetuum Mobile, sondern gibt bei diesen Verhältnissen 1-2 Knoten Bootsgeschwindigkeit über der Geschwindigkeit des wahren Windes.
Einzig ein Phänomen, dass ich nur beschreiben aber nicht erklären kann, störte uns. Auf unserer Kurslinie stossen wir auf Bereiche, die auf ihrer Ost-Seite einen Streifen von einigen Metern kabbeliges Wasser haben und scharf abgegrenzt auf der Westseite einen etwa gleich breiten Bereich mit ruhigem Wasser, in dem Schaum und viel Kunststoff-Unrat schwimmt. Diese gut sichtbare Trennlinie mäandert in der Pazifikdünung bis zum Horizont. Nähern wir einem solchen Bereich, was auch in der Nacht durch das Geräusch des kabbeligen Wasser hörbar ist, sinkt die Bootgeschwindigkeit auf 2 Knoten und die Segel fangen an zu schlagen. Vermutlich treffen hier zwei Meerströmungen aufeinander. Seit wir 15 Seemeilen westlicher als unsere direkte Kurslinie segeln, sehen wir die Bänder nicht mehr.
Lange Rede, kurzes Sinn, wir sind sehr zufrieden wie NOE den leichten Wind in Bootsgeschwindigkeit umsetzt und sind sehr froh, dass die tropische Konvergenzzone mit ihren Gewitterzellen uns in Ruhe lässt.
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