Wir sind schon an
unserem Ziel, jedoch nicht weil wir so schnell gesegelt sind, sondern weil wir Montagnacht
und nicht wie geplant erst Dienstagmorgen unseren Ankerplatz vor Aitutaki
verlassen haben. Dies, weil der Wind gedreht
hatte und wir auf das Riff getrieben wären, wenn der Anker nicht gehalten
hätte. Mit nur etwa 100 Meter Abstand zwischen Heck und Riff schläft sich nicht
so gut. Da ist Anker auf um 23 Uhr und Segeln in der Nacht die bessere
Alternative.
Das
Palmerston-Atoll gehört zur Gruppe der Nördlichen Cook Inseln. Aus den
Handbüchern und von Erzählungen anderer Segler wussten wir, dass es an der
Aussenseite des Riffs Bojen gibt. Schiffbare Pässe in die Lagune gibt es hingegen
nicht. Nur kleine Motorboote mit weniger als einem halben Meter Tiefgang können durch schmale Kanäle in die türkisblaue
Lagune fahren.
Bei der
Annäherung an das Atoll erkennt man auf 6 Seemeilen die ersten Motus. Bis auf
eines sind alle unbewohnt. Auf Kanal 16 rufen wir Palmerston Island und postwendend
meldet sich ein Herr, der mich „My Friend“ nennt, und uns Anweisung gibt, wo
die Bojen sind und welche wir nehmen sollen. Das steil abfallende Riff eignet
sich schlecht als Ankergrund, weshalb Bojen am Grund befestigt wurden. Wegen des
auch hier geringen Abstands zum Riff, sind sie nur beim vorherrschenden Südostwind
sicher und müssen verlassen werden, wenn der Wind drehen sollte. Laut
Vorhersage soll dies nicht den nächsten Tagen nicht der Fall sein. Und wenn sich die Sonne zeigen würde, was zu
den normalen tropischen Wintertemperaturen von 25° führen würde, wären wir
froh. Derzeit ist es kalt, bei etwas Nieselregen und grau. Alles andere als
tropisch.
Am Nachmittag
kommt der besagte Herr begleitet von seinen zwei Söhnen und zwei Beamten mit
seinem Aluminium-Boot durch den gewundenen Pass gefahren und hält auf uns zu. Sie
stellen sich vor und alle heissen Marsters. Da uns gerade 10% der Bewohner des
Atolls einen Besuch abstatten, ist das kein Zufall.
Das Atoll wurde
1774 von James Cook entdeckt und nach Lord Palmerston benannt. 90 Jahre später,
1862, siedelte der Engländer William Marsters mit seinen zwei polynesischen Frauen von der
Insel Penrhyn, zu der später noch eine Dritte hinzukam, auf dem unbewohnten
Atoll. Mit diesen drei Frauen zeugte er 26 Kinder und teilte die 2 Kilometer
lange Hauptinsel in drei Teile auf, entsprechend den drei Familienstämmen. Er
stelle strenge Regeln bezüglich Heiraten (monogam versteht sich) zwischen den
Familienstämmen auf und bestimmte Englisch als Inselsprache. Alle heutigen
Bewohner von Palmerston sind Nachkommen eines Vaters und tragen auch seinen
Namen.
Palmerston ist
eine isolierte Insel. Sie hat als einzige der Cook-Inseln keinen Flugplatz und
wegen der geringen Bevölkerungszahl kommt das Versorgungsschiff nur alle 3-4
Monate. Das Internet draussen vor dem Riff ist hingegen einwandfrei. Zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung weilt derzeit noch in Rarotonga,
wo sie bei den Unabhängigkeitsfeiern mitgewirkt haben und warten auf ihr Schiff
für die Rückkehr. Yachten sind in der Nicht-Zyklon-Saison die einzigen
Besucher. Jeder Yacht wird ein Gastgeber zugeteilt, der sich während des Aufenthalts
um die Besatzung kümmert. Wir werden morgen von unserem Gastgeber abgeholt und
sind gespannt was uns in den nächsten Tagen alles erwartet.

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