Mittwoch 12. August 2015: Herzlicher Empfang auf dem Palmerston-Atoll

Wir sind schon an unserem Ziel, jedoch nicht weil wir so schnell gesegelt sind, sondern weil wir Montagnacht und nicht wie geplant erst Dienstagmorgen unseren Ankerplatz vor Aitutaki verlassen haben.  Dies, weil der Wind gedreht hatte und wir auf das Riff getrieben wären, wenn der Anker nicht gehalten hätte. Mit nur etwa 100 Meter Abstand zwischen Heck und Riff schläft sich nicht so gut. Da ist Anker auf um 23 Uhr und Segeln in der Nacht die bessere Alternative.

Das Palmerston-Atoll gehört zur Gruppe der Nördlichen Cook Inseln. Aus den Handbüchern und von Erzählungen anderer Segler wussten wir, dass es an der Aussenseite des Riffs Bojen gibt. Schiffbare Pässe in die Lagune gibt es hingegen nicht. Nur kleine Motorboote mit weniger als einem halben Meter Tiefgang  können durch schmale Kanäle in die türkisblaue Lagune fahren.

Bei der Annäherung an das Atoll erkennt man auf 6 Seemeilen die ersten Motus. Bis auf eines sind alle unbewohnt. Auf Kanal 16 rufen wir Palmerston Island und postwendend meldet sich ein Herr, der mich „My Friend“ nennt, und uns Anweisung gibt, wo die Bojen sind und welche wir nehmen sollen. Das steil abfallende Riff eignet sich schlecht als Ankergrund, weshalb Bojen am Grund befestigt wurden. Wegen des auch hier geringen Abstands zum Riff, sind sie nur beim vorherrschenden Südostwind sicher und müssen verlassen werden, wenn der Wind drehen sollte. Laut Vorhersage soll dies nicht den nächsten Tagen nicht der Fall sein.  Und wenn sich die Sonne zeigen würde, was zu den normalen tropischen Wintertemperaturen von 25° führen würde, wären wir froh. Derzeit ist es kalt, bei etwas Nieselregen und grau. Alles andere als tropisch.  


Am Nachmittag kommt der besagte Herr begleitet von seinen zwei Söhnen und zwei Beamten mit seinem Aluminium-Boot durch den gewundenen Pass gefahren und hält auf uns zu. Sie stellen sich vor und alle heissen Marsters. Da uns gerade 10% der Bewohner des Atolls einen Besuch abstatten, ist das kein Zufall.

Das Atoll wurde 1774 von James Cook entdeckt und nach Lord Palmerston benannt. 90 Jahre später, 1862, siedelte der Engländer William Marsters  mit seinen zwei polynesischen Frauen von der Insel Penrhyn, zu der später noch eine Dritte hinzukam, auf dem unbewohnten Atoll. Mit diesen drei Frauen zeugte er 26 Kinder und teilte die 2 Kilometer lange Hauptinsel in drei Teile auf, entsprechend den drei Familienstämmen. Er stelle strenge Regeln bezüglich Heiraten (monogam versteht sich) zwischen den Familienstämmen auf und bestimmte Englisch als Inselsprache. Alle heutigen Bewohner von Palmerston sind Nachkommen eines Vaters und tragen auch seinen Namen.


Palmerston ist eine isolierte Insel. Sie hat als einzige der Cook-Inseln keinen Flugplatz und wegen der geringen Bevölkerungszahl kommt das Versorgungsschiff nur alle 3-4 Monate. Das Internet draussen vor dem Riff ist hingegen einwandfrei. Zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung weilt derzeit noch in Rarotonga, wo sie bei den Unabhängigkeitsfeiern mitgewirkt haben und warten auf ihr Schiff für die Rückkehr. Yachten sind in der Nicht-Zyklon-Saison die einzigen Besucher. Jeder Yacht wird ein Gastgeber zugeteilt, der sich während des Aufenthalts um die Besatzung kümmert. Wir werden morgen von unserem Gastgeber abgeholt und sind gespannt was uns in den nächsten Tagen alles erwartet. 

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