Montag 25.Juli 2016: Cape Wessel, eine erste Wegmarke auf unserer langen Route nach Westen

Unser letzter Post aus der Torres Strasse ist etwas kurz ausgefallen. Zum einen waren wir mit Navigieren durch die Inseln und Untiefen dieser Wasserstrasse beschäftigt, zum anderen wussten wir nicht, wie lange wir Internet haben werden. Kurz nach Abschicken des Posts brach die Verbindung ab.

Die Torres Strasse, die 80 Seemeilen breite und nur wenige Meter tiefe Meerenge zwischen Australien und Papua-Neuguinea, wurde nach dem Spanier Luis de Torres benannt, der von Südamerika kommend, sie als erster Europäer befuhr. Es ist fast ein Wunder, wie die Segler von damals heil durch die Passagen kamen. Offensichtlich fanden sie mit Geschick, Geduld und etwas Glück die sicheren Routen oder erlitten Schiffbruch.

Die kommerzielle Schifffahrt benutzt heute den Prince of Wales Channel, der nördlich der zu Australien gehörenden Inseln verläuft. Der Weg zwischen den Inseln Tuesday, Thursday und Friday (die Inseln heissen wirklich so) ist die Flinders Passage, benannt nach Mathew Flinders, der zwischen 1801-02 die Australische Küste vermass und dabei den Begriff des Great Barrier Reefs prägte. Captain Cook segelte 1770 mit seinem Schiff Endeavour, dessen Namen für diesen Weg steht, nahe der Küste und südlich der Inseln der Wochentage.

Die Torres Strasse ist eine Folge der globalen Erwärmung unseres Planeten nach der letzten Eiszeit. Die Ureinwohner kamen trockenen Fusses über eine ausgedehnte Landbrücke auf den Australischen Kontinent, der vor 20‘000 Jahren 30 Prozent mehr Fläche hatte als heute. Durch den Anstieg des Wasserspiegels um 135 Meter bildete sich die See-Verbindung zwischen Pazifik und Indischem Ozean. An der ehemaligen Küstenlinie wuchs im warmen Wasser des Pazifiks das Great Barrier Reef, nachdem das ehemalige, flache Küstenvorland überschwemmt wurde.

Unser Weg führte zuerst durch den Albany Kanal, der die Albany Insel und das Festland trennt. Die mäanderförmige Küstenlinie des wenige hundert Meter breiten Kanals mit ihren Buchten und Sandstränden ist wegen der bis zu 5 Knoten starken Gezeiten-Strömung leider zum Ankern weniger ideal. Von dort segelten wir um das Cape York in die Endeavour Passage, an deren Eingang die Possession Insel liegt.

Dort ankerte James Cook, ging mit seinen Leuten an Land, schoss drei Gewehrsalven ab, stellte einen Fahnenmast auf und hisste den Union Jack. In einer kleinen Zeremonie erklärte er die gesamte Ostküste Australiens vom 38. Breitengrad bis an diese Stelle auf dem 10. Breitengrad mitsamt seinen Buchten, natürlichen Häfen und Flüssen im Besitz des englischen Königs, also die beachtliche Strecke von mehr als 3500 Kilometer. So einfach war das damals. Obwohl er mit den Ureinwohnern Kontakt hatte, wäre es ihm wohl nicht in den Sinn gekommen, dass das Land schon einen Besitzer hat.

Wir sparten uns den Landgang an dieser historischen Stätte und nutzten die günstigen Bedingungen für die weitere Fahrt Richtung Westen zum 325 Seemeilen entfernten Cape Wessel, an dem wir heute um die Mittagszeit vorbeisegelten.

Unser nächster Stopp ist in Darwin. Durch die Dundas Street, den Van Diemen Gulf, die Clarence Street geht es in den Beagle Gulf. Insgesamt 420 Seemeilen. Alles kurze Distanzen im Vergleich zu den 6‘000 Seemeilen, die wir in den nächsten Monaten nach Südafrika segeln werden. Nicht an einem Stück, gibt es auch im Indischen Ozean ein paar Inseln, die wir anlaufen werden.

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