Mittwoch 6. April 2016: 84 Kilometer durch den Wald


Neuseeland hat ein Herz für Mountainbiker. Viele Trails durchziehen das Land und seit diesem Jahr kann man von Nord nach Süd von einem Trail zum nächsten fahren. 

Ein kleines Stücken dieser Strecke ist der Timber Trail. Er führt von Pureora nach Ongarue, wobei vom Startort nur noch der Name und am Ziel von einer ehemals 2000 Einwohner grossen Gemeinde nur eine Handvoll Häuser übrig ist. Ende der 70er Jahre regte sich in Neuseeland zunehmend Protest gegen das Abholzen der natürlichen Wälder. Eines der Zentren dieser Bewegung war der Wald um Pureora. Die veränderte Gesetzgebung führte zum Verbot von Holzschlag auf öffentlichem Grund und zur Wiederaufforstung mit den ursprünglichen Baumarten in grossen, zusammenhängenden Schutzgebieten. Ehemalige Zentren der Holzindustrie verschwanden zum Leidwesen ihrer Einwohner von der Landkarte. 

Ein Prozent des heute in der Welt industriell genutzten Holz stammt aus Neuseeland. Im wesentlichen ist es das Holz der Monterey-Kiefer, die auf grossen Flächen in Plantagen als Ersatz für das Abholzen der natürlichen Wäldern angepflanzt wird. Sie kann in 40 Jahren auf eine Höhe von 60 Meter wachsen, bei einem jährlichen Zuwachs im Stammquerschnitt von 20 bis 30 Millimeter. 


Auf den ehemaligen Wegen und Schienensträngen durch das Waldgebiet von Pureora wurde der Trail angelegt und durch das Department of Conservation erhalten. Jeden Kilometer findet sich eine Markierung und an vielen Stellen Erklärungen zum Wald und seiner Geschichte. 


Ein paar dieser Hängebrücken überquert man im Verlauf des Trails und erspart sich viele Höhenmeter. Diese ist mit 143 Meter die längste.


Die Hälfte ist geschafft. Zu dieser Stelle führt eine, wenn auch nicht geteerte, öffentlich Strasse. Am Ort einer ehemaligen Holzfäller-Siedlung ist heute ein Campingplatz. 


Der zweite Teil der Strecke führt meist entlang einer ehemaligen Bahntrasse, die unter hohen Aufwand zum Abtransport des Holzes durch das Waldgebiet gebaut wurde.  


Eines der Relikte entlang des Schienenstrangs ist die Spirale von Ongaruein der der Zug 15 Meter Höhenunterschied überwand. Heute erinnert nur der unbeleuchtete Tunnel, durch den Trail geht, an diese Zeit. Laut Erklärung gibt es auf der Welt 71 dieser Zug-Spiralen und diese ist die einzige, die mit dem Bike befahrbar ist. 

Unter diesem Link https://youtu.be/TFVqu2JGmNI findet sich ein Werbe-Video zum Trail. Wer Lust bekommen hat, in Neuseeland zu biken muss entweder seine Outdoor-Ausrüstung auf dem Rad mitführen oder einen gewissen logistischen Aufwand betreiben. Ich konnte morgens um 8 aus dem geheizten Campervan auf Rad steigen und wurde von der Skipperin 6 Stunden nach Abfahrt am Ende des Trails wieder in Empfang genommen. Benny, ein Velo-Mechaniker aus Rotorua, der ein paar Jahre beim deutschen Profi-Rennstall Team Telekom gearbeitet hat, fuhr am gleichen Tag auf dem Trail, als Teil seiner Fahrt bis Wellington. Er war am Vortag schon über 100 Kilometer gefahren, übernachtete am Start im Zelt und führte 10 Kilogramm Gepäck mit. Trotzdem erreichten wir das Ziel fast zeitgleich, auch wenn ich immer wieder abstieg und fotografierte. Hut ab, Benny.  




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