Donnerstag 8. Dezember 2016: Swartbergpass, eine heisse Strasse




Der Kontrast könnte nicht grösser sein, auch wenn keine 100 Kilometer zwischen der grünen  Garden Route und den grau-braunen Halb-Wüsten der Karoos liegen. Karoo ist eine Ableitung von kuru, dem Wort für trocken in der Sprache der San, die diese Gegend seit über 100.000 Jahre als Jäger und Sammler bewohnten. Ein Drittel der Fläche Südafrikas sind Halb-Wüsten, die sich auf dem regenarmen Hochland im südlichen Landesteil von Ost nach West erstrecken. Im Sommer erreichen die Tagestemperaturen in dieser ariden Landschaft oft über 40°. Bergrücken an Bergrücken gliedert sich die Landschaft bis zum Horizont. 

Die europäische Besiedlung erfolgte um 1800 durch Buren, die entlang von Wasserläufen und Wasserlöchern mit Hilfe von kleinen Dämmen und Rückhaltebecken Landwirtschaft betrieben und grüne Oasen schufen. Raubbau betrieben sie mit Vieh- und Schafzucht, die das sensibel Ökosystem störten. Einen Boom erlebt die Gegend zwischen 1870 und dem ersten Weltkrieg durch die Zucht von Straussen und dem Verkauf der Federn. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs brach die Nachfrage ein und erreichte das hohe Niveau danach nicht mehr.  



Von Mossel Bay erreicht man nach 50 Kilometern den 850 Meter hohen Robinson Pass, der aus der Küstenregion in das kleine Karoo führt. Eines der bekanntesten Strassenbau-Monumente Südafrikas verbindet das Kleine mit dem Grossen Karoo. Die 24 Kilometer lange Strasse auf den 1585 Meter hohen Swartbergpass wurde von Thomas Bain mit 250 Sträflingen in den Jahren 1883 bis 1886 gebaut und führt von Oudtshoorn nach Prince Albert. Wie damals ist die Strasse nicht geteert. Sie hat eine maximale Steigung von 13% und alle Kunstbauten sind aus aufgeschichteten Steinen erstellt.   


Von der Passhöhe führen Wege in alle Richtungen, die man nur mit einem Permit betreten darf. Das Permit gibt es im Tal zu kaufen, wie wir auf einem Hinweisschild lesen. Wir lassen uns nicht beirren und geniessen die Natur zu Fuss auch ohne Permit. 



Grosstiere wie Springböcke und Carcale sahen wir keine, hingegen diese kleine Echse. 




250 mm Wasser pro Jahr müssen diesen Blumen in der Nähe des Passes ausreichen. Sie sind so genügsam, dass sie selbst mehrere überdurchschnittlich trockene Jahre überstehen können. Die Regenmengen letzten 4 Jahre lagen alle weit unter der Norm. 


Für Mountainbike-Enthusiasten ist der Swartbergpass ein Leckerbissen (die letzten Kehren vor dem Pass auf der Nordseite), sollte wegen der hohen Temperaturen nur in den Monaten des südlichen Herbsts, also April und Mai, befahren werden. 


Während das Kleine Karoo trotz Hochsommer und einer längeren Trockenperiode einen grünen Touch hat, ist das Grosse Karoo für unsere Augen eine Steinwüste. 


Auf der Fahrt nach Prince Albert führt die Strasse durch eine wilde Landschaft, die bei der Aufstauchung der Gebirgskette entstanden ist. Die ehemals waagrechten Schichten des Sedimentgesteins stehen senkrecht, sind verbogen oder fragmentiert. 




Prinz Albert auf der anderen Seite des Passes ist eine Ortschaft mit der speziellen Architektur der Buren zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Das Baujahr im Giebel der Häuser ermöglicht uns die Datierung und legt den Schluss nahe, dass hier die Uhren seit dieser Zeit abgestellt wurden. Neuere Häuser finden sich kaum, die alten sind jedoch meist sehr gepflegt an diesem verschlafen und verträumten Ort. 



Auf dem Weg zurück durch das kleine Karoo stach uns noch dieses unbewohnte Bauernhaus wegen seiner dezenten Farbgebung passend zur direkten Umgebung ins Auge.  


Morgen Nachmittag, wenn der Wind auf Süd und später auf Südost dreht, werden wir unseren Anker lichten und nach Kapstadt segeln. Wir planen mit 36 Stunden für die 260 Seemeilen lange Strecke um das Kap Agulhas und das Kap der Guten Hoffnung. Anlegen werden wir in der Victoria and Alfred Waterfront Marina, wo wir schon vor ein paar Wochen einen Platz reservierten. Von dort aus werden wir uns wieder melden. 

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