Nach einem Tag Kultur ging es am Donnerstag von Porto Empedocle zum nächsten Hafen. Nur 23 Seemeilen entfernt liegt Licata, dass wir mit der am Nachmittag einsetzenden Thermik unter Segeln erreichten. Eine schöne Hafenanlage, mit vielen freien Plätzen. Die Stadt selber bietet nicht so viel, ist jedoch ein guter Ausgangspunkt zum Besuch einer römischen Villa, der griechischen Stadt Morgantina und Siziliens Keramik-"Hauptstadt" Caltagirone.
Die Villa Romana del Casale liegt in der Nähe des Städtchens Piazza Armerina. Das Besondere der Villa, die 1997 zu einem UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde, sind ihre 3500 Quadratmeter grossen Mosaikfußböden. Dass sie uns heute ein Bild der Pracht des antiken Roms im 4 Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung geben, verdanken wir einem Erdrutsch, der die ganze Villa vor etwa 800 Jahren im Schlamm versinken liess. Zwischen den Römern und ihren letzten Bewohnern den Normannen, haben Byzantiner und Sarazenen den Gebäudekomplex benutzt. Schon die Masse des Innenhofs von 38 mal 18 Metern und die Anzahl von 60 Räumen geben ein Bild der Grösse.
Die Mosaiken zeigen Jagdszenen, Gottheiten, die zwölf Aufgaben des Herakles, Tierbilder und viele Dinge, an denen sich die römische Oberschicht ergötzte.
Auf dem Fussboden des aus zwei Zimmern bestehenden Schlafgemach des Villenbesitzers findet sich dieses Mosaik.
Wer glaubt, dass der Bikini eine Erfindung unserer Zeit ist, der irrt gewaltig.
Schon junge Römerinnen trugen Vergleichbares zu Spiel und Entspannung.
Wie detailliert die Mosiken gearbeitet wurden, erkennt man am Knie der Dame in der Mitte, wo die Stiche einer genähten Wunde sichtbar sind. Falls nicht, Doppelklick aufs Bild zum Vergrössern.
Erstellt wurden die Mosaiken von Sklaven aus Nordafrika. Mindestens 35 Millionen Steinchen mussten gesetzt werden um die 3500 Quadratmeter zu belegen (Annahme jedes Steinchen ist 1 Quadratzentimeter gross). Wahrlich eine Sträflingsarbeit für Hochbegabte.
Nach der römischen Pracht machten wir einen Abstecher zum griechischen Alltag, der in den Ruinen der Stadt Morgantina zu bestaunen ist. Tempel gibt es keine zu sehen, dafür ein Amphitheater, einen Platz für die Gemeindeversammlungen und verschiedene, im Vergleich zur römischen Villa, einfachen Mosaiken.
Wer Freude an kitschigen Keramikprodukten hat, ist in Caltagirone am richtigen Ort. Hauptanziehungspunkt ist neben den vielen Kirchen die Majolika-Treppe, wo sich Laden an Laden reiht.
Nahezu gleicher Standort, einmal mit 18mm Weitwinkel und einmal mit 70mm Teleobjektiv.
Das Motiv des Frauengesicht mit drei Beinen wurde schon von griechischen Künstlern vor 2500 Jahren in Sizilien verwendet. Es symbolisiert die dreieckige Form der Insel.
Die Zapfen der Pinie stehen für Gastfreundschaft und sollen Glück bringen. Daher sind sie auch auf den Keramik-Strassenschildern von Caltagirone zu finden.
Läden und Werkstatt sind immer zusammen und man darf den Keramikern bei der Arbeit über die Schulter schauen.
Das dürfte die Aufgabe der Lehrlinge sein.
Wer etwas länger als nur ein paar Stunden bleiben möchte, kann sich direkt an der Treppe einquartieren.
Und typisch italienisch Taxi fahren.




















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