Passage Vanuatu – Australien

Samstag 18. Juni 2016: 5. Tag

Heute sind wir 179 Seemeilen gesegelt, machten aber nur 154 Seemeilen auf unser Ziel gut. Der Unterschied ergibt sich im Wesentlichen aus dem Kreuzen vor dem Wind. Der Wind kommt aus Osten, wir wollen nach Westen. Damit die Segel nicht schlagen, fahren wir entweder ungefähr 30 Grad nördlicher oder südlicher unserer Kurslinie, je nach Schwankung der Windrichtung. Ansonsten hatten wir einen herrlichen Segeltag mit 4 Windstärken, Sonnenschein und nur leicht bewegter See.

Unsere Position um 1800 Bordzeit: 19°36’S, 151°50’E.

Damit war unsere Schätzung für die ETA (estimated time of arrival) für den den Hydrographers Pass zu optimistisch. Jetzt liegen noch 82 Seemeilen vor uns, die bis Sonntagmorgen in unserem Kielwasser liegen sollten.

Gestern Nacht haben wir eine Strasse überquert. Und zwar die Äussere Tiefwasserroute um das Great Barrier Reef. Diese eine Seemeile breite Route wird von grossen Schiffen benutzt, die entlang der Ostküste Australiens unterwegs sind. Als wir um 4 Uhr morgens dort waren, kam ein Schiff aus Norden und eines aus dem Süden auf uns zu. Als Segelboot haben wir Vorfahrt, weshalb das von Süden kommende Schiff seinen Kurs leicht ändern musste um uns nicht zu nahe zu kommen.

Was macht unser Tölpel? Am Morgen drehte er wieder eine Runde ums Boot. Bei der ersten Halse am Tag hat er wohl nicht aufgepasst, dass wir unsere Richtung ändern. Seither haben wir ihn nicht mehr gesehen.

Freitag 17. Juni 2016: 4. Tag

Mit einem durchschnittlichen Etmal von 176 Seemeilen beenden wir diesen Tag. Etwas weniger Wind, erst am Morgen das Grosssegel gesetzt und weniger Strom von achtern summieren sich in 24 Stunden auf einige Meilen.

Unsere Position um 1800 Bordzeit: 19°07’S, 154°319’E.

236 Seemeilen liegen bis zum Hydrographers Pass vor uns. Wir rechnen damit, dass wir gegen Samstagnacht dort sind. Ideal wäre gegen 22 Uhr, also bei Tidenhöchststand, damit wir ohne wesentlichen Gegenstrom durch das Nadelöhr kommen. Ansonsten ist ein Strom von bis zu 5 Knoten möglich. Das Nadelöhr ist jedoch immer noch eine Seemeile breit, bestens kartographiert und gut befeuert. Also auch nachts befahrbar und wenn keine Wolken den Mond verdecken sehen wir die Brecher an den Riffen bei Mond- anstatt bei Sonnenschein. 

Das Wetter-Update war insofern beruhigend, dass wir zwar in den letzten Stunden vor Mackay mit starkem Regen aber nur vereinzelt mit Gewittern rechnen müssen. Auch sollen die Böen keine Sturmstärke mehr erreichen. Bis Montagmorgen wollen wir in der Mackay-Marina am Quarantäne-Dock festgemacht haben. Dort gibt es Besuch von Bio-Security, Zoll und Immigration.

Der Tölpel ist die ganze Nacht mitgefahren. Das Schaukeln hat ihm beim Schlafen scheinbar nicht gestört. Am Morgen hat er ausgiebig sein Gefieder gereinigt und flog ab, als wir uns an Deck zu schaffen machte. Hinterlassen hat er eine grosse Schweinerei, da er anstatt sein Hinterteil nach aussen zu richten, mit dem Gesicht zum Meer schlief. Seither haben wir ihn erst heute nach Sonnenuntergang gesehen. Einen Landeanflug auf der Mastspitze hat er zum Glück abgebrochen, da dort oben der empfindliche Windanzeiger angebracht ist. Und nach der Hinterlassenschaft von gestern ist uns eine fliegende Begleitung sowieso lieber. 

Donnerstag 16. Juni 2016: 3. Tag

Endlich wieder ein Sonnentag bei schönen Wind zwischen 5 und 6 Beaufort. Einzig die Dünung macht das Leben an Bord etwas unkomfortabel. NOE segelt an sich relativ ruhig mit der Bewegung der unter uns durchlaufenden Wellen dahin. Bei ganz hohen Wellen wird dieser Rhythmus plötzlich mit einer starken Krängung unterbrochen. Wenn man in diesem Augenblick nicht gut gesichert ist, egal ob Mensch oder Material, muss unweigerlich gegen eine starke Beschleunigung ankämpfen. Kochen und andere Hausarbeiten verlangen nach einem guten Stand und dem richtigen Ablauf, damit niemals Ware ungesichert herumsteht. Ansonsten liegt es bald einmal auf dem Boden.

Das 200 Seemeilen Etmal haben wir mit 194 Seemeilen knapp verpasst. In den ersten 12 Stunden sah es mit 101 Meilen gut aus. Dann hat der Wind etwas nachgelassen und weil die Dünung immer noch stark war, haben wir uns mit etwas langsamerem Segeln mit weniger Krängung mit der grossen Fock ohne Grosssegel zufriedengegeben. Damit haben wir noch 412 Seemeilen bis zum Hydrographers Pass vor uns. Morgen werden wir uns sputen, da wir vor Sonntagabend in Mackay ankommen wollen. Damit sollten wir vor der angekündigten Kaltfront im Hafen sein.

Unsere Position um 1800 Bordzeit: 18°09’S, 157°29’E.

Unser Begleiter, der Tölpel, war heute Morgen wieder da. Einen Versuch auf der Saling (das sind die Querstreben, die die Wanten vom Mast wegdrücken) zu landen, hat er (oder ist es eine sie?) sehr fotogen abgebrochen. Die Bilder gibt es, wenn wir in Australien angekommen sind. Heute Abend kurz vor dem Dunkelwerden hat er (ich bleibe bei der männlichen Bezeichnung) sein Plätzchen auf der Reling gefunden. Anfänglich hatte er schwer zu schaffen mit seinen Schwanzfedern die Bootsbewegung auszugleichen. Mittlerweile schläft er seelenruhig und wird wohl morgen etwa 80 Seemeilen weiter westlich wieder aufwachen.

Mittwoch 15. Juni 2016: 2. Tag

Der zweite Tag verlief wie der erste. Nur etwas grauer. Die Sonne lässt sich gut wie nie blicken, der Wind pendelt zwischen 20 und 30 Knoten, also zwischen 5 und 7 Beaufort und die Dünung rollt weiter mit zwei bis drei Meter schräg von achtern heran. Segeln im Passat würde folgendermassen aussehen: blauer Himmel mit ein paar Schäfchenwolken, 10-15 Konten Wind und eine Wellenhöhe von einem bis zwei Meter. Laut Wetterbericht, der bisher bis auf den grauen Himmel genau eingetroffen ist, werden wir wohl für den Rest der Passage auf ideale Passatbedingungen verzichten müssen.

Aber dafür kommen wir schnell voran. Mit einem Etmal von 191 Seemeilen haben wir uns in den letzten 24 Stunden auf 606 Seemeilen unseren nächsten Wegpunkt genähert.

Der Tölpel, der uns gestern begleitet, war heute Morgen immer noch bei uns. Zumindest glauben wir, dass es der gleiche war. Am Nachmittag hatte er zwei Kollegen oder Kolleginnen bei sich. Liegt vielleicht daran, dass 150 Seemeilen südlich von uns das Booby Riff liegt.

Unsere Koordinaten um 1800: 17°20‘S, 160°46’E.

Dienstag 14. Juni 2016: 1. Tag

Wie der Wetterbericht vermuten liess, kommen wir schnell voran. In der Nacht haben wir das Grosssegel geborgen, da Regenschauer mit Böen von 7 Beaufort über uns hinweg zogen und das Segeln etwas abenteuerlich wurde. Zumindest für eine 2 Mann/Frau-Crew, die auch einmal schlafen muss. Seitdem sind wir unter Fock mit 5-7 Beaufort und einer drei Meter hohen Dünung etwas langsamer aber dafür halbwegs komfortabel unterwegs. Zumindest nach der subjektiven Einschätzung des Skippers.

In der Nacht passierten wir mit dem nötigen Abstand von einigen Meilen das Sabine Shoal, eine nur 2 Meter tiefe, nicht markierte Flachstelle etwa 60 Seemeilen westlich von Vanuatu.

Ein Fünftel der Strecke zum Hydrographer Pass liegt mit einem Etmal von 182 Seemeilen schon hinter uns, knapp 800 Seemeilen noch vor uns. Vom Pass bis in die Mackay Marina sind es noch weitere 125 Seemeilen.

Unsere Koordinaten um 1800: 15°27‘S, 163°58’E.

Mehr gibt es über diesen ersten Tag auf See nicht zu berichten. Andere Schiffe sehen wir nicht, einzig ein Tölpel hat uns eine Weile begleitet. Bis auf wenige Meter flog er an uns heran, verschwand dann wieder in den Wellentälern der bewegten See um dann wenige Minuten später wie aus dem Nichts eine weitere Runde um uns zu fliegen.

Montag 13. Juni: Südsee ade

Um halb vier heute Nachmittag haben wir unsere Leinen von der Boje vor Aore Adventures gelöst und sind entlang dem Segond Channel nach Westen gesegelt. Bei wenig Wind und geschoben durch den Strom der Flut nahmen wir langsam Abschied von der Südsee. Werden wir je wieder auf diese Inseln zurückkehren?

1000 Seemeilen und eine Woche Segeln liegen bis zum nächsten Wegpunkt vor uns. Es ist die Einfahrt ins Great Barrier Reef durch die Hydrographers Passage. Ihre Koordinaten sind 19°55’S, 150°17’E. Von dort aus geht es durch eine Riffpassage entlang einer Schifffahrtslinie einige Meilen nach Süden und dann Richtung Westen nach Mackay

Die Wettervorhersage verspricht uns eine schnelle Passage mit durchgehend 5 bis 7 Beaufort aus Südost. Das heisst, der Wind kommt schräg von hinten, was ein angenehmes Segeln verspricht. Anfangs jedoch begleitet von einer 3 Meter hohen Dünung aus Südwesten, also schräg von vorne. Getrübt wird die Freude über den günstigen Wind einzig durch eine Front die am Samstag mit Gewitter und stürmischen Wind über uns hinweg ziehen soll. Am Donnerstag werden wir mit dem Meteorologen telefonieren, ob wir eventuell mit einem etwas nördlicherem Kurs die Front umfahren können.

Heute Abend um 1800 Bootszeit (8 Uhr MESZ) segeln wir bei 4 Beaufort und 8 Knoten Geschwindigkeit über Grund in die erste Nacht dieser Passage hinein. Der Mond nimmt diese Woche bis zum Vollmond am nächsten Montag zu. Falls die Nächte klar sind, werden sie angenehm hell sein.

Unsere Koordinaten um 1800: 15°39,2’S, 167°00,5’E.

Wie bei allen Passagen werden wir jeden Abend unsere Koordinaten und einen kurzen Tagesbericht in diesem Post veröffentlichen

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