36 Stunden nach Anker auf in der Bucht Kuto auf der Ile des Pins erreichen wir um 11 Uhr nachts unseren Wegpunkt Port Resolution vor der Insel Tanna. 250 Seemeilen direkte Strecke meist hoch am Wind und daher nicht sehr angenehmes Segeln liegen hinter uns.
Wir trauen uns bei Nacht nicht in die ohne Leuchtfeuer ausgestattete Bucht hinein und treiben beigedreht bis zum Sonnenaufgang vor der Küste. Auch wenn die Bucht nicht mit Leuchtfeuern ausgestattet ist, hat die Insel das bekannteste Leuchtfeuer des Pazifiks, den aktiven Vulkan Mt. Yasur. Am Nachhimmel sieht man die rötliche Verfärbung der Wolken, die mit der Stärke der Eruptionen heller oder dunkler erscheint. Auf der Insel selbst sieht man nur ab und zu einen einzelnen Lichtpunkt.
Der Name Port Resolution stammt, wie könnte es anderes sein, von James Cook, der in dieser geschützten Bucht mit seinem Schiff vor Anker ging. Es hat sich wohl wenig geändert seit dieser Zeit, nur dass die Schiffe der heutigen Segler anders aussehen. Die Männer des Dorfes fischen in der Bucht seit Tag und Jahr Makrelen.
Johnston kommt zu uns gepaddelt und erkundigt sich, wie wir die Einreiseformalitäten erledigen wollen, da auf Tanna nicht einklariert werden kann. Er ist mit unserer Erklärung zufrieden, dass wir die Erlaubnis vom Zoll in Port Vila haben, auf Tanna Station zu machen. Er organisiert uns den abendlichen Transport zum Vulkan und die Möglichkeit frisches Obst und Gemüse im Dorf zu kaufen, da es keinen Laden in unserem Sinne gibt.
Um die Bucht wohnen 700 Menschen in drei Dörfern in einer Kombination traditionellen Lebensstils mit wenigen Elementen unserer Zivilisation. Im Februar 2015 wütete der Wirbelsturm Pam über Vanuatu. Von der Zerstörung ist heute kaum etwas zu sehen, da die Hütten alle wieder aufgebaut sind. Diese beiden Totem sollen dem hier zu erstellenden Haus Glück bringen.
Stromversorgung gibt es nicht. Hingegen hat ein findiger Melanesier aus LEDs und Akkus eine Taschenlampe mit Holzgriff gebaut.
Die Technologie der zentralen Stromversorgung wird hier übersprungen. Das Laden der Akkus erfolgt mit Solarzellen auf dem Palmen-Dach.
Pandanus-Blätter, Ausgangsprodukt für geflochtene Matten, werden auf dem Boden zum Trocken ausgelegt.
Lea, die für uns am Abend in ihrem Eintisch-Restaurant kocht und Max. Alle Dorfbewohner wollen wissen aus welchen Land wir kommen. Man kann sich problemlos in Englisch oder Französisch mit ihnen unterhalten, abhängig davon in welche Schule sie gingen. Lea spricht besser Französisch als Englisch. Sie erzählt uns, dass ihre Eltern noch Analphabeten waren und heute für alle Kinder Schulpflicht gilt.
Der Mt. Yasur gilt es als der am einfachsten zu erreichende aktive Vulkan der Erde. Bis auf 300 Meter an den Rand des Kraters führt eine Strasse. Wobei Strasse übertrieben ist. Es ist eine abenteuerliche Piste für Geländewagen mit mutigen Chauffeuren. Leider verspätet sich unser Fahrer um 2 Stunden, so dass wir zwar das nächtliche Spektakel der fortwährenden Ausbrüche erleben, nicht aber die mit Asche bedeckte bizarre Landschaft um den Vulkan. Für alle, die sehen wollen wie es dort aussieht sei der 2015 gedrehte, mehrfach preisgekrönte Film "Tanna, eine verbotene Liebe" des australischen Filmemachers Bentley Dean empfohlen.
Je nach Stärke der vulkanischen Aktivität werden Besucher näher an den Magma-See heran gelassen. Wir erlebten den Mt. Yasur bei mittlerer Stärke, was uns eine geführte Wanderung auf dem Rand des Kraters mit nahezu senkrechten Blick ins kochende und explodierende Lava ermöglicht. Der Vulkan faucht und grollt andauernd nur übertönt durch das atemberaubende, fast Angst einflössende Donnern und Krachen seiner Ausbrüche. Neben der Lava stösst der Vulkan grosse Mengen Asche aus, die so fein ist, dass sie sich in Kleidern, Haare, Ohren, Augen und Nase festsetzt.
Nach einer halben Stunde am Rand des Kraters verlassen wir diesen schaurig schönen Ort und kehren im Schein einer Akku-Lampe bei Chez Lea ein.











Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen