Alle Berichte dieser Teilstrecke werden Abschnitte eines Posts sein. Dies, weil die Anzahl der Posts bei Blogspot auf 500 pro Blog begrenzt ist. So erreichen wir weniger schnell diese Grenze.
__________________________________________________________________________________
Heute Morgen in der frühen Dämmerung um 5.45 segelten wir an der Nordspitze Fatu Hivas vorbei. Nach knapp 18 Tagen und 3000 Seemeilen haben wir die längste Teilstrecke unserer Reise ohne Schwierigkeiten oder Probleme gemeistert. Das Wetter, abgesehen von eine paar Regenschauern in den ersten Tagen, war mit viel Sonne, moderatem Seegang und angenehmen 3-6 Windstärken ebenfalls auf unserer Seite. Den Pazifik haben wir seit Panama bislang als friedlichen Ozean erlebt.
Bald nachdem ich den letzten Post geschrieben und abgeschickt hatte, wurde der Wind deutlich schwächer. Seither treiben wir (segeln kann man es kaum noch nennen) bei 10 Knoten Wind mit 5 Knoten Bootsgeschwindigkeit dahin. In den letzten 24 Stunden kamen wir daher unserem Ziel nur 117 Seemeilen näher. Unsere Ankunftsprognose müssen wir auf Dienstag revidieren, wenn wir, was wir annehmen, für die letzten 220 Seemeilen die gleichen Bedingungen haben.
Wir sind so langsam, dass wir nicht einmal die Fliegenden Fische erschrecken können. Selten sehen wir sie, wie sie vor uns zur Flucht über das Wasser ansetzen. Sind wir schneller unterwegs, springen ganze Schwärme aus dem Wasser und fliegen links und rechts vom Bug davon um nach einigen zig Metern in einer Welle zu verschwinden. Manche sind richtige Flugkünstler und schaffen es durch einige Wellentäler hindurch zu fliegen.
Zum sonntäglichen Mittagessen gibt es Älplermaggeronen mit Käse von einer Alp oberhalb des Tamiatals bei Bad Ragaz. Ganz lecker und tröstest über das schwache Etmal hinweg.
Position um 12 Uhr mittags: 9°42‘ S, 135°01‘ W.
Samstag 25.April 2015, 15. Tag: Mitternachtsaktion
In
den letzten 24 Stunden drehte der Wind erwartungsgemäss stetig von
Südost auf Ost. Da wir nach Westen segeln, kommt er jetzt genau von
achtern. In der Nacht bargen wir unser Grosssegel und setzten den
Spinnackerbaum um die Genau auszubaumen. Das Grosssegel werden wir
bis zu den Marquesas wohl nicht mehr brauchen, weshalb wir es trotzt
später (oder früher) Stunde sauber im Grossbaum verstauten. Jetzt
schlägt kein Grosssegel mehr und wir laufen mit etwa 7 Knoten
unserem Ziel entgegen. Heute Morgen haben wir unser kleines Stagsegel
„Max“ gesetzt, was ein paar Zehntel Knoten zusätzliche
Geschwindigkeit erbringt.
Unser Etmal von 179 Seemeilen brachte uns auf 666 Seemeilen an unserem Wegpunkt Marquesas heran. Seit Tagen hat sich das Wetter nicht mehr verändert. Der Himmel ist bis auf ein paar Passatwolken strahlend blau, der Wind bläst mit 4 Beaufort aus Südost und die Wellenhöhe ist im Bereich von einem Meter.
Heute um 12 Uhr mittags segeln wir 845 Seemeilen vor unserem Wegpunkt Marquesas. Das Etmal mit 164 Seemeilen ist leicht unterdurchschnittlich. Der Wind kommt nun von Südost und wird weiter auf Ost drehen, weshalb keine Spitzenetmale mehr zu erwarten sind.
Freitag 17.April 2015, 7. Tag: Glückliche Segler, frustrierte Fischer
Der Passatwind meint es gut mit uns. Er kommt wieder mehr aus südlicher Richtung und weht mit 5 Windstärken auch etwas stärker als gestern. 216 Seemeilen in den letzten 24 Stunden sind das Ergebnis. Ein neues Rekord-Etmal für uns. Die Skipperin meinte das sei jetzt des Guten zu viel und wir sollten den Fuss vom Gas nehmen. Also zweites Reff ins bisher ungereffte Grosssegel. NOE fährt jetzt ruhiger, krängt weniger, ist aber auch nicht mehr ganz so schnell. In einer Woche haben wir uns den Marquesas von anfänglich 2980 auf 1766 Seemeilen genähert.
In der Nacht auf Freitag sahen wir am Horizont vor uns ein weises Licht. Da der Himmel bedeckt war, konnte es kaum ein Stern sein. Ein AIS-Signal haben wir nicht empfangen und unser Funkspruch blieb unbeantwortet. Auf dem Radar konnte wir sehen, das der Abstand vom 6 Seemeilen kleiner wurde und dass wir im sicheren Abstand vorbei segeln werden. Nach 2 Stunden sahen wir sein rotes linkes Positionslicht und nach zwei weiteren Stunden war der andere Segler verschwunden. Schade, dass wir ihm nicht bei Tag begegneten, wenn wir mehr sehen als nur sein weisses und rotes Licht.
Nach einem Tag ohne Angeln schleppten wir den Köder wieder im Heckwasser mit. Schon nach einer Stunde surrt die Bremse. Noch bevor wir das Boot verlangsamen konnten, war in wenigen Sekunden die gesamte auf der Rolle befindliche Angelleine ausgefahren. Der Fisch war kräftiger als die Leine und leider brach der Knoten an der Rolle und nicht der am Köder. Damit ist unsere Angelleine fort und da wir (noch) keinen Ersatz an Bord haben, gibt es bis zum nächsten Angelladen keine Chance auf frischen Fisch. Wie heisst es im Englischen zu dieser Art von Beschäftigung: frustrating business.
Unsere Position um 12 Uhr Mittags: 6°19‘ S, 109°10‘ W
Donnerstag 16.April 2015, 6. Tag: Einstimmung auf die Südsee
Der Passatwind drehte in den letzten 24 Stunden nach Südost und kommt nun schräg von achtern. Dadurch sind wir nicht mehr ganz so schnell, wie bei einem Windeinfall schräg von vorne oder genau von der Seite. Entsprechend unser Etmal „nur“ 195 Seemeilen. Damit haben wir die ersten 1000 Seemeilen, also ein Drittel der Strecke, gesegelt.
Neben Navigation (ist in dieser Gegend nicht so aufwendig), Segeln (oft steuert der Autopilot), Kochen und Boot sauber halten, bleibt etwas Zeit zum Lesen. Wir studieren die entsprechenden Handbücher, wie den Pacific Crossing Guide, Charlie’s Charts of Polynesia, South Pacific Anchorages und Landfalls of Paradise. Dort sind die Ankerbuchten mit ihren Vor- und Nachteilen beschrieben, wie gut der Anker im Grund hält, welchen Schwell (Seegang) bei unterschiedlichen Windrichtungen zu erwarten ist, der das Leben an Bord sehr unangenehm machen kann, und was man an Land an Versorgungseinrichtungen und kulturellen Dingen finden kann.
Diese Bücher sind von der Natur der Sache eher eine trockene Materie. Etwas mehr Spannung und Unterhaltung gibt es bei Herman Melvilles Abenteuer in der Südsee. Dort beschreibt er wie er als 23 jähriger 1842 auf den Marquesas-Inseln von einem Walfänger getürmt ist um dem Joch eines despotischen Kapitäns zu entgehen. Als das Schiff in der Bucht Taiohae auf der Insel Nuku Hiva ankerte und sich für die nächste Fahrt versorgte, nutze er mit einem Leidensgenossen den Landgang zur Flucht. Ohne Kenntnisse der Geographie der Insel, landen sie in einem Tal bei einem Stamm, der als Kannibalen verschrien, sie aufnimmt. Melvilles Kollege gelingt sich der Gastfreundschaft der Eingeboren durch weitere Flucht zu entziehen, während Melville selbst, wegen einer Verletzung am Bein, über längere Zeit unter den „Wilden“ lebt und dieses Leben sehr detailliert und facettenreich beschreibt. Die genannte Bucht wollen wir anlaufen, sie ist zugleich der Ausklarierungspunkt für die Weiterfahrt zu den Atollen Französisch Polynesiens.
Unsere Position um 12 Uhr Mittag: 5°51‘ S, 105°35‘ W. Da wir heute die Uhr um eine Stunde zurückgestellt haben, sind die beiden letzten Positionen 25 Stunden auseinander.
Mittwoch 15.April 2015, 5. Tag: 204 Seemeilen und ein Thunfisch
__________________________________________________________________________________
Mittwoch
29.April 2015: Rosas polynesisches Hühnchen
Als
wir wie abgemacht um 12 Uhr bei Rosa waren, trafen wir nur ihre
Tochter. Rosa sei im Nachbardorf beim Arzt. Fatua Hiva hat zwei
Ortschaften, Hanavave und Omoa, welche 17 Kilometer über Land oder 3
Seemeilen auf dem Wasser entfernt voneinander sind. Die Frage der
Tochter, ob wir hungrig sind, bejahten wir, worauf sie in der
Nachbarschaft verschwand und mit zwei Tellern Reis mit Huhn für uns
zurückkam. Es schmeckte ganz ordentlich und als wir mit dem Essen
fast fertig waren, kam Rosa und entschuldigte sich vielmals, dass sie
nicht mehr an uns gedacht hatte. Zum Nachtisch gab es Pampelmuse, in
der Grösse eines Kinderkopfs. Sehr saftig und leicht süsslich.
Die
Einrichtung des Hauses war einfach und bestand aus zwei Tischen, zwei
Bänken und einem Fernseher. Eine Küche gab es nicht, gekocht wird
auf der Feuerstelle hinter dem Haus. Dort garten gerade zwei
Brotfrüchte. Uru, wie sie das Gericht nennen, ähnelt unserem
Kartoffelbrei.
Rosa
Schwiegertochter war mit ihrem 5 monatigen Baby anwesend und erzählte
uns, dass sie in Papeete entbunden hat. Das heisst, zuerst eine 50
Seemeilen Bootsfahrt mit einen kleinen, offenen Boot nach Hiva Oa,
dann der Flug nach Tahiti. 1500 Kilometer bis zum nächsten
Krankenhaus.
Fatu
Hiva hat wegen der Topographie und der geringen Einwohnerzahl von
etwa 700 Menschen kein Flugfeld. Es gibt auch keine regelmässige
Schiffsverbindung zu einer der anderen Inseln der Marquesas-Gruppe.
Wer nach Fatu Hiva möchte, muss sich selbst organisieren. Oder man
schifft sich in Papeete auf dem Versorgungsschiff Aranui III ein und
fährt ein paar Wochen durch die Tuamotu-Inseln bis zu den Marquesas.
Wahrlich keine Destination für den Massentourismus.
Neben
der Selbstversorgung sichert die Produktion von Coprah ihren
Lebensunterhalt. Coprah ist das getrocknete Fruchtfleisch der
Kokosnüsse. Sie werden aufgebrochen, das Fruchtfleisch von der
Schale getrennt und vor Regen geschützt unter einem Dach aus
Wellblech getrocknet. In Säcken abgefüllt, geht die Ware mit dem
Versorgungsschiff nach Tahiti zur Ölproduktion.
Dienstag
28.April 2015: Landfall of ParadiseHeute Morgen in der frühen Dämmerung um 5.45 segelten wir an der Nordspitze Fatu Hivas vorbei. Nach knapp 18 Tagen und 3000 Seemeilen haben wir die längste Teilstrecke unserer Reise ohne Schwierigkeiten oder Probleme gemeistert. Das Wetter, abgesehen von eine paar Regenschauern in den ersten Tagen, war mit viel Sonne, moderatem Seegang und angenehmen 3-6 Windstärken ebenfalls auf unserer Seite. Den Pazifik haben wir seit Panama bislang als friedlichen Ozean erlebt.
In
der Baie Hanavave, die ein paar Meilen südlich an der geschützten
Westküste Fatu Hivas liegt, liegen wir nun vor Anker und bewundern
die satten Grüntöne der verschiedenen Pflanzen an den steilen
Hängen und die ursprünglich für diese Bucht namensgebenden
Felsformationen. Mit Jungfrauen haben sie überhaupt nichts zu tun.
Bei
einem ersten Landgang realisierten wir, dass sich nicht viel seit den
Tagen James Cooks geändert hat. Anders als damals gibt es technische
Einrichtungen, wie einen Dieselgenerator für den Strom, Autos,
Solarzellen, Parabol-Antennen und eine Post, die stundenweise
geöffnet hat. Dort soll es, wenn es Strom gibt, auch einen
Internet-Zugang geben. Die Geldwirtschaft ist ausser in einem kleinen
Laden gegenüber dem Tauschhandel eher unterentwickelt.
Wo
wir fragten, ob wir Früchte kaufen können, wurden wir aufs Tauschen
angesprochen. Parfüm und Hochprozentiges werden von den Polynesiern
sehr geschätzt. Beides haben wir nicht an Bord und Verantwortung für
die Ausbreitung des Alkoholismus wollen wir nicht tragen. Zum Glück
sind auch T-Shirts, Schokolade und Kekse als Tauschgüter
akzeptiert.
Beim
Spazieren durch den Ort wurden wir von Rosa angesprochen, die mit
einer Blume am Ohr vor ihrem Haus sass. Sie fragte, ob wir morgen bei
ihr Einkehren wollten. Sie werde uns Huhn in polynesischer Sauce
kochen. Wir sind gespannt und werden berichten, wie empfehlenswert
die polynesische Küche ist.
Sonntag
26.April 2015, 16. Tag: Wir schleichen durch die SüdseeBald nachdem ich den letzten Post geschrieben und abgeschickt hatte, wurde der Wind deutlich schwächer. Seither treiben wir (segeln kann man es kaum noch nennen) bei 10 Knoten Wind mit 5 Knoten Bootsgeschwindigkeit dahin. In den letzten 24 Stunden kamen wir daher unserem Ziel nur 117 Seemeilen näher. Unsere Ankunftsprognose müssen wir auf Dienstag revidieren, wenn wir, was wir annehmen, für die letzten 220 Seemeilen die gleichen Bedingungen haben.
Wir sind so langsam, dass wir nicht einmal die Fliegenden Fische erschrecken können. Selten sehen wir sie, wie sie vor uns zur Flucht über das Wasser ansetzen. Sind wir schneller unterwegs, springen ganze Schwärme aus dem Wasser und fliegen links und rechts vom Bug davon um nach einigen zig Metern in einer Welle zu verschwinden. Manche sind richtige Flugkünstler und schaffen es durch einige Wellentäler hindurch zu fliegen.
Zum sonntäglichen Mittagessen gibt es Älplermaggeronen mit Käse von einer Alp oberhalb des Tamiatals bei Bad Ragaz. Ganz lecker und tröstest über das schwache Etmal hinweg.
Position um 12 Uhr mittags: 9°42‘ S, 135°01‘ W.
Die
nächtliche Aktion hat eine Stunde gedauert und direkt vor dem Wind
sind wir leider auch nicht mehr so schnell wie in den vergangenen
Tagen. Entsprechend resultierte ein schmales Etmal von 149 Seemeilen.
Für die verbleibenden 334 Seemeilen sollten wir etwa 50 Stunden
brauchen. Die Prognose, dass wir am Montag ankommen, bleibt gültig.
Unsere
Vorräte an Bananen, Kartoffeln, Zwiebeln und Rübli neigen sich
langsam dem Ende. Gestern haben wir 100 Liter Wasser produziert,
wobei wir mit unseren 480 Litern in den Wassertanks problemlos über
die Runden kommen würden. Diesel haben wir mehr als genug, da der
Motor seit Galapagos nur ein paar Stunden lief und wir für die
Stromerzeugung nur etwa 2 Liter am Tag brauchen. Und Gas zum Kochen
und Backen haben noch für mehr als 2 Monate. Wir müssen keinen
Hunger leiden oder die Rationen kürzen. Auf einen frischen Salat auf
Fatu Hiva freuen wir uns allemal.
Unsere
Position um 12 Uhr mittags: 9°32‘ S, 133°04‘ W.
Freitag
24.April 2015, 14. Tag: Vive la France
Unsere
Etmale pendeln sich mit geringer Bandbreite bei einem Durchschnitt
von 180 Seemeilen ein. In den letzten 24 Stunden haben wir uns 183
Seemeilen unserem Wegpunkt Marquesas genähert und sind jetzt, nach
zwei Wochen Segeln mit einer Strecke von 2500 Seemeilen, 483
Seemeilen östlich von ihm. D.h. wir sollten in drei Tagen auf Fatu
Hiva sein, wenn der Wind in etwa so bleibt wie er derzeit weht.
Auch
wenn Fatu Hiva kein Port of Entry ist, also für den ersten Landfall
an sich nicht in Frage kommt, wird es wohl stillschweigend geduldet.
Kollegen des kanadischen Skippers, mit dem wir uns vorgestern über
Funk unterhalten haben, sind schon dort und konnten keinen Gendarmen
ausfindig machen. Das heilt zwar nicht die Illegalität, aber wo kein
Kläger, da kein Richter. Hier kommt uns das französische
Laissez-faire zu gute.
Die Marquesas gehören mit den Gesellschaftsinseln
und den Tuamotos zu Französisch Polynesien und sind ein
französisches Departement. Weder die Spanier noch die Engländer
machten diese Inseln zu ihren Kolonien. Die Franzosen schlossen 1842
einen Vertrag mit den Häuptlingen auf den Marquesas und sind seither
in Besitzt dieser Inseln. Ganz freiwillig haben die Häuptlinge
diesem Vertrag wohl nicht zugestimmt. Die französischen
Kriegsschiffe mit ihren geöffneten Geschützpforten leisteten ein
Teil der Überzeugungsarbeit.
Unsere
Position um 12 Uhr mittags: 9°22‘ S, 130°33‘ W.
Donnerstag
23.April 2015, 13. Tag: Schiff in Sicht
Unser Etmal von 179 Seemeilen brachte uns auf 666 Seemeilen an unserem Wegpunkt Marquesas heran. Seit Tagen hat sich das Wetter nicht mehr verändert. Der Himmel ist bis auf ein paar Passatwolken strahlend blau, der Wind bläst mit 4 Beaufort aus Südost und die Wellenhöhe ist im Bereich von einem Meter.
Gestern
nach dem Mittagessen haben wir ein Segel am Horizont entdeckt oder
präziser 3, da es sich um einen Boot mit zwei Masten handelt. Über
Funk haben wir Kontakt aufgenommen. Geantwortet hat der Kanadier
Marc, der mit seiner 4 köpfigen Familie von Kanada aus mit ihrer
Yacht Amelie 4 um die Welt segelt. Da die beiden Kinder
schulpflichtig sind, werden sie von ihren Eltern an Bord
unterrichtet.
Sie
starten 2 Tage vor uns auf den Galapagos-Inseln und mussten zum Teil
unter Motor bis auf 7° südliche Breite gehen, um in den Passat zu
kommen. Wir unterhielten uns über all das was Segler interessiert,
wie Bootgeschwindigkeit, Reiseziele und Zeitplan, Wetteraussichten
und voraussichtlicher Ankunftszeitpunkt auf den Marquesas. Über
Iridium haben wir E-Mails geschickt und abgemacht, falls wir zur
gleichen Zeit in der gleichen Bucht ankern uns zu besuchen.
Den ganzen Nachmittag segelten sie in einigen
Meilen Abstand südlich von uns, wobei wir sie langsam überholten.
Nachts um 3 Uhr haben wir ihre Positionslichter noch mit dem Fernglas
hinter uns gesehen. Am Morgen waren sie hinter dem Horizont
verschwunden und auch mit Funk nicht mehr zu erreichen.
Unsere
Position um 12 Uhr mittags: 9°02‘ S, 127°28‘ W.
Mittwoch
22.April 2015, 12. Tag: Die Entdeckung der Marquesas
Heute um 12 Uhr mittags segeln wir 845 Seemeilen vor unserem Wegpunkt Marquesas. Das Etmal mit 164 Seemeilen ist leicht unterdurchschnittlich. Der Wind kommt nun von Südost und wird weiter auf Ost drehen, weshalb keine Spitzenetmale mehr zu erwarten sind.
Die
Marquesas oder Fenua Enata wie sie auf Polynesisch heissen (auf
Deutsch Land der Menschen) wurden wahrscheinlich vor ca. 2000 Jahren
von Osten aus besiedelt. Genau weiss man es nicht, da die Polynesier
keine Schrift entwickelten und keine datiertbaren Zeugnisse der
Vergangenheit hinterlassen haben. Der erste Europäer der die Inseln
sah, war der Spanier Alvaro de Mendana, der sie nach seinem Sponsor,
dem Vizekönig von Peru Marques de Mendoza, benannte. Dies war 1595.
Das
Interesse an diesen entfernt liegenden Inseln war bei den
seefahrenden Nationen Europas eher gering. Es dauert bis 1774 als
James Cook auf seiner zweiten Pazifik-Reise die Marquesas ansteuerte
und Inseln entdeckte, die Mendoza nicht beschrieben hatte. Im Logbuch
von James Cook findet sich für den 12. April 1774 folgender Eintrag.
„Die Einwohner dieser Eilande sind ohne Ausnahme eine so schöne
Rasse wie irgendeine andere in diesem Meer oder wo auch sonst immer;
die Männer sind in der eigenartigsten Weise tätowiert…..“
(Zitiert aus der deutschen Übersetzung der Logbücher, James Cook
Entdeckungsfahrten im Pazifik).
Es war auch James Cook, der den polynesischen
Begriff „tatau“ als Tattoo nach Europa brachte. Tatau heisst
schlagen, da die Technik des Tätowierens durch Schlagen des
Tatauierinstrumentes in die Oberhaut ausgeführt wird. Die Zacken des
Instrumentes werden davor in ein Gemisch aus Russ und Wasser oder
Kokosöl getaucht. Das Verheilen der Wunden dauert etwa 4 Wochen.
Auf den Marquesas wurden die Männer am ganzen Körper tätowiert,
was mehrere Jahre in Anspruch nahm. Und schmerzhaft war die Prozedur
ebenfalls. Wir werden uns auf den Marquesas an der Schönheit der
Natur erfreuen und unsere Köper so lassen wie sie sind.
Unsere
Position um 12 Uhr mittags: 8°39‘ S, 124°30‘ W.
Dienstag
21.April 2015, 11. Tag: Unsere Ziele auf den Marquesas
Wie
gestern haben wir auch in den letzten 24 Stunden ein Etmal von 182
Seemeilen geloggt. Damit haben wir noch ein Drittel der Strecke vor
uns.
Seit
kurz vor Mitternacht, als der Wind auf 5-6 Beaufort zulegte, segeln
wir mit dem 2. Reff im Grosssegel. Die Wellen sind etwas höher als
die letzten Tage, was das Leben an Bord ungemütlicher macht. Zum
Glück war gestern der Kuchen- und Brot-Backtag. Heute wäre die
Verrichtung dieser Tätigkeiten keine Freude, wenn die Skipperin
überhaupt damit begonnen hätte.
In
den letzten Tagen haben wir uns durch alle Handbücher gelesen, die
Ankerplätze und Buchten der Marquesas beschreiben. Falls jemand, als
virtueller Spähtrupp sozusagen, auf Google Earth schon einmal ein
Blick auf unsere voraussichtlichen Ankerplätze werfen möchte, hier
ist die Liste. Da die Marquesas sich von Südosten nach Nordwesten
erstrecken, also genau in vorherrschender Windrichtung, planen wir
den ersten Landfall auf Fatu Hiva in der Baie Hanavave.
Das
ist zwar zolltechnisch nicht ganz ok, da das Einklarieren auf Hiva Oa
in Atuona stattfindet. Das ist erst unsere 2. Station, da bei
umgekehrter Reihenfolge 40 Seemeilen gegen den Wind zu segeln wären.
Das wollen wir uns ersparen und der französische Gendarm auf Fatu
Hiva wird wohl ein Auge zudrücken. Auf der Nordseite von Hiva Oa
liegt die Baie Hanaiapa, die ein ruhiges Ankern ermöglichen sollte.
Vor
der Weiterfahrt zur Insel Ua Pou, die auf halben Weg nach Nuku Hiva
liegt, geht es noch ein kleines Stück nach Süden Insel Tahuata.
Dort wir die Baie Hanamoena empfohlen. Auf Ua Poa gibt es zwei
Möglichkeiten, Hakahau oder Hakahetau.
Nuku
Hiva ist die grösste Inseln und das Verwaltungszentrum. Baie Taiohae
werden wir zum Ausklarieren und Verproviantieren anlaufen. Die Baie
Du Controleur ist der Schauplatz von Herman Mevilles Aufenthalt (oder
besser Gefangenschaft) im Jahr 1842. Im Norden wird die Baie
D’Hatikeu empfohlen mit dem Restaurant Chez Yvonne, wo es Ferkel
nach polynesischer Art aus dem Erdofen gibt. Falls diese Bucht zu
unruhig ist, soll die Nachbarbucht Baie D’Anaho die bessere
Alternative sein.
Unsere
Position um 12 Uhr mittags: 8°15‘ S, 121°26‘ W.
Montag
20.April 2015, 10. Tag: Ein schöner Passat-Tag zum Geburtstag
Skipper
feiert heute Geburtstag. Der Aprikosenkuchen ist im Backofen und
draussen scheint die Sonne von einem blauen Himmel, der mit weissen
Passat-Wolken getupft ist. Der Wind mit Stärke 4 aus Südost lässt
uns bei moderat bewegter See weiterhin gut vorankommen. In den
letzten 24 Stunden waren es 182 Seemeilen. Noch verbleiben 1209
Seemeilen.
Ansonsten gibt es nichts Spannendes zu berichten.
Alle Systeme an Bord funktionieren einwandfrei und erlauben uns ein
sorgenfreies Segeln. Wind und Wetter sollen die nächsten 5 Tage
stabil bleiben, was uns ebenfalls erfreut.
Unsere
Position um 12 Uhr mittags: 7°47‘ S, 118°24‘ W.
Sonntag
19.April 2015, 9. Tag: 8 Tage und 8 Stunden
Solange haben wir für die erste Hälfte der
Strecke von den Galapagos zu den Marquesas-Inseln benötigt. Die
letzten 4 Tage mit Etmalen von 204, 196, 216 und 201 Seemeilen haben
uns schneller nach Westen gebracht, als wir es erwartet hatten.
Die
gesegelte Strecke der letzten 24 Stunden war mit 174 Seemeilen eher
wieder etwas aus dem Cruising-Bereich. Wir sind schon etwas verwöhnt
durch die Etmale mit einer 2 als erste Ziffer. 1400 Seemeilen liegen
jetzt noch vor uns.
Hier
draussen ist schon wenig los. Selbst die Vögel machen sich
mittlerweile rar. Fliegende Fische gibt es und Delphine. Wir sehen
sie jedoch nur nachts, wenn sie an uns vorbei flitzen, sich vor dem
Bug tummeln und dabei, wie wir in unserem Kielwasser, eine Leuchtspur
fluoreszierender Lebewesen hinter sich herziehen. Leider lässt sich
das nicht fotographisch festhalten, wenn neben uns einige Delphine
ihre Leuchtspuren ins Wasser ziehen. Es sieht faszinierend aus. Warum
die Delphine uns nur nachts begegnen, wissen wir nicht. Trotzdem ist
eine Wache und regelmässiges Ausschau halten nötig. Heute Morgen
haben wir das AIS-Signal eines japanischen Fischerbootes in 10
Seemeilen Abstand empfangen, das sich auf dem Weg von Süd nach Nord
zu den Marshall-Inseln befand. In wissenschaftlicher Walfangmission?
Unsere
Position um 12 Uhr mittags: 7°18‘ S, 115°23‘ W.
Samstag
18.April 2015, 8. Tag: Ereignisloses Nicht-Wetter-Tag
Das
Wetter ist eine Art Nicht-Wetter. Etwas Sonne, etwas bedeckter
Himmel, ein paar Regentropfen und manchmal ein Seegang, bei dem wir
uns bei allen was wir tun gut abstützen müssen um nicht von einer
Schiffbewegung umgeworfen zu werden. Mal haben wir 4 Windstärken,
meistens 5 und manchmal 6.
Trotz
2. Reff und in der Nacht sogar mit 3. Reff sind wir 201 Seemeilen
gesegelt. Um 12 Uhr Mittag betrug die Distanz zu unserem Wegpunkt
Marquesas 1565 Seemeilen. Heute Abend werden wir die Hälfte der
Strecke in unserem Kielwasser haben. Der Wetterbericht für die
nächsten Tage zeigt keine Änderung von Windstärke und
Windrichtung, weshalb wir auch weiterhin gut vorankommen sollten.
Warten wir es ab. Derzeit segeln wir mit Genua und 3. Reff im
Grosssegel, wodurch das gesamte Potential an Geschwindigkeit nicht
ausgeschöpft wird, aber wir kommen mit guter Geschwindigkeit
einigermassen komfortabel voran.
Für
Nichtsegler: 1., 2., 3. Reff? Die Segelfläche eines Bootes richtet
sich nach Windstärke und Windrichtung. Nimmt der Wind zu, wird die
Segelfläche verkleinert. Mit dem 3. Reff ist bei uns die Fläche des
Grosssegels halbiert, beim 2. Reff verbleiben 70% und beim ersten
Reff sind 85%.
Wie
funktioniert das Reffen? Die drei Seiten des Grosssegels heissen
Vorliek (am Mast), Unterliek (am Baum) und Achterliek (frei). Die
Einrichtung zum Reffen besteht aus Ösen oder bei grösseren Booten
aus Rollen, die im parallelen Abstand zum Unterliek an Vorliek und
Achterliek angebracht sind. Bei uns sind 3 pro Liek.
Eine Leine wird ausgehend vom hinteren Ende des
Baums durch die unterste Rolle am Achterliek geführt, von da nach
unten zum Baum, wo sie umgelenkt von einer Rolle im Baum zum vorderen
Ende des Baums geführt und dort nach oben umgelenkt wird zur
untersten Rolle im Vorliek. Von dort geht es nach unten zum Fuss des
Mastes und mit einer weiteren Rolle umgelenkt ins Cockpit. Und das
ganze dreimal für alle 3 Reffs. Mit dieser etwas kompliziert
erscheinenden Leinenführung kann man vom Cockpit durch Wegfieren des
Grossfalls und Anziehen der Reffleinen das Grosssegel verkleinern,
was bei viel Wind viel sicher ist, als auf dem Vorschiff
herumzuturnen. Die ganze Übung dauert nur ein paar Minuten und lässt
sich alleine oder besser zu zweit durchführen.
Andere
Reffsysteme basieren darauf, dass das Grosssegel im Mast oder im Baum
aufgerollt wird. Dann geht das Reffen elektrisch auf Knopfdruck.
Diesem grossen Vorteil und der Möglichkeit das Segel kontinuierlich
bis auf den letzten Quadratmeter zu reffen stehen ein paar Nachteile
gegenüber und Puristen fühlen sich von diesen Systemen nicht
wirklich angesprochen.
Unsere
Position um 12 Uhr mittags: 6°40‘ S, 112°31‘ W.
Freitag 17.April 2015, 7. Tag: Glückliche Segler, frustrierte Fischer
Der Passatwind meint es gut mit uns. Er kommt wieder mehr aus südlicher Richtung und weht mit 5 Windstärken auch etwas stärker als gestern. 216 Seemeilen in den letzten 24 Stunden sind das Ergebnis. Ein neues Rekord-Etmal für uns. Die Skipperin meinte das sei jetzt des Guten zu viel und wir sollten den Fuss vom Gas nehmen. Also zweites Reff ins bisher ungereffte Grosssegel. NOE fährt jetzt ruhiger, krängt weniger, ist aber auch nicht mehr ganz so schnell. In einer Woche haben wir uns den Marquesas von anfänglich 2980 auf 1766 Seemeilen genähert.
In der Nacht auf Freitag sahen wir am Horizont vor uns ein weises Licht. Da der Himmel bedeckt war, konnte es kaum ein Stern sein. Ein AIS-Signal haben wir nicht empfangen und unser Funkspruch blieb unbeantwortet. Auf dem Radar konnte wir sehen, das der Abstand vom 6 Seemeilen kleiner wurde und dass wir im sicheren Abstand vorbei segeln werden. Nach 2 Stunden sahen wir sein rotes linkes Positionslicht und nach zwei weiteren Stunden war der andere Segler verschwunden. Schade, dass wir ihm nicht bei Tag begegneten, wenn wir mehr sehen als nur sein weisses und rotes Licht.
Nach einem Tag ohne Angeln schleppten wir den Köder wieder im Heckwasser mit. Schon nach einer Stunde surrt die Bremse. Noch bevor wir das Boot verlangsamen konnten, war in wenigen Sekunden die gesamte auf der Rolle befindliche Angelleine ausgefahren. Der Fisch war kräftiger als die Leine und leider brach der Knoten an der Rolle und nicht der am Köder. Damit ist unsere Angelleine fort und da wir (noch) keinen Ersatz an Bord haben, gibt es bis zum nächsten Angelladen keine Chance auf frischen Fisch. Wie heisst es im Englischen zu dieser Art von Beschäftigung: frustrating business.
Unsere Position um 12 Uhr Mittags: 6°19‘ S, 109°10‘ W
Donnerstag 16.April 2015, 6. Tag: Einstimmung auf die Südsee
Der Passatwind drehte in den letzten 24 Stunden nach Südost und kommt nun schräg von achtern. Dadurch sind wir nicht mehr ganz so schnell, wie bei einem Windeinfall schräg von vorne oder genau von der Seite. Entsprechend unser Etmal „nur“ 195 Seemeilen. Damit haben wir die ersten 1000 Seemeilen, also ein Drittel der Strecke, gesegelt.
Neben Navigation (ist in dieser Gegend nicht so aufwendig), Segeln (oft steuert der Autopilot), Kochen und Boot sauber halten, bleibt etwas Zeit zum Lesen. Wir studieren die entsprechenden Handbücher, wie den Pacific Crossing Guide, Charlie’s Charts of Polynesia, South Pacific Anchorages und Landfalls of Paradise. Dort sind die Ankerbuchten mit ihren Vor- und Nachteilen beschrieben, wie gut der Anker im Grund hält, welchen Schwell (Seegang) bei unterschiedlichen Windrichtungen zu erwarten ist, der das Leben an Bord sehr unangenehm machen kann, und was man an Land an Versorgungseinrichtungen und kulturellen Dingen finden kann.
Diese Bücher sind von der Natur der Sache eher eine trockene Materie. Etwas mehr Spannung und Unterhaltung gibt es bei Herman Melvilles Abenteuer in der Südsee. Dort beschreibt er wie er als 23 jähriger 1842 auf den Marquesas-Inseln von einem Walfänger getürmt ist um dem Joch eines despotischen Kapitäns zu entgehen. Als das Schiff in der Bucht Taiohae auf der Insel Nuku Hiva ankerte und sich für die nächste Fahrt versorgte, nutze er mit einem Leidensgenossen den Landgang zur Flucht. Ohne Kenntnisse der Geographie der Insel, landen sie in einem Tal bei einem Stamm, der als Kannibalen verschrien, sie aufnimmt. Melvilles Kollege gelingt sich der Gastfreundschaft der Eingeboren durch weitere Flucht zu entziehen, während Melville selbst, wegen einer Verletzung am Bein, über längere Zeit unter den „Wilden“ lebt und dieses Leben sehr detailliert und facettenreich beschreibt. Die genannte Bucht wollen wir anlaufen, sie ist zugleich der Ausklarierungspunkt für die Weiterfahrt zu den Atollen Französisch Polynesiens.
Unsere Position um 12 Uhr Mittag: 5°51‘ S, 105°35‘ W. Da wir heute die Uhr um eine Stunde zurückgestellt haben, sind die beiden letzten Positionen 25 Stunden auseinander.
Mittwoch 15.April 2015, 5. Tag: 204 Seemeilen und ein Thunfisch
In
den letzten 24 Stunden haben wir uns um 204 Seemeilen unserem
Wegpunkt auf den Marquesas genähert, davon 109 Seemeilen in den
letzten 12 Stunden. Noch nie sind wir mit NOE in 24 Stunden so weit
gekommen. Wind, Wetter und Strom sind weiterhin auf unserer Seite und
lassen uns zügig vorankommen. Die Aussagen von Jimmy Cornell zu
dieser Gegend treffen bei uns erfreulicher Weise nicht zu. Die Sonne
scheint unablässig und nur kleine Passatwolken ziehen vorbei. Der
Wind kommt beständig aus Südsüdost und bläst mit 4 Beaufort.
Neben
dem Wetterglück stellte sich auch der erste Erfolg beim Fischen ein.
Während Ursula das Mittagessen aus Kartoffeln und Spiegelei
vorbereitete, hörten wir das Geräusch der Bremse unserer
Schleppangel. Sofort haben wir die Fock eingerollt, das Grosssegel
aufgefiert und sind höher an den Wind gegangen um Geschwindigkeit
aus dem Schiff zu nehmen. Der Zug auf der Angel war nicht so stark
und wir sahen keinen Fisch springen. Ich dachte, wir sind einem
Fehlalarm aufgesessen und es hat sich vielleicht etwas am Köder
verhakt. Seit der Abfahrt von Panama haben wir fast jeden Tag den
Köder hinter uns hergezogen und nie hat etwas angebissen. Unsere
Hoffnung jemals etwas zu fangen, war nicht mehr sehr gross. Und
doch, wir hatten Glück, ein Thunfisch hing an der Angel. Da er nur
ca. 40 Zentimeter lang war, konnten wir ihn leicht an Bord ziehen und
ausnehmen. Genau richtig für zwei Personen. Zum Mittagessen gab es
gebratenen Thunfisch mit Kartoffeln. Sehr lecker.
Die Investition in Angelausrüstung steht bei
weitem noch nicht im Gegenwert zum Wert des gefangen Fisch. Da es in
der Einsamkeit des Pazifiks keinen Fisch zu kaufen gibt, ist jeder
Fang etwas Besonderes und eine willkommene Bereicherung für den
Speiseplan, die einer schnöden Investitionsrechnung nicht zugänglich
ist.
Unsere
Position um 12 Uhr Mittag: 5°18‘ S, 102°13‘ W.
Dienstag 14.April 2015, 4. Tag: Der Strom schiebt uns
Nicht nur der Wind bringt uns vorwärts, auch die
Meeresströmungen tun es. Im südlichen Pazifik in der Nähe des
Äquators fliesst das Wasser von Ost nach West, von der
Südamerikanischen Küste bis auf die andere Seite des Pazifiks.
Während wir in den ersten Tagen nach Abfahrt von den
Galapagos-Inseln keinen Strom bemerkten, setzte er gestern ein und
gibt uns bis zu 0.5 Knoten Fahrt extra. Unser Etmal ist noch nicht
rekordverdächtig, jedoch mit 161 Seemeilen und nun fast 600
Seemeilen in 4 Tagen erfreulich. Je weiter wir nach Westen kommen,
desto stärker sollte der Strom werden und über 1 Knoten betragen.
Dienstag 14.April 2015, 4. Tag: Der Strom schiebt uns
Für
Nichtsegler: woran sehen wir, dass uns der Strom schiebt? Die
Geschwindigkeit eines Bootes kann mit verschiedenen Methoden gemessen
werden, deren Differenz die Geschwindigkeit des Stroms ergibt. Die
eine Methode ist das GPS, welches uns sagt, wie schnell wir uns
relativ zur Erde (oder wie die Franzosen sagen relativ zur Sonne)
bewegen. In der Seefahrt heisst diese Geschwindigkeit Geschwindigkeit
über Grund. Die andere Methode, und vor Aufbau des GPS-Systems die
einzige, ist die Logge. Dies ist ein im Boden des Schiffs
angebrachtes kleines Schaufelrädchen, mit Magneten in seinen
Schaufeln, die über Induktion ein elektrisches Signal erzeugen,
welches in Geschwindigkeit umgerechnet wird. Also wie der Geber beim
Velo-Computer. Diese Geschwindigkeit ist die Geschwindigkeit durch
Wasser. Die Differenz aus Geschwindigkeit über Grund und durchs
Wasser ist der Strom. Gut vorstellen kann man sich dies, wenn man
gedanklich mit einem Boot einen Fluss hinauffährt und zwar so
schnell wie die Fliessgeschwindigkeit des Flusses. Dann bewegt man
sich relativ zum Ufer nicht.
Und
wie haben die Columbus, Magellan und Cook die Geschwindigkeit ihrer
Schiffe gemessen. Sie nahmen ein Stück Holz, bohrten ein Loch hinein
und führten durch dieses Loch eine Schnur, die alle 51 Zentimeter
einen Knoten hatte. Wird die Schnur neben oder hinter dem Boot
hergezogen entspricht die Geschwindigkeit des Bootes in Knoten der
Anzahl von Knoten, die das Holzstück pro Sekunde passiert. Oder noch
einfacher, man wirft am Bug etwas Schwimmfähiges ins Wasser (bitte
kein Plastik verwenden) und misst die Zeit, bis es am Heck
vorbeischwimmt und beginnt zu rechnen.
Der
südliche Äquitorialstrom, in dessen Einfluss wir uns nun befinden,
wurde von Thor Heyerdhal auf seinem Floss Kon-Tiki benutzt, um von
Peru nach Westen zu gelangen. Sein Experiment, das mit einer
Strandung auf einem Südsee-Atoll endete, sollte beweisen, dass
Polynesien auch von Osten aus besiedelt worden ist. Die Besiedlung
von Westen gegen Strom und vorherrschenden Wind, schien ihm weniger
wahrscheinlich. Ich glaube, er hat die seglerischen und
navigatorischen Fähigkeiten der Polynesier mit ihren Auslegerkanus
unterschätzt.
Wir
nähern uns Polynesien auf die einfache Weise, mit Wind und Strom im
Rücken, dazu GPS und Seekarten an Bord.
Unsere
Position um 12 Uhr Mittag: 4°43‘ S, 98°52‘ W.
Montag
13.April 2015, 3. Tag: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
In
Abwandlung dieses Spruches war unser Segelsonntagnachmittag im Passat
noch nicht der Beginn einer Drei-Wochen-Schönwetterfahrt. Um
Mitternacht verschwanden die Sterne des südlichen Himmels hinter
dichten Wolken und seitdem ist es bedeckt und es regnet von Zeit zu
Zeit. Da der Wind mit 3-4 Beaufort von Süden bläst, wir also mit
halben Wind nach Westen segeln, können wir uns nicht beklagen. Mit
dem Etmal von 155 Seemeilen sind wir auch zufrieden.
Die Kollegen der Segelyacht Argentina segelten die
halbe Nacht im Abstand von 3 Seemeilen neben uns her. Am frühen
Morgen bargen wir aus Vorsicht bei einem Regenschauer unser
Grosssegel, was sich im Nachhinein als zu grosse Vorsicht
herausstellte. Bei Tagesanbruch sahen wir sie einige Meilen voraus,
wie sich ihr weisses Grosssegel deutlich gegen den dunklen,
wolkenverhangenen Himmel abzeichnete. Sie segeln einen Regenschauer
vor uns. Gegen Mittag verschwanden sie im grauen Einerlei des
Horizonts, auf einer südlicheren Route.
Im
Standardnachschlagewerk der Weltenbummler von Jimmy Cornell
„Segelrouten der Welt“ findet sich der Absatz bei der
Beschreibung der Route Galapagos-Marquesas, dass in einem Gebiet
zwischen 3 und 8° südlicher Breite und 95 und 108° westlicher
Länge oft mit unregelmässigen Wetterbedingungen zu rechnen ist.
Dann sind es für uns nur noch 600 Seemeilen oder 4 Tage bis wir
ausserhalb sind. Einschränkend sagt er aber auch, dass die Lage
nicht so genau zu bezeichnen ist und sich jedes Jahr verändert.
Hoffen wir, dass es dieses Jahr nicht noch gewachsen ist.
Unsere
Position um 12 Uhr Mittag: 4°19‘ S, 96°12‘ W.
Sonntag
12.April 2015, 2. Tag: Wir sind nicht ganz allein
Unser
Nachbar an der Boje in San Cristobal, die 53 Fuss lange
Aluminiumyacht Argentina mit einem nicht sehr gesprächigen,
italienischen Eigner, machte sich ebenfalls am Freitag auf den Weg
Richtung Westen. Sie legten etwas früher ab als wir und wir verloren
sie am Freitagabend aus den Augen. Am Samstagmorgen bei
Sonnenaufgang sahen wir sie ein paar Meilen vor uns. Wir blieben den
ganzen Tag in Sichtweite, da sich Geschwindigkeit unserer Boote und
die Taktik um durch die Kalmen zu kommen offensichtlich gleichen. In
der Nacht bei auffrischenden Wind konnten wir sie überholen, sie
sind uns jedoch auf den Fersen. Unsere Kursänderungen machen sie
mit, so segelten wir in der Nacht wegen des stärkeren Windes
gemeinsam ein paar Stunden genau Richtung Marquesas, um am Morgen bei
schwächerem Wind wieder anzuluven (Drehung zum Wind) um Weg nach
Süden gut zu machen.
Seit
10 Uhr heute Morgen bläst der Passatwind. Auf 3°40‘ Süd, also
wie die Wettervorhersage angegeben hat, setzte Südwind mit 3-4
Beaufort ein. Der Himmel klarte auf, die Wolken der nächtlichen
Regenschauer verwandeln sich im wahrsten Sinne des Wortes in Luft,
der Seegang ist moderat mit weissen Schaumkronen auf den Wellenkämmen
und wir geniessen einen schönen Segelsonntagnachmittag im südlichen
Pazifik.
Mit
einsetzenden Passat-Wind korrigierten Argentina und wir unseren Kurs
auf 254°, da nun der direkte Weg zu den Marquesas der schnellste
sein sollte. Auf ihrem AIS-Signal sehen wir, mit welcher
Geschwindigkeit sie in welche Richtung segeln, und umgekehrt.
Heute
Morgen haben wir Argentina angefunkt und eine Antwort erhalten.
Leider war die Verbindung so schlecht, dass wir sie nicht verstehen
konnten. Wir probieren es heute Abend noch einmal. In einer Gegend,
wo man tagelang nur Wasser und Himmel sieht, ist ein Schwatz von Boot
zu Boot eine willkommene Abwechslung.
Zur
Statistik, wir haben uns in den letzten 24 Stunden 155 Seemeilen
unserem Ziel genähert.
Unsere Position um 12 Uhr Mittag: 3°47‘ S, 93°39‘ W
Samstag
11.April 2015, 1. Tag: In den KalmenUnsere Position um 12 Uhr Mittag: 3°47‘ S, 93°39‘ W
Gestern
um 12.30 haben wir von unserer Boje in der Wreck-Bay abgelegt und uns
auf die lange Reise zu den Marquesas gemacht. Die Zone zwischen den
Passatwinden auf der Nord- und Südhalbkugel wird wegen der schwachen
Winden und Flauten Kalmen genannten. Sie war bei Seeleuten früherer
Jahrhunderte gefürchteter als Breiten mit hoher
Sturmwahrscheinlichkeit. Lagen ihre trägen Schiffe oft wochenlang in
den Kalmen fest und kam kaum vom Fleck. Und dies bei senkrechter
Einstrahlung der Sonne mit sengender Hitze. Die Sonne steht auch bei
uns senkrecht, aber wir haben die Option Motor, zumindest solange wir
unser Dieselvorräte nicht über die Massen beanspruchen.
In
den ersten knapp 24 Stunden haben wir 120 Seemeilen auf unseren, zu
Beginn der Reise 2980 Seemeilen entfernten Wegpunkt zwischen den
Inseln Fatu Hiva und Hiva Oa gutgemacht. Dabei lief unser Motor 4
Stunden, als in der Nacht der Wind einschlief. Ein Regenschauer um 4
Uhr morgen brachte dann wieder etwas Wind.
In
den ersten Tagen werden wir nicht den direkten Kurs (Westsüdwest,
also in der Mitte von West und Südwest) segeln, sondern nach
Südwesten, um schneller den Südostpassat zu erreichen. Das ist ein
kleiner Umweg, sollte sich aber auszahlen, da wir weniger lange in
den Kalmen bleiben. Direkt von den Galapagos-Inseln nach Süden zu
segeln um auf 4° südlicher Breite den Passat zu erwischen ist auch
möglich, aber mit einem entsprechenden Umweg.
Eine Gruppe Buckelwale kreuzte unseren Kurs,
Delphine begleiteten uns, Thunfische konnten wir bei ihrer Jagd nach
Fressbarem beobachten und einen Seelöwen haben wir beim Schlafen
gestört. Ansonsten gewöhnen wir uns nach 10 Tagen Pause an das
Leben unter Segeln, was bei dem leichten Wind nicht so schwierig ist.
Unsere
Position um 12 Uhr: 2°31‘ S, 91°16‘ W
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen