Passage Lanzarote - Sardinien

Sonntag 14. Mai 2017: Tag 12 und letzter Tag

Der schöne Wind der uns in den letzten Stunden so schnell nach Sardinien und in die Strasse von Bonifacio gebracht hatte, war leider nicht von Dauer. Als es etwa auf der Höhe von Bonifacio das letzte Tageslicht verschwand, entschieden wir im Maddalena Archipel zu ankern und die letzten Meilen bei Tageslicht am Sonntag ausgeruht zu segeln.

Unser Ankerplatz fanden wir in der Bucht Porto Licia in der Nähe von Palau. Nach einem ausgezeichneten Schlaf in dieser ruhigen Bucht starten wir heute Morgen zu den letzten 20 Meilen. Bei leichten Wind ging es gemütlich mit achterlichem Wind durch die Maddalena Passage, die wir von verschiedenen Törns der letzten Jahre kennen. Entlang der Costa Smeralda mit ihren Buchten und ins Meer herausragenden, jedoch gut betonnten, Felseninseln erreichten wir um 15 Uhr den Hafen Porto Rotondo.


Damit ist auch unsere letzte, 1400 Meilen lange Passage von Lanzarote mit dem Zwischenstopp in Benalmadena ohne Probleme zu Ende gegangen. Insgesamt eine eher ruhige Etappe, bei der wir vom Wind nicht verwöhnt wurden. Andererseits aber auch keine Bedingungen erlebten, die Mensch und Material stark belasten. 

Samstag 13. Mai 2017: Tag 11

Mal wieder Segeln vom Feinsten. Zumindest seit heute Morgen um 7 Uhr als der Wind mehr auf Süd drehte, die Welle abnahm und wir das Grosssegel setzten. Davor kam der Wind genau von Achtern und wegen der Bewegung des Schiffs durch die Wellen schlug das Vorsegel immer wieder. Als der Wind für eine Stunde besonders schwach und das Schlagen besonders stark war, rollten wir das Vorsegel weg und fuhren unter Motor.

Das ist jetzt alles vergessen, rauschen wir nun mit 9 Knoten Bootsgeschwindigkeit bei 5-6 Beaufort unter voller Besegelung bei leichter Besorgnis der Skipperin unserem Wegpunkt vor Sardinien entgegen. Der Autopilot ist ausgeschaltet und wir geniessen das Segeln unter blauem Himmel.
Um 1130 schälten sich die Berge Sardiniens langsam aus dem Dunst hervor, bei einer Position 10 Seemeilen vor der Küste. 

Mittlerweile segeln wir in der Strasse von Bonifacio, an deren Ende unser nächster Wegpunkt in 40 Seemeilen Entfernung liegt. Wir werden bei Helligkeit und ohne marokkanische Fischer durch die Strasse fahren, wobei auch hier gefischt wird und ein wachsames Auge auf treibenden Fischerbojen notwendig ist.


Unsere Position um 12 Uhr mittags (unser Schiffsmittag entspricht 12 Uhr MESZ) war 41°01,9’N, 8°01,2’E. 126 Seemeilen konnten wir gutmachen, davon 40 in den letzten 6 Stunden. Somit verbleiben 96 Meilen bis zum Ziel. 


Freitag 12. Mai 2017: Tag 10

Die Balearen haben wir mittlerweile hinter uns gelassen. Gesehen haben wir keine der Inseln, da wir entweder zu weit entfernt segelten oder wie bei Menorca die Insel nachts in einem Abstand von 9 Seemeilen passierten. Trotz des relativ grossen Abstands und der geringen Höhe des höchsten Berges von 358 Meter, wurde der Wind im Windschatten schwächer. Wir widerstanden knapp der Versuchung die Maschine anzuwerfen, halsten hingegen auf Backbordbug (für Nichtsegler, der Wind kommt von rechts) und segelten mit einem östlicheren Kurs langsam von der Insel weg.

Wir fragen uns, ob das europäische Frühjahr beziehungsweise der beginnende mediterrane Sommer Ladehemmungen hat. Wir segeln unter einer grauen Wolkendecke, tragen 2-3 Schichten warmer Wäsche und erinnern uns an die Schafe Neuseelands, die als Produzenten der wärmenden Wolle uns die Umgewöhnung von den Tropen in die rauen Bedingungen nördlich von 40° nördlicher Breite erleichtern. Ein Dankeschön nach Down Under.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (unser Schiffsmittag entspricht 12 Uhr MESZ) war 40°06,5’N, 5°33,0’E. Die Distanz nach Porto Rotondo konnten wir in den letzten 24 Stunden um 119 auf 222 Seemeilen verkürzen. Wenn wir weiterhin so dahin schleichen, werden wir in etwa 2 Tagen unser Ziel erreichen.

Donnerstag 11. Mai 2017: Tag 9

Um Mitternacht segelten wir 20 Seemeilen südlich von Formentera vorbei, wobei die Vollmond-Nacht durch eine hohe Schleierbewölkung von ihrem Reiz verlor. Formentera ist die kleine, Ibiza im Süden vorgelagerte Insel, deren Leuchtfeuer, 2 Blitze alle 15 Sekunden, wir gut erkennen konnten.

Das Barometer war in den vergangenen drei Tagen kontinuierlich um 20 auf unter 1000 mbar gefallen. Kein Grund zur Besorgnis, aber ganz wohl ist es niemand, wenn das Barometer in unseren Breiten nur noch eine Richtung kennt.

Von den 3 Optionen zum Weitersegeln wählten wir trotzdem die Variante „Kürzeste Route“, also durch die Strasse von Bonifacio nach Porto Rotondo, da der Wetterbericht ein Auffüllen des Tiefs nördlich von uns mit moderatem Wind vorhersagte. Das sollte uns für die nächsten 2-3 Tage westlichen und südwestlichen Wind bringen. Mittlerweile steigt das Barometer wieder und wir segeln nur mit Vorsegel vor dem Wind bei anfänglich 6-7 Beaufort (moderat?), nun mit 5, auf die Nordwest-Ecke Sardiniens, die Punto dello Scorno, zu.

Ein Ereignis hätten wir fast übersehen. 40‘000 Seemeilen sind wir seit unserem Ablegen in Varazze am 6. September 2014 unterwegs. Da wir schon vor der Reise mit NOE einige tausend Meilen gesegelt sind und die Anzeige der Logge beim Start nicht auf Null setzten, müssen wir immer rechnen. Die Logge, also das kleine Rädchen im Rumpf, was sich kontinuierlich dreht, sobald Wasser den Rumpf entlang strömt, misst den Weg, den wir durch das Wasser zurückgelegt haben. Segeln wir gegen den Strom gibt es mehr Meilen als die tatsächliche Distanz, weniger wenn der Strom uns schiebt. Unabhängig von diesen technischen Finessen freuen wir uns über die grosse runde Zahl.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (unser Schiffsmittag entspricht 12 Uhr MESZ) war 38°55,2’N, 3°26,8’E. Nach Porto Rotondo liegen 341 Seemeilen vor uns.

Mittwoch 10. Mai 2017: Tag 8

Wie der Wetterbericht vorhergesagt hat, drehte sich der Wind, wenn er blies, was er nicht immer tat, in den letzten 24 Stunden um 360°. Von Nord über Ost nach Süden und Westen bis er heute Morgen wieder bei Nord ankam und daraufhin abstellte. Nicht gut für unsere Dieselvorräte aber es hätte noch ein paar Tankstellen auf den Weg nach Sardinien. Ab heute später Nachmittag soll es wieder besser werden für Segler und der Wind soll uns ohne Flauten bis ans Ziel bringen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (unser Schiffsmittag entspricht 12 Uhr MESZ) war 37°56,5’N, 0°34,5’E; wir haben also den Nullmeridian überschritten und befinden uns östlich von Greenwich. Nach Porto Rotondo liegen 487 Seemeilen vor uns, bis zu den Iberischen Inseln 80 Meilen.

Viel Spannendes gibt es nicht zu berichten. Wir erhalten mehrmals täglich Besuch von Delphinen, was im Atlantik oft über Tage nicht der Fall war. Zeigen die Bemühungen zum Schutz der Delphine im Mittelmeer ihre Wirkung oder ist es das bessere Nahrungsangebot? Wir wissen es nicht, freuen uns aber umso mehr über die lustigen Gesellen, die um unseren Bug spielen. Unser Nahrungsangebot ist üppig. Jeden Tag gibt es etwas Leckeres mit Salat und Dessert zum Mittagessen. Da bald serviert wird, beende ich diesen Post und schicke ihn ab.

Dienstag 9. Mai 2017: Tag 7

Der Reihenfolge nach würde Tag 6 kommen. Wir haben ihn nicht unterschlagen oder vergessen. Tag 6 war die Zeit von 12 Uhr am Sonntag bis 12 Uhr am Montag, die wir im Wesentlichen im Hafen von Benalmadena in der Nähe von Malaga verbrachten. Der Hafen ist ganz ok, der Ort hingegen ist keine Schönheit und spricht vor allem Touristen aus dem Land an, das mit knapper Mehrheit nicht mehr Teil der Europäischen Union sein möchte.

Um 13 Uhr verliessen wir daher trotz absoluter Flaute den Hafen und machten uns unter Motor entlang der spanischen Küste Richtung Sardinen auf. 19 Stunden tuckerten wir dahin bis uns ein leichter Ostwind heute Morgen östlich des Cabo de Gata bei Almeria vom der monotonen Maschinenfahrt erlöste. Jetzt kreuzen wir südlich von Cartagena gegen den Wind auf den nächsten, 200 Seemeilen entfernten, Wegpunkt südlich von Ibiza zu.

Es herrscht weiterhin ein reger Schiffsverkehr und nicht alle Kapitäne legen den nötigen Arbeitseifer an den Tag. Kurz vor 12 Uhr kamen zwei Schiffe auf uns zu, wobei das eine deutlich hinter uns unseren Kurs kreuzte. Für das andere, den 100 Meter langen Chemikalienfrachter Cemstar mit Ziel Casablanca, sagte unser Navigationscomputer warnend eine Kollision voraus. Selbst als der Abstand zu uns nur noch eine Meile betrug, gab es kein Anzeichen, dass das Schiff ausweichen würde. Trotz zweimaligen Anfunkens auf Kanal 16 erhielten wir keine Antwort. Offensichtlich war die Brücke nicht besetzt oder der Steuermann schlief gerade.

Wir änderten schnell durch Abfallen unseren Kurs um 40° und passierten den Frachter in geringem Abstand. Ohne unseren Schlenker wäre es wohl zu einer Kollision gekommen. Als wir wieder auf unserem ursprünglichen Kurs waren, riefen wir nochmals auf Kanal 16 und erhielten nun eine Antwort. Auf unsere Frage, ob auf der Brücke alles ok sei, bekamen wir eine positive Antwort. Die Person am Funkgerät zeigte zumindest Verständnis für unser Missfallen, dass sie ihrer Ausweichpflicht nicht nachgekommen sind.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (unser Schiffsmittag entspricht nun 12 Uhr MESZ, da wir in Benalmadena unsere Uhren eine Stunde vorgestellt haben) war 36°59,4’N, 1°24,4’W. Nach Porto Rotondo liegen 597 Seemeilen vor uns.

Sonntag 7. Mai 2017: Tag 5

Unsere Position um 12 Uhr Mittag (1h nach MESZ) war 36°16,9’N, 5°05,5’W. Kurzer Blick auf die Karte: wir sind wieder im Mittelmeer. Heute Morgen erreichten wir nach einer mühsamen Nacht das östliche Ende der Strasse Gibraltar.

Der vorhergesagte Nordwind kam am späten Samstagmittag und erlaubte uns ein paar Stunden schönes Segeln. Wir entschieden den Wind zu nutzen und segelten durch die Nacht Richtung Strasse von Gibraltar. Der Schiffsverkehr war mit 80 Meldungen auf dem AIS enorm, was uns aber nicht davon abhielt weiter auf die Meerenge zuzusteuern und uns auf eine Nachtfahrt durch den Verkehr einzustellen.

Der Verkehr wurde nicht zur grössten Herausforderung, sondern die vielen kleinen Fischerboote und Netze, die wir schlecht beleuchtet Meilen vor der Küste Marokkos sowohl ausserhalb als auch in der Route der Grossschifffahrt antrafen. Durch den Wellengang sind die blinkenden roten, weissen und blauen LED Lampen, die auf die Netze und Boote aufmerksam machen sollen, erst zu erkennen, wenn man schon gefährlich nahe ist. Eine regelkonforme Lichterführung kennen die afrikanischen Fischer nicht.

Trotz hoher Achtsamkeit sind wir wenige Meilen vor dem Kap Spartel, wo die Strasse von Gibraltar auf afrikanischer Seite beginnt, morgens um 2 Uhr in ein Netz gefahren und NOE kam zum Stillstand. Wir haben sofort unsere Segel geborgen und die heranfahrenden, wild gestikulierenden Fischer versuchten uns mit ein paar Brocken Englisch und Französisch zu erklären, welchen Schaden wir angerichtet hätten. Dass sie in einer Schifffahrtsroute ihre Netze auslegen, ist ihnen dabei wohl entgangen. Nach einiger Zeit begannen sie dennoch ihr Netz zu bergen. Als sie es bargen und etwa 100 Meter von uns entfernt waren, trieben wir, so wie wir in das Netz fuhren, aus dem Netz wieder heraus. Wir warfen den Motor an und bewegten uns vorsichtig wieder zurück in die Schifffahrtslinie, aus der wir mittlerweile herausgetrieben waren. Anderthalb Stunden hat uns dieses Intermezzo mit den Fischern gekostet.

Je näher wir der Strasse von Gibraltar kamen, desto stärker wurde der Wind. Die etwa 30 Seemeilen lange Strecke bewältigten wir vollständig unter Motor, da bei Windstärke 6 direkt von vorn, einem Strom, der uns zwar mit 3 - 4 Knoten schob aber auch eine sehr unangenehme steile Welle erzeugte und dem regen Schiffverkehr an ein Segeln in der Nacht nicht zu denken war. Bei Sonnenaufgang und einer durchwachten Nacht erreichten wir das östliche Ende der Schifffahrtsstrasse. Wir frühstückten, setzten bei mittlerweile auf 3 - 4 Windstärken abgeflauten Wind die Segel und segelten bei fast glattem Wasser entlang der spanischen Küste Richtung Osten.

Entgegen unserem Plan, die gesamte Strecke nach Sardinien wegen unseres unzuverlässigen Getriebes ohne Stopp zu bewältigen, steuerten wir gegen 18 Uhr in der Nähe von Malaga den Hafen Benalmadena an. Zum einen um unsere Dieselvorräte aufzufüllen, zum anderen um eine Nacht Schlaf nachzuholen. Da wir zu Beginn unserer Weltumseglung auch hier waren, wussten wir, dass es einfach ist in diesem Hafen zu manövrieren. Zudem war auch der Wind gänzlich eingeschlafen, was jedes Manöver einfacher macht.

Wenn wir morgen den Hafen von Benalmadena wieder verlassen, verbleiben bis Porto Rotondo noch 760 Seemeilen.

Samstag 6. Mai 2017: Tag 4

Der letzte Tag auf dem Atlantik. Er begrüsst uns mit einem wolkenlosen Himmel, 1018 mbar hohem Luftdruck und absoluter Flaute. Anders als die Wetterprognose uns hoffen liess, die für das Seegebiet westlich der Strasse von Gibraltar für heute eine Winddrehung von Südwest nach Nord bei 3 – 5 Windstärken versprochen hatte, fahren wir unter Motor durch eine wie Öl aussehende See. Kein Windhauch kräuselte am Morgen die Wasseroberfläche. Nur die sich abflachenden Wellen des Vortages geben dem Meer eine sanfte Struktur.

Eine Meile mehr als gestern, also 118, konnten wir bei dem, vor allem in der Nacht sehr schwachen Wind auf unser Ziel gutmachen. Etwas mehr als 100 Seemeilen und wir verlassen den Atlantik, auf dem wir uns seit dem 10. Dezember des letzten Jahres befinden. 10500 Seemeilen oder 19500 Kilometer haben wir auf ihm seit dem Runden des Kap Algulhas in 5 Monaten zurückgelegt. Gäbe es mehr Inseln, wie im südlichen Pazifik, hätten wir uns wohl mehr Zeit für eine so lange Distanz gelassen.

Wenn unsere Segel heute wenig zu tun bekommen, dann ist der Backofen umso beschäftigter. Wobei sich das gegenseitig nicht ausschliessen muss. Die ruhigen Bedingungen nutzte die Skipperin zum Backen eines Schockladen-Kuchens. Nicht aus der Packung, da sie das Metier beherrscht. Damit ich nach 4 Monaten ohne Skipperin an Bord nicht aus der Übung komme, habe ich im freiwerden Backofen ein Brot gebacken. Zum Mittagessen gibt es, wir fahren unter Italienischer Flagge, Risotto con funghi mit Parmesan bestreut.

Unsere Position um 12 Uhr Mittag (1h nach MESZ) war 35°33,4’N, 7°41,9’W. Damit verbleiben auf der kürzesten Route bis Porto Rotondo 926 Seemeilen.

Freitag 5. Mai 2017: Tag 3

117 gutgemachte und 126 gesegelte Seemeilen konnten wir in den letzten 24 Stunden verbuchen. Ein Regenschauer am Abend und die darauffolgenden 2 Stunden mit 16 Knoten Westwind, die uns mit 8 Knoten Bootsgeschwindigkeit direkt zu unserem Wegpunkt Gibraltar West brachten, sind schon das Highlight des Tages. Ansonsten schiebt uns eine mit Schwachwind-Zonen durchsetzte gemütliche Brise aus Südwest mit durchschnittlich 5 Meilen pro Stunde durch den Atlantik bei Sonnenschein und blauem Himmel, der sich jedoch immer wieder mit Regenwolken und kurzen Schauern verdunkelt.

Die geplante Durchfahrt durch die Strasse von Gibraltar am Samstagmittag ist nach diesem kurzen Etmal nicht mehr realistisch, da wir noch 200 Meilen entfernt sind. Es dürfte Sonntag werden und, wenn die Wetterprognose eintrifft, eine Fahrt unter Motor.

Die Meerenge ist ein sogenanntes Verkehrstrennungsgebiet. Die einfahrenden und ausfahrenden Schiffe fahren jeweils rechts in Fahrtrichtung und das innerhalb eingegrenzter Korridore. Wir sollten uns ausserhalb der Korridore aufhalten und der Grossschifffahrt nicht vor der Nase herumfahren. Für Schiffe, die die Strasse überqueren wollen, gilt die Regel, die Korridore nur senkrecht zur allgemeinen Fahrtrichtung zu befahren und der Grossschiffahrt auszuweichen. Wir werden wahrscheinlich zwischen der afrikanischen Küste und dem südlich Korridor fahren und am östlichen Ende des Verkehrstrennungsgebiets unseren Kurs auf die spanische Küste ändern.

Unsere Position um 12 Uhr Mittag (1h nach MESZ) war 34°03,6’N, 9°19,4’W. Damit verbleiben auf der kürzesten Route bis Porto Rotondo 1044 Seemeilen.

Donnerstag 4. Mai 2017: Tag 2

Die Hälfte der 550 Meilen langen Strecke von Lanzarote bis zu unserem Wegpunkt auf der Westseite der Strasse von Gibraltar haben wir nach 2 Tagen hinter uns gelassen. 136 Seemeilen zum Teil gesegelt, teilweise unter Motor ist unsere Bilanz am 2. Tag. Damit liegen wir in unserer Planung, da wir am Samstag bei Tageslicht durch die Meerenge wollen. Nachts geht auch, aber tagsüber ist es sicherer und zu sehen gibt es mit der nahen Küste, Schiffen, Walen, Delphinen und den Strudeln der Strömung genug.

Der Wind schwankt zwischen 1 und 4 Beaufort, kommt entweder aus Nordwesten, Westen oder Südwesten und der Himmel variiert zwischen strahlend blau sowie trist und grau. Besondere Anstrengungen macht der Atlantik damit nicht uns mit schönen Segelbedingungen zu verabschieden. Interessant ist der Strom, der uns bis zu einem Knoten manchmal schiebt und manchmal bremst.

Unsere Route verläuft exakt entlang einer Kurslinie der Grossschifffahrt, weshalb wir immer mindestens einem Frachter, Tanker oder Passagierschiff in der Nähe haben. Nähe heisst im dem Fall alles zwischen einer und 12 Meilen. Es können aber auch gleichzeitig eine Handvoll Schiffe sein, die uns überholen oder entgegenkommen. Weniger zahlreich sind die Wale, von denen wir auf dieser Passage bisher nur einen Buckelwal gesehen haben. Vielleicht hat es mehr dieser Meeressäuger, nur sind wir gerade nicht im Cockpit, wenn sie sich durch ihren Blas zu erkennen geben.

Unsere Position um 12 Uhr Mittag (1h nach MESZ) war 32°18,6’N, 10°28,09’W. Damit verbleiben auf der kürzesten Route bis Porto Rotondo 1161 Seemeilen.

Mittwoch 3. Mai 2017: Tag 1

Die ersten 24 Stunden dieser Passage verliefen sehr unspektakulär. Um kurz nach 11 Uhr haben wir gestern unsere Leinen im Hafen Puerto Calero gelöst. Eine anstehende Arbeit, die wir wegen des starken Windes im Hafen während der letzten Tage nicht erledigen konnten, war das Zukleben einiger Löcher in der äusseren Membran unseres Grosssegels. Vor dem Hafen im Windschatten des Landes haben wir das so gut es ging erledigt.

Die Löcher haben keinen direkten Einfluss auf die Festigkeit des Segels, die die Carbon-Fäden erbringen, aber Carbon ist nicht besonders resistent gegen Sonnenlicht. Indirekt führen Löcher und Stellen, wo die Membran schadhaft ist, zu einer Schwächung der Struktur. Seit der Reparatur des Segels in Salvador versieht es problemlos seinen Dienst und wir glauben, dass wir die Weltumseglung mit diesem Segel abschliessen können. Wir behandeln es entsprechend vorsichtig und holen nicht das Letzte aus ihm heraus. Immerhin hat es schon fast die doppelte Lebensdauer als vom Hersteller garantiert.

131 Seemeilen der 1425 Meilen Passage nach Sardinien haben wir bis Schiffsmittag (unsere Zeit an Bord ist MESZ minus 1h). zurückgelegt. Der Wind hielt sich im Wesentlichen an die Vorhersage, ausser dass er vor einer Stunde eingeschlafen ist und wir seither mit Motor unterwegs sind. Hoffentlich lässt uns der Wind nicht im Stich, so dass wir unsere Route ohne Zwischenstopps zum Tanken segeln können.

Unsere Route führt durch die Strasse von Gibraltar Richtung Osten entlang der spanischen Mittelmeer-Küste bis etwa Almeria. Von dort segeln wir zur Südspitze Ibizas, südlich an Mallorca und Menorca vorbei nach Sardinien. Wenn der Wind es erlaubt und kein Mistral im Mittelmeer tobt segeln wir um die Nordwest-Ecke Sardinien in die Strasse von Bonifacio und von dort ein paar Meilen nach Süden bis Porto Rotondo in der Nähe von Olbia. Plan B ist die Variante von den Iberischen Inseln um die Südspitze Sardiniens zu segeln und von dort nach Norden entlang der Küste, falls im Golf von Lyon Sturm herrschen sollte und die Ausläufer sehr weit südlich liegen. Ein paar Tage in einem Hafen oder vor Anker wäre die dritte Variante. Laut Wetterbericht spricht nichts gegen die kürzeste Variante, aber eine Wetter-Prognose über mehr als 7 Tage ist immer mit grosser Vorsicht zu geniessen.

Unsere Position um 12 Uhr Mittag war 30°22,6’N, 11°51,9’W.

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