Donnerstag 23. Februar 2017: Rio auf zwei Rädern

Rio bezeichnet sich selbst als weltweit eine der Fahrrad-freundlichsten Grossstädte. Eine Wegenetz von 450 Kilometer soll zur Verfügung stehen, wobei manche Stadtviertel, wie Copacabana, auf mehrspurigen Strassen eigene Spuren für Velofahrer einrichteten.  

Meine Tour führte mich zuerst flache 20 Kilometer auf gut ausgebauten Wegen entlang der drei grossen Strände der Stadt, Flamengo, Capocabana und Ipanema vorbei. 


   
Ist Rio eine gefährliche Stadt? Zumindest in der Wahrnehmung der europäischen Journalisten, die vor allem zur Zeit des Karnevals sich zu diesem Thema fachmännisch äussern, soll es so sein. Ich hatte das Gefühl, das Gefährlichste waren die Mitbenutzter der Fahrradwege, die zum Teil wenig sicher auf ihren Drahteseln unterwegs waren und zusätzlich ihre Augen je nach Fahrtrichtung nach links oder rechts richteten. Brasilianische Bikinis bedecken selbst bei vollständig aus der Form geraten Frauen nur das absolut notwendigste. Im Volksmund daher Filo Dente genannt. 

Nach dem "Sightseeing" der besonderen Art beginnt der nahrhafte Teil der Velotour. 


Der Tarif wird auf dem Schild durchgeben. Auf 4500 Meter Länge steigt die Strasse auf 500 Meter über dem Meer an und überwindet über 400 Meter Höhendifferenz oftmals mit zweistelligen Prozenten. 


Die Strecke verläuft durch den 40 Quadratkilometer grossen Wald des Nationalparks Tijuca, der auf dem Stadtgebiet Rios liegt. Neben dem Wald sind auch Fussgänger und Velofahrer eine, vor den Autofahrern, geschützte Rasse. Zumindest nach dem Willen der Behörden.


Bei sommerlichen 34° ist der Aussichtspunkt Vista Chinesa erreicht. Schöner Blick auf Ipanema und Leblon, den mondänsten Stadtteilen Rios.  


Richtet man den Blick etwas weiter nach rechts, sieht man unter der Steilwand eine sich den Hang hinauffressende Favela. Arm und Reich leben in Brasilien in direkter Nachbarschaft.  



Nach kurzer Abfahrt geht es schon wieder bergan, dem zweiten Höhepunkt des Tages entgegen; dem Corcovado auf 711 Meter über dem Meer. 20 Kilometer liegen zwischen den beiden Wegpunkten, wobei die Strasse immer durch den schattigen Urwald des Nationalparks führt.



Auf der Abfahrt vom Corcovado erreicht man ein kleine Stichstrasse, an deren Ende ein Aussichtspunkt mit besten Blick auf den Zuckerhut und die Bucht von Botafogo liegt. Ich verspreche, dass dieses Bild das Letzte vom Zuckerhut sein wird. Aber Zuckerhut und Christus Statue sind in Rio so omnipräsent, dass man, fast egal wo man hinschaut, nicht an ihnen vorbeikommt. 

Die Abfahrt zum Hafen führt zum Teil steil auf Kopfsteinpflaster durch den bei Künstlern und Touristen beliebten Stadtteil Santa Teresa, mit seiner besonderen Bausubstanz. Leider sind nicht alle Häuser in so gutem äusserlichem Zustand wie diese Beiden. 





Die Letzen, der insgesamt 60 Kilometer dieser Tour führen, nach 930 Höhenmeter Aufstieg, flach durch das Verkehrsgewühl des  Zentrums zurück zum Hafen. Mein Fazit, Rio bietet auch Velofahrern ein paar Leckerbissen. 

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