Dienstag 14. Februar 2017: Schock am Nachmittag

Am Morgen verliessen wir die Marina Verolme Richtung Ilha Grande. Ein grosser Teil der autofreien Insel mit einem Umfang von 155 Kilometern ist Naturschutzgebiet. Mit etwas Glück kann man in den Bäumen Brüllaffen entdecken. Die Insel lockt mit eine Menge Ankerplätzen, einem üppig wuchernden Urwald sowie vielen Stränden und Wanderwegen. Der höchste Berg misst 1031 Meter. Auf dem Weg zur grossen Inseln passieren wir viele kleine. Manche nur eine Untiefe mit einem Seezeichen, andere, wie diese, ein Steinhaufen mit einem Mini-Dschungel.  


Von 1886 bis 1913 war die Insel eine Quarantänestation beziehungsweise ein Lazarett für Einwanderer aus Europa, die an Cholera erkrankt, vom brasilianischen Festland ferngehalten wurden. In den Jahren 1932 bis 1954 diente die Insel als Gefängnis für politische Gefangene und Schwerverbrecher. So zumindest die Angaben auf Informationstafeln auf der Insel. Der Reiseführer Brasilien nennt andere Jahreszahlen und zum Teil andere Fakten. Sicher ist, dass die Insel heute ein Magnet für Touristen und Wassersportler ist.


Der Hauptort der Insel, Vila do Abraão, in der gleichnamigen Bucht ist das Touristenzentrum. Viele Motorboote und ein paar Segler liegen hier. Dieser Teil Brasiliens liegt nicht auf der typischen Route der Weltumsegler. Ausser den Wenigen, die via Feuerland in die Südsee segeln. In der Marina Verolme waren wir die einzige ausländische Yacht, hier vor Vila liegt neben uns noch ein spanischer Segler. 


Dieses Aquädukt versorgte einst des Lazarett mit Frischwasser. Es ist auch heute noch in Betrieb und Teil der Wasserversorgung von Vila. 

 
Ein hausgrosser gespaltener Stein am Strand erregt auch unsere Aufmerksamkeit. 


Ein üppiger Regenwald überzieht die gesamte Insel. Den Affen sind wir noch nicht begegnet. Als scheue Tiere, die in Baumkronen leben, bekommt man sie selten zu Gesicht. 

 
Am Ende unserer Wanderung zu den Ruinen des Lazaretts und zum Aquädukt kommen wir an der Schule vorbei. Fahrräder und Lastkarren sind die einzigen Fahrzeuge auf den staubigen, nicht geteerten Strassen. Nur die Ortsverwaltung betreibt für die Müllabfuhr einen Lastwagen.


Wenige Sekunden, nachdem ich dieses Bild schoss, stockt mir der Atem. NOE treibt, den Anker hinter sich herziehend, durch die Bucht. Ich springe zu Hagen, der in einem Geschäft stöbert, rufe eines der Wassertaxis herbei und wir werden mit Vollgas zu unserem treibenden Zuhause gefahren. Ich springe aufs Boot und werfe den Motor an und fahre gehen den Wind. Hagen folgt und zieht den Anker ein. Zum Glück ist die Bucht sehr gleichmässig um die 10 Meter tief. Das Wassertaxi wartet solange wir den Anker gehoben haben und uns der Gefahrenzone in Richtung unseres ehemaligen Ankerplatz bewegt hatten.  

Warum der Anker nicht hielt, können wir nur vermuten. Nachdem wir am Morgen ankerten, waren wir etwa eine Stunde auf dem Schiff. In dieser Zeit ist manche Bö durch die Bucht gezogen und NOE hat an der Kette gezerrt ohne das der Anker sich auch nur um einen Meter bewegte. Bei unserer Wanderung warfen wir wenn immer möglich einen Blick auf NOE ohne eine Bewegung zu sehen. Vielleicht war es der kurzfristig etwas stärke Wind der den Anker im Schlick löste oder eine Winddrehung, wobei NOE über den Anker trieb und ihn dabei ausriss. Bei Sandgrund kein Problem, da der Anker sich wieder eingräbt. Bei Schlick und unserem Delta-Anker kann es kritisch werden. 

Wir sind froh, dass wir mit dem Schrecken davon kamen und das grosse Glück hatten, zur richtigen Zeit an der Uferpromenade zu stehen.  



 

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