Freitag 2. Dezember 2016: Beliebte Bucht seit 1488


Die ersten Schiffe aus Europa, die in dieser Bucht vor Anker gingen, waren 1488 zwei Karavellen unter dem Kommando von Bartolomeu Dias. Im geheimen Auftrag des portugiesischen Königs Johann II waren sie auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien. Diese Reise ist eine der vielen Reisen portugiesischer Seefahrer entlang der Afrikanischen Küste im 15. Jahrhundert. Das Besondere an dieser Reise war die erstmalige Rundung der Südspitze Afrikas. 

Wenig ist wegen der Geheimhaltung und fehlenden Aufzeichnungen von dieser Reise überliefert. Man weiss, dass Dias ein drittes Schiff, sein Versorgungsschiff, vor der Küste Namibias zurückliess und durch stürmische Nordwinde die Afrikanische Küste aus den Augen verlor. Er segelte daraufhin nach Osten ohne wieder auf Land zu stossen. Auf dem Weg zurück nach Norden rundeten die beiden Schiffe ohne es zu realisieren das heutige Kap Agulhas, die geographische Südspitze des Afrikanischen Kontinents. Auch war Dias zu diesem Zeitpunkt nicht  bewusst, dass er den Indischen Ozean erreicht hatte. Als die beiden Schiffe Land sichteten, suchten sie eine Bucht um an Land zu gehen und Frischwasser aufzunehmen. Am 3. Februar 1488 ankerten sie in dieser Bucht, die Dias Angra dos Vaqueiros nannte, wegen der dort weidenden Viehherden. Erst die Holländer verwendeten den heutigen Namen, Bucht der Muscheln, Mossel Bay. 

Dias segelte mit seinen beiden Schiffen noch etwa 240 Seemeilen weiter entlang der Küste, bis seine an Skorbut erkrankte Mannschaft ihm zur Umkehr zwang. Da die Küste an dieser Stelle nach Nordwesten verläuft, war klar, dass sie auf dem Weg nach Indien waren. 1497 war es Vasco da Gama, der als erster Indien auf dem Seeweg erreichte. 

Bartolomeu Dias nahm 1500 an einer weiteren Expedition mit 13 Schiffen teil, die Brasilien für Portugal in Besitz nahm und über den Atlantik nach Südafrika segelte. Dort geriet die Flotte in der Nähe des Kaps der Guten Hoffnung am 29. Mai 1500 in einen starken Sturm, wobei das von Dias befehligte Schiff sank und die gesamte Besatzung ertrank. 

Zu Ehren von Dias gibt es in Mossel Bay ein Museum, mit einem besonderen Ausstellungsstück. 

    
Es ist eine originalgetreue Replica seines Schiffes, das 1988 zum 500. Jahrestag seiner Landung von Portugal nach Südafrika segelte. Die 23,5 Meter lange Karavelle trägt eine Segelfläche von 204 Quadratmeter, aufgeteilt auf ein Hauptsegel und ein Besansegel. Nach der Reise wurde das Schiff an Land gezogen und das Gebäude drumherum fertiggestellt. 


Das "Dias-Branding" ist in Mossel Bay durchgehend. Selbst die Blumenkübel an den Strassen zeigen das Bild seiner Karavelle. 


Der knorrige Baum im Hintergrund soll über 500 Jahre alt und diente den portugiesischen Seefahrern als Postamt. Schiffe die in der Mossel Bay vor Anker gingen, legten Briefe und Mitteilungen für nachfolgende Schiffe hier ab. Erstmals geschah dies 1500, wobei die Mitteilung ein Jahr später abgeholt wurde. 


Wir ankern also an historischer Stätte. Nicht für alle Schiffe endete der Besuch der Bucht oder die Vorbeifahrt glücklich. 46 Wracks aus 5 Jahrhunderten liegen hier, wie diese Tafel an einer Hauswand in Mossel Bay zeigt.  

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