So friedlich sah es in East London am Morgen nach dem Durchzug des Südwesters aus. So nennen die südafrikanischen Segler die regelmässig auftretenden Starkwinde oder Stürme, die mit südwestlichen Winden entlang der Küste von Süd nach Nord ziehen.
Auf dem Weg nach Mossel Bay sind wir nicht alleine. Damit sind nicht die anderen Segler gemeint, die gemeinsam mit uns East London verlassen haben. Alle Boote haben ein AIS-Gerät an Bord, welches Daten sendet und empfängt. So wissen wir, solange die Entfernungen nicht zu gross sind, wer sich wo befindet und wie schnell gesegelt wird. Als wir wegen der starken Strömung trotz eher leichtem Wind mit mehr als 10 Knoten unterwegs waren, wurden wir angefunkt und gefragt, wo die Strömung eingesetzt hat. Normalerweise ist sie am stärksten in der Nähe der 200 Meter Tiefenlinie. Zur Küste hin wird der Strom deutlich schwächer und kehrt an manchen Orten in die Gegenrichtung, also von Süd nach Nord.
Unsere Aufmerksamkeit, vor allem in der Nacht, gehörte den vielen Frachtern, die in diesem Seegebiet unterwegs sind. Eine Handvoll von ihnen hat man meist in seiner Nähe, was in dem Fall ein Umkreis von 20 Seemeilen ist. Der Frachter im Bild, die Yuan Jian Hai, ist das grösste Schiff, welches wir auf unserer Reise bislang gesehen haben. 360 Meter oder 1181 Fuss misst dieses Monstrum.
Die Navigation hingegen, ist einfach und braucht wenig Zeit. Ein Segler aus Südafrika hat es uns so erklärt. Wenn man Süden fährt ist Afrika rechts, wenn man nach Norden fährt links. Mehr muss man nicht wissen.
Auf der zweiten Hälfte der Strecke, nach Passieren des Kap Recife, drehte der Wind auf West, also genau von vorne. Über 24 Stunden segelten wir von Wende zu Wende und waren immer enttäuscht, wenn der Wende-Winkel (der Winkel zwischen dem Kurs vor und nach der Wende) grösser als 100° war. Strömung und Welle liessen nicht mehr zu. Erst 30 Seemeilen vor Mossel Bay hatte der Wind ein Einsehen, drehte auf Südwest und sorgte in den letzten Stunden für eine schnelle Fahrt hoch am Wind.
Dabei gab es noch dieses Spektakel in unserem Kielwasser zu sehen.


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