Mittwoch 21. September 2016: Vorher - Nachher


Das Resultat von 2 Wochen Indischer Ozean. Auch wenn keine einzige Welle in unser Cockpit eingestiegen ist, wird durch die Gischt das Boot nahezu permanent mit Salzwasser besprüht. Kräftige Regenschauer waschen das Salz für einmal weg, bis nach ein paar Stunden das ganze Boot wieder mit einer Salzschicht überzogen ist. 

Daher war heute Polier-Tag. Mit Putz-Essig, Polierpaste, Zahnbürste (nicht für die Zähne, sondern für die verwinkelten Stellen) und Lumpen bewaffnet ging es über alle Teile aus rostfreiem Stahl, um sie wieder in einen ansehnlichen Zustand zu bringen. Bis alle Beschläge, Relingsstützen, Bugbeschlag und die zwei Steuerräder wieder glänzen, ist der Tag vorbei. 

Richtig gelesen; alle Stahlteile auf dem Boot sind aus "rostfreiem" Stahl. Umgangssprachlich unter V4A Stahl bekannt. Das ist ein Chrom-Nickel Stahl, der mit 2% Molybdän beständig gegen Chlor-haltiges Wasser gemacht wird. Wird der Anteil des Molybdäns auf 3% bis 7% erhöht, verbessert sich die Korrosionsbeständigkeit und der Stahl wird teurer. Wir haben Teile an Bord, die selbst nach Jahren überhaupt keine Spuren von Rost zeigen. Bei anderen Teile hingegen kann man nach dem Polieren zuschauen, bis sich wieder erste Rostflecken bilden. 


Schade, dass manche Hersteller von Ausrüstungsgegenständen auf Booten beim Material sparen. Wobei ihre Kostenoptimierung für die meisten Kunden aufgeht. Auf Bootsausstellungen und in Häfen braucht es keine besondere Korrosionsfestigkeit. Selbst bei Booten, die fünfmal im Jahr bei schönen Wetter und wenig Wind aus dem Hafen gefahren werden, wird der Kunde immer noch zufrieden sein. Alle anderen geniessen das Erfolgserlebnis beim Polieren, wenn der Rost verschwindet und der spiegelnd glänzende Stahl zum Vorschein kommt.  



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