Beim gestrigen telefonischen Update mit unserem Wetterprovider aus Kiel sagte der Meteorologe vom Dienst, dass wir einige Stunden mit starkem Wind rechnen müssen unabhängig ob wir nun schneller oder langsamer unterwegs sind, da die vorhergesagte Zone mit starkem Wind unseren Kurs kreuzt. Im Gegensatz zu den allgemein zugänglichen GRIB Files, die uns Windstärken bis 25 Knoten anzeigten, deutete er an, dass wir auch einzelne Böen mit Windstärke 9, also oberhalb von 40 Knoten Wind erleben werden. Der Zeitraum mit dem stärksten Wind soll zwischen 6 und 12 Uhr liegen.
Vor dem Einnachten bargen wir das Grosssegel und segelten mit der grossen Fock in die Nacht hinein, im Wissen, dass wir im Verlauf der Nacht auf unsere 22 Quadratmeter kleine Fock wechseln werden. Morgens um 5 Uhr kamen die ersten Regenböen, vorauf wir unsere Segelgarderobe wie geplant verkleinerten.
Zwischen 9 und 13 Uhr erlebten wir was prognostiziert war. Der Wind blies dauernd mit Windstärke 7 bis 8 mit einigen wenigen Böen mit 9 Beaufort. Der Wind kam von achtern, die Wellen waren kaum höher als 3 Meter und der Autopilot steuert NOE ohne jedes Problem durch die Front. Die Skipperin war so beruhigt, dass sie in der Achterkabine lag und in aller Selenruhe ein Buch las. Welches Vertrauen in den Wetterbericht und die Zuverlässigkeit der Technik des Bootes. Oder auch in den Skipper?
Kurz vor 15 Uhr, der Wind hatte mittlerweile deutlich abgenommen, sahen wir durch die Regenwolken die Ostküste Neuseeland südlich von Cape North. Der Geruch von Landwirtschaft lag in der Luft, wahrscheinlich von den Schafen, aus deren Wolle die Unterwäsche gemacht wird, die wir seit gestern Nacht tragen.
Opua, unser Port of Entry für Neuseeland, liegt 40 Seemeilen weiter südlich. Im Verlaufe der Nacht, werden wir dort eintreffen und am Quarantäne-Quai festmachen. Morgen früh erwarten wir die Beamten von Zoll, Immigration und Biosecurity an Bord. Die nötigen Formulare haben wir schon gemailt und vor zwei Tagen unseren ETA (estimated time of arrival) bestätigt. Wir sind gespannt, welche unserer Nahrungsmittel an Bord, den strengen Bestimmungen zur Einfuhr nicht genügt und in den grossen schwarzen Sack wandern.
Unsere Position um 1800 Neuseeland-Zeit (+12h zu MEZ): 32°32’S, 173°15’E, 171 Seemeilen nördlich von Opua.
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