Ein Atoll ist salopp ausgedrückt eine greise Insel. In erdgeschichtlichen Zeiträumen geniesst eine vulkanische Insel kein ewiges Leben. Wind und Regen setzten dem Gestein zu und erodieren es, bis Alles wieder im Meer verschwunden ist. Kann sich bei entsprechenden Lebensbedingungen im Meer um die Insel ein Riff ausbilden, bildet sich ein Atoll am Ende des Erosionsprozess. Am Rand des Atolls nimmt die Wassertiefe sehr schnell zu, da es sich um die Flanken eines ehemaligen Vulkans handelt. Im Atoll entsteht eine Lagune mit geringer Wassertiefe, in der ebenfalls Korallen wachsen. Der Korallenring ist dort nicht geschlossen, wo abfliessendes Regenwasser des Vulkans das Wachstum der Korallen behinderte.
In Französisch Polynesien gibt es „junge“ Vulkaninseln, die, wie die Marquesas noch kein Riff gebildet haben, die „älteren“ Gesellschaftsinseln (Tahiti, Bora-Bora usw.), die schon von einem Riff umgeben sind, sowie die Tuamotus, die am Ende dieses Lebenszyklus stehen. Die Gesellschaftsinseln heissen so, da sie James Cook zu Ehren der Britischen Königlichen Gesellschaft so bezeichnete.
Die 78 Atolle der Tuamotus erstrecken sich über 1000 Seemeilen von Südwesten nach Nordosten zwischen den Marquesas und den Gesellschaftsinseln auf einer Fläche grösser als Westeuropa. Die Landfläche beträgt hingegen nur 850 Quadratkilometer und ist die Heimat von 16.000 Menschen, wobei jedes zweite Atoll bewohnt wird. Auch wenn manche Atolle wie Fakarava mehr als 60 Seemeilen gross sind, ist der bewohnbare Landstreifen nur einige hundert Meter breit.
Mururoa ist das wohl bekannteste Atoll der Tuamotus, da dort und auf der Nachbarinseln Fangataufa 30 Jahre lang bis 1996 Tests mit französischen Nuklearwaffen durchgeführt wurden. Nach weltweiten Protesten einigten sich die traditionellen Nuklearmächte auf den vorübergehenden Verzicht von über- und unterirdischen Tests dieser Waffen. Das Amerikanische Pendent ist das Bikini-Atoll auf den Marshall-Inseln. Mururoa und Fangataufa sind auch heute noch Sperrgebiete und es braucht eine Bewilligung um sie zu besuchen.
Mururoa und Fangataufa liegen im östlichen Teil der Tuamotus. Der direkte Weg von den Marquesas nach Tahiti, auf dem wir segeln, führt durch den westlichen Teil. Nach zwei Tagen mit frischen Wind und einem Etmal von 194 Seemeilen hat der Wind nachgelassen und wir segeln gemütlich mit 6-7 Knoten auf den letzten 200 Seemeilen. Das stört uns nicht, da wir den Pass in die Lagune von Kauehi nicht mehr vor Donnerstagmittag erreichen und wir ohnehin auf das Stillwasser von Freitagmittag warten müssen. Wir melden uns wieder, sobald wir in der Lagune sind und dort möglicherweise einige Segnungen der Zivilisation wie WLAN und Internet geniessen können.
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