Wer in Carrara ist, sollte unbedingt die Marmor-Steinbrüche besuchen. Nach unserer dreistündigen Tour in einem Landrover können wir das bedingungslos bestätigen. Ein Besuch der Steinbrüche auf den abenteuerlich in den Berg gelegten steilen Strassen ist nur geführt möglich.
Der Begriff Steinbruch ist irreführend, da der Marmor nicht gebrochen, sondern geschnitten wird. Böcke von 3 Metern Tiefe, 6 Meter Höhe und Breiten bis zu 10 Meter werden mit überdimensionierten Kettensägen, Bohrern und Seil-Sägen aus dem Berg getrennt und mit Keilen von der Wand geschoben.
Ist das Gestein fehlerfrei, kippt der Block auf ein vorbereitetes Bett aus Schutt ohne zu zerbrechen. Vor dem Abtransport ins Tal wird der Block oder seine Bruchstücke auf transportfähige Grössen von 10 bis 20 Tonnen geschnitten.
Der 4 Zentimeter breite Sägeschnitt auf der Unterseite eines Blocks ist der erste Arbeitsschritt.
An den hinteren Ecken des Blocks werden Löcher gebohrt um das Seil der mit Diamanten beschichteten Säge einzuführen. Gekühlt wird mit in Zisternen gespeichertem Wasser.
So wird der Berg von oben nach unten abgetragen. Oberhalb von 1100 Meter über Meer ist der Abbau von Bergkuppen mittlerweile verboten. Die Gewinnung von Marmor in Tunneln wurde als Ersatz zeitweise angewendet, jedoch wieder aufgegeben, da der Abbau Untertage gefährlich und teuer ist. Zudem kann um die Stabilität des Berges zu erhalten nur ein Teil des Materials aus dem Berg geholt werden und der Rest als Stützen verbleiben muss.
Die gigantischen Aussmasse des Abbaus lassen sich an den drei folgenden Bildern erklären. 10 Blöcke hoch ragt diese Kante (noch) auf.
Die gleiche Kante von grösserer Entfernung in der Bildmitte.
Und der Blick von oben, wo man sieht, wie Block für Block nach unten abgebaut wird.
Obwohl seit den Tagen der Römer der Marmor in Carrara abgebaut wird, ist die Menge an verfügbarem Material so gross, dass es bis in die Ewigkeit reichen sollte.
Vor 500 Jahren stand Michelangelo an dieser Stelle und wies Arbeiter an, Blöcke für seine Statuen aus dem Berg zu schlagen. Noch heute heisst der Ort Cave Michelangelo.
Strassenbau mit Marmor. Man nimmt das, was man hat, auch wenn der Verkaufspreis pro Block etwa 1000€ beträgt.
Die Gemeinde Carrara mit ihren 60'000 Einwohnern lebt im wesentlichen vom Marmor. 104 Firmen haben das Recht den Stein abzubauen. Das Recht geht auf Verträge zurück, die in der Mitte des 17. Jahrhundert ohne Laufzeitbeschränkung und ohne Konzessionsgebühren geschlossen wurden. Das damals in Carrara herrschende feudale Geschlecht hatte kein wirtschaftliches Interesse an Steinen. Nur für das Recht die Strasse von den Steinbrüchen zum Hafen Marina di Carrara zu benutzen, musste eine Gebühr entrichtet werden.
Auf diesen Youtube Film https://www.youtube.com/watch?v=JRHyCS9oJ5s zeigt James Bond wie er durch die Steinbrüche fährt und dabei alle seine, ihm nach dem Leben trachtenden Verfolger abschüttelt. Wer nicht den ganzen Trailer anschauen möchte, die entscheidende Szene beginnt bei Minute 2.
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