Passage Mayotte – Richards Bay

Sonntag 6. November 2016: Tag 7

Leider noch nicht der Ankunftstag. Bis gestern Abend um 22 Uhr sah alles nach einem Landfall in Südafrika für Sonntag aus. 118 Meilen langen zu diesem Zeitpunkt noch vor uns und wir segelten bei angenehmem Ost-Wind mit 6 bis 7 Knoten Bootsgeschwindigkeit direkt auf Richards Bay zu. Dann drehte der Wind von Ost auf Süd und in den nächsten Stunden weiter auf Südwest und nahm auf 6 Windstärken zu. Gleichzeitig fing es an zu regnen und es stellte sich eine unangenehme Welle ein, die das Kreuzen auf unser Ziel, das genau in der Windrichtung lag, zu einem sehr mühsamen Unternehmen machte. Nach 3 Stunden war der Spuk fast vorbei. Der Wind wurde schwächer und schlief im Verlauf des Vormittags fast ein. Zurück blieben die konfuse Welle und ein grauer Himmel.

Zum Segeln absolut ungeeignete Bedingungen, zudem der wenige Wind immer noch aus Südwesten kommt und wir kreuzen müssen. So haben wir in 12 Stunden nur 45 Meilen auf Richards Bay gutgemacht. Seit Mittag läuft der Motor, nachdem die Wellen soweit zurückgegangen sind, dass das Gegenanfahren einigermassen erträglich ist.

Das Wetterfile vom heute Morgen zeigt eine zweite Starkwind-Zone, die jedoch aus Südosten kommt und gegen Abend relativ schnell über uns hinwegzieht. Mit dem Landfall sollte es dann am Montagmorgen klappen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (10 Uhr MEZ): 28°05‘S, 33°28.2’E

Samstag 5. November 2016: Tag 6

Nach 6 Stunden unter Motor hatte der Wind Einsehen mit uns und dachte sich wohl, er hätte etwas gut zu machen. Als der Wind um 18 Uhr bei Sonnenuntergang wieder zunahm, sah es so aus, also würde er direkt von achtern kommen. Also kein Grosssegel, dafür Fock ausbaumen, damit bei leichtem Wind und Wellengang das Segel nicht schlägt. Gegen 21 Uhr kam der Wind wieder etwas östlicher und wurde stärker. Fock einrollen, Spinnackerbaum wieder abschlagen, Boot in den Wind stellen und Grosssegel setzten. Nur bis zum 2. Reff, da es mittlerweile mit bis zu 5 Windstärken blies. Boot wieder auf Kurs bringen und Fock ausrollen. In den nächsten 8.5 Stunden machten wir 80 Meilen auf Richards Bay gut.

Sahen wir in den ersten 5 Tagen kein Schiff, waren wir letzte Nacht umringt von Fischerbooten, die wie wir annehmen mit Schleppnetzen fischten. In kurzen Abständen begegneten sie uns auf Gegenkurs, wobei sie einen angenehmen Abstand zu uns einhielten. Diese Gegend vor der Küste Mozambiques mit Wassertiefen zwischen 100 und 300 Meter muss offensichtlich sehr reich an Fischbeständen sein.

Auf unseren Anzeigeinstrumenten wird alles Mögliche angezeigt unter anderen die Windrichtung mit den Buchstaben der Himmelsrichtungen. Zum Beispiel für Nord ein N und Nordwest NW. Nur bei Ostwind bleibt das Feld leer und die Richtungen NO und SO kennt das Gerät ebenfalls nicht. Wir vermuteten, dass der Programmierer „O“ mit „0“ verwechselt hat und die Null nicht dargestellt wird. Erst gestern kamen wir auf die Idee, was passieren würde, wenn wir die Spracheinstellung auf dem Gerät wechseln. Vielleicht kennt das Gerät das englische East. Siehe da, seit der Umstellung sehen wir NE, E und SE. Bei manchen dauert es eben etwas länger.

Gegen Morgen schwächte sich der Wind ab, schlief fast ein und bläst seitdem aus NE mit 2-3 Beaufort. Mit 6 Knoten segeln wir auf die Südafrikanische Küste zu, etwa in der Höhe von Jesser Point. Tiefer, also direkt nach Richards Bay geht nicht, da wir das andauernde Schlagen der Segel vermeiden wollen. 170 Seemeilen liegen bis zum Wegpunkt Einfahrt Hafen Richards Bay vor uns. Die Chancen sind intakt, dass wir bis Sonntagabend ankommen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (10 Uhr MEZ): 26°24.2‘S, 34°15.3’E

Freitag 4. November 2016: Tag 5

Der Wetterbericht für Richards Bay für die nächsten Tage hat sich zu unseren Gunsten entwickelt. Gilt für heute und morgen noch eine Windwarnung, sieht es für Sonntag und Montag gut aus. In der Nacht auf Dienstag kommt jedoch schon die nächste Front.

In den letzten 24 Stunden haben wir 193 Seemeilen zurückgelegt. Zum Teil etwas ruppig, vor allem in der Nacht, da eine 2 bis 3 Meter hohe Dünung quer zu uns lief und wir mit 4 – 5 Windstärken hoch am Wind segelten. Um 10 Uhr heute Morgen hatten wir Inhambane querab. Von der 24 Seemeilen entfernten Küste können wir nichts sehen.  Richards Bay liegt damit 350 Seemeilen in südwestlicher Richtung. Leider ist, wie von der Wettervorhersage prognostiziert, der Wind nun nahezu eingeschlafen. Nur die Dünung ist uns geblieben.

Wir wollen bis Sonntagabend ankommen, damit wir Reserve haben, falls das Tief früher käme oder wir doch nicht ganz so schnell sind. 350 Meilen in zwei Tagen sollte zu schaffen sein. Zumindest wenn der Wind weht. Damit wir in diesem heiklen Seegebiet keine Zeit verlieren, fahren wir unter Motor bis der Wind heute Abend wieder auffrischen soll.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (10 Uhr MEZ): 23°57‘S, 36°02‘E


Donnerstag 3. November 2016: Tag 4

178 Seemeilen haben wir auf unser Zwischenziel Inhambane in den letzten 24 Stunden gutgemacht. Nach Richards Bay liegen noch 550 Seemeilen vor uns. Der Wind kommt weiterhin aus südöstlicher Richtung. Hatten wir gestern einen schönen Segelnachmittag, bei dem uns der Strom kräftig über die wenige bewegte See schob und wir mit voll gesetzten Grosssegel immer zwischen 9 und 10 Knoten Geschwindigkeit über Grund machten, so frischte der Wind am Abend auf, die See wurde grober und wir mussten das Grosssegel reffen und eine Stunde später sogar vollständig bergen. Nachts flaute der Wind ab und wir setzten um halb 2 Uhr morgens das Grosssegel wieder. Der Wind im Kanal von Mozambique wird durch Hoch- und Tiefdruck-Gebiete bestimmt, weshalb wir auf unserer Fahrt nach Süden mit Wind unterschiedlicher Stärke und Richtung rechnen müssen. Etwas arbeitsintensiver als in der Passat-Zone.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (10 Uhr MEZ): 20°56‘S, 37°16‘E

Damit steht die Sonne für uns wieder ungewöhnlich im Norden. Als Bewohner der Nordhalbkugel hatten wir in Madagaskar und Mayotte unseren üblichen Orientierungssinn nach Süden, da die Sonne auf ihrer Bahn zum südlichen Wendekreis südlicher als 12° Süd stand. Während gestern der Sonnenstand für uns noch „normal“ war, bemerkten wir heute, dass wir auf unserer Fahrt nach Süden die Sonne im Rücken haben. Ab jetzt schauen wir besser auf den Kompass um uns in den Mittagsstundne zu orientieren. 


Mittwoch 2. November 2016: Tag 3

Mit wenig Wind kommen wir gut voran. Seit heute Nacht schiebt uns der Mozambique-Strom mit 2 Knoten und der Wind hat am Morgen von Nord-Ost auf Süd-Ost gedreht; also bei unserem Kurs von 220° kommt er nun schräg von vorne. So resultieren aus 8 Knoten wahrer Wind ein scheinbarer Wind von 14 Knoten und eine Geschwindigkeit über Grund von bis zu 10 Knoten. 187 Seemeilen haben wir so auf unseren Wegpunkt vor Inhambane in den letzten 24 Stunden gutgemacht, obwohl wir gestern und in der Nacht unseren Wegpunkt nicht direkt ansteuerten.

Gestern gegen 20 Uhr passierte uns der 738 Fuss lange Frachter CIC Piraeus. Wie alle grossen Schiffe zeigt das AIS-Signal wohin er fährt und wann er ankommt. In diesem Fall sahen wir den 4.11. als erwartetes Ankunftsdatum, über den Ort gab es hingegen keine Angabe. Anstatt stand in diesem Feld „armed guard onboard“. Das war sicher nicht als Scherz gemeint, wobei wir nicht wissen, ob es wirklich stimmt. Vielleicht kam das Schiff aus dem Roten Meer und fuhr entlang der Küste von Somalia. Die Küste Mozambiques ist zumindest versicherungstechnisch kein Piraten-Gebiet und es sind auch keine Fälle von Piraterie bekannt.

Die Wetteraussichten für Anfang nächster Woche für Richards Bay machen uns mehr Sorgen. Der Wetter-Update von gestern und das Grib-File von heute Morgen zeigen für das Gebiet um Richards Bay kleinräumige Tiefdruckgebiete, mit hohen Windstärken aus südlicher Richtung. Genau das, was wir nicht brauchen können.

Am Freitag werden wir mit der aktuellen Wettervorhersage entscheiden, wie wir uns verhalten sollen.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (10 Uhr MEZ): 18°32‘S, 39°02.5‘E

Dienstag 1. November 2016: Tag 2

Heute Morgen um 10 Uhr erreichten wir unseren ersten Wegpunkt, 300 Seemeilen südwestlich von Mayotte vor der Küste Mozambiques. Seither segeln wir entlang der Küste, die 24 Seemeilen entfernt, nicht sichtbar ist. Der nächste Wegpunkt, Inhambane, liegt 560 Seemeilen in südlicher Richtung

Mit mässigem Wind aus nördlicher Richtung (Windgeschwindigkeit um 10 Knoten) kommen wir wie geplant voran. Den Mozambique-Strom, der uns auf der Fahrt nach Süden helfen soll, haben wir noch nicht erreicht. Vielmehr liegt die aus GPS-Daten berechnete Geschwindigkeit immer 1-2 Knoten unter der Geschwindigkeit der Logge (das im Rumpf eingebaute kleine Rädchen, welches die Geschwindigkeit des vorbeiströmenden Wassers misst). Somit haben wir den Strom gegen uns. Das sollte sich aber bald ändern.

Unsere zwei Fehlversuche beim gestrigen Fischen passierten innerhalb von einer Stunde. Heute segeln wir durch an Fischen ärmere Gewässer. Bislang haben wir den Köder nur hinter uns hergezogen, ohne dass sich jemand für unsere knallrote Tintenfisch-Attrappe interessiert hätte.

Unsere Position um 12 Uhr mittags (10 Uhr MEZ): 15°51‘S, 43°52.3‘E

Montag 31. Oktober 2016: Tag 1

Am Sonntag um 9 Uhr legten wir von der Boje vor dem Yacht-Club auf Petite Terre ab. Vielen Dank an den Club und seine Mitglieder für die grosse Gastfreundschaft, die wir geniessen durften.

Unter Motor ging es eine Stunde durch die Lagune zum Pass Bandrélé, den wir, wie bei der Einfahrt vor einer Woche, ohne Schwierigkeiten durchfuhren. Bei starkem Schwell aus östlicher Richtung und niedriger Tide wird vom Befahren dieses Passes abgeraten. Der Umweg durch den nördlichen Pass beträgt, wenn man nach Süden will, 30 Seemeilen. Zum Glück konnten wir uns diesen Umweg sparen.

Nach dem Pass setzten wir das Grosssegel und die Fock und steuerten unseren ersten Wegpunkt 3 Seemeilen südlich der südlichen Riffkante Mayottes an. Von dort geht es seither 300 Seemeilen nach Südwesten durch den Kanal von Mozambique bis zur Küste Afrikas. Die Hälfte haben wir bis heute Mittag gesegelt. Wir steuern auf einen Wegpunkt mit den Koordinaten 16°S, 41°E zu, an dem wir dann mit einem etwas südlicheren Kurs 500 Seemeilen nach Ponta da Barra in der Nähe der Stadt Inhambane segeln.

Drei Gründe gibt es, warum wir nicht den direkten Weg nach Richards Bay einschlagen. Wir erwarten in Küstennähe laut Wettervorhersage den besseren Wind, der Mozambique-Strom soll uns mit 1-3 Knoten nach Süden schieben und wir können, falls der Wind sich gegen uns wendet, unter Land vor Anker gehen.

Das ist vor allem wichtig, wenn wir die letzten 200 Seemeilen von Maputo nach Richards Bay vor uns haben. Eine an sich kurze Strecke, die wegen hoher, steiler Wellen selbst für grössere Schiffe gefährlich werden kann. Die Gefahr besteht nur, wenn der Wind aus Südwesten kommt und gegen den nach Süden laufen Agulhas-Strom bläst. Auf dem weiteren Weg von Richards Bay bis nach Kapstadt segelt man deshalb immer von Hafen zu Hafen, damit man nicht Opfer dieses Phänomens wird. Von Norden kommend besteht bis Maputo diese Gefahr nicht, weshalb wir dort einen Stopp einlegen würden, falls die Luft nicht rein ist.

Beim Fischen hatten wir heute 2 Fehlversuche. Beim ersten Mal konnte sich der Fisch wieder losreissen. Offensichtlich hat der Widerhaken nicht gut gegriffen. Beim zweiten Mal hatten wir einen stark kämpfenden Brocken an der Angel. Etwa 50 Meter vom Boot entfernt liess der Zug plötzlich nach obwohl wir etwas am Haken sehen konnten. Leider war es nur noch der Kopf eines Thunfisches. Den Rest hatte ein noch grösserer Fisch gefressen. Wir probieren es morgen wieder. Vielleicht haben wir dann etwas mehr Glück in der Nahrungskette.

Unsere Position um 12 Uhr mittags ( 10 Uhr MEZ): 14°24.1‘S, 43°03.2‘E

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