Mittwoch 12. Oktober 2016: Madagaskar, wir kommen.

Unser 4. Tag seit La Réunion war etwas mühsam. Schon in der Nacht war der Wind schwach und die Segel begannen zu schlagen. Anluven und mit geringer Geschwindigkeit vor dem Wind kreuzen ist die einzige Lösung, wenn man nicht den Motor starten möchte.

Am Morgen baute sich hinter uns eine schwarze Wand auf, die jedoch anders als eine Regenwolke, kein Radarecho erzeugte. Des Rätsels Lösung; in der Wolke steckte ausser ein paar wenigen Regentropfen nur Wind. Vorsichthalber hatten wir die Fock eingerollt. 27 Knoten Wind zeigte der Windmesser für eine kurze Zeit. Nach einer halben Stunde Segeln war die Wolke durch und liess uns 2 Stunden lang in der nachfolgenden Flaute stehen.

Nachmittags kam der Wind zaghaft wieder. Zuerst blies er in die Richtung in die wir wollen, erst später machte er uns den Gefallen so weit zu drehen, dass wir nun auf fast direktem Kurs mit etwa 7 Knoten Bootsgeschwindigkeit ohne schlagende Segel unser Ziel Cap d’Ambre anliegen können. Heute Abend um 1800 liegen noch 130 Seemeilen vor uns.

Das sollte bis morgen Nachmittag zu schaffen sein. Dann könnten wir das Kap bei Tageslicht, bei kippender Tide (1600) und bei günstigem Wind (etwa 20 Knoten) runden. Nach Beschreibungen anderer Segler soll man zusätzlich darauf achten, dass man das Kap bei Nipptide (also bei geringstem Tidehub bei Halbmond) umfährt. All das unter einen Hut zu bringen, wird wohl selten möglich sein. Der wichtigste Parameter für günstige Verhältnisse ist die Windstärke und sie scheint auf unserer Seite zu sein. Wir sind gespannt, was uns an der Nordspitze Madagaskars erwartet und wie schwierig dieses Kap wirklich ist.

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