Helikopter-Geld
oder bedingungsloses Grundeinkommen als staatliche Massnahme zur Wirtschaftsförderung
ist ein leidenschaftlich diskutiertes Thema. Australien hat im Mikrokosmos von
Cocos-Keeling, genauer auf Home Island, Jahrzehnte lange Erfahrung; ohne sichtbare Erfolge.
Bei unserem
Besuch auf Home Island sind wir auf dieses Haus gestossen. Das Bild stammt von
der Webpage www.oceaniahousecocosisland.com.
Das 1887 erbaute und mehrfach um- und angebaute Haus gehörte der Familie Clunies-Ross,
die auf der Insel von 1831 bis 1978 in feudalen Zuständen lebte. Mit eigener Insel-Währung und eigener Gerichtsbarkeit inklusive Vollstreckung von 2 Todesurteilen durch
Ertränken im Meer. So zumindest auf Wikipedia zu lesen.
Erst 1857 wurde
die Insel britisch; davor war sie staatliches Niemandsland, auf dem John Clunies-Ross Kokosplantagen betrieb. Dass sie britisch wurde, basiert auf dem
Missverständnis des Kapitäns Freemantle. Er hatte den Auftrag die gleichnamige
Insel in der Insel-Gruppe der Andamanen für die britische Krone in Besitz zu
nehmen. Die Original-"Urkunde" dieses irrtümlichen staatlichen Akts können wir im Haus bestaunen.
Die Arbeiter auf
den Plantagen waren malaiische Leibeigene, die der ehemalige britische Verwalter
von Borneo Alexander Hare mit auf die Insel brachte, als er 1826 von den
niederländischen Kolonialherrn Java gezwungermassen nach Cocos-Keeling umgesiedelt wurde. Er
kultivierte die Insel mit Kokosnuss-Plantagen. Sein Verwalter war John Clunies-Ross.
Hare verliess 1831 die Inseln und verstarb kurz darauf. Diesen Umstand nutze Clunies-Ross
und eignete sich den Besitz an. Wo kein Kläger, da kein Richter. 5 Generationen
Clunies-Ross herrschten seither wie Könige über die Insel.
1955 übernahm
Australien von Grossbritannien die Inseln in sein Territorium. 1968 realisierte
die Regierung die feudalen Zustände und fertigte 1971 einen Bericht darüber an.
1974 gab es eine Aufforderung der UNO Bericht zu erstatten, da sich nichts
veränderte. 1978 kaufte die australische Regierung den grössten Teil der Insel
für 6 Millionen australische Dollar der Familie Clunies-Ross ab. Die Einwohner
durften zum ersten Mal wählen und das Inselgeld wurde durch die australische
Währung ersetzt. 1984 stimmte die Bevölkerung für einen Verbleib bei Australien
und 1987 wurde die Kobra-Produktion und damit die Plantagen aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.
Seither läuft der
Versuch mit dem Helikopter-Geld. Nach inoffiziellen Zahlen beträgt die
Arbeitslosenquote 65-75%. Der grosse Rest der arbeitenden Bevölkerung sind
Angestellte der öffentlichen Hand, die sich um das Wohl von etwa 500 Einwohnern
kümmern. Die meisten sind Cocos-Malaien, also die Nachfahren der 1826 auf die
Insel gebrachten malaiischen Sklaven. Bis heute hat es die Insel nicht geschafft auf eigenen wirtschaftlichen Beinen zu stehen. Einzig der Tourismus, und dort vor allem auf West Island, generiert eine gewisse Wertschöpfung.
So leben die Empfänger des Helikopter-Geldes. Auch wenn die Insel klein ist, geht man nicht zu Fuss. Neben ein paar Autos bewegt man sich im Quad oder im Golf-Mobil über die gepflasterten Strassen.
Auf Home Island gibt es nur ein Unterkunft, das Oceania House. Die heutigen Besitzer kauften es bei einer Versteigerung von der australischen Regierung und arbeiten seither an der Wiederherstellung. Sie übernahmen das Haus ohne Möbel. Als Antiquitätenhändler prädestiniert, möblieren sie das Haus mit alten Stücken aus Europa. 4 solcher Zimmer stehen der Gästen zur Verfügung.
Ein Besuch lohnt sich, vor allem für diejenigen, die der Meinung sind, dass Helikopter-Geld eine blitzgescheite Idee sei. Hier kann man sich vom Gegenteil überzeugen.





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