Fragt man Neuseeländer welchen Fjord man im Fjordland an der Südwestecke ihres Landes besuchen sollten, erhält man immer die gleiche Antwort. Der Doubtful Sound sei der bei weitem schönere, der Milford Sound hat jedoch das bessere Marketing.
Dieses Bild findet sich in fast jeder Werbebroschüre von Neuseeland Tourismus; der Mitre Peak am Milford Sound. Den Namen erhielt er von einem britischen Kapitän, der beim Anblick des Berges den Vergleich mit einer Bischofsmütze anstellte.
Der Milford Sound wird wegen der gut ausgebauten, 120 Kilometer langen Strasse (es ist eine Sackgasse) von Te Anau, täglich von Hunderten von Touristen besucht. Bis an diese Stelle gelangt mit dem Auto. Wer noch etwas mehr sehen möchte, steigt auf ein Schiff oder setzt sich ins Flugzeug. Auf der kleinen Landpiste starten und landen fast im Minutentakt Flugzeuge für einen Rundflug. Der Ort ist eher ein Rummelplatz als eine idyllische Oase.
Faszinierend ist der Weg dorthin. Geht es zuerst durch weites, flaches Land, gefolgt von Regenwald und die letzten 40 Kilometer durch alpines Gelände.
Auf dem Rückweg vom Milford Sound steigt die Strasse von Meereshöhe auf 940 Meter an und endet zum Glück nicht an diesem Felsriegel. Der 1953 erbaute, 1.2 Kilometer lange Scheiteltunnel (leicht rechts unterhalb der Bildmitte sieht man den Tunneleingang), erlaubt die direkte Verbindung und ermöglichte den Massentourismus. Vorher war es nur mit dem Schiff entlang der Küste oder mit einer 3 bis 4 tägigen Wanderung über den Mackinnon Pass möglich dorthin zu gelangen.
Der Doubtful Sound hat nicht des Privileg der Anbindung ans Neuseeländische Strassennetz. Los geht es in Pearl Harbour (nicht das berühmte) am Lake Manapouri. In 50 Minuten gelangt man mit dem Schiff auf die Westseite des Sees. Von dort führt eine Strasse über einen 450 Meter hohen Pass zum östlichsten Zipfel des 40 Kilometer langen, schmalen Meeresarm.
Am Sound angekommen geht es wieder aufs Schiff, was uns in etwa einer Stunde (es fährt 20 knoten schnell) an den Ausgang in die Tasmanische See bringt.
So oder dramatischer bei typisch schlechtem Wetter für die Tasmanische See hat sich für James Cook bei seiner Umrundung der Südinsel 1776 die Situation dargestellt. Er entschied nicht in dieses Nadelöhr einzufahren, da er sich nicht sicher war mit seinem Schiff Endeavour segelnd wieder heil heraus zu kommen. Daher gab er dem Ort den Namen Doubtful Sound.
Wir geniessen einen für dieses Seegebiet fast windstillen Tag mit nur wenige Schwell, der an der Küste einen leichten Dunst erzeugt.
In der Sprache der Maori heisst der Doubtful Sound Ort der Stille. Dass dieser Name mehr als passend ist, konnten wir uns leicht überzeugen.
Unser Kapitän stoppte an dieser Stelle in einem Seitenarm alle Aggregate des Schiffs und forderte uns auf zu schweigen, nicht herum zu laufen sowie die Fotoapparate für einen Augenblick nicht zu betätigen. Wirklich ein Genuss diese Stille, weitab von jeder menschlichen Zivilisation.
Dass man überhaupt mit vertretbarem Aufwand hierher kommt, liegt am Bau eines Wasserkraftwerks in den Fünfziger Jahren für den Betrieb einer Aluminium-Schmelze in Invercargill.
Schon 1905 gab es die ersten Ideen den auf 180 Meter über dem Meer liegenden natürlichen Manapouri Lake für die Stromerzeugung zu nutzen. Das Wasser wird auf der Westseite des Sees gefasst und direkt auf die in einer Felskaverne auf Meereshöhe liegenden Turbinen geleitet. Die Ausleitung des Wassers erfolgt über einen 10 Kilometer langen Stollen in den Doubtful Sound. Daher ist an der Oberfläche ausser dem Einlaufbauwerk, der Schaltanlage und dem Betriebsgebäude nichts zu sehen.
Der Bau der Kaverne mit einem spiralförmigen in den Fels gebauten Erschliessungstunnel ist eine technische Meisterleistung. Zudem es keine Strasse bis zur Baustelle gibt. Einzig mit dem Schiff über den See oder das Meer wurden die Mitarbeiter und das Material befördert. Leider war das Kraftwerk gerade in Revision, sonst hätte unser Tagesausflug den Besuch der Maschinenhalle mit der Fahrt durch den spiralförmigen Tunnel eingeschlossen.
Bedenkt man, dass es an mehr als 200 Tagen im Jahr hier regnet, die Niederschlagmengen in 24 Stunden 300 Millimeter und im Jahresschnitt 7 Meter (der Rekord liegt bei 12 Meter) betragen, hatten wir mit zwei Sonnentage grosses Glück. Wir schlissen uns der Meinung der Neuseeländer an, dass der Besuch des Doubtful Sounds der interessantere ist, wobei die Fahrt zum Milford Sound und der Blick auf den Mitre Peak auch ein Highlight unserer Reise durch Neuseeland ist.










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